"Die Titel-Mania ein Stück weit mäßigen"

14. Februar 2010, 16:50
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    In Österreich gelten Titel als sehr beliebter Namensschmuck

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    Jörg Markowitsch, Leiter des Departmens für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement an der Donau-Universität Krems zum Thema Magister versus Master: "Ein früherer akademischer Grad muss nicht unbedingt an Wert verlieren."

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    Hans Pechar, Leiter des Insituts für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung an der Universität Klagenfurt: "Ich vermute, dass diese Titel nach kurzer Gewöhnungsphase gleichwertig behandelt werde."

     

Master, Magister oder Diplom-Ingenieur - welcher Titel ist "mehr wert"? - Interview mit zwei Bildungsexperten

Aufgrund des Bologna-Prozesses tragen immer mehr künftige Hochschulabsolventen den Master-Titel. Aber auch der Magister-Titel verschwindet nicht ganz: Er bleibt zumindest vorerst bei jenen Studien bestehen, bei denen der akademische Grad im Curriculum noch mit "Magister" festgesetzt ist. Laut Wissenschaftsministerium gibt es keine gesetzliche Auslauffrist, die eine Änderung vom "Magister" auf den "Master" bis zu einem bestimmten Zeitpunkt vorschreiben würde. Auch der Titel des Diplom-Ingenieurs bleibt bestehen, da er ein Bologna-konformer Master-Grad ist.

Welcher dieser drei Titel ist nun im Berufsleben "mehr wert"? DerStandard.at hat bei den beiden Bildungsexperten Jörg Markowitsch, Leiter des Departmens für Weiterbildungsforschung und Bildungsmanagement an der Donau-Universität Krems, und Hans Pechar, Leiter des Insituts für Wissenschaftskommunikation und Hochschulforschung an der Universität Klagenfurt, nachgefragt.

derStandard.at: Sehen Sie für die Träger des Magister-Titels künftig einen Nachteil am Arbeitsmarkt? Könnte er etwa das Image bekommen, "verstaubt" oder ein "Auslaufmodell" zu sein?

Jörg Markowitsch: Personen mit dem akademischen Grad "Magister" werden noch eine ganze Weile die Mehrheit der AkademikerInnen stellen, insofern wird der Titel nicht so rasch aus dem Berufsalltag verschwinden. Davon abgesehen muss ein früherer akademischer Grad nicht unbedingt an Wert verlieren, denken Sie etwa an "Diplom-Kaufmann/-frau".

Hans Pechar: Diese Gefahr sehe ich nicht. Schon bisher hat es mit den Graden Magister bzw. Diplom-Ingenieur unterschiedliche Titel für AbsolventInnen mit gleichem Ausbildungsniveau gegeben. Für Magister, die schon im Berufsleben stehen, nimmt der Signalwert des akademischen Grades ohnehin ab, entscheidend wird die Bewährung beziehungsweise Erfahrung im Beruf.

derStandard.at: Haben Absolventen mit Master-Titel aus Ihrer Sicht im Berufsleben Vorteile gegenüber den Magistern oder Diplom-Ingenieuren? 

Markowitsch: Der Trend ist eher der, dass etwaige Unterschiede zwischen akademischen Graden auf ein und derselben Niveaustufe marginalisiert werden. Zumindest ist dies die Richtung, in die der Bologna-Prozess aber auch der Europäische Qualifikationsrahmen zeigen. 

Pechar: Nein, aus oben genannten Gründen.

derStandard.at: Könnte es für (künftige) Master andererseits von Nachteil sein, dass sich die Wirtschaftswelt erst an den relativ jungen akademischen Grad gewöhnen muss?

Markowitsch: Die Gefahr sehe ich eher für den Bachelor, da es sich dabei ja tatsächlich um ein neues Niveau handelt, das sich erst etablieren muss. Bei der Rekrutierung spielt der akademische Grad bestenfalls als Indikator für das Niveau eine Rolle, nicht aber die jeweilige Bezeichnungsweise. Vielfach wird aber sogar Niveau-übergreifend gesucht. Wenn man etwa liest "HTL-, FH- oder TU-AbsolventInnen gesucht", ist noch nicht einmal spezifiziert, ob Bachelor- oder Master-Niveau.

Pechar: Der einzige Nachteil, den ich sehe, wird in der titelsüchtigen österreichischen Gesellschaft die Schwierigkeit sein, AbsolventInnen mit dem neuen Titel anzusprechen. Man wird dann zum Beispiel "Frau Master" sagen müssen.

derStandard.at: Auch bei den Diplom-Ingenieuren wurde nur zum Teil auf das Bachelor-Master-System umgestellt. Besteht dabei die Gefahr, dass Absolventen mit gleichen Fähigkeiten in der Berufswelt unterschiedlich bewertet werden?

Markowitsch: Die Gefahr der unterschiedlichen Bewertung vergleichbarer Qualifikationen besteht immer, jedoch ist die Einführung neuer Titel dabei wohl das geringere Problem.

