Atomstreit mit Iran

Zwanzig Prozent zu viel

Markus Bernath, 7. Februar 2010, 19:09

Neue Provokation durch den Iran nährt Unsicherheit und Selbstzweifel im Westen

Sprunghaftigkeit kann auch im Abgrund enden. Mit seiner neuerlichen Kehrtwende im diplomatischen Konflikt um das Atomprogramm seines Landes hat der iranische Staatschef eine gefährliche Phase eröffnet. Mahmud Ahmadi-Nejad schlägt ein Angebot der internationalen Gemeinschaft aus und entscheidet sich für die Provokation. Um 20 Prozent angereichertes Uran sind 20 Prozent zu viel.

Die politischen Folgen nach diesem Wochenende sind erheblich. Ahmadi-Nejad und die Führung in Teheran beschwören nun neue Konfrontationen mit den Inspektoren der Internationalen Atomenergiebehörde in Wien herauf, denen sie immer noch eine Reihe von Antworten zum Atomprogramm schuldig sind. Zentrifugen müssen neu konzipiert werden, um die höhere Anreicherung zu erreichen; der Weg des neu produzierten Brennstoffs muss überwacht werden - ausreichend Anlässe für monate- und jahrelangen neuen Streit.

Mit der 20-Prozent-Entscheidung untergräbt der Iran zudem weiter seine Glaubwürdigkeit als ernst zu nehmender Verhandlungspartner. Die Aussicht auf eine diplomatische Lösung dieses Konflikts lässt das nur kleiner werden. Mit einigem Maß an Bauernschläue glauben die iranischen Führer vermutlich, die Meinungsunterschiede der fünf Großmächte im Sicherheitsrat noch einmal ausnutzen zu können. In Wirklichkeit isoliert sich Teheran zunehmend und bringt die Sicherheitsratsmitglieder näher zueinander.

Russlands Außenminister hat auf der Sicherheitskonferenz in München deutlich gemacht, dass sein Land sehr wohl nun neue Sanktionen gegen den Iran mittragen wird, wenn auch nicht die "harten wirtschaftlichen" Strafmaßnahmen, die manchen in Washington vorschweben. Chinas Empfehlung für "weiteren Dialog und Verhandlungen" mit Teheran hat Ahmadi-Nejad selbst entwertet. Horrorszenarien aus früheren Jahren werden jetzt mit einem Mal Teil ernsthafter politischer Debatten: Ein nuklear bewaffneter Iran würde nicht nur einen Rüstungswettlauf in Nahost und auf der Arabischen Halbinsel auslösen, sondern auch die Aussichten auf einen Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern zunichte machen - Teheran, so die Überlegung, werde die regierende Hamas unter seinen Atomschirm nehmen.

Der Westen reagiert auf diese Herausforderungen mit Unsicherheit und Selbstzweifel. Der Atomstreit mit dem Iran ist dabei eine große, aber nicht die einzige Unwägbarkeit der internationalen Politik zu Beginn dieses Jahrzehnts. Außenpolitisch war das zurückliegende Jahr nicht eben von Erfolgen gekrönt: Das Management des Afghanistankriegs war weitgehend durch die Krise um die manipulierte Wiederwahl von Präsident Hamid Karsai lahmgelegt; die USA unter ihrem neuen Präsidenten haben weder vorzeigbare Erfolge in Nahost noch beim "Neustart" der russisch-amerikanischen Beziehungen oder der Abrüstung Nordkoreas erreicht.

Der Klimagipfel in Kopenhagen zerstörte schließlich auch die Chimäre von der neuen globalen Regierungsfähigkeit der Staaten im Gefolge der Finanzkrise. Unklar ist, was das begonnene Jahr bringen wird. Dass das neue Führungspersonal - EU-Außenministerin Catherine Ashton und IAEO-Direktor Yukiya Amano - in München keinen Eindruck machte, hat die morose Stimmung nur verstärkt. (Markus Bernath, DER STANDARD, Printausgabe 8.2.2010)

 

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Marcus Maccabaeus
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Nachtigal ich hör dir trapsen

"Der Klimagipfel in Kopenhagen zerstörte schließlich auch die Chimäre von der neuen globalen Regierungsfähigkeit der Staaten im Gefolge der Finanzkrise."
Es geht bei dem Konflikt mit dem Iran um die "Neue Weltordnung". Der Iran steht dieser offensichtlich im Wege!

