Ende des Zölibats würde das Papsttum gefährden

Gerfried Sperl, 07. Februar 2010 20:12

Nicht sofort. In hundert Jahren vielleicht. Und auf dem Weg dorthin würde es zu innerkirchlichen Machtkämpfen und Spaltungen kommen

Der Berliner Pädophilie-Skandal weitet sich aus. Mehr als 90 Verdachtsfälle meldete Der Spiegel am Wochenende rund um ein Jesuitenkolleg. Mittlerweile vergeht keine Woche, ohne dass irgendwo auf der Welt ein Pädophilie-Skandal die katholische Kirche erschüttert.

Oft sind es nur kleinere lokale Beben, manchmal ein Flächenbrand wie in Irland. Aber die Ereignisse fügen sich zu einem Gesamtbild: Die Fokussierung der priesterlichen Gefühle auf ein ehernes Gottesbild wird immer schwächer, denn die schwindende Macht der Kirche kann die Publizierung der Verfehlungen nicht mehr verhindern. Und weil die Erotisierung der Gesellschaft selbst vor den Mauern der Klöster nicht haltmacht: Nicht nur Kinder, selbst Padres können Pornos googeln. Sodom und Gomorrha. Der Satan greift an.

Die Protestanten und die Altkatholiken haben zwar ebenfalls mit Priestermangel zu kämpfen, und evangelische Traditionalisten sind erschüttert über Scheidungen oder gar wilde Ehen im protestantischen Klerus.

Andererseits gibt es bei Lutheranern und Calvinisten nicht jene tabuisierte Zone, die Gustav Seibt vor wenigen Tagen im Feuilleton der Süddeutschen Zeitung den "Dunkelraum Kirche" genannt hat. Den hat es zwar immer gegeben, aber die meisten Historiker haben ihn verschwiegen - bis herauf in die heutige Zeit, da Kirchenführungen den Touristen eine purifizierte Kirche voller Heiligkeit und künstlerischer Hingabe vermitteln.

Das Ende des Zölibats würde, oberflächlich betrachtet, künftigen Priestergenerationen das Leben erleichten. Die Ordination von Frauen wäre eine unmittelbare Folge, das Katholische würde sich dem Protestantischen mit Riesenschritten nähern. Das aber bedeutete die Selbstaufgabe des katholischen Patriarchats. Freude kommt da keine auf. Schon gar nicht im römischen Vatikan.

Denn die Träger des Papsttums denken in langen historischen Zeiträumen. Sie wissen, dass die Aufgabe des Zölibats letztlich das Ende des Papsttums bedeuten würde. Nicht sofort. In hundert Jahren vielleicht. Und auf dem Weg dorthin würde es zu innerkirchlichen Machtkämpfen und Spaltungen kommen.

Die wahrscheinlichere Variante ist eine Verkleinerung der katholischen Kirche und der Verzicht auf den globalen Führungsanspruch. In Südamerika ist die Hierarchie noch ein Faktor, in Europa nicht mehr. Die alten Kirchen sind nach wie vor voll, aber mit Touristen, nicht mit Gläubigen. Die Finanzquellen sprudeln längst nicht mehr wie früher. Und einstmals reiche Erzdiözesen wie die von Chicago haben durch Millionenzahlungen an die Opfer ihrer Priester und Bischöfe schwere Krisen erlebt.

Das Charisma großer Kirchenführer wie des polnischen Papstes überstrahlt das kirchliche Hadern mit der Welt. Der bayrische Papst führt Rom zurück in den Alltag schwacher Oberhirten und rückt eine plausible Zukunft (zumindest für Europa) ins Zentrum der Betrachtung: kleine lokale Herden unter der Führung papsttreuer Hirten, die sich in gleichgerichtetem Geiste um ihren obersten Schäfer scharen. Und das (materielle) Erbe schützen.(Gerfried Sperl/DER STANDARD, 8.2.2010)

Kommentar posten
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estragon001
21.02.2010 20:11
@ Sperl

Im Falle der Burqa stellte man fest, daß es nicht im Koran stet, daß Frauen im Islam dieses Kleidungsstück obligat tragen müssten, es sei "nur " Tradition. Geschrieben steht nur, daß sie sich "dezent" kleiden sollten.

Im Christentum, was gilt da eigentlich ?
Und wer macht diese Regeln ?

Dieser "Gott", oder die Bodentruppen ?

Ich meine, es steht doch auch in der Bibel NICHT geschrieben, daß Mitglieder des Klerus zölibatär leben müssten !

Diese Regel wurde doch erst lange Jahre nach Christus (ca. 306) als Regel eingeführt.

Also, warum sollte man diese Regelung nicht auch wieder ablegen können ?

Ich glaube sogar, daß es der "Kirche" gut tun würde, sie könnte ein Stück "Glaubhaftigkeit" zurückerobern.

Ich meine ja nur so...

