"Lottelo" droht das Aus

08. Februar 2010 14:26
  • Artikelbild

Ministerium: Spiel bräuchte Glücksspiel-Konzession - VKI warnt - Firma wehrt sich gegen "geschäftsschädigende Äußerungen"

audDem neuen SMS-Gewinnspielanbieter Lottelo droht wenige Tage nach seinem Start am 22. Jänner das Aus. Das Finanzministerium kam bei der Überprüfung des Geschäftsmodells zur Erkenntnis, dass Lottelo unter das Glücksspielgesetz fällt und eine entsprechende Konzession bräuchte. Heute, Montag, wird das Ministerium seine Rechtsansicht an die zuständige Bundespolizeidirektion Wien weiterleiten, hieß es aus dem Finanzstaatssekretariat.

"Mit sofortiger Wirkung"

Schließt sich die Behörde der Meinung des Finanzministeriums an, könnte der Betrieb wohl "mit sofortiger Wirkung" eingestellt werden. Außerdem drohen Lottelo Strafen von bis zu 22.000 Euro - "ob täglich oder in welchem Zeitabstand ist Sache der Behörde", so das Finanzressort. Sollte sich der Betreiber ins Ausland absetzen, würde sich der Fiskus die Glücksspielgebühren (25 Prozent des Gewinns) wahrscheinlich direkt bei den Spielern holen. Nach Ansicht des Finanzressorts müsste der Lottelo-Teilnehmer in diesem Fall 250.000 Euro zahlen, wenn sein Freund 1 Mio. Euro gewinnt.

Jedenfalls werde die Finanzverwaltung auch Geschäftsmodelle wie Lottelo gebührenrechtlich zu prüfen haben und gegebenenfalls die Abgaben einfordern, hieß es aus dem Büro von Finanzstaatssekretär Reinhold Lopatka.

70 Cent

Bei Lottelo kann der Spieler nicht selbst gewinnen, sondern nur der, dessen Mobilnummer per SMS (70 Cent) eingesendet wurde. Theoretisch winkt täglich 1 Mio. Euro, die Gewinnchance beträgt allerdings nur 1:12 Mio.. Alternativ ist auch die (kostenlose) Teilnahme per Postkarte möglich. Lottelo-Gründer Daniel Goldscheider ist davon überzeugt, dass es sich dabei um kein Glücksspiel handelt.

Das Finanzministerium wiederum ist der Ansicht, dass dieses Geschäftsmodell alle vier Kriterien der im Glücksspielgesetz definierten "Ausspielung" erfüllt, wie aus der "Information zu Lotteriespielen über Mehrwert-SMS" hervorgeht, die am späten Freitagnachmittag auf der Homepage des Finanzressorts veröffentlicht wurde. Lottelo stelle beispielsweise jedem Teilnehmer einen "vermögensrechtlichen Gewinn" in Aussicht, wobei der Spieler das Geld seinem Freund widme.

"Das ist einfach falsch"

"Das ist einfach falsch", entgegnete Goldscheider auf APA-Anfrage. Der Lottelo-Teilnehmer schließe einen "Vertrag zugunsten Dritter" ab und profitiere "zu keinem Zeitpunkt" von der Teilnahme.

Dass auch per Postkarte gespielt werden kann, tut dem Ministerium zufolge nichts zur Sache. Diese Möglichkeit sei "nicht als gleichwertig zu einem elektronischen Medium anzusehen", die Postkarten-Teilnehmer gegenüber den SMS-Spielern "erheblich benachteiligt".

Goldscheider findet es "einfach bedauerlich", dass sich das Ministerium bzw. Lopatka "nicht einmal die Spielregeln durchlesen". Der Unternehmer hätte sich außerdem gewünscht, dass das Finanzressort mit ihm Kontakt aufnimmt, bevor "geschäftsschädigende Äußerungen" via Medien getätigt werden.

"Insbesondere Jugendliche sind gefährdet, sich durch exzessives Spielen sogar zu verschulden."

Selbiges gelte für den Verein für Konsumenteninformation (VKI), der heute in einer Aussendung erneut vor Lottelo warnte: "Insbesondere Jugendliche sind gefährdet, sich durch exzessives Spielen sogar zu verschulden." Die Idee hinter Lottelo sei ein "genialer, aber sehr gefährlicher Marketing-Trick". Das Motto laute: "Mag er Dich, dann spielt er auch für Dich." Das erzeuge einen "erheblichen psychologischen Zwang" bei den Freunden, ebenfalls mitzumachen. "Daraus entsteht ein Schneeball-System", meinte der VKI. Die Verbraucherschützer haben bereits vergangene Woche eine Unterlassungsklage gegen Lottelo eingebracht. VKI-Chefjurist Peter Kolba rechnet mit einem "raschen und klaren Verbot durch das Gericht".

