Gotteshaus auf dem Predigtstuhl wurde vermutlich während erster Türkenbelagerung zerstört
Krems - Bei Ausgrabungen ist das Fundament
der mittelalterlichen Kirche St.
Georg entdeckt worden. Das lange
gesuchte und in vielen Quellen erwähnte Gotteshaus auf dem Predigtstuhl war vermutlich
während der ersten Türkenbelagerung zerstört worden.
Die Grabungen wurden vom Bundesdenkmalamt (BDA), dem Institut für Ur- und
Frühgeschichte der Universität Wien sowie dem Verein "Freunde der Kirche St.
Georg auf dem Göttweiger Berg" vorgenommen und fanden im Rahmen eines Forschungsprojektes zur Geschichte
des Göttweiger Berges statt.
Estrichboden aus Kalkmörtel
Zwei Steinmauern seien "eindeutig als Fundament einer
kleinen mittelalterlichen Kirche identifiziert" worden. Im Innenraum sei ein
Estrichboden aus Kalkmörtel freigelegt worden, aus dem eine Silbermünze, ein
sogenannter Wiener Pfennig, aus der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts stamme.
Dieser Fund passt laut BDA gut zur historisch überlieferten letzten Neuweihung
der Georgskirche im Jahr 1463, der eine Renovierung des Baus vorangegangen sein
dürfte.
Traufbestattungen
In einem Traufgraben seien Überreste mehrere Säuglinge bzw. Frühgeburten
geborgen worden. Es habe sich wohl um sogenannte Traufbestattungen ungetaufter
Kinder gehandelt, so das BDA. Das Grab eines Erwachsenen sei ebenfalls
freigelegt worden. Ob sich neben der Kirche auch ein regulärer Friedhof befunden
hatte, sei noch nicht geklärt.
Der Göttweiger Berg sei bereits in der Urgeschichte ein prominenter
Siedlungsplatz gewesen und heute vor allem durch den weitläufigen Stiftskomplex
bekannt. Die lange "vorklösterliche" Geschichte des historischen Ortes gilt aber
als bisher kaum erforscht. Im Rahmen eines Kooperationsprojektes zwischen dem
BDA, dem Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Wien und dem Verein
"Freunde der Kirche St. Georg auf dem Göttweiger Berg" werden bereits seit
mehreren Jahren archäologische Ausgrabungen auf dem südlichen Gipfel, dem
Predigtstuhl, durchgeführt. (red/APA)