Uund heid han i's g'woschn! (c) Moser Pröll
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Spezifizieren Sie doch einmal, was Sie unter "Neuer Weltordnung" verstanden wissen wollen.

Offensichtlich doch etwas mehr als "globale Regierungsfähigkeit": bei der ginge es vielleicht nur um die Möglichkeit, für globale Probleme globale Lösungen zu finden.

Was meinen Sie genau? Nennen Sie Roß und Reiter und sagen Sie uns, wo Sie Ansatzpunkte einer "Weltordnung". wie Sie sie meinen, erkennen.

Selbstzweifel im Westen sind nicht ersichtlich

Das Mantra "Wir haben einen Verdacht" wird mit der gleichen Begeisterung und Inbrunst wie vor 10 Jahren in die Welt hinaustrompetet. Von Selbstzweifel weit und breit keine Spur. Obwohl jeder normal denkende Mensch sicher Selbstzweifel haben müßte, können diese unsere Politiker geschickt verbergen, was sie haben oder sind.

systemfehler1
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Also was´n jetzt?

In der ZIB hieß es, man müßte, um waffenfähiges Uran zu erhalten, mindestens auf 80% anreichern. 20% reichten maximal für medizinische Verwendung.
Und irgendwie meine ich, dass man das auch einem Iran zugestehen sollte, dass er seine Menschen medizinisch betreut.

Ich neige dazu, der ZIB zu glauben.

dekorhippe
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nur so als überschlag mit einigen vereinfachungen, aber die richtung sollte schon ersichtlich sein.

um aus 0.7%-igem natururan 50 kg 80%-iges waffenuran zu machen muss man 5714 kg ausgangsmaterial 114-fach anreichern.

um aus 20%-igem medizinuran 50 kg 80%-iges waffenuran zu machen muss man 200 kg ausgangsmaterial 4-fach anreichern.

20%-iges uran ist daher (vom anreicherungsaufwand her gesehen) defakto waffenfähiges uran.

sir osis of liver
 
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bitte, herr benrath - es ist bekannt dass die agency in wien recht inkompetente presseoffiziere hat, aber - 20 prozent anreicherung sind 20 prozent zuviel ist absolut bullshit. natururan hat bereits o,700 prozent.
iran möchte auf ca. 3.5 prozent anreichern. wieviel ist das auf 20 prozent?

sir osis of liver
 
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20 prozent angereichertes uran können nur für medizinische zwecke verwendet werden. für bomben fähiges uran braucht es wenigstens 80 prozent.

Baer8
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Die westliche Hetze geht munter weiter...

Der Iran kann so lange nichts recht machen solange er Erdöl besitzt und die Amis darauf nicht zugreifen können. Das Erdöl ermöglicht auch die Aufrüstung und davor haben die Israelis Angst. Die gesamte Außenpolitik Amerikas ordnet sich den israelischen Sicherheitsängsten unter. Ein starker Iran würde die Palästinenser stark machen und die totale Herrschaft Israels und Amerikas in der Region zumindest in Frage stellen.

Mahlstrom ins Nichts
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ein starker Iran könnte vor allem noch mehr Bahais im eigenen Land asurotten, Minderheiten verfolgen und Oppositionelle wahlweise niederknüppeln oder sprengen


wie toll die Atomwaffe die dortige Bevölkerung unterstüzt, sehen sie ja tagtäglich an der Zahl der Hungertoten in Nordkorea.


Aber an solche Konsequenzen haben sie in ihrem geistigen Aufblitzen nicht gedacht...

zimbo
 
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Teheran, so die Überlegung,

Wessen Überlegung ?

Sogar die US-Geheimdienste sprechen von keiner Bombe im Iran.

dekorhippe
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die us geheimdienste sprachen aber

auch von mvw im irak. ich hab mir angewöhnt aussagen der us-geheimdienste mit argwohn zu begegnen. sollte sie auch tun












;)

zimbo
 
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Wird gemacht.

