Schmiergeldkonten in Österreich

08. Februar 2010 17:32

Nach Einstellung der britischen Ermittlungen gegen Mensdorff-Pouilly werden Details bekannt - Dass auch in Österreich alle Verfahren eingestellt werden, ist unwahrscheinlich

Wien - Der Fall Mensdorff-Pouilly schlägt weiter hohe Wellen. Am Montag zitierte die britische Zeitung Guardian aus Ermittlungsprotokollen, laut denen der österreichische Waffenlobbyist, der sich seit Sonntagabend wieder in Österreich befindet, im Zentrum eines "ausgeklügelten" Bestechungsnetzwerkes stand. Ab 2002 seien "korrupte Praktiken" eingesetzt worden, um an lukrative Verträge für Kampfjets in Mitteleuropa zu kommen. Mehr als zehn Millionen Pfund seien für das Schmieren von Amtsträgern und Funktionären in Österreich, Tschechien und Ungarn aufgewendet worden. 70 Prozent des Geldes sei auf österreichischen Konten gelandet.

An der Einstellung des Verfahrens gegen Mensdorff in England ändert das freilich nichts mehr. Wie berichtet hat sich der Rüstungskonzern BAE, der die Saab Gripen herstellt, zur Zahlung einer Strafe von rund 328 Mio. Euro verpflichtet. Im Gegenzug werden die Ermittlungen in England und den USA (dort wurde ein Großteil der Strafe gezahlt) im Zusammenhang mit Geschäften in Saudi-Arabien, Tschechien und Ungarn eingestellt. Derartige "Deals" sind eine Besonderheit des angloamerikanischen Rechtssystems.

Welche Auswirkungen der Deal auf Österreich hat, ist juristisch kompliziert. Grundsätzlich gibt es ein Schengen-Abkommen, wonach niemand wegen ein und desselben Sachverhalts ein weiteres Mal in einem anderen Land strafrechtlich verfolgt werden darf. Laut Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshof gilt dieses Prinzip nicht nur für Gerichtsurteile, sondern auch für "verfahrensbeendende Maßnahmen der Staatsanwaltschaft", erklärte der Strafrechtler Robert Kert von der Uni Wien im Standard-Gespräch.

Es sei aber fraglich, ob ein Deal, den BAE abgeschlossen hat, automatisch auch für dessen "Mitarbeiter" Mensdorff-Pouilly gelte, sagt Kert. Schließlich zahle die Strafe BAE und nicht Mensdorff. Dessen Anwalt HaraldSchuster, der die Unschuld des Lobbyisten beteuert, bestätigt:"Von ihm kommt kein Euro." Außerdem könne das Doppelbestrafungsverbot auch nur für den gleichen Sachverhalt gelten, sagt Kert. Hier komme es also stark auf die genaue Begründung der Briten für die Einstellung an.

In Österreich wird gegen Mensdorff wegen des Verdachts auf Geldwäsche und Bestechung im Zusammenhang mit Gripen-Geschäften in Ungarn und Tschechien ermittelt. Im Vorjahr saß der Burgenländer deshalb ein Monat in U-Haft. In Ungarn und Tschechien wurden die Ermittlungen aber bereits eingestellt.

Anhängig ist auch noch eine Korruptions-Anzeige, die sich auf den österreichischen Eurofighter-Kauf bezieht. Zur Erklärung: Mensdorff hat zwar für den Eurofighter-Mitbewerber Gripen lobbyiert, BAE ist aber auch am Eurofighter-Konsortium beteiligt. Bei diesem Vorwurf sei das "Substrat aber sehr dünn", heißt es in der Staatsanwaltschaft.

Und schließlich wird dem Ehemann der VP-Politikerin Maria Rauch-Kallat noch eine falsche Zeugenaussage im Eurofighter-U-Ausschuss vorgeworfen. Er hatte dort ausgesagt, wegen der Waffengeschäfte keinen Kontakt zu Politikern oder Beamten in Österreich und anderen Ländern gehabt zu haben. Ein Verwandter Mensdorffs gab später aber an, ein Treffen mit dem damaligen tschechischen Premierminister Miloš Zeman und dessen Finanzminister eingefädelt zu haben.

Auf letztere Ermittlungen könne das in England eingestellte Verfahren keine Auswirkungen haben, sagt Kert. Lässt sich die Rechtslage bei den anderen Vorwürfen nicht klären, müsste wohl der Europäische Gerichtshof entscheiden, ob die Verfahren auch in Österreich eingestellt werden müssen. (Günther Oswald, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2010)

Link: Der Artikel des Guardian

Kommentar posten
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Dalien
 
10.02.2010 10:44
Dunkle Wolken.