1116er
09.02.2010 14:13
lassen wir doch die katholen und ihre riten und regeln in ruhe.

ich kann da auf (meine lieblings-tv-serie) "boston legal" verweisen:
da ging es kürzlich auch um zölibat bzw frauen als priester.

conclusio: die wahl, ob überhaupt ein religionsbekenntnis bzw welches liegt einzig und allein beim einzelnen menschen.
wem das angebot nicht passt, sucht sich was anderes.
es ist doch weitgehend eh alles diesselbe shyce!

einige meiner besten Freunde sind Nichtraucher
 
08.02.2010 20:11
wie pflanzen sich diese Päpste eigentlich fort?

Honzoo
09.02.2010 08:38

Durch Wahl.

a klana indiana
08.02.2010 19:01

das zölibat...

die ursache der gewaltigen materiellen macht der römisch katholischen kirche

früher war es in reichen familien usus, dass einer von burschen die priesterlaufbahn ergreift - und dessen erbe ging an... erraten - die kirche

man multipliziere diesen fall tausende mal über einen zeitraum von fast 2000 jahren - da kommt schon einiges herein

wie gesagt - die röm.kath. kirche kann von diesem ross nicht absteigen!

wünsch ihr noch viele weitere austritte!!!!

Schneck1
08.02.2010 18:13
Logische Zusammenhänge?

Wie bitte gefährdet Ende des Zölibats das Papsttum? Wie einige Poster schon festgestellt haben, gab es Papsttum und Priesterehe lange Zeit miteinander. Wieso nähert sich die Kirche bei Ende des Zölibats an den Protestantismus an. Es gibt auch noch andere Unterschiede zwischen Katholiken und Protestanten. Bei den Protestantischen Kirchen gibt es großteils keine Priester wie in der Katholischen Kirche, sondern nur Pfarrer. Damit auch keine Priesterweihe. Dass bei den Protestanten die Marienverehrung, wenn überhaupt, nicht so stark ausgeprägt ist wie bei den Katholiken, ist ebenfalls kein Geheimnis. Die Katholiken haben 7 Sakramente, die Protestanten, so viel ich weiß, nur 2. Und diese Liste lässt sich sicher noch erweitern.

Simplicius Simplicissimus
08.02.2010 17:43
Als Land- und Immobilienbesitzer ...

... ist die kath. Kirche an einer der vordersten Stellen. Da wird schon das eine oder andere Miet- oder Pächtchen, Spekulationsobjektlein, dies und das ertragreiche Geschäft 'drinnen sein, steuerfrei, versteht sich. Je weniger Mitarbeiter die Gebetsindustrie hat, um so besser und mehr Gewinne.
Was die Übergriffe betrifft, meine ich, dass sie im Verhältnis zu ähnlich großen Firmen und Institutionen in ähnlichem Verhältnis stehen. Mit Ausnahme der UNO, deren Mitarbeiter haben mehr Dreck am Stecken
und steht im Ranking der Schließempfehlung an erster
Stelle. Die Geistlichen sollen sich bei Bedarf eben ältere Lebenspartner suchen, oder sich Blasbuben über 18 suchen, der Zölibat steht dem nicht entgegen.

Karl Buschina
08.02.2010 17:36
Warum steigen die nicht auf Eselinnen um?.,.

h k
08.02.2010 17:24
wär kein Schaden

eine Religion, die ihr Imperium seit Jahrhunderten mit Ängsten und Schuldgefühlen der Gläubigen baut, hat ohnehin ausgedient.

Honzoo
09.02.2010 08:42
Begriffseintopf

Kirche, Christentum, Religion sind nicht das gleiche!

nofretete69
 
08.02.2010 17:09

da gehts nur um macht und einfluss ! wer das immer noch nicht durchschaut hat , dem ist wohl nicht zu helfen !
soll jeder glauben was er will , aber anspruch auf welche autorität auch immer hat das christentum schon lange nicht mehr !
bitte kommts endlich im 21. jh an !

Victor Jugo
08.02.2010 16:45
und die Begründung?

da wird einfach die Behauptung aufgestellt, das Ende des Zölibats wäre das Ende des Paptstums, wenn nicht überhaupt das Ende der kath. Kirche, allerdings ohne auch nur die leiseste Begründung.

Angenommen also Priester dürften heiraten, dann würde es laut dem Kommentar womöglich weniger die Grundfeste der Kirche erschütternde Skandale geben - heißt das dann, dass die Heimlichtuerei zum Thema Sexualität bei Krichenfunktionären und Realitätsverweigerung sind Grundpfeiler der Macht des Papstes und Zusammenhalt der Kirche? na da hoffe ich mal, dass da noch was ist ...

Lilith_20
08.02.2010 17:02
Wirtschaftliche Interessen und Historische Gründe

- Kinder von Priestern hätten - zumindest in Europa, das Recht auf Erbe. Im Moment geht das Geld, wenn überhaupt was angesammelt wird an die Kirche zurück.

