Einige Branchen trotzen der Krise

Günther Oswald, 07. Februar 2010 18:17
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Trotz grundsätzlich steigender Arbeitslosigkeit gibt es weiterhin Branchen, in denen neue Jobs entstehen - ein Überblick

Wien - Von Monat zu Monat steigen die Arbeitslosenraten. Im Jänner waren erstmals über 400.000 Menschen arbeitslos gemeldet oder haben gerade eine AMS-Schulung absolviert. Die Krise hat aber nicht überall gleich stark zugeschlagen. Nach wie vor gibt es Branchen, in denen auch zusätzliche Jobs entstehen. Den größten Zuwachs gab es im letzten Jahr in der Energiebranche. Im Jahresverlauf waren 10,7 Prozent mehr Menschen bei den Energieversorgern beschäftigt als im Jahr davor (siehe Grafik).

Positive Beschäftigungseffekte sind auch mit der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft verbunden. Immer mehr Menschen sind auf Pflege angewiesen. Insgesamt ist der Markt "Gesundheits- und Sozialwesen" um sechs Prozent gewachsen. Laut Arbeitsmarktservice (AMS) gibt es vor allem Bedarf nach diplomierten Krankenpflegern. Alle großen Pflegeeinrichtungen in den städtischen Ballungszentren wie der Wiener Krankenanstaltenverbund, die Caritas oder das Grüne Kreuz stellen neue Leute an.

Der Maschinenbau zählt zwar grundsätzlich zu den Krisenverlierern, aber auch hier gibt es vereinzelt Firmen, die boomen. Die Firma Josef Binder Maschinenbau im steirischen Bärenbach sucht beispielsweise aktuell beim AMS 150 neue Mitarbeiter für die Entwicklung und Produktion von Heizkesseln und Biomasse-Heizsystemen.

Akademiker bevorzugt

McDonald's wiederum braucht neue Leute für den Ausbau seiner McCafés. 2010 sollen rund 500 neue Posten entstehen, sagte Ursula Riegler von McDonald's im Standard-Gespräch. Die Nachfrage nach den Jobs sei enorm. Seit man im Internet eine eigene Jobbörse eingerichtet hat, ist die Zahl der jährlichen Bewerbungen von 9000 auf 12.000 gestiegen.

Die Forschungseinrichtung Synthesis hat für das AMS auch branchenweise Prognosen für das Jahr 2010 erstellt. Die meisten neuen Jobs werden demnach nach dem Gesundheitsbereich bei Finanz- und Versicherungsdienstleistern entstehen. Hier soll der Beschäftigungsstand um 3800 Personen zunehmen.

Im Bereich der "sonstigen Dienstleistungen" wird im Laufe des Jahres 2010 mit 2900 neuen Jobs gerechnet, bei "freiberuflichen wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen" mit 2700. Ein wachsender Markt ist auch die Bildungsbranche: 2300 neue Jobs sollen hier laut Synthesis entstehen. Jobchancen bieten sich weiters in der Pharmabranche. Bei der Herstellung pharmazeutischer Produkte werden laut Prognosen etwa 1500 neue Leute gebraucht.

Beschäftigungsstand wird weiter sinken

Wer nicht in einer der aufblühenden Branchen unterkommt, wird es aber auch 2010 schwerhaben. Unterm Strich rechnet Synthesis nämlich damit, dass der Beschäftigungsstand um 63.000 sinken wird. Zum Vergleich: 2009 betrug der Rückgang 54.500.

Gut ausgebildete Menschen werden es dabei statistisch gesehen weiterhin besser haben als schlechter ausgebildete. Der Markt an akademischen Jobs wird laut Prognose 2010 sogar geringfügig (plus 1400) wachsen, ebenso jener für Menschen mit Abschluss einer berufsbildenden höheren Schule (plus 2900). Für AHS-Absolventen schrumpft der Markt aber bereits (minus 800).

