Aus droht

Finanzministerium und VKI warnen vor Lottelo

08. Februar 2010, 15:03

Ministerium sieht konzessions­pflichtiges Glücksspiel - VKI klagt Lottelo auf Unterlassung

Wien - Das Finanzministerium warnt vor Lottelo. Wie auf der Homepage des Ministeriums nachzulesen ist, seien Spiel wie Lottelo ein "Lotteriespiel über Mehrwert-SMS", demnach würden sie auch eine Konzession benötigen. Das Ministerium warnt außerdem die Spielteilnehmer - das sind in diesem Fall die Loskäufer und nicht die Gewinner - vor einer allfälligen Gebührenpflicht. Schon vor einer Woche hat der Verein für Konsumenteninformation (VKI) eine Unterlassungsklage gegen Lottelo eingebracht.

Das Ministerium wird seine Rechtsansicht an die zuständige Bundespolizeidirektion Wien weiterleiten, hieß es aus dem Finanzstaatssekretariat. Schließt sich die Behörde der Meinung des Finanzministeriums an, könnte der Betrieb wohl "mit sofortiger Wirkung" eingestellt werden. Außerdem drohen Lottelo Strafen von bis zu 22.000 Euro - "ob täglich oder in welchem Zeitabstand ist Sache der Behörde", so das Finanzressort. Sollte sich der Betreiber ins Ausland absetzen, würde sich der Fiskus die Glücksspielgebühren (25 Prozent des Gewinns) wahrscheinlich direkt bei den Spielern holen. Nach Ansicht des Finanzressorts müsste der Lottelo-Teilnehmer in diesem Fall 250.000 Euro zahlen, wenn sein Freund eine Millionen Euro gewinnt.

Lottelo-Chef Daniel Goldscheider ist naturgemäß wenig begeistert vom Vorgehen des Finanzministeriums. "Das BMF hat nie mit uns Kontakt aufgenommen und ist an die Medien gegangen, ohne mit Lottelo gesprochen zu haben. Uns wurde weder Parteiengehör eingeräumt noch sind wir von den veröffentlichten Anschuldigungen vorab informiert worden."

Auch sei die Rechtsansicht des Finanzministeriums laut Goldscheider „grundlegend" falsch, heißt es in einer Aussendung vom Montag Nachmittag: "Übersehen wird vom BMF, dass der Spielvertrag ausschließlich zwischen der Lotello GmbH und dem Spielteilnehmer (und nicht auch dem Gewinner) zustande kommt und dass der Spielteilnehmer zu keinem Zeitpunkt gewinnberechtigt ist. Offenbar hat sich das BMF noch nicht einmal die Mühe gemacht, die allgemeinen Bedingungen von Lotello
durchzulesen."

Besonderes Konzept

Das Besondere an Lottelo: Die Teilnehmer können selbst nicht gewinnen. Man schickt die Handynummer eines Freundes an eine Mehrwertnummer (70 Cent pro SMS). Wenn dessen Nummer gezogen wird, winkt ihm eine Million Euro. Die Gewinnchance ist mit 1:12 Millionen noch geringer als bei Lotto "6 aus 45". Peter Kolba, Chefjurist des VKI, findet die Geschäftsidee von Lottelo ebenso "grandios" wie "gefährlich". Das Gewinnspiel schaffe für die ungefragten "Freunde" einen psychologischen Zwang, ebenfalls für den "Freund" mitzuspielen. Das Spiel sei außerdem einem verbotenen Schneeballsystem ähnlich. Insbesondere Jugendliche seien gefährdet, sich durch exzessives Spielen sogar zu verschulden.

Goldscheider sieht das freilich anders. Lottelo sei "ganz klar kein Pyramidenspiel". Der Teilnehmer könne ja selbst überhaupt nicht gewinnen, außerdem gebe es keinen Zwang, zurückzuspielen. Den Einwand, es entstehe eine moralische Verpflichtung, lässt er nicht gelten. "Wenn man dieses Argument ernst nimmt, sind Geschenke per se unmoralisch." Auch, dass sich Jugendliche wegen Lottelo in Schulden stürzen, glaubt Goldscheider nicht. Dass man sich verschulde, um sich selbst zum Millionär zu machen, sei "viel wahrscheinlicher" als wegen eines Freundes Hab und Gut zu verspielen. (red/APA)

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17 Postings
Zwie Ferl 
09.02.2010 10:36
Das Spiel kurbelt die Wirtschaft "ordentlich" an!

Schließlich kommt "Lottelo" in den Besitz jeder Menge Geheimnummern - im Telefonbuch findet man ja schließlich kaum mehr neue Handynummern - und die können dann mit Gewinn an die Werbebranch oder international agierende Spamfirmen verkaufen.
Interessant wäre in diesem Zusammenhang, wenn der VKI oder die AK oder eine Behörde die Bürger darüber aufklärt, ob der, dessen Nummer von einem "Freund" weitergegeben wurde, auf Schadenersatz klagen kann!

Cacatuda
09.02.2010 14:07
Was macht man mit Telefonnummern ohne weitere Daten?

Nur die Mobilfunknummern sind doch nutzlos!
Um auf standard.at posten zu können muss man Emailadresse, Geschlecht usw bekanntgeben...sogar das Nettoeinkommen wird abgefragt...

rapidfans.at 
11.02.2010 17:31
sind aber optionale felder.

thomas wieser
09.02.2010 08:04
Nummernsammelung

10. "Der Spielteilnehmer und der LOTTELO-Freund stimmen der Verwendung und Verarbeitung der übermittelten Daten zum Zweck der Abwicklung des Spielvertrags und der Information über neue Angebote des Spielveranstalters zu."

Wenn ich das Ministerium wäre, würde ich die Zustimmungserklärung einer kurzen Geltungskontrolle unterziehen...

Marlon62
09.02.2010 07:51
Wer irgendwelche Mehrwertnummern anwählt,

damit er oder irgend jemand anderer irgend welche dubiosen Gewinne macht, ist sowieso vom bösen Schwein benagt oder vom wilden Fips gebissen. Gleiches wie für Lotello gilt auch für die diversen Abzocksendungen alias Call-in-games.

Jan Sommer
08.02.2010 23:24
Laut der Presseaussendung von Lottelo von heute Nachmittag agiert das Finazministerium

schon wieder einmal schlampert, überheblich und mangelhaft informiert.

Lopatka durfte zwar im ORF zu Wort kommen, hatte aber - wie es scheint schon wieder - keine wirkliche Ahnung wovon er eigentlich sprach.

Wenn das die Qualität ist mit der "Rechtsmeinungen" gebildet und die Österreicher zur Kasse gebeten werden, dann ist das Volk ja noch mehr teuren politischen und beamteten Dilettanten ausgeliefert als bislang schon befürchtet !

Andererseits ist die "Gewinnchance" bei Lottelo natürlich ein ganz schlechter Scherz und ich warte auf den Mathematiker, der den Kunden die Augen öffnet, für welche absurde Minimalchance sie da brav Geld blechen sollen.

Denn sonst wäre die Versicherungsprämie für die ersten 365 Millionen unbezahlbar.
js

Zwie Ferl 
09.02.2010 10:41
Statt auf den Mathematiker zu "warten" sollten sie LESEN!

Die Gewinnchancen wurden bereits beschrieben: einen 6er bei "6 aus 45" (1 zu 8.145.060) zu gewinnen, ist ein Vielfaches größer...

Jan Sommer
10.02.2010 23:53
Na Sie werden mir vorrechnen wie sich die Chancen drastisch verändern, wenn


von den ca. 12 Millionen Mobilnummern ein Viertel

bis vielleicht sogar ein Drittel gar nicht genützt

werden und wieviel

Einfluss es hat, dass man Minderjährigen sogar im

Falle eines Gewinnes diesen nicht ausbezahlen

muss/darf und es daher ungemein interessant ist wie

hoch der Anteil der minderjährigen

Mobiltelefonbenutzer ist?

No na ist ein Lottosechser wahrscheinlicher, wenn man täglich 1 Million gewinnen könnte, aber wie extrem unwahrscheinlich siehts wirklich aus ??
js

Dscheneräjschen Makulade
11.02.2010 01:55

PS: Lassen Sie bitte in Zukunft die Leerzeilen weg. Das nervt.

Dscheneräjschen Makulade
11.02.2010 01:55

die echten 12 millionen handynummern sind wurst, es gibt halt 12 millionen lose, von denen die meisten von keinem gekauft wurden, die anderen haben je ein mascherl "ich spiele für die nummer soundso".

übrigens ist das bei der klassenlotterie auch so, dass lose "gewinnen" können, die niemand gekauft hat.

living reef
08.02.2010 17:32
bei allen glücksspielen gehört ein fetter warnhinweis

achtung! glücksspiel kann ihre existenz gefährden! und das bitte vor allem auch bei den orf werbungen. man bekommt mittlerweile den eindruck, als ob es in österreich nurmehr lauter glückliche gewinnende glücksspielerInnen gäbe. die wahrheit ist, dass der staat an der spielsucht vieler menschen sich dumm und dämlich verdient und der überwiegenste teil der spielerInnen viel geld verlieren. familie und job geht niocht selten drauf und schon ist der nächste sozialfall geboren.

nodiesop
08.02.2010 16:58
Nach Ansicht des Finanzressorts müsste der Lottelo-Teilnehmer in diesem Fall 250.000 Euro zahlen, wenn sein Freund eine Millionen Euro gewinnt.

heftig...

was den Jugendschutz betrifft - hier sollte unbedingt eine eindeutige Regelung her...

Mehrwertnummern sollten per default bei jedem neuen Handy-Vertrag gesperrt sein...

Jan Sommer
10.02.2010 23:59
Das Finanzministerium ist Hort seltsam unrealistischer Überheblichkeiten.

Zwar behaupten seit vielen Jahren die FM Juristen und Kapazunder z. B., dass Poker - angeblich höchst rechtskräftig - dem Glücksspielmonopol unterliegt.

Aber seit über 15 Jahren sinds mit der Ansicht ununterbrochen saftig auf die Nase gefallen und diese Pokercasinos spielen fröhlich weiter.
js

Dscheneräjschen Makulade
11.02.2010 01:57

ja, sie spielen weiter, weil niemand gegen sie vorgeht. der verwaltungsgerichtshof hat festgestellt, dass poker ein glücksspiel ist.
wenn Sie anderes/mehr wissen, können Sie mich gerne belehren.

Sudokusan 
14.02.2010 12:08
Soweit ich weiß...

hat die Entscheidung genau anders gelautet:
Poker ist kein Glückspiel da der Ausgang des Spiels durch Strategie nennenswert beinflusst wird. Im Prinzip
wie bei Schach oder Mühle auch.

Jan Sommer
12.02.2010 10:05
....weil niemand gegen sie vorgeht ..... ist der Witz der letzten Jahrzehnte.


Wenn man nachforscht sind die ergebnislosen Anzeigen und nutzlosen Verfahren fast nicht mehr zu überblicken!
js

Jan Sommer
12.02.2010 10:03
Wenns unbedingt die jahrelange (auch juristische) Realität verleugnen wollen


ist das Ihr Problem.

Tatsache ist, dass das seltsame Urteil in der Praxis vielfachst als irrelevant für den ungestörten Pokerbetrieb entlarvt wurde.

....und nur dem FM und den unlauter Begünstigten als Argumentationsbasis für Ahnungslose dient.
js

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