Plagiatsvorwurf

Helene Hegemann soll kopiert haben

08. Februar 2010 16:47
  • Artikelbild
    Foto: mae ost

    Des Plagiats verdächtig, Helene Hegemann.

Der Nachwuchsstar der deutschen Literaturszene äußert sich zur Verteidigung: "Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit"

Berlin - Helene Hegemann, die 17-jährige Autorin des Überraschungs-Bestsellers "Axolotl Roadkill", ist unter massive Plagiatsvorwürfe geraten. Prompt folgte die Verteidigung: "Originalität gibt's sowieso nicht, nur Echtheit", schrieb der Nachwuchsstar in einer vom Ullstein Verlag verbreiteten Erklärung. "Das, was wir machen, ist eine Summierung aus den Dingen, die wir erleben, lesen, mitkriegen und träumen."

Der Blogger Deef Pirmasens sieht das anders. Auf seiner Internetseite hatte er Hegemann vorgeworfen, ganze Passagen ihres Buches aus dem im vergangenen Jahr erschienenen Roman "Strobo - Technoprosa aus dem Berghain" von einem Autor Airen übernommen zu haben. Hegemann räumte ein, sie sei "total gedankenlos und egoistisch" gewesen, weil sie nicht alle Menschen erwähnt habe, deren Gedanken und Texte ihr geholfen hätten. "Inhaltlich finde ich mein Verhalten und meine Arbeitsweise aber total legitim."

Copy&Paste-Literatur

Der Fall macht deutlich, wie schmal der Grat zwischen Ideenklau und gegenseitiger geistiger Befruchtung geworden ist. In Zeiten, in denen Copy & Paste, Kopieren & Einfügen zu einem der wichtigsten Handgriffe der Computerarbeit geworden ist, fällt die Abgrenzung oft schwer.

Hegemann erzählt in ihrem Buch aus der Perspektive eines 16 Jahre alten Mädchens, das sich durch eine kaputte Welt voller Sex, Drogen und Zynismus schlägt. Sie habe ihre Freunde, andere Autoren und auch sich selbst dabei total beraubt, schreibt sie. Von Airen habe sie eine Seite regelrecht abgeschrieben, habe damit aber auch in Kommunikation mit ihm treten wollen.

Der Ullstein Verlag, der stolz schon den Ausverkauf der ersten Auflage gemeldet hatte, schob indirekt der jungen Autorin den Schwarzen Peter zu. "Offenkundig hat sie die Tragweite dieser Frage unterschätzt und ist auf Quellen und Zitate aus dem Netz - wie etwa den Blog von Airen - nicht eingegangen", erklärte Geschäftsführerin Siv Bublitz.

Blogger Pirmasens, der "Axolotl" und "Strobo" Passage für Passage verglichen hatte, war mit den Erklärungen nicht zufrieden. "Was (Hegemann) aber nicht versteht oder verstehen will ist, dass Remixen, Samplen, Transformieren usw. vollkommen in Ordnung geht, so lange man sich nicht mit fremden Federn schmückt." Und dem Verlag warf er vor, seine Sorgfaltspflicht verletzt zu haben.

Die Geschichte ist deshalb besonders pikant, weil "Axolotl Roadkill" in der deutschen Kulturszene groß mit Vorschusslorbeeren bedacht wurde. Das Buch eroberte auf Anhieb die Bestsellerlisten. Die "Zeit" sprach von einem "literarischen Kugelblitz", und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" jubelte: "Ein deutsches Romandebüt mit einer solchen Kraft hat es lange nicht gegeben." Die offizielle Vorstellung des Buches am 19. Februar in Berlin dürfte jetzt jedenfalls besondere Aufmerksamkeit finden. (APA)

>>> Geschädigter Verlag bereit zur Einigung im Plagiatsfall Hegemann

1 | 2 weiter 

Link:
www.gefuehlskonserve.de

Weiterlesen:
Ein Crash-Kurs für das richtige Leben
Die erst 17-jährige Autorin Helene Hegemann ist die neue Sensation der deutschen Literaturszene - Von Bert Rebhandl

