Die Abwicklung von zwei Fällen höchst undurchsichtigen Umgangs mit heiklen Bankdaten könnte nicht idealer zusammenfallen - Von Thomas Mayer
Es ist Zufall, aber die Abwicklung von zwei Fällen höchst undurchsichtigen Umgangs mit heiklen Bankdaten könnte zeitlich nicht idealer zusammenfallen als "Swift" und "Steuer-CD" diese Woche. An der Art, wie Politik und Öffentlichkeit damit umgehen, zeigt sich, wie sehr Grundrechts- und Datenschutz im Argen liegen.
Das geplante Interimsabkommen Swift zwischen EU und USA soll amerikanischen Geheimdiensten im Anti-Terror-Kampf weitgehenden Zugriff auf Kontodaten von EU-Bürgern ermöglichen. Völlig zu Recht droht das EU-Parlament, das Abkommen platzen zu lassen, sollte von den EU-Polizeiministerien und den USA nicht noch ein Mindestmaß von Bürgerrecht (von Auskunft bis zu Klagemöglichkeiten) im Gesetz berücksichtigt werden. In der Bevölkerung findet das breite Unterstützung.
Beim Ankauf jener Steuer-CD, die von einem Unbekannten in einer schweizerischen Bank illegal beschafft wurde, ist es genau umgekehrt: Eine Mehrheit begrüßt das - es geht ja gegen die Reichen, angebliche oder wirkliche Steuerhinterzieher. Aber das kann es ja nicht sein, dass deutsche Steuerfahnder für eine Übergabe nach Frankreich fahren, weil der straffällige Datenhändler in Deutschland sofort verhaftet werden müsste (in der Schweiz sowieso). Was ist, wenn die Daten faul sind? Was ist mehr wert - Steuereinnahmen, Terrorfahndung oder Bürger- und Datenschutz? Das gehört dringend geregelt: EU-weit, transparent, klar.(Thomas Mayer, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 8.2.2010)