Literaturpreis Wartholz an Christian Steinbacher

07. Februar 2010 20:41

Newcomerpreis und Publikumspreis an Nellja Veremej

Reichenau - Der oberösterreichische Autor Christian Steinbacher ist der Gewinner des mit 10.000 Euro dotierten 3. Literaturwettbewerbs Wartholz. Mit seinem Langgedicht "Kaum konzertante Konzentrate (nicht mal ein Weiterreichspiel, kaum Gewicht)" setzte er sich im Rahmen des zweitägigen Wettlesens in der Schlossgärtnerei Wartholz in Reichenau gegen elf weitere Teilnehmer durch. Den Newcomerpreis (2.000 Euro) sowie den Publikumspreis (2.000 Euro) erhielt die 1963 in der ehemaligen UdSSR geborene Nellja Veremej mit ihrem Text "Wildgras".

Steinbachers 365 Verszeilen umfassender Text gehört laut Jurybegründung "in die Tradition der deutschsprachigen experimentellen Literatur, ohne ihr ideologisch verhaftet zu sein", wie Jury-Sprecherin Katja Gasser am Sonntagvormittag bekanntgab. "Bei aller Strenge der Komposition bekommt der Leser durch Steinbachers Text ein Verständnis für die Freiheit des literarischen Sprechens. Steinbachers Text ist keineswegs abgehoben, auch wenn sein hohes literarisches Niveau außer Zweifel steht." Steinbacher wurde 1960 in Ried im Innkreis geboren. Zuletzt erschienen "Zwirbeln, was es hält" (Haymon, 2006) und "Klotzkopf. Hausgemachte Fiktionen" (Edition Thanhäuser, 2009).

"Doppelauszeichnung beider Wege"

Steinbacher würdigte in einer Redaktion die Entscheidung der "sehr fundierten Jury" (Bernhard Fetz, Konstanze Fliedl, Katja Gasser, Franz Schuh), die sowohl seinen "die Sprache sinnlich und kritisch in den Mittelpunkt stellenden Text" als auch den inhaltsbetonten Beitrag Veremejs honoriert hat. Diese "Doppelauszeichnung beider Wege" sei eine "Große Leistung für Wartholz". Seine Literatur, die auf Formbewusstsein aufbaue, sei "im Mainstream leider nach wie vor als abgehoben verschrien. Mein Text steht exemplarisch für eine Möglichkeit, wie Sprache auch funktionieren kann." Mehr als um ein Thema gehe es ihm hier darum, "dass jeder Satz einen bewussten Fehler hat, eine groteske Verzerrung, Entstellung, ja manieristische Handgriffe aufweist". Ziel sei es, der Sprache, "die uns in einer grimassierten Form auslacht, zurückzulächeln, indem wir die Verzerrung zurückwerfen. Das ist eine Möglichkeit der Freiräume in der Kunst."

Nellja Veremej, die als Russischlehrerin und Übersetzerin in Berlin lebt, überzeugte die Jury mit einer "Geschichte von Herkunft und verübergehender Ankunft, die sie in ihrem Text 'Wildgras' erzählt." Bei ihrer Entscheidung für den Newcomerpreis sei die Jury "nicht dem Jugendwahn verfallen, sondern zeichnet dieses Mal eine literarische Newcomerin aus".

Neben den Preisträgern lasen in den vergangenen Tagen Clemens Setz, Katharina Tiwald, Margit Kuchler-D'Aiello und Barbara Zeman aus Österreich sowie die deutschen Schriftsteller Volker H. Altwasser, Ernesto Castillo, Matthias Hirth, Gunnar Kunz, Bruno Preisendörfer und Ferdinand Scholz. Im Vorfeld waren aus 651 Einreichungen zwölf Autoren ausgewählt worden. Mit dem Wettbewerb wollen die Gastgeber Michaela und Christian Blazek die literarische Tradition der Semmering-Region fortsetzen und dem kulturellen Leben einen festen Platz geben. Bisherige Preisträger waren Andrea Winkler (2008) und Michael Stavaric (2009). Alle zwölf Texte des heurigen Bewerbs sind in einer Anthologie (Residenz Verlag) nachzulesen. (APA)

 

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08.02.2010 00:11

in welcher redaktion hat steinbacher die entscheidung gewürdigt? in der standard-redaktion etwa?

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