Urteil in Liechtenstein

Schadenersatz für Steuersünder

08. Februar 2010 17:49

Deutscher soll Millionenbetrag von Liechtensteiner Bank bekommen

Zürich/Wien - Weil er von seiner Liechtensteinischen Bank, der damaligen LGT-Treuhand AG, nicht rechtzeitig über den Diebstahl von Kundendaten informiert wurde und sich in der Folge nicht zeitgemäß beim Fiskus selbst anzeigen konnte erhält ein 68-jähriger Immobilienkaufmann aus Bad Homburg jetzt eine Schadenersatzzahlung von 7,3 Millionen Euro.

Das entschied einGericht inLiechtenstein, das der Steuersünder angerufen hatte. Die Daten des Klägers waren auf jener Steuersünder-CD erhalten, die Deutschland mithilfe der Spione seines Bundesnachrichtendienstes unter nie geklärten Umständen um 4,5 MillionenEuro ankaufte. Aufgrund dieser Daten wurde der Kaufmann zu zweiJahren bedingter Haft und einer Strafe von 7,5 Millionen Euro verurteil.

Der so zu Schaden gekommene Steuerhinterzieher hatte von Fiduco - die Nachfolgefirma der LGTTreuhand AG - insgesamt 13,5 Mio. Euro Schadenersatz eingefordert. Fiduco will gegen der erstinstanzlichen Urteil berufen, weil nach Auffassung der Finanzfirma "Steuerbußen nicht einklagbar undersatzfähig sind" , sagte ein Sprecher

Das Urteil könnte wegweisend sein, weil mehrere deutsche Bürger ähnliche Klagen planen sollen. Allerdings gelten Klagen nur in großen Fällen als aussichtsreich. Bisher sind in Deutschland aber nur vier große Fälle, die auf den gestohlenen Daten basieren, vor Gericht gelandet. Die überwiegende Zahl wurde dagegen gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellte. Bislang seien keine weiteren Verfahren angestrengt worden, sagte der Fiduco-Sprecher dazu.

Weitere Diskussion

Indes geht die Debatte über die Rechtmäßigkeit des Ankaufs gestohlener Bankdaten munter weiter.Wie berichtet, wurde der deutschen Bundesregierung eine Daten-CDmit rund 1500 schweizer Bankdaten mutmaßlicher Steuerhinterzieher um 2,5 Millionen Euro zum Kauf angeboten. Nordrhein-Westfalen entschied sich inzwischen zum Kauf, während die baden-württembergischen Finanzbehörden über ein ähnliches Angebot Montagnachmittag entscheiden wollten.

Ob Österreich dabei "mitnaschen" kann ist noch umstritten. Der Präsident der Wiener Rechtsanwaltskammer, Michael Auer, sieht in einer Weitergabe der Steuerdaten von Deutschland nach Österreich einen Verstoß gegen das Europarecht. Die Richtlinie über Amtshilfe bei grenzüberschreitenden Steuerbetrug dürfe hier nicht zur Anwendung kommen. "Zwischen Deutschland und Österreich findet ja kein Steuerbetrug statt, sondern zwischen Österreich und der Schweiz" , sagt Auer dem Standard.

Seit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrags sei der Datenschutz in der Grundrechtecharta verankert. Bevor Österreich etwas unternehme, müsse geprüft werden, ob dies nicht den Lissabon-Vertrag verletze. "Es ensteht hier mit dem Bankdatenhandel ein ganzer neuer Wirtschaftszweig" , fügte Auer hinzu. "Es steht der Republik nicht gut an, hier als Trittbrettfahrer mitzumachen." (Reuters, spu, ef, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 09.02.2010)

Kommentar posten
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solandre
 
12.02.2010 20:26

also wenn mein spezi und ich einen bruch in einer bank machen und der spezi mich nicht rechtzeitig warnt, wenn die polzei kommt, dann kann ich ihn verklagen, weil ich wegen seiner unterlassenen warnung in den häfn wander?

ist das ungefähr das gleiche?

erwin meier
04.03.2010 10:17

mit der logik werden sie wirklich noch als bankräuber enden.

alterschweizer
09.02.2010 16:12
was ich nicht verstehe..

der Dieb, der die CD anbietet muss ja wissen, was drauf ist. D.h., er hat Kenntnis davon, was der Deutsche Staat an zusätzlichen Einnahmen von ihm "einkauft". Inzwischen kursiert ein Betrag von sage und schreibe 400 mio. Gegen wir mal von vorsichtigen 100 mio aus. Warum verlangt er dann nicht wenigstens 50 für sich? Deutschland würde immer noch ein grosses Geschäft machen und er könnte sich immerhin die nötigen lebenslänglichen bodyguards und eventellen op's (damit man ihn nicht an jeder Ecke wieder erkennt) finanzieren, was für seine Familie auch gilt. Kann ja sein, dass sich unter denn aufgedeckten Steuersündern nicht nur harmlose Zahnärzte und ähnliches tummeln. Ich meine, langfristig gesehen, hat er ein schlechtes Geschäft gemacht.