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 315
1 2 3 4 5 6 7
slaine mcroth
11.02.2010 11:33


Hab mir grad den Blog durchgelesen; ist einfach ne Frechheit, sonst gar nix, hat sogar leicht abgeändert und damit fast unkenntlich gemacht. Was bringt es mir, etwas von einem Kind zu lesen, das die Inhalte gar nicht versteht, sondern syntaktisch richtig zusammensetzt? Ich pfeif auf den ganzen Mist, auf die Roches und Hegemanns die von der "Kritik" (Verhinderte und Zyniker) gefeiert werden, ich pfeif drauf, dass Leute ohne Talent, ohne Hingabe in den Olymp gehoben werden, ich les das Zeug einfach nicht. Ich will Bücher von Leuten lesen, die etwas wissen, die Talent haben und hart arbeiten. Nix Copy-Paste-Genie, Postmodern-Eloquent-Kreativ. Es geht nichts über wahre Kreativität, die gibts zu jeder Zeit, in allen Kunstformen, und die bleibt

A.B. Artig
 
11.02.2010 15:47

Bin flächendeckendst Ihrer Meinung.

w.p. r
11.02.2010 11:19
Nicht das erste Mal


http://www.welt.de/die-welt/... Films.html

Was für ein Früchtchen.

A.B. Artig
 
11.02.2010 15:49
SCHWEINEREI mit System

Früchtchen? Sau!!!

frech karotte
10.02.2010 08:18
ist mir schon aufgefallen

dass viele (besonders "liberale" und "politisch korrekte") glauben, durch zugeben eines fehlverhaltens ist es kein fehlverhalten mehr. auch oft gesehen in beziehungen. stimmt aber nicht! ist trotzdem noch falsch!

als kreative sollte fräulein hegemann wissen, dass ideenklau niedrigstes niveau ist. pfui. nicht professionell, nicht ok.

ich finde, sie ist die kritik schon wert, denn immerhin wurden schon viel geld, worte und zeit auf sie verwendet. sie möchte wie eine erwachsene behandelt werden, bitte sehr. ich finde es traurig und peinlich.

hoffe der wahre autor von manch guten textstellen wird jetzt genauso gelobt und geht nicht im trubel unter.

Pro Freistaat Kärnten!
 
10.02.2010 09:20
die beobachtung, oder vielmehr behauptung,

dass gerade "liberle" oder "politisch korrekte" die meister der doppelmoral seien, kann ich nicht teilen.

im gegenteil.

frech karotte
10.02.2010 09:24

stimmt, ein "pseudo" sollte davor stehen ;)

Gerhard Eigner
09.02.2010 16:58
soll ??

sie hat.

Michael Aires
09.02.2010 16:32
Na wumm. Hier geifert doch auch der Neid.

Nicht dass abschreiben sympathisch wäre, aber:
Intellektuell kann die Mehrheit hier wohl ihr das Wasser nicht reichen.

Zumindest hat dieser junge Mensch eine Öffentlichkeit erreicht, die andere Möchtegerns niemals beglücken werden und wenn sie sich selbst hundertfach klonen könnten.

lin23
 
20.02.2010 16:59

Hm, abschreiben ist wahrlich sehr intelektuell...

Vibrisse
11.02.2010 23:27
das könnte man über

Paris Hilton auch sagen.

romanemperor
11.02.2010 12:59
wo sind denn sie angerannt?

Pro Freistaat Kärnten!
 
10.02.2010 15:12
Wie so Neid? Das ist ein Crash-Kurs für das richtige Leben

hier für die Dame.

:-)

Ziemlich leichter Stessa
09.02.2010 22:25

Ah.... das Neidargument..... haben Sie das nicht schon einige Male rezykliert hierorts?

luftgselchter haderlump
09.02.2010 18:04

hier wohl ihr glaub ich das nicht

A.B. Artig
 
09.02.2010 17:32
Nochmal: wenn ich mich über den Holocauust echauffiere, dann nicht darum, weil ich gerne mitgemischt hätte

Mit diesem Nullargument kann man doch keine Kritiker mundtot machen!