Für Menschen, die nur eine Lehre abgeschlossen haben, wird es 2010 um rund 38.600 Jobs weniger geben. Für Arbeitskräfte, die nur einen Pflichtschulabschluss haben, stehen 29.400 Jobs weniger zur Verfügung.(Günther Oswald, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.2.2010)

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Peter_23
08.02.2010 16:57
Diese Tabelle sagt leider nichts aus, so lange

nicht dabei steht, wie hoch/niedrig die mittleren Einstiegsgehälter in jenen Bereichen denn sind.

Arbeit gibt es mehr als genug. Vor allem Arbeit für die nichts oder nur ein Bettellohn gezahlt wird.

Aracni Santini
08.02.2010 18:11
Und kann man von einem Bettellohn eine Familie durchbringen?

dr. ecksau
08.02.2010 17:21
diese Tabelle sagt leider auch deswegen nichts aus

weil ich sie nicht besonders gut lesbar ist, außer man pickt so nahe am Bildschirm, dass die Nase schon fast einen Fettfleck hinterlässt - bitte Vergrößerungsoption!

A. B.2
08.02.2010 14:57
es ist doch ganz einfach!

je mehr vermögen (und damit macht) privatisiert wird, desto leichter haben es die privaten, ihr vermögen zu mehren und damit die gesellschaft insgesamt weiter zu schädigen.
steht nicht sogar in der verfassung, dass privates vermögen gesellschaftsdienlich zu verwenden ist?

Arthur D Little
 
08.02.2010 23:25

"steht nicht sogar in der verfassung, dass privates vermögen gesellschaftsdienlich zu verwenden ist? "

Die Gesetzesstelle möchte ich sehen!

Aracni Santini
08.02.2010 13:57
Steuerloch klafft! Das sollte die passende Überschrift dazu sein

Denn das was da boomt, sind nur "Branchen" aus dem Sozialbereich, steuerfinanzierte/abgabenfinanzierte Bereiche. Während man auf der anderen Seite sieht, dass in den Branchen, in denen eben diese Steuern erwirtschaftet werden, der Umsatz wegbricht uns somit die Steuereinnahmen.

Aracni Santini
08.02.2010 13:52
Ist es nicht gefährlich, junge Leute mit Familien in die Altenpflege zu drängen

Denn, wenn unser Sozialsystem kaputt ist, dann sind diese Jobs schlagartig weg bzw. reduziert.

Aracni Santini
08.02.2010 13:51
Wieviele in diesen Pflegeheimen (Senioren)

Können ihre Rechnung selbst bezahlen? Vielleicht ist es an der Zeit über einen "Pflegediskonter" nachzudenken. Ich bin der Meinung das in diesem Bereich auch einfach oft nur abgecasht wird und das eine oder andere den Senioren auf das Auge gedrückt wird, die Sinnhaftigkeit stelle ich jetzt außer Frage. Für viele ist das auch schon zum Selbstbedienungsladen geworden...

Aracni Santini
08.02.2010 13:49
Die Energiejobs steigen weil die Preise zu hoch sind

Mit ein Grund dafür ist die Energiesteuer. Unsere Verwaltung benötigt eben dringend Einnahmen. Da ist die Energiesteuer gerade recht. Auf diese Konzeren kann man auch besonders gut Einfluß nehmen. Warum zahlen Private so viel mehr als Unternehmen? Alleine die Steuern betragen schon 31% der Energierechnung. Je höher die Energiepreise umso mehr Einnahmen hat unser Staat. Und da komme alle dran.. auch die arbeitslosen... Man kann doch nicht niedrige Energiepreisen propagieren... obwohl das Volk dringend Kaufkraft nötig hätte... wie sollte man denn die Altenpflege etc. bezahlen... ohne all die Steuereinnahmen.

fprands
08.02.2010 13:46

Ist ja beruhigend, dass die Finanzindustrie zu den Gewinnern zählt.