Wir sind aus der Rezession? Das ich nicht lache!
Dem Euro steht das Wasser bis zum Hals und wir haben soviele Arbeitslose wie noch nie zuvor.

Einige Leutchen wie Politiker, Banker, Günstlinge und die gesamte Kamarilla unserer Politszene (ja, da gehört auch F. Stronach dazu) feiern auf unsere Kosten ein Fest nach dem anderen.
Korruption, Mißwirtschaft, Dilettantismus, Arroganz und maßlose Überheblichkeit der Verantwortlichen nimmt exponentiell zu.
Die Staatsverschudungen nehmen ebenfalls exponentiell zu.
Die Justiz, die uns verfassungsgemäß vor solchen Zuständen bewahren sollte, ist in sich wie ein nasser Schwamm selbst durch Korruption und Günstlingswirtschaft durchdrungen.

Blöde Frage: Wohin soll das führen?

kasimir4
10.02.2010 04:36
zensur bei der "fma betrugsverdacht" vertuschung
 
09.02.2010 15:22
was wird wohl heraus kommen?

eine övp-justizministerin, eine mit dem beschuldigten angetraute ehem. övp-ministerin, eine staatsanwaltschaft die gerne sachen übersieht, viele schwarzgeldkonten genießer,...

donquichotesenior
09.02.2010 17:19
NICHTS !

Bijan1
09.02.2010 14:54
Wer wurde den geschmiert?

Es steht also offenbar zweifelsfrei fest, dass Mensdorf einem Netzwerk von Koruptionisten angehört. Die zweite Frage ist aber noch nicht gestellt. Wer hat in Österreich Geld erhalten? So schwer ist es ja nicht da nachzuforschen, da die Zahl der Entscheidungträger ja recht überschaubar ist. Vielleicht sollte man mal den schönsten und besten aller Finanzminister in Beugehaft nehmen. Mal schauen ob sich unsere Justiz traut, oder alles sowieso wieder unter den Teppich gekehrt wird. KHG war leider nicht fähig die Tragweite seiner Entscheidung abzusehen - oder die Sache ist jetzt leider verjährt, oder wir können den Akt leider nicht finden, oder ......

ciciban
09.02.2010 13:13
Der Waffenlobbyist geht jeden Sonntag in die Kirche

Ich habe mich schon lange gefragt, wer heute noch am Sonntag in die Kirche geht.

Zivilgeselle
10.02.2010 11:31
Scheinheilige ÖVP Ministerinnen

Die Eheannulierungen von Rauchischen Kallat und Ferrero Waldner sind sensationell scheinheilig. http://www.wien-konkret.at/soziales/... ullierung/

Die Schottermizzi tritt auch immer so "warmherzig" auf und ist eine Ausgeburt an Nächstenliebe.

Beim Waffenhändlern überwiegt natürlich auch die christlich-soziale Marktwirtschaft äh. Nächstenliebe: Der hat schwere Koffer mit Spendengeldern verteilen lassen, wie der heilige Nikolaus. Und er lädt immer die Hungrigen (Eliten) in seine Schlösser und dann gehen sie jagen, um endlich etwas zum Essen zu haben.

Alfred Urban
09.02.2010 19:04
Vergleiche

Der 30 jährige Krieg ist wegen des Ablasshandels ausgebrochen.

Christian Eder
09.02.2010 13:09
Historisches Versäumnis

Das kommt davon, dass wir keine Revolution wie 1789 in Frankreich gehabt haben. Österreich ist ein korrupter Feudalstaat geblieben- nebst Untertanenmentalität.

NM10
09.02.2010 13:42

Christian Eder, geh Du voran!

Rudi der Grosse
09.02.2010 13:01
20 mio

20 mio für mich und die sache hat sich erledigt.

ein faires angebot denke ich.

I love Klimawandel
09.02.2010 12:58
Wer waren die Empfänger

Wäre ja auch nicht uninteressant zu erfahren, wer denn das ganze Schmiergeld bekommen hat. 70 Prozent des Geldes sind laut Artikel auf österreichische Konten geflossen. Auf wessen? Was ist mit dem Geld geschehen? Das muss sich doch nachvollziehen lassen!

Killer Bunny
09.02.2010 12:45

Mittlerweile kann ich mir gut vorstellen, dass er sich extra in England hobsgehen hat lassen. Die Beziehungen seiner Familie gehen geschichtlich bis ins Königshaus. Freikaufen lassen und keine weiteren Anklagen mehr. Jetzt muss nur noch die unbeugsame Claudi mitspielen.

ceiberweiber.at
09.02.2010 14:18
Naja....

wollen wir nicht zu sehr spekulieren.... und doch an gerechtigkeit glauben, es wird sie doch irgendwo geben....eben hier in österreich....