Pechar: Die entscheidenden Unterschiede werden sich einerseits gemäß der Stufung in undergraduate (BA) und graduate (MA - bzw. die traditionellen Titel), andererseits entlang fachspezifischer Differenzen herausbilden.

derStandard.at: Fazit: Welcher Titel ist aus Ihrer Sicht "mehr wert": Master, Magister oder Diplom-Ingenieur?

Markowitsch: Die Titel sind grundsätzlich gleichwertig, wenn Sie auch immer Einzelmeinungen finden werden, die anderes behaupten. Leider sind in Österreich Titel maßlos überschätzt. Diese "Titel-Mania" ein Stück weit zu mäßigen hätte viele Vorteile. Schließlich hat die zwischenzeitige Titel-Verwirrung zum Teil ja auch ihr Gutes: Unternehmen prüfen genauer, welche Fähigkeiten sich hinter den Titeln verbergen.

Pechar: Ich vermute, dass diese Titel nach kurzer Gewöhnungsphase gleichwertig behandelt werden. Die fachspezifischen Unterschiede sind wichtiger. (mak, derStandard.at, 15.2.2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
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Kapitalismus Luege
00
22.3.2011, 14:26

Sagt dann die Frau Bachelor of Education (Kindergarten-Tante) zum Kind:

Wir gehen zum Onkel Medical Doctor oder
wir gehen zum Onkel Master der Medizin?

EuroExpert
00
18.2.2010, 08:20
ein einfaches beispiel

ein "commercial director" ohne titel hat viel mehr gewicht und bedeutung als z.b. ein "assistant manager" mit mag. dr. !!!

EuroExpert
01
16.2.2010, 20:51
fakt ist

im internationalen business zählt nur die funktion; nach dem titel kräht kein hahn !

emanze c
00
25.2.2010, 08:56
Eine Frage: Wie viele % der Commercial Director haben Doktor, Master, Magister, und wie viele % der Assistant Manager?


Die Titel werden in den meisten anderen westl Ländern nicht im Alltag verwendet - explizite Voraussetzung für Top Jobs mit etwas mehr Flexibilität bei diesen Anforderungen im angelsächsischen Raum sind sie sehr wohl.Und selbst diese "jeder kann alles schaffen" Mentalität des angelsächsischen Raums wird Lügen gestraft, wenn Top Jobs nicht mal an alle Uni Absolventen gehen können, sondern im überdurchschnittlichen Maß an Absolventen einer bloßen Handvoll Unis Eliteunis gehen, deren glänzende Karriere allein durch die Aufnahme an diesen Unis schon vorgezeichnet ist.

Da ist's mir lieber es ist für Mag. und Dr. vieles offen als wenn viele Türen ohnehin zu sindohne Abschluss einer Eliteuni - unter jovialem Nichtgebrauchen des Titels im Alltag.

slaine mcroth
00
17.2.2010, 17:43


Aha, und was meinen Sie, belegt der Titel einer Universität?

EuroExpert
01
17.2.2010, 19:46

ich bewege mich mittlerweile 10 jahre im ausland, aber nach meinen 2 titeln hat mich noch nie ein geschäftspartner gefragt. es zählt immer nur die rolle und funktion. ist einfach so.....

wo der titel halt noch wichtig ist, ist in österreich bei den ämtern, ärzten und konsorten......aber das wars dann schon...alle die weiterkommen als nach gramatneusiedl brauchen das nicht...

Round'n'round it goes
00
26.2.2010, 10:06

Deine Funktion hast du aber wahrscheinlich auch wegen deiner Titel bekommen. Also hat es nicht mehr viel Sinn, da noch danach zu fragen...

Akuma
00
17.2.2010, 22:49

dem kann ich nur (aus eigener erfahrung) beipflichten. ausser in deutschland und oesterreich fragt niemand nach akademischen titeln oder stellt sich gar damit vor. ich habe oft erst im nachhinein erfahren dass mr. oder mrs. smith (hier kann man einen beliebigen namen einsetzen) ein studium absolviert und/oder promoviert haben, da der titel auch nicht vor dem namen gefuehrt wird. in der regel werden nicht einmal aerzte mit doktor angesprochen.

in oesterreich aber (welches uebrigens, zumindest im europaeischen ausland, deswegen oft belaechelt wird) ist natuerlich alles ganz anders. "Man wird dann zum Beispiel "Frau Master" sagen müssen." wie krank ist das denn?

Round'n'round it goes
00
26.2.2010, 10:07

Ich finde diese Titelschlacht auch lächerlich. Allerdings: In den USA wirst du auch nicht mit "Ms. PhD" angesprochen, sondern mit "Dr." - also wird es statt der "Frau Master" wohl weiterhin "Frau Magister" heißen.

kalle keituri
210
15.2.2010, 16:52
ich finds jetzt nicht soooo schlimm

während es in anderen kulturen und ländern vielmehr darum geht, welchem adelsgeschlecht/familienclan man angehört (d, gb, südamerika), was man besitzt und verdient (usa), wie viele elefanten man erlegt hat oder wie treu man irgendeinem gottähnlichen wesen dient, steht bei uns immerhin noch (aus-)bildung mehr oder weniger im zentrum.

vheissu
06
15.2.2010, 15:35
Kulturrevolution?