José Atento
08.02.2010 13:10
Jaja

McDonalds sucht Akademiker ;-)

Falle ich in den Bereich 'sonstige wirtschaftliche Dienstleistungen'?

also dann ...
08.02.2010 14:22
hmhm ... "ein akadem. hand-gestreichelter burger" - vielleicht ?

•™
08.02.2010 12:00

Nicht zynisch gemeint: Es ist sogar zu hoffen, dass die Arbeitslosigkeit noch massiv ansteigt.

Die Inanspruchnahme des Staates ist nichts anderes als der effektivste Kampf gegen den neosozialistischen Umverteilerstaat.

Podolski36
08.02.2010 13:44

nicht zynisch gemeint: ang'rennt?

•™
08.02.2010 16:42

Nein. Warum?

Podolski36
08.02.2010 18:12

Warum? Weil es von geradezu sagenhafter Menschenverachtung kündet, wenn sie darauf hoffen, dass zahllosen Menschen durch Arbeitslosigkeit die ökonomische Existenzgrundlage entzogen wird, nur damit das bekämpft werden kann, was Sie zum "neosozialistischen Umverteilerstaat" erklären.

•™
09.02.2010 01:10

Lieber Podolski36, nein, ich hoffe nicht, dass Menschen die ökonomische Existenzgrundlage entzogen wird.
Im Gegenteil, ich stelle simpel weit verbreiteten "Meinungen" die Behauptung entgegen, dass eben der neosozialistische Umverteilerstaat u.a. mit seinem Monopolen auf gesetzliche Zahlungsmittel, Geldschöpfung, (unmögliche) Schein-Uniforme Besteuerung (bzw. Abgabenzwang, den ich simpel für Raub halte) usw. erst die Grundlage zum Entzug jeglicher (nicht nur 'ökonomischer') Existenzgrundlage inkarniert.
Wenn Sie freiwillig(!) in solch sozialistischer Schlaraffenwelt leben möchten, ich gönne es Ihnen.
Ich lehne ein solch künstliches Zwangskonjunkturzyklenbiotop, das uns noch eine massivere Krise als neulich bescheren wird, ab.

Warum?
08.02.2010 22:40

Das nennt sich schlicht und ergreifend Nazi.

•™
11.02.2010 17:33

Nein, ich nenn mich nicht Nazi. Haben Sie Argumente auch auf Lager? Oder reicht es Ihnen, zu blöcken wie ein Schaf in der Masse?

The Tiger-Wuzz
08.02.2010 10:01
Ja, ja, die Land- und Forstwirtschaft!

und dazu paßt - wo hab ich das nur her? Ö1-Mittagsjournal vom Samstag? - daß ein im ländlichen Raum angelegter Euro wesentlich mehr bringt als im städtischen Bereich.

Räuber Hotzenplotz wäre heute Bankster
08.02.2010 08:49
>> gibt es weiterhin Branchen, in denen neue Jobs entstehen <<

Ja, Schleckerjobs werden jede Menge entstehen, da bin ich mir sicher.

Solange die einzigen politischen Zielsetzungen weiterhin "Durchkommerzialiserung" und "Bürgerüberwachung" bleiben, ist nichts anderes zu erwarten.

natoll
08.02.2010 09:05

bei den top-5 der branchen mit den größten zuwächsen ist aber der handel nicht zu finden ...

Dr.in Luitpold Bäringer
08.02.2010 11:05
"Schlecker-Jobs" sind branchenunspezifisch, lieber Freund

natoll
08.02.2010 12:31

nein, sind sie nicht.

turn of a friendly card
08.02.2010 12:00
... und auch sehr unterschiedlich in ihrer Auswirkung.

"Schlecker-Jobs" können einerseits armutsgefährdend sein, andererseits können sie unheimlich karrierefördernd sein. Ist eine Frage der Betrachtungsweise.....:-)))))

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