Oligarchenimitat
09.02.2010 15:05
Obwohl ich das Urteil im Grunde "gut" finde...

... weil es den Druck auf die Banken und Steueroasen weiter erhöht, verstehe ich es nicht ganz/finde es nicht "richtig".
Das kommt mir so vor, als würde man einem Dieb Schadenersatz zusprechen, weil ihn sein Hehler nicht rechtzeitig darauf aufmerksam machen, dass ihm die Polizei auf den Fersen ist (Begründung: Er hätte dann durch Selbstanzeige/tätige Reue etc ein milderes Urteil erlangen können). Die Bank "muss" doch nicht wissen, dass das Geld unversteuert ist (natürlich weiß sie es) und sie "muss" ihren kriminellen Kunden doch nicht warnen (natürlich wäre es wahrscheinlich klüger gewesen).
Nochmal: Ich finde es prinzipiell gut, dass auch die Bank ein wenig zur Kasse gebeten wird, aber ich verstehe die Begründung nicht ganz...

4freedom
09.02.2010 13:23
Was trotz berechtigter Empörung über die Steuerhinterziehung und die Gutheißung des Kaufs gestohlener Daten vergessen wird:

Steuerhinterziehung ist strafbar. Durch Selbstanzeige entgeht man der Strafe, nicht aber der Steuer und Säumniszuschlägen.

Die Liechtensteiner hätten dem Kunden bei rechtzeitiger Information die Möglichkeit zur Selbstanzeige geschaffen.

Die Daten wurden in krimineller Weise an sich gebracht.

Deutschland hat den Kauf damit gerechtfertigt, dass Hehlerei nicht für Daten gilt.

Deutschland begibt sich mit Kriminellen auf Augenhöhe und bezahlt sie.

Die Kriminellen haben bzw. werden gute Geschäfte machen.

Es ist davon auszugehen, dass es Nachahmer gibt, die Daten stehlen, und Kunden, die sie straffrei kaufen.

Käufer könnten auch Kriminelle sein, wenn der Staat die Daten nicht will.

Bankdaten sind nicht mehr sicher, der Staat hilft dabei!

erwin meier
04.03.2010 10:20

die frage ist auch, was passiert, wenn ein privates unternehmen solche daten ankauft. wie soll man die klagen, wenn der staat das gleiche straffrei macht?

Guter Witz
 
13.02.2010 17:40
der nutzen ist größer

als der schaden . Was sollen den die Kriminellen mit den Daten? Etwa um zu wissen wer kein Geld zu hause im Tresor hat sondern in der Schweiz ?

Scotty26
09.02.2010 11:57
Passt vielleicht nicht ganz zum Artikel,...

... aber das habe ich vorhin auf www.sueddeutsche.de entdeckt:

http://www.sueddeutsche.de/wirtschaf... 2604/text/

alterschweizer
09.02.2010 10:18
mal angenommen

ich verdiene mit ehrlicher Arbeit, schaffe vielleicht sogar noch einige Arbeitsplätze sagen wir mal 10 millionen. Davon versteuere ich 5 regulär. Das ist ein ordenlicher Batzen. Den Rest bunkere ich im in der Schweitz, wo Quellensteuer auf dem Ertrag direkt nach D fliesst. Das ergiebt, sofern ich das Geld gewinnbringend angelegt habe nochmals ein gutes Stück Geld. Das ist zwar verboten, aber bei den geltenden Steuergesetzen fehlt mir jedes Unrechtsbewusstsein. Finde, der Staat soll sich mit dem Happen (5 mio) zufrieden geben oder Steuergesetze freundlicher gestalten.

Pro Freistaat Kärnten!
 
10.02.2010 15:26
die steuerlücken für unternehmer sind ungleich

freundlicher, als für lohnsteuerpflichtige.


kein utnernehmer zahlt 50%

ein gut verdienender angestellter schon.

und der bringt sein geld nicht in die schweiz.

eleon
09.02.2010 10:13
erinnert mich an eine folge...