Ich sehe schon die verzweifelten und in Tränen aufgelösten Eltern vor meinem geistigen Auge, weil ihr Töchterchen oder ihr Söhnchen keinen ordentlichen Titel nachhause bringt, sondern nur dieses neumodische englische Zeug! Wie sollen die dann zu respektierten Mitgliedern der österreichischen Gesellschaft werden?

Hr. Wolf
44
15.2.2010, 15:11
In meinem Stammkaffee...

In meinem Stammkaffee bin ich der Hr.Dr.,
das zählt mehr als der Bologna Schmarrn.
Vorschlag für Absolventen der Volkshochschule,
nach dem Namen: Vh

James Cole
 
00
18.2.2010, 14:39
hehe

zu mir sagens auch immer "herr meister" !
dabei bin ich magister(FH), so eine frechheit... ;)

broncoo
00
23.1.2011, 08:17

Naja, dank (FH) net einmal ein ganzer ...

Hari Ka
01
15.2.2010, 16:00

Mich nennt man Kaiser (hat nichts mit dem Nachnamen zu tun), hilft mir der Titel nun beim Jobsuchen weiter?

Wuzel Wuz
00
15.2.2010, 16:46

ich denke dass sollte bei vielen kollegen hier hinhauen... einfach mal galant ins gespräch einfließen lassen a la "und dann sagte er zu mir: herr kaiser .... wie sie das alles immer im schlaf lösen..." - und schon ist einem der chefposten sicher ;)

Blanca Hohn
102
15.2.2010, 15:09
wenn schon irgendwas genauso "typisch österreichisch" ist...

dann dieses gespreizte bobo-getue "ach, ich brauch doch meinen titel nicht... mei vater war schon hausherr und ich hab nebem dem studium 2 oder 3 olympia-medaillen g'macht und 4 firmen gegründet... also red' ma doch ned groß drüber"

pleeease, come on! wenn etwas überheblich-eingebildete schleimscheixxxerei ist, dann das.

also ich bin auf meine intellektuellen leistungen stolz und sag das auch jedem auf den kopf zu.

und wenn jemand so präp0tent ist, dass er glaubt, in seinem leben war doch ein studienabschluss nur eine lächerlich marginale fußnote, kann er das ja auch gerne glauben.

gez. Mag.Dr. Blanca Hohn

blablabla blablabla
02
17.2.2010, 21:03
nützt Ihnen alles nichts,

ohne Habilitation sind Sie kein vollwertiges Mitglied der Gesellschaft.

Nevim
01
17.2.2010, 08:45

Stolz können Sie ja drauf sein, aber stolz kann man auf vieles sein. Es gibt Leute, die sind stolz darauf, dass sie drei Kinder haben oder ein Haus. Aber sie schreiben es sich nun einmal nicht auf die Visitenkarte.

Round'n'round it goes
00
26.2.2010, 10:09

Aber sie erzählen's jedem und zeigen Fotos her!

Göttliche Komödie
01
16.2.2010, 19:57
@ Blanca Hohn...

...blanker Hohn wäre wohl angebrachter.

holy genstadt
00
15.2.2010, 16:06
omg

schlimmer gehts immer, vorwärts nimmer...

bunte
03
15.2.2010, 14:46
mehr wert - weniger wert

ist doch völlig egal...solange es an Hofrat gibt :p

El Chó
03
15.2.2010, 14:15
Ich muss da an einen Workshop denken...

... in dem ausschließlich Akademiker gesessen sind. Jeder hatte ein Namenskärtchen vor sich stehen, auf dem er seinen Namen gemäß Anmeldeformular stehen hatte.

Alle Österreicher wurden dann vom Vortragenden konsequent mit "Herr Magister Huber" oder "Frau Doktor Mayer" angesprochen. Die deutschen Kollegen waren halt der Herr Huber oder die Frau Mayer.

Ich hab dann den ganzen Weg zur U-Bahn einer deutschen Kollegin erklären müssen, dass diese Marotte auch vielen Österreichern selbst peinlich ist. Meine Glaubwürdigkeit war aber schon dahin, ich hatte im Feld "Titel" meinen Titel angegeben. Erdboden tu dich auf!

Blanca Hohn
15
15.2.2010, 14:50
das ist völliger schmafu, was sie da erzählen...

...und belegt nur, dass sie noch nie in Deutschland gelebt haben dürften.

die deutschen sind mehr oder weniger so titel"geil" wie wir; nur fängt das dort eben nicht beim Magister an, weil es in D keinen Magister gibt (sondern nur Diplomphysiker, -chemiker,...). auf den Doktor dafür fahren sie aber genauso ab...

im übrigen darf's in D auch gerne ein "Prinz von und zur Schaumrolle" sein, was in Ö immerhin offiziell verboten ist und ich wesentlich sympathischer finde (eigene leistung versus ererbte nicht-leistung).

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