Dass sich die Lottelo-Spieler selbst strafbar machen könnten, glaubt Lopatka nicht. "Allerdings tragen sie ein gewisses finanzielles Risiko wegen der möglichen Gebührenpflicht" - sollte der Betreiber untertauchen. Goldscheider wies das scharf zurück. Diese Spekulation sei "wirklich geschäftsschädigend" und "entbehrlich". Die Teilnehmer trügen "kein Risiko", die Gewinne (theoretisch täglich 1 Mio. Euro) seien ein Jahr lang mit 365 Mio. Euro versichert.

Aus der Luft gegriffen

Der Lottelo-Chef ist guter Dinge, "dass wir den Polizeijuristen klarmachen können, dass die Vorwürfe des BMF aus der Luft gegriffen sind". Nötigenfalls werde man alle drei Instanzen durchlaufen. Wieviele Personen momentan spielen, wollte Goldscheider nicht bekanntgeben. Nur so viel: "Wir wachsen nach wie vor." (APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 87
1 2 3
digibiz
18.02.2010 17:09
wann kommt endlich die schlagzeile : lotello ist geschichte

Sudokusan
12.02.2010 18:55
Wie kommt der STD. auf die Wahrscheinlichkeit 1:12Mio??

Wenn einmal am Tag eine bestimmte Summe ausgespielt wird hängt die Wahrscheinlichkeit von Anzahl der Teilnehmer ab.
Wenn theoretisch 2e6 mitspielen gewinnt jeder was (ein Freispiel die meisten aber 114 auch Geld einer die Mille mit 1:2Mio). Erst ab 1539286 Spielern pro Tag gibts einen Gewinn (ohne Betriebskosten) für den Betreiber, ich denke das Problem ob das legal ist wird sich schnell erledigen.

hcl
14.02.2010 15:54

Ich nehme einmal an, daß hier die Gewinnwahrscheinlichkeit für die Million genommen wurde.

Dr.mumunator
10.02.2010 13:22
Gut so

allein dass die idiotische Werbung verschwindet

spoiled ballot
10.02.2010 07:51
wie hat so etwas überhaupt starten dürfen

perönliche daten nehmen an verlosungen teil, noch dazu werden sie nicht vom betroffenen abgegeben, und nicht alle möglichen gewinnzahlen können gespielt werden.

system1
15.02.2010 16:05
wie wir seit der steuer-cd aus der schweiz wissen

sind daten ja nix, was man unbefugt weitergeben kann. also vollkommen in ordnung.

wilko0070
 
09.02.2010 15:27
Was soll ich nur ohne Lottelo machen?

Kreuzeln? Rubbeln? Drehende Scheiben in Gios Automaten anglotzen?

Ich fürchte, mein Leben wird in Zukunft ziemlich öde aussehen.

taranto1
09.02.2010 13:24
Das ist wie bei Hausverlosungen...

Wenn der Verloser die Glücksspielgebühren nicht abführt, muss der Teilnehmer sie dann bezahlen. Gefährlich!

Nicht umsonst gibt es genaue Gesetze. Um eben Abzocke zu verhindern.

system1
15.02.2010 16:06
komisch

die gesetze reichen über die schikane einiger kleiner unternehmen kaum über den tellerrand hinaus. die grosse abzocke seitens der staaten und der eu wird weiter forciert.... alles nur ablenkung.

Michael Hein
 
09.02.2010 13:17
Dieses böse Lottelo

Der VKI, die Polizei und co. sollten sich lieber mal Banken und andere Finanzdienstleister ansehen. Die richten ganz offiziell und legal mehr Schaden an.

die Resi-Tant Evil
11.02.2010 20:29

Und bis die Polizei nicht alle Mörder gefangen hat, soll sie alle Bankräuber, Einbrecher, Autodiebe etc. laufen lassen, weil das ja eine Frage der Prioritäten ist, oder wie?

The Dark
09.02.2010 13:04
Und das staatliche Lotto

zieht nicht den Leuten das Geld aus der Tasche? Wo ist da der große Unterschied? Wieviele Niedrigverdiener gibt es, die Woche für Woche mehrere Scheine "spielen" wei sie an das große Glück glauben?

question-mark
 
11.02.2010 13:15

Darum gehts ja nicht. Vielmehr hat der Staat eine einzige Glückspiellizenz vergeben, die es zu verteidigen gilt. Da könnte ja sonst jeder kommen.