Mahlstrom ins Nichts
10

heute nicht;


vor 30 Jahren hatte Pakistan auch noch keine Atomwaffen. Ist die Region dort besser und sicherer geworden, das Pakistan und Indien jetzt welche haben?


Merken sie, dass sie ein wenig kurzzsichtig denken?

Ava Tar
00

Erster Indisch-Pakistanischer Krieg (1947-1949)
Zweiter Indisch-Pakistanischer Krieg (1965)
Dritter Indisch-Pakistanischer Krieg (Bangladesch-Krieg, 1971)

seit den 1980ern haben beide Atomwaffen = kein Krieg mehr

zimbo
 
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Um 20 Prozent angereichertes Uran sind 20 Prozent zu viel.

Sagt wer ?

TanteMitzi
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Die "Aussichten"

Herr Bernath schreibt: dass die atomare Bewaffnung des Iran "Aussichten auf einen Friedensprozess zwischen Israel und den Palästinensern zunichte machen".
Das mit den Aussichten ist eine gelungene Formulierung. Denn bis jetzt hat es keinen Friedensprozess, sondern nur einen Siedlungprozess gegeben.

Mahlstrom ins Nichts
30

darf ich ihrer Geschichtslücke ein wenig helfen?


http://de.wikipedia.org/wiki/Oslo... ensprozess

warum dieser Prozess scheiterte, dürfte ihnen als geschichtlich zumindes im Mindestmaß interessierter Mensch ja bekannt sein.


tarte tatin
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und was genau hat das jetzt mit dem iran zu tun?

Naomh
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es wird nur ein Vorwand..

gesucht und jetzt haben wir einen.
Der Iran (sein Regime ist fragwürdig keine Frage) hat Öl und wenn China oder Russland nicht mehr helfen kann/will. Und diesesmal gibt es eine Anlage und keiner kann beurteilen ob da etwas mit 5% 20% oder mehr angereichert wurde.
Sadam, als er noch von den USA unterstützt wurde .. sollte doch den Iran angreifen und übernehmen.. das hat halt nicht funktioniert.
Nun ist es an der Zeit, unter UN Sanktionen(oder nicht) es selber zu machen.

Die Welt hat bei Afganistan weggeschaut.
Beim Irak wurde offen gesagt.. es gab keine Waffen..
und beim Iran wird es genauso sein.
Ein weiteres Land im Chaos.. das ist einen Friedensnobelpreis wert...

Mahlstrom ins Nichts
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die Welt hat auch beim dritten Reich zugeschaut; die haben auch Panzer und Flugzeuge (...Atomwaffen) gebaut und J*den interniert (...Bahais) und H*tl*r (...Ahmadini) hat die ganze internationale Politik zum Narren gehalten.

zimbo
 
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Ja, aber wie wollen sie die Amis so einfach entwaffnen.

War ja damals auch nicht so einfach.

daemeth
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israel macht doch das gleiche

soll doch der westen dort mal reinschaun und das land mit sanktionen belegen. aber nein, das darf man ja nicht^^

Kontrahent1
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Herr Liebermann ???

Lukasz
 
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wenn es soweit ist, schlagen die israelis zu

und zerstören die anlagen zu produktion von angereichertem uran in iran.

für die wird es dann ums nackte überleben gehen, also glaube ich nicht, dass sie rücksicht auf bedenken von irgendjemand nehmen werden.

das gleiche haben sie in syrien gemacht, es ist nur in der medialen flut ziemlich untergegangen...

hans wurst1010
 
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"Für Israel wird es um´s nackte Überleben gehen"

-wenn der Iran die Anlage hat die er braucht um sich ne " A-Bombe" zu bauen bauen?

Glaub ich kaum, dass Israel zu dem Zeitpunkt mehr oder weniger gefährdet ist als jetzt. Teheran wird ja wohl nicht so blöd sein und eine Atombombe auf Israel abwerfen. Das würde mit ziemlicher Sicherheit umgehend eine Invasion der westlichen Welt in den Iran nach sich ziehen. Der Iran wäre sicher unterlegen und es würde zu einem Reimwechsel kommen. Das wird wohl auch die Führung in Teheran checken, so unendlich deppert die auch sind.

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