Nach klemmenden Gaspedalen macht Toyota ein Bremsendefekt im Hybridwagen Prius zu schaffen
Toyota ruft wegen Bremsproblemen mehrere Modelle seiner prestigeträchtigen
Hybrid-Reihe zurück. Betroffen seien die neuesten Baureihen des Prius und des
Lexus HS250H, bei denen die Software für das Bremssystem ABS überarbeitet werden
müsse, teilte der weltgrößte Autobauer am Dienstag mit. Von der dritten
Generation des Prius sollen weltweit rund 133.000 Fahrzeuge in die Werkstätten
beordert werden, davon 52.903 in Europa.
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Tokio/Wien - Kein Ende der Pannenserie beim japanischen Autobauer Toyota: Waren es Ende Jänner zuerst Fußmatten, dann klemmende Gaspedale, die zur weltweit größten Rückrufaktion führten, sind es nun die Bremsen, die das Image des weltgrößten Autoproduzenten weiter verschlechtern. Möglicherweise noch heute, Dienstag, wird Toyota seinen bisher erfolgreichen Hybridwagen Prius wegen Problemen mit dem Bremssystem auch auf dem wichtigen US-Markt in die Werkstätten zurückrufen.
Wie die japanische Nachrichtenagentur Kyodo zu Wochenbeginn unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, sind von der bevorstehenden Rückrufaktion rund 100.000 Prius der neuen Generation betroffen. Hinzu kämen rund 170.000 in Japan verkaufte Wagen.
Österreich wartet auf Order
Die Zeitung Yomiuri schrieb, es handele sich um das neueste Modell. Toyota bestätigte die Medienberichte zunächst nicht, wohl aber ein Toyota-Händler. Es gehe um die Software des ABS-Systems bei der neuen Prius-Generation.
Beim Generalimporteur für Österreich, Toyota Frey, wartet man noch auf Anweisungen aus der Europa-Zentrale in Brüssel, wie ein Sprecher dem Standard sagte. Wenn es in Japan und in den USA tatsächlich zu Rückrufen kommen sollte, wäre auch Österreich betroffen, meinen aber Branchenkenner. Das Ausmaß der Rückrufaktion wäre wegen der vergleichsweise kleinen Zahl möglicherweise betroffener Autos deutlich geringer als zuletzt beim klemmenden Gaspedal.
Insgesamt hat Toyota im Vorjahr 660 Autos der Marke Prius in Österreich verkauft, davon 391 der neusten Generation. Die Zahl der vom Gaspedaldefekt möglicherweise betroffenen Autos geht hingegen in die Tausende.
Der Prius war im Vorjahr das bestverkaufte Auto des Konzerns und gilt als Pioniermodell auf dem Markt für Hybridautos. Der technische Clou liegt in der Kombination eines Benzinmotors mit einem Elektromotor (Hybrid), der mit der gespeicherten Bremsenergie des Benzinaggregats "gefüttert" werden kann. So kann sich das Auto im Stop-and-go-Verkehr in der Stadt über den Elektroantrieb fortbewegen.
Die neueste Baureihe, bei der es Bremsprobleme geben soll, ist im Mai 2009 auf den Markt gekommen. Seitdem wurden weltweit 311.000 Exemplare verkauft.
Nach einem Bericht der Wirtschaftszeitung Nikkei erwägt Toyota auch eine Rückrufaktion für die Hybridmodelle Sai und Lexus HS250h, die im Vorjahr auf den Markt gekommen sind. Beide Autotypen hätten dasselbe Bremssystem wie die jüngste Modellreihe des Prius.
Vom Lexus HS250h wurden seit seiner Markteinführung im Juli 2009 insgesamt 15.500 Stück verkauft, von dem seit vergangenem Dezember erhältlichen Mittelklassewagen Sai 3800 Stück. Beide Autotypen werden nicht in Europa verkauft.
Druck auf Aktienkurs
Weltweit hat Toyota in den vergangenen Wochen bereits über acht Millionen Fahrzeuge wegen eines Defekts an den Gaspedalen in die Werkstätten zurückgerufen, davon bis zu 1,8 Millionen Autos in Europa und knapp 216.000 Wagen in Deutschland. Für Österreich will Toyota Frey die genaue Zahl der betroffenen Fahrzeuge heute, Dienstag, bekanntgeben.
Das Debakel wird den Konzern sehr teuer zu stehen kommen, nicht nur wegen der direkten Kosten. Die Verkaufszahlen von Toyota sind offenbar seit Bekanntwerden der Probleme deutlich zurückgegangen. Der Aktienkurs ist in den vergangenen Wochen um 20 Prozent eingebrochen, zu Wochenbeginn gab der Kurs des Toyota-Papiers erneut um gut ein Prozent auf 3280 Yen nach.
Außerdem rollt in den USA bereits eine Klagewelle auf den Konzern zu. Kanzleien machen Werbung mit der Aussicht auf hohe Entschädigungszahlungen, mehr als 30 Sammelklagen wurden bereits eingereicht. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.02.2010)