9live und Co sind Geschicklichkeitsspiele. Daher braucht man dort wie auch bei jeder anderen Verlosung eine noch so dumme Gewinnfrage, sonst wäre es wieder ein Glückspiel.

Juristisch interessant an Lottelo ist die Tatsache, dass man nicht direkt sondern nur über einen Dritten mitspielen kann.

Das ganze System ist mit viel Aufwand sehr geschickt gemacht, daher bin ich skeptisch ob sich das so einfach abdrehen läßt.

Um Spielerschutz usw gehts beim Glückspiel immer nur als vorgeschobenes Argument. Tatsächlich will man den Kuchen einfach nicht teilen - wozu auch?

Jim Kirk
09.02.2010 13:28

Ich nehme doch start an dass die lotto gesellschaft eine konzession fürs glückspiel hat und steuern abführt. Das macht lottello eben nicht, ausserdem sind die gewinnquoten aberwitzig niedrig.

wilko0070
 
09.02.2010 12:02
Da will ich als Mäzen den Österreichern mit Mobiltelefon

eine Freude machen und jeden Tag per SMS 12 Millionen Telefonnummern bei Lottelo melden; schon kommen die Finanz-Bürokraten aus ihren Löchern gekrochen und verderben einem den ganzen Spaß!

Liebe Ministerialbeamte, so klappt es nie mit dem Wirtschaftsaufschwung in Österreich!

wilko0070
 
09.02.2010 15:15
Was hilft's? So muss ich wohl wieder zurück

zu "9Live" und dort mein Telefongeld ausgeben ...

Ich bin übrigens derjenige, der immer gleich auflegt, wenn er die richtige Leitung trifft. Und dies passiert ja bei "9Live" ziemlich häufig.

system1
09.02.2010 11:29
typisch österreichische behördenwüste.

jede idee sofort einmal per se schlechtmachen und den gesamten beamteapparat natürlich nur im dienste des bürgers gegen unternehmer aufbringen. hallo, wir leben nicht mehr in kaiser franz zeiten. es gibt internet!!!! dass da hoffentlich ständig mehr neue geschäftsmodelle entstehen die nicht in das beamtenschema passen ist wohl klar!!!! die behörden sollen sich lieber um offensichtliche kriminelle kümmern (hypo, buwog etc.)!!!!

robert rittersmann
10.02.2010 08:58

ist Ihnen lieber, dass man erst nach einigen Jahren auf die Betrügereien kommt und der Betrüger sich dann mit einigen Millionen ins Ausland abgesetzt hat?

Jim Kirk
09.02.2010 13:30

Was hat denn die existenz des internet damit zu tun dass da jemand ohne konzession kohle machen will?

Herzerzog Johann
09.02.2010 10:24
Wie schrieb ich vor ein paar Tagen hier irgendwo:

"Das Geschäftsmodell wird nicht alt ... "

;-)))

Freigeist
09.02.2010 09:20
wer bei lottelo mitspielt, ist optimist

die gewinnchancen nicht der rede wert (bestenfalls für statistische zwecke).

mich wundert bei dem system eher, dass telefonnummer ausgelost werden, die es nicht gibt.

das ist, wie wenn lotto die ziehung aus 1 aus 90 macht und die spieler nur 1 aus 45 tippen können.

wenn sich der staat schon einmischt, dann sollte er aufklären und nicht verbieten!

und wenn man auf den marketing-trick verweist, sollte man nicht aus den augen verlieren, das modernes marketing im allgemeinen auf manipulation und nicht auf information ausgelegt ist.

auch hier wäre eine aufklärung sinnvoller als ein verbot.

Gerhard1967
09.02.2010 13:13
LOL ...

... das heißt die Lottoziehung muss auch wiederholt werden, wenn keiner die Richtigen hat? Sowas nennt man dann Jackpot ...

Liebe Grüße

Freigeist
09.02.2010 15:07
nein, es sei denn, sie ziehen aus einem zahlenpool

den es auf den gewinnscheinen nicht gibt.

lottelo zieht ja auch aus einem pool fiktiver nummern, die es nicht gibt.

melhor
09.02.2010 09:19

Dann könnte man diverse "Finanz- und Vermögensoptimierer" auch gleich schließen: die Urväter des Schneeballsystems.

Dr. Prof. Senf
09.02.2010 08:45
"Insbesondere Jugendliche sind gefährdet, sich durch exzessives Spielen sogar zu verschulden."

Willkommen in der Realität Ihr Schiffsschaukelbremser.
Dann macht doch bitte weiter bei den ganzen Automaten und anderen windigen Abzockmethotden.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 87
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.