... von der "schrecklich netten familie"

in welcher al bundy einen einbrecher überwältigt und dieser in folge vor gericht zieht, um al erfolgreich auf körperverletzung und schadensersatz zu klagen.

Flourishing Maliciousness
 
09.02.2010 10:05
Grundsätzlich möchte ich einmal sagen, dass


dass der Sinn der Rechtsordnung wohl kaum darin besteht, etwaige Rechtsbrecher im moralischen Sinne und im Sinne der Rechtsordnung vor möglicher Verfolgung zu schützen oder diese für ausgesprochene Strafen zu kompensieren

Außerdem haben die Allgemeinheit und der Staat als Repräsentant der Allgemeinheit in jedem Fall Vorrang vor Kapitalinteressen einzelner und generell.

Mir scheint diese Liechtensteiner Richter haben im Geiste schon längst den Anschluss an den Anglo-Amerikanischen Unrechtsraum vollzogen, wo das Kapital Staat und Allgemeinheit nach Strich und Faden verarscht und mißbraucht.

Anders kann ich mir diese Entscheidung nicht erklären.

skyrock
09.02.2010 09:41
und das alles zahlt der Steuerzahler

Ich war nie so jung und dumm wie die
09.02.2010 07:13

Sorry, ich muss es aussprechen: das sind die Momente, wo man die RAF vermisst.

erwin meier
04.03.2010 10:54

sie meinen die, die einen soldaten abgeknallt haben, um seinen ausweis zu bekommen?

Flourishing Maliciousness
 
09.02.2010 09:49
Jo, des hätts unter der RAF net gebm ...

coronese
09.02.2010 06:34

da wird klar was datenschutz, bankgeimnis usw eigentlich bezwecken soll: schutz der wirtschaftskriminellen.

lessismore
09.02.2010 03:53
Kriminelle!

Schadenersatz für SteuerKRIMINELLE! Denn darum handelt es sich hier. Oder man sagt: "Steuerhinterzieher". In den meisten Fällen sind es Verbrechen, also wäre auch "Steuerverbrecher" ein zutreffender Terminus. In Deutschland sagt man auch "Steuerbetrüger".

"Sünder" ist Radio-Eriwan-Speak ...

Deus Ex Coquina
 
09.02.2010 01:52

Also das hat schon wieder irgendwie was. ;)

DDr.Klugscheisser
08.02.2010 22:38
Interessanter Aspekt.

Wenn ich in den Räumen einer von mir angemieteten Wohnung Falschgeld drucke (Rauschgift mische, was auch immer)
und der Eigentümer des Hauses sorgt nicht gut genug für die Sicherheit des Hauses, so dass der Hausmeister bei der Polizei verrät...

Dann kann ich den Hauseigentümer auf Schadenersatz klagen?

Muss ich mir merken, diese Rechtauffassung steht in guter Übereinstimmung mit dem, was wir in den letzten Monaten von Politikern und Eigentümern dieses Planeten so gezeigt bekommen haben.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
08.02.2010 22:59
noch ein dr. u. sie brauchen nix mehr fragen.

volltreffer. Nur das "falschgeld", das druckt schon der staat...

AlliGator
08.02.2010 22:00
Hängen wir doch gleich alle unsere Kontoauszüge öffentlich ins Internet

Ich wundere mich über die Postings hier.

In Österreich wird die Frage "vieviel verdienen Sie" heute immer noch als unanständig bis obszön betrachtet.

Über die Abschaffung der anonymen Sparbücher wurde seinerzeit in den Zeitungen geschrieben, als würde der Weltuntergang bevorstehen.

Wenn die EU und die USA ein Abkommen über die Weitergabe von S.W.I.F.T. Daten aus dem Zahlungsverkehr schließen, werden wilde Verschwörungstheorien gesponnen.

Aber wenn eine Bank aufgrund mangelnder Sicherheitsmaßnahmen ihre Kundendaten ausstreut, ist das OK? Und wir freuen uns darüber? Und wollen die Daten verwenden?

Eine Bank, die auf die Daten ihrer Kunden nicht gut aufpaßt, sollte ihre Banklizenz verlieren. Punkt.

erwin meier
04.03.2010 10:56

wie wollen sie sich als bank gegen eigene mitarbeiter absichern? jedes system hat mindestens einen administrator mit zugriff auf alle daten.

Bono Nobo
09.02.2010 09:16

132.000,-- p.a.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
08.02.2010 22:32
Erwähnten sie auch,

dass diese besonderen "kundendaten" essentielles aufklärungsmaterial zur ahndung von steuerbetrug im grossen stil sind?

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