- Historisch hat das Papstum lange gekämpft dass Priester keine Kinder bekommen dürfen. Ein wichtiger Grund dafür ist sicher Mittelalter und Zeit des Investiturstreits: - Papst konnte/ kann Bistümer an seine Günstlinge vergeben und braucht keine Erbrechte berücksichtigen.

PegasusNbW
08.02.2010 17:41
Erbrecht

das stimmt so nicht (mehr). jeder zölibatär-lebende weltpriester kann erben haben: geschwister, eltern, nichten/neffen udgl.

ordensangehörige können zwar rechtlich gesehen erben haben, haben aber i.d.R. nichts zu vererben, da sie persönlich nichts besitzen. all ihr hab und gut wird ja beim eintritt in das kloster bzw. in den orden eingebracht (armutsgelübde).

frei raum
08.02.2010 16:37
Schade...

warten wir noch kurz bis wir auch "wir sind papst!" sagen konnten und dann beenden wir das ganze

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
08.02.2010 16:07

Übrigens haben auch die Unierten keinen Zölibat und anerkennenden Papst trotzdem als Oberhaupt (gleiches gilt für die Altkatholiken). Ebenso dürfen verheiratete protestantische Priester die zum röm. Katholizismus konvertieren verheiratet und Priester bleiben.

Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
08.02.2010 16:01
"Ende des Zölibats würde das Papsttum gefährden" ???



fast 1000 Jahre lang ist die katholische Kirche auf Priesterebene ohne Zölibat ausgekommen, das Papsttum war dadurch zu dieser Zeit aber nicht gefährdet (viel mehr durch die Streitereien der stadtrömischen Familien).

Übrigens gab es im ORF vor mehreren Jahren ein Interview mit irgendeinem der alten Kardinal König Jünger. Der Interviewer stellte auch die Frage nach der Modernisierung der Kirche und glaubte sehr aggressiv zu sein in dem er den Zölibat in den Mittelpunkt der Frage stellte. Der Interviewte beantwortete die Frage relativ ausführlich, auf den Zölibat ging er aber nur in einem Halbsatz ein: nämlich dahingehend, dass er die Sache für gegessen betrachte und der Zölibat eher früher als später fallen würde.

Charlie Brown
08.02.2010 15:58

"Die Ordination von Frauen wäre eine unmittelbare Folge,"

Mir fehlt da die Begründung.

Seth Gecko
08.02.2010 15:58
Ende des Zölibats würde das Papsttum gefährden!

na dann.....weg mit beiden!

Die Ente Lippens
08.02.2010 15:49
Schwacher Kommentar. Viel wahrscheinlicher ist die Annäherung zur Orthodoxie, die theologisch näher steht als der Protestantismus. Niederer Klerus ohne Zölibat, Karriereklerus mit.

PegasusNbW
08.02.2010 16:10
nicht nur der karriereklerus

ich bin zwar auch der meinung, dass der pflichzölibat für den weltklerus über kurz oder lang fallen könnte, aber der zölibat wird nicht nur für den "karriereklerus" bleiben, sondern auch für alle ordensgeistliche, da ja in den religiösen orden bekanntlich das zölibatsgelübde schon weitaus länger existiert als bei den weltpriestern.

systemfehler1
08.02.2010 15:21
Ende des Zölibats würde das Papsttum gefährden

Unbefleckte Empfängnis?
...oder Zellteilung.

Chanel3
08.02.2010 14:54
Nein, würde nur die Heuchelei gefährden..

..welchselbe darin besteht, dass die KK seit Jahrhunderten ein Klub von Männern ist, die hauptsächlich Männer - jeden Alters - mögen. Eine ganz grosse Geschützte Werkstatt für diese. Diese Übergriffe betrafen ja auch quasi nie Mädchen.

Nix dagegen, aber diese Verlogenheit tät auf der Stelle auffliegen, wenn Frauen auch schon in den Priesterseminaren dabeiwären. Deswegen sind sie fernzuhalten.

Gusti Rentner
 
08.02.2010 17:04
Naja. Buben werden halt nicht schwanger.


Aber die eine oder andere Pfarrhaushälterin oder Pastoralassistentin war durchaus schon in doppelter Hinscht "gesegneten Leibes".

Die Kirche zahlt (aus den Kichenbeiträgen der blauäugig-gutgläubigen Gläubigen) für die außerehelichen Kindlein, verweigert aber den geistlichen Herren Vätern gern die Rückversetzung in den Laienstand und hindert die betroffenen Kindeseltern sohin am Empfang des kirchlichen Sakramentes der Ehe.

Bleibt nur Stillschweigen und der Herr Pfarrer in der Rolle eines "guten Onkels" oder aber die Flucht aufs weltliche Standesamt, wonach sich aber beide Eltern einen neuen Job suchen müssen...


Emil i Lönneberga (advocatus diaboli)
08.02.2010 16:04

Nie Frauen? Ah ja, und wie sind dann die Kirchenfürsten von Mittelalter, Renaissance und Barock zu ihren vielen Kindern gekommen ? Die sie dann auch für Heiratspolitik einsetzten oder zu Kardinälen machten...

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