Schneck4ever
09.02.2010 12:57

der Gedanke kam mir auch schon.

Dieser Typ ist der personifizierte moralisch-ethische Bodensatz des Abendlandes...

Lebenslängliche Zwangsarbeit in einem Bergbau-Stollen - hartes Brot, abgestandenes Wasser, kein Sonnenlicht und ein klingonischer Sadist als Aufseher, das wünsch ich ihm von Herzen!
(so viel zum Gutmensch :))

Dalien
 
10.02.2010 10:59
Hartes Brot und Wasser ist obsolet.

Gefangene sollen nur mehr Gummibärchen und Sauerkraut erhalten.

Das ist viel wirksamer.

Killer Bunny
09.02.2010 17:31

Innerhalb der Juristerei und seinen Kreisen würde man das als einen brillanten Schachzug bewerten.

Bumo1
09.02.2010 12:44
na man könnte Ihm bis zur Klärung des Sachverhalts ...

mal sicherheitshalber 1 bis 2 Jahre in Untersuchungshaft sitzen lassen wie den Elsner.

Wenn man dann wirklich gaaaaanz, gaaaanz sicher ist das er in Österreich kein zweites mal geklagt werden kann dann entschuldigt man sich halt

donquichotesenior
09.02.2010 17:23
Das geht nicht !

ESNER ist oder war ein Roter, da ist die U-Haft gerechtfertigt.

verteilerkreis
09.02.2010 12:52
das können Sie nicht vergleichen:

beim Elsner gibt es Fluchtgefahr.

Walther von der Vogelweide, der 1.
09.02.2010 12:40
Dass auch in Österreich alle Verfahren eingestellt werden, ist unwahrscheinlich

Bevor der Herr Mensdorff-Pouilly in Österreich verurteilt wird, ist es eher wahrscheinlicher, dass die SPÖ ihre Wahlversprechen einhält.

Da kann ich gleich als Einzelgewinner auf eine Jackpot hoffen ..

thermik2000
 
09.02.2010 12:38
Nur so zum Nachdenken

Wer zahlt bestimmt.Das Gesetz wird gekauft nicht beschlossen. Finanztechnisch leben wir im Mittelalter und das wird auch so bleiben.Ich für meinen Teil habe jegliches Vertrauen verloren vielleicht im nächsten Leben.

Sad Dad
09.02.2010 12:30
Aber wehe unsereins klaut einen Kaugummi, dann wirst im Supermarkt erschossen...

eigentlich sollte das Volk auch mal wieder seine Macht demonstrieren und ein paar hundert Millionen Steuern verweigern bis die Sache lückenlos geklärt ist, ebenso wie die Causa KH Grasser usw...

global_citizen
09.02.2010 12:27
Nebenaspekt: Arbeitsplätze für Ingenieure

was mich an der Eurofighter Diskussion besonders aufregt ist die Tatsache das EADS keinen einzigen
Entwicklungsstandort in Österreich betreibt, d.h. es
gab de Fakto keine nachhaltigen Gegengeschäfte.
Die Regierung hat es komplett verabsäumt wenigstens eine kleinen Standort "hineinzureklamieren". So ein Entwicklungsstandort
wäre Balsam auf die Wunden der Deindustrialisierung besonders im Wiener Raum.
Hingegen konnte man im ORF erfahren dass unser edler Graf irgendeinem Bauernsohn aus Luising einen Posten in Wien "verschafft" hat.

thomse
09.02.2010 12:20
solche lüt müsste man das konto enteignen und budgetlöcher stopfen...

herr m-b wird sich denken: "na schen bin i net aber dafür hob i göd ... deis mögen die frauen... haha - ICH BIN BLAUES BLUT! :)"

"tja hinter einem groasn monn steht a eifernde frau"
" tja .. övp sehnsüchte mmh" frau rk: "na a stattlicher mann, und an adelstitel (habsburg legalisieren haha selten so gelacht) und geld... mei sexy so a schiesswütiger kerl..."
"hab echt nix gegen sümpfe aber nur in naturschutzgebiete.." concl:österreich wohin gehst du (na der kleine mann der fpö/ bzö/Fc(p)k ist wohl nicht der, der wenig am konto hat, sein. hihi ich lach mich platt(er)..aber auch du liebe spö (die klima vraniztky katastrophe) scheinst wohl in der sache verstrickt zu sein.(oder nicht?) -> na hoffentlich nicht! denn wer soll dann ö regieren ??


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