"Vertuschung per Dienstanweisung"

Birgit Baumann aus Berlin, 7. Februar 2010, 18:44

Zuerst sollten die Schüler mit dem Religionslehrer basteln, dann vor ihm onanieren - Ein ehemaliger Schüler schildert, wie er jahrelang missbraucht wurde

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"Jesuitenschulen sollen Orte sein, an denen die Schülerinnen und Schüler ihre Würde als Mensch erfahren." So lautet einer der Grundsätze auf der Homepage des Berliner Canisius-Kollegs. Klaus D. hat an seine ehemalige Schule ganz andere Erinnerungen. Der heute 48-jährige Berliner wurde Mitte der Siebzigerjahre jahrelang von einem Jesuitenpater missbraucht.

Lehrer brachte "frischen Wind" ins Kolleg

"Anfangs fanden wir den Mann gut", erinnert sich D. im Gespräch mit dem Standard. Der Religionslehrer brachte "frischen Wind" ins Kolleg. In einem Nebengebäude hielt er im Namen der "Gemeinschaft christlichen Lebens" Jugendstunden ab. Er bastelte mit den Buben, man diskutierte über das Neue Testament und die Dritte Welt. Um "Gruppenleiter" zu werden, sollten die Schüler dann aber zum "Einzelgespräch" beim Pater erscheinen.

Gerüchte und stilles Wissen

"Ich musste vor ihm onanieren oder mich ausgezogen auf ein Bett legen", schildert der ehemalige Schüler diese "offenen Beichtstunden". Selbstverständlich kam am Ende der Stunde die Anweisung, darüber zu schweigen.

Die Betroffenen hielten sich daran. Wohl gab es "Gerüchte und ein stilles Wissen" um die Geschehnisse. Doch erst 1981 wandte sich D. an die Schulleitung und schilderte zunächst mündlich, später schriftlich den Missbrauch.

Vertuschung per Dienstanweisung

Doch statt Hilfe zu bekommen, erlebte er "Vertuschung per Dienstanweisung" - gemäß dem Motto: Es kann nicht sein, was nicht sein darf. D. durchlitt die "klassischen Symptome" eines Missbrauchopfers: "Ich verschattete, zog mich zurück, wurde immer schweigsamer", erzählt er. Jetzt aber, wo sich immer mehr Opfer melden, wollte auch D. nicht mehr schweigen. Er prüft nun, welche zivil- und strafrechtlichen Ansprüche er nach so vielen Jahre noch hat, verlangt zudem Einsicht in das Schularchiv. Da immer mehr Fälle öffentlich werden, empfindet der Berliner "Genugtuung darüber, dass vielen anderen diese Tortur erspart bleibt und dass die Kirche doch ihre private Justiz nicht aufrechterhalten kann". (Birgit Baumann aus Berlin, DER STANDARD Printausgabe 8.2.2010)

Kommentar posten
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mabaalti
00
18.2.2010, 13:52
ich wurde zensuriert

von kim-jong ils lehrlingen.

dabei wollte ich doch nur " sie schwitzen es auch nicht aus den augen raus schreiben...."

mabaalti
00
18.2.2010, 13:32
Priester sind doch auch nur Menschen...

...und wie meine feinfühlige Frau so sagt :
" Sie schwitzen es auch nicht bei den Augen raus ! "

...und wenn ein Priester Mitte oder Ende zwanzig ist, hat er auch als Priester manchmal einen Ständer unter der Kutte ( = furchterregend ). Das brennt sich auf der Netzhaut eines kleinen Buben für sein Leben ein....

Wie könnte man Abhilfe schaffen :
1. laßt sie endlich heiraten
2. im Falle des Falles : Priester Homo Ehe !
( vielleicht heiraten sogar Priester untereinander :-) )
3. Sexpuppen und mobile sprechende Vaginas
( gibts in jedem gut sortiertem shop )

Der Priester unseres Ortes ist mit auch leicht suspekt - der ist viel zu freundlich......das kommt beim gelernten Österreicher nicht so an... :-)

Omar Khayyám
00
12.2.2010, 16:38

Was ist eigentlich mit dem Artikel "Ende des Zölibats würde das Papsttum gefährden" von Gerfried Sperl passiert? Er hätte mich sehr interessiert.

Mitch21
40

wären diese mißbräche auch vor 30 jahren von richtern als solche anerkannt und verurteilt worden? falls nicht, was soll dann diese künstl. aufregung. jetzt wissen wir genau was mißbrauch ist, doch damals?

vikto1313
03

Bin damals wie die Geschichte von Groer bekannt wurde, aus der Kirche ausgetreten.
Statt Bestrafung zu widerfahren, hat sich Groer damals seine Wohnung um 2 Mill. Schilling auf Kirchenkosten umbauen lassen.
So sieht Gerechtigkeit in der Kirche aus.

Für mich sind einige Kirchenfürsten nichts anderes als Sektenmitglieder. Es regieren Eitelkeit, Neid, Selbstherrlichkeit, Uneinsichtigkeit, Größenwahn und Überheblichkeit.

Man muss Zeichen setzen (Kirchenaustritt) und damit zeigen, dass man mit ihren Handlungen nicht einverstanden ist. Die Toleranz in den eigenen Reihen (Missbrauch) ist unverständlich und schäbig.

Pracesi
 
00
17.2.2010, 23:43

Nicht einige, alle! Egal wie die immer gerade gegenwärtigen Gesellschaftsführenden dies sehen, dogmatische Religionen sind schlicht Sekten.

