Posträuber kamen im Ganzkörperschleier

Stefan Brändle, 07. Februar 2010 18:23

Mit Ganzkörperschleiern maskiert haben Unbekannte in Parisein Postamt überfallen. Der Raub heizt die heftig geführte Debatte über ein Verbot der Burka in Frankreich weiter an.

Es war fast zu erwarten gewesen. Die seit Wochen dauernde Diskussion um ein Verbot des Ganzkörperschleiers beschäftigt nicht nur die französischen Politiker, sondern bringt auch Bankräuber auf Ideen. Zwei von ihnen überfielen am Samstag ein Postbüro in Athis-Mons östlich von Paris.

Gegen 10.30 Uhr präsentierten sie sich im dunklen Nikab - der im Unterschied zum Stoffgitter der afghanischen Burka zwei Augen freilässt - vor der Eingangsschleuse des Postamtes. Ein Angestellter ließ die zwei vermeintlichen Bewohnerinnen der Vorstadtgemeinde ohne weitere Umstände ein. Im Innern des Lokal lüfteten die beiden Männer ihre Kopfbedeckung, bedrohten die etwa 20 Anwesenden mit einer Pistole und verlangten die Herausgabe des Geldes. Danach verließen sie die Post ohne große Hast in Richtung des Parkplatzes. Die Fahndung blieb vorerst erfolglos.

Auch wenn ihre Beute nur 4500 Euros betrug, machte der Überfall umgehend nationale Schlagzeilen. Frankreich diskutiert seit längerem über ein Verbot des islamischen Ganzkörperschleiers, nachdem 2004 schon die bloße Haarbedeckung an Grundschulen verboten worden war. Eine Parlamentskommission hat vor zehn Tagen ein Teil-Verbot angeregt: Nikab oder Burka sollen in öffentlichen Ämtern und Orten, nicht aber auf der Straße untersagt werden. Das Parlament soll im Frühjahr entscheiden.

Der Banküberfall "wird zweifellos die Anhänger des totalen Verbotes des islamischen Körperschleiers bestärken" , kommentierte die nationale Medienagentur Agence France Presse, die sich sonst solcher Einschätzungen enthält. Über die Frage des kriminellen Missbrauchs hinaus pochen die Verfechter eines Burka-Verbotes generell auf die Personenidentifizierung in Amtsdokumenten und argumentieren mit der Unvereinbarkeit der Burka gegenüber westlichen Umgangsformen.

Wahlkampfmunition

Gut einen Monat vor den französischen Regionalurnengängen hat das Thema auch eine deutlich wahlpolitische Note. Vergangene Woche verweigerte Immigrationsminister Eric Besson einem Marokkaner die französische Staatsbürgerschaft, weil dieser seine Frau außer Haus offenbar zur Ganzkörperverhüllung gezwungen hatte. Der bürgerliche Premierminister François Fillon deckt dieses Vorgehen demonstrativ. Bisher hatten die Behörden nur den Nikab-Trägerinnen selbst den französischen Pass verweigert; diese Fälle waren allerdings sehr selten. Marine Le Pen, die Tochter des französischen Rechtsextremistenchefs, verlangt sogar die Bestrafung und Ausweisung des Marokkaners.

Während die Sozialisten in der Frage gespalten sind, setzte die "Neue Antikapitalistische Partei" (NPA) im südfranzösischen Avignon demonstrativ eine Kopftuch-Trägerin auf ihre Wahllisten. Die Studentin Ilham Moussaïd trägt zwar nicht den Nikab, verurteilt aber die Debatte, da sie eine einzelne - die muslimische - Gemeinschaft abstemple. Zum Postüberfall und der Frage von Eintrittskontrollen für Schleierträgerinnen äußerte sich die linksradikale NPA bisher nicht - ihr Anführer Olivier Besancenot ist dummerweise selbst Briefträger. (Stefan Brändle aus Paris, DER STANDARD, Printausgabe 8.2.2010)

Kommentar posten
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josefa maier449
02.03.2010 01:37
ich bin dafür, dass nur mehr Bank- und Posträuber

Burka tragen dürfen :-)

DieBo
12.02.2010 10:34
Ha hahahaha ich fass mich am Kopf wie man dem Burka "Problem" beikommen will. Und so eine durchschaubare Nullachtfünfzehn Nummer funktioniert wahrscheinlich. Wofür brauchen wir eigentlich Schulbildung wenn wir am Ende trotzdem dämlich bleiben?

Zwei Und Vierzig
11.02.2010 18:03
Auch wenn ihre Beute nur 4500 Euros betrug, [...]

In diesem Fall sind es 4500 Euro und nicht Euros.

Micha Do
 
12.02.2010 11:13
Wer weiss, vielleicht warens einzelne.... ;-)

Timagoras
 
09.02.2010 15:20

es mag ja leute geben, die für das "menschenrecht" plädieren, so
http://www.yopi.de/image/pro... 762045.jpg
als lehrer unterrichten zu dürfen,
oder so
http://scienceblogs.com/startswit... -vader.jpg
eine bank betreten zu dürfen
oder so
http://www.rauris.net/images/or... hten12.jpg
als ärztin arbeiten zu dürfen.

ich verstehe aber nicht, a) warum das jemand will,
und b) warum man das unbedingt erlauben muss.



juanpablo85
10.02.2010 08:58

Warum muss man es verbieten?

Timagoras
 
10.02.2010 11:53
weil ich als bankangestellter nicht so jemanden ...

http://www.rauris.net/images/or... hten12.jpg
bedienen möchte (nicht aus ästhetischen, sondern aus sicherheitsgründen).

weil ich als lehrer nicht will, dass meine schüler so
http://scienceblogs.com/startswit... -vader.jpg
in meiner klasse sitzen (nicht aus ästhetischen, sondern aus verwechslungsgründen).

weil ich als richter oder geschworener nicht über leute urteilen kann, die so
http://www.yopi.de/image/pro... 762045.jpg
auf der anklagebank sitzen.

Sie sehen das anders, das ist Ihr gutes recht, aber ich denke, ein MINDESTmaß an erkennbarkeit darf man in bestimmten situationen verlangen.
privat kann eh jeder wie er mag!

Mormoloc
10.02.2010 09:34
Zum Nachlesen:

ftp://trf.education.gouv.fr/pub/edutel/syst/igen/rapports/rapport_obin.pdf

http://books.google.com/books?id=... in&f=false

Mormoloc
10.02.2010 09:26
Warum muß man es tragen?

Weil es einem die Religion vorschreibt? Aha...

masaru tak
08.02.2010 17:44

wieso muss man gleich verbieten statt gemeinsam eine lösung zu finden?

zbsp. das in der stadt 1-2 post ämter mit frauen als kontroleure ausgestattet sind und die damen mit burka nur dort dann hingehen können o.ä?

bzw. ist es nicht normal das frauen nur von frauen "abgetastet" werden?am flughafen wars zumindest so.

insertnamehere
 
09.02.2010 23:20
"und die damen mit burka nur dort dann hingehen können"

Also quasi Apartheid als Serviceleistung?

Chien de Pique
09.02.2010 14:51

Es ist eh kein Verbot. Solange die Frau die Burkha noch im eigenen Keller tragen darf, ist es kein Verbot. Fragen Sie den Tompkins.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
09.02.2010 18:55
Geh bitte, ...

... seien S' nicht kindisch. Kleidervorschriften im öffentlichen Raum sind einfach abzulehnen, wenn es dafür nicht triftige Gründe gibt. Und was anderes habe ich auch nirgendwo behauptet. Nur weil Sie nicht in der Lage sind, differenziert zu denken, sollten sie mir nicht unterstellen, mich in Widersprüche zu verwickeln.

Chien de Pique
10.02.2010 13:28

Diese triftigen Gründe gibt es massenweise - Gesundheitsgründe, Sicherheitsbedenken, Integrationsförderung, Kampf gegen Extremismus usw.
Gründe dagegen habe ich bis jetzt noch keine vernommen, außer dem "die Frauen dürfen sonst gar nicht mehr raus", was durchaus ein Argument sein mag, wenn es auch meines Erachtens bedeutend wahrscheinlicher ist, dass die Familien die Geldstrafe dann einfach riskieren (wer nichts hat, dem kann man nichts wegnehmen) oder dass dann halt auf eine etwas moderatere, noch legale Vermummung umgestiegen würde.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
10.02.2010 15:30
Die Sache ist ja eingentlich ganz einfach ...

... für mich.

Unserer Rechtssystem sieht vor, daß nicht derjenige einen Grund liefern muß, der eine Freiheit aufrecht erhalten möchte, sondern jener, der sie beschneiden will. Und ein vages Unwohlsein reicht dafür halt nun mal nicht.

Worin liegt bitte die Gesundheitsgefahr einer Burka? In wie weit sich jemand integriert oder anpaßt, bleibt auch ihm selber überlassen. Es ist natürlich wünschenswert, aber Zwang führt da eher zu Trotz, denke ich. Der Kampf gegen Extremismus kann nur durch Aufklärung erfolgen, nicht indem man selber extreme Ansichten vertritt. Bleibt das Sicherheitsproblem, dem ich ja durchaus eine gewisse Relevanz zuspreche. Aber da lassen sich Lösungen abseits eines Verbots finden.

Chien de Pique
11.02.2010 02:40
Die Gründe liegen ja vor, der ganze Artikel hier ist schon der erste.

Ich habe Ihnen das mit der Gesundheit in einem anderen Post geschrieben, das nicht durchkam - Rachitis u.a. Wird sogar von den Autoritäten in erzfrommen Staaten wie Saudi-Arabien oder Iran als negative Folge von Vollverschleierung anerkannt.
Warum sollte man für Sicherheitsprobleme andere Lösungen finden, die dann eben in aller Regel zu Lasten anserer, wo nicht aller gehen, bloß damit jemand ungehemmt seinen Spleen ausleben kann? Wie käme man denn dazu? Was ist die Gegenleistung? Was nützt uns die Wohlgestimmtheit in ihrem Wahn ungehemmter ExtremistInnen?

Tompkins, Mr. Tompkins
 
11.02.2010 11:37
Das ist ja wieder nur etwas ...

... das die Person betrifft, die die Burka trägt, richtig. Ist aber trotzdem interessant zu wissen, danke schön.

Wie viele Banküberfälle gibt es jedes Jahr in Europa? Wie viele davon wurden bisher in Burka verübt?

1

Das rechtfertigt nicht die Bescheidung der Freiheit. Sollen die Banken von mir aus spezielle Sicherheitsvorkehrungen für Burkaträgerinnen einführen und die Kosten über die Kontoführungsgebühren an jene weiter geben, die den Service in Anspruch nehmen. Aber um ganz allgemein die Rechte von Bürgern beschneiden, ist das zu wenig.

an kog
08.02.2010 22:25

Und diesen sinnlosen Luxus bezahlen dann wohl hoffentlich jene, die das unbedingt brauchen auch selber, oder?

Madame Haram
08.02.2010 20:30
Sonst noch Wünsche?

Wer bei uns leben will, hat unsere Werte, Sitten und Gepflogenheiten zu respektieren.

Wer das nicht möchte, soll sich vertschüssen.

Denn wieso sollten wir so dumm sein, Kompromisse mit Leuten zu schließen, die unsere westlichen Gesellschaften verachten?

Tompkins, Mr. Tompkins
 
09.02.2010 00:12
Bei uns respektiert man ...

... die Freiheit der anderen. Also raus mit Ihnen.

Ach so, geht natürlich nicht, weil Sie haben natürlich auch die Freiheit, so einen Schaß zu verzapfen. Also viel Spaß weiter dabei.

Chien de Pique
09.02.2010 14:59

Meine Freiheit, nackt zu gehen, wird eben nicht respektiert, wenn ich nur zu Hause, am FKK-Strand und