Die hübsche Mischung aus bewusstem Ausbeuten der sozial weniger gut bestammbaumter Künstler und offensichtlicher Protektion sowie wehleidigem Nichtdazustehen- können ( und nein, nicht jeder Autor klaut, liebe Helene. Das ist sogar für dich zu billig) ist halt etwas ungustiös.

baiping
09.02.2010 15:54
Literaturkritik

selten so gelacht - die deutschen Literaturkritiker überschlagen sich ob des Wunderkinds - im Interview liest sich HH wie ein unbedarftes Kind mit einem Horizont bis zur eigenen Nasenwurzel (immerhin kann sie schon viele vorgefertigte aktuelle Worthülsen mehr oder weniger sinnvoll aneinanderreihen) - formuliert "literarisch" hochbegabt und druckreif (jedenfalls auf Ullstein-Niveau) - ihr Buch hat sie in aller Unschuld einfach zusammenkopiert - das wird das neue deutsche Fräuleinwunder! Kritik ist hier überflüssig - lohnt die Mühe nicht.

Preger
09.02.2010 16:02
Stimmt.

Kuriuos und doch auch ein bisschen traurig zugleich. ist es doch vielleicht sozusagen ein Sittenbild des deutschen Verlagswesens. Quo vadis? fragt man sich da. Geht es nur noch darum moeglichst schnell moeglichst viel Geld "zu machen" oder gibt es noch so etwas wie einen qualitativen Anspruch an Literatur?

Wundert sich
Ihr Preger, Teilzeitkuenstler/In

Pferdefleischhauer Schlapota
09.02.2010 15:25
ich kann

mir nicht vorstellen, dass die so dumm ist, dass sie gedacht hat, dass würde niemand merken. also denkt sie wahrscheinlich wirklich, es ist okay. dies war allerdings ein fataler denkfehler.

Chica27
09.02.2010 18:53
"Aber mein Gott, wahrscheinlich bin ich total unprofessionell, ist doch völlig in Ordnung."

Der Sager des Tages von HH! Hier nachzulesen: http://bit.ly/9Ho3sb

Anyuser
 
11.02.2010 12:21

Dass diese strunzdoofe Nuss sich einredet, die unkommentierte Auflistung von "Airen" in den Danksagungen würde die Plagiatssache ausreichend erledigen, ist ein starkes Stück.

Niemand würde sich über geschicktes Collagieren/Samplen/Paraphrasieren von Texten Dritter beschweren, hätte sie es offen als solches deklariert. Hat sie aber nicht, anscheinend bewusst.

Das geht aber in ihren Schädel offenbar nicht rein, und so sudert sie wehleidig darüber, dass man ihr die Kreativität und Arbeitsweise verbieten will.

qwerty_
09.02.2010 14:55

zumindest werd ichs jetzt sicher niemals bereuen, der dame meine beachtung versagt zu haben.

Saskia Fabian
 
09.02.2010 14:22
geh schaut euch doch mal die "fr." hegemann auf dem bildchen an

eine janis joplin kindfrau, die - zugegeben aufgrund ihres jungen alters - ohnehin von nichts anderem berichten kann als sie es tut. das kann man ihr nicht zum vorwurf machen, aber große literatur handelt von anderen themen.

Michael Aires
09.02.2010 16:29
Grosse Literatur kann von jedem Thema handeln.

Also wenn das ein Qualitätsmasstab wäre...tztz.

Und Samplen, aus unterschiedlichen Quellen sich inspirieren lassen, kann durchaus auch Kunst sein.
Zumindest zeugt es von Cleverness.

A.B. Artig
 
10.02.2010 16:46

Sampeln: ja. Kopieren: nein. Das zeugt nur von Respektlosigkeit, Ideenarmut und Frechheit.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 315
1 2 3 4 5 6 7

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.