Duke's Denver
00
11.2.2010, 17:50
Teurer Wohnungsumbau

Groer auch? Über Krenn (Abgang unter nicht unähnlichen Umständen!) habe ich es damals gelesen.

vikto1313
00
12.2.2010, 11:14

Bei dem Umbau durch Kirchengelder wurde unter anderem auch ein Aufzug eingebaut.

Duke's Denver
00
12.2.2010, 15:56
Ich habe ja immer gewusst,

warum ich mich nie an Geldsammlungen für den vermeintlichen Erhalt von katholischen Kirchenbauten beteiligt habe!

Clara Phlik
12
Klarstellung

Einige Poster phantsieren sich zusammen, ich wäre

"Lorelei Sonnenschein".

Das ist wirklich falsch!

Möglicherweise sind wir geistig ähnlich gestrickt. Das spricht für die/der "LoreleiSonnenschein".

Lorelei Sonnenschein
00
@Clara Phlik

:-) Sie sind nicht zufällig männlich, single und zw. 35 und 40? Ihr nick spricht ja leider dagegen... :-)

LG
Lorelei

cipf
 
07

Was mich viel mehr wundert als die Tatsache der pädophilen Neigung vieler Priester der div. Kirchen (keine auszuschließen) ist die Blauäugigkeit der Gesellschaft.
Seit Jahren (fast schon Jahrzehnten) gibt es immer wieder Hin- und Beweise. Trotzdem gibt es noch immer Eltern, die ihre Gschroppen zu den seltsamen Männern in Pflege geben. Und dann so tun, als ob sie gerade auf der Nudelsuppe schwimmend, am (pädophilen-) Rand an Land gegangen wären.

NotDarkYet
02

Das passiert nicht erst seit Jahrzehnten, das passiert seit (zwei) Jahrtausenden.

Peterk K
11
Bevor man so pauschale Postings abliefert, sollte man sich zuerst mit den Zahlen auseinandersetzen.

So ungeheuerlich jeder einzelne Fall von Mißbrauch ist und um so schlimmer, wenn dies von einem Priester ausgeht, da dieser eine ganz besondere Vertrauensstellung innehat, so sollte man nicht eine Institution in Bausch & Bogen kritisieren.

Vor allem sollt man eines dabei beachten, eine ungleich und weitaus (!) höhere Anzahl solcher Mißbrauchsfälle passiert in der Familie, in Sportklubs, auf Jugendlager etc. Keiner würde aber deswegen alle Eltern, Sport- und Jugendvereine etc. unter Generalverdacht stellen.

cipf
 
00

Keine der von Ihnen genannten Institutionen (ich war selber Pfadfinderführer, über 20 Jahre lang) fordert aber von ihren Vertretern, dass sie sexuell enthaltsam leben sollen/müssen.
Eine Istitution die solches fordert ist zu verdammen und - in ihrer Gesamtheit - abzulehnen!

mabaalti
00
18.2.2010, 13:13
und keiner dieser institutionen verschweigt die tatsache dann so gekonnt.

...und macht vielleicht die "sexuelle revolution" dafür verantwortlich.......

KHG - die reine Unschuldsvermutung
03
wundert mich aber schon gar nicht

kein skandal ohne khg
kein kloster oder klosterschule ohne sexskandal

die pfaffen sitzen im schafspelz an der quelle und schnappen sich, was ihnen vor´s rohr kommt

denkmal
03

ich trete aus (war überfällig ich weiß)

LL MM
01

Aus dem Jesuitenorden? Werden Sie jetzt Dominikaner?

denkmal
00

aus der römisch katholischen Kirche sie d.

Craig Christ
014
278a?

Wie schaut es da damit aus?

§ 278a. Wer eine auf längere Zeit angelegte unternehmensähnliche Verbindung einer größeren Zahl von Personen gründet oder sich an einer solchen Verbindung als Mitglied beteiligt (§ 278 Abs. 3),


1.die, wenn auch nicht ausschließlich, auf die wiederkehrende und geplante Begehung ... oder das Vermögen bedrohen, oder schwerwiegender strafbarer Handlungen im Bereich der sexuellen Ausbeutung von Menschen, ... ausgerichtet ist,

2.die dadurch eine Bereicherung in großem Umfang oder erheblichen Einfluß auf Politik oder Wirtschaft anstrebt und

3.die andere zu korrumpieren oder einzuschüchtern oder sich auf besondere Weise gegen Strafverfolgungsmaßnahmen abzuschirmen sucht,

...bis zu fünf Jahren zu bestrafen

friedrich wilhelm voigt
03

das gilt nur für tierschützer.

Joe Freibergson
00
17.2.2010, 06:56

schäfchen sind tiere, und es geht um deren hirten.

Besserwisser

Vielleicht sollten wir unterstellen, dass Männer, die Priester werden wollen, dieses tun, weil sie meinen ihre schon vor dieser Berufswahl vorhandenen Neigungen besser in den Griff bekommen zu können.
Leider schaffen sie es aber nicht !

Peterk K
00
dies bleibt aber bei näheren Hinsehen nur eine

Unterstellung, denn unter nicht zölibatar lebenden Personen finden sich prozentuell 36x so viele Mißbrauchsfälle als bei zölibatär lebenden Personen. Die Medienberichterstattung ist aber dazu konträr.

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