Laura Chinchilla übernimmt das Amt von Friedensnobelpreisträger Oscar Arias - Sie kämpft gegen den Drogenhandel und die Ehe von Homosexuellen
"Gracias Costa Rica, gracias twitteros!!!!" schreibt Laura Chinchilla auf Twitter, nachdem sie zur ersten Präsidentin Costa Ricas gewählt wurde. Die 50-jährige Politologin tritt in die Fußstapfen von Friedensnobelpreisträger Oscar Arias, dessen Vizepräsidentin und Justizministerin sie seit 2006 war. Beide gehören der sozialdemokratischen Partei der nationale Befreiung (PLN) an.
Moderne Konservative
Chinchilla ist verheiratet und hat einen Sohn im Teenager-Alter. Sie studierte Politikwissenschaften in Costa Rica und hat einen Master in "Öffentliche Politik" der US-Universität Georgetown. Als Anhängerin der römisch-katholischen Staatsreligion spricht sich Chinchilla gegen die Heirat Homosexueller und Abtreibungen aus.
Moderner gab sich die Kandidatin im Wahlkampf. Ihre obamaeske Kampagne wurde per Homepage, Blog, Twitter, Flickr und Facebook begleitet. Pressekonferenzen werden live im Netz gezeigt, auf einem eigenen youtube-Kanal (Beispiele siehe links) verkaufte sie sich schon seit 2008 als staatstragende und volksnahe Politikerin.
Kampf dem Drogenhandel
Wirtschaftspolitisch ist von Chinchilla eine Fortsetzung des Kurses von Arias zu erwarten: Eine weitere Liberalisierung des Marktes und die Ausweitung von Handelsvereinbarungen. Die Präsidentin hat sich auch für den (Teil-)Verkauf des staatseigenen Elektrizitäts- und Telekommunikations-Sektors ausgesprochen. Wichtigstes Thema des Wahlkampfes war die zunehmende Gewalt in Costa Rica, wo im vergangenen Jahr fast 1.000 Menschen ermordet worden sind. Meist standen die Gewalttaten im Zusammenhang mit dem Drogenhandel, dabei ist Costa Rica ein Transitland auf dem Weg von Süd- nach Nordamerika. Im Rahmen ihres Plans bis 2014 verspricht sie auch eine Erhöhung der Ausgaben für Bildung um acht Prozent.
"Schweiz" ohne Armee
Chinchilla wird die Präsidentin der "Schweiz Mittelamerikas", wie Costa Rica auf Grund des relativen Wohlstands und der Neutralität genannt wird. Im Land gibt es seit 1949 kein Militär. Wirtschaftlich zählen vor allem der Tourismus und der High-Tech-Sektor zu großen Einnahmequellen. Und natürlich Bananen: Cost Rica ist der zweitgrößte Bananen-Exporteur weltweit, 2,7 Millionen Tonnen werden jährlich produziert. (rasch, derStandard.at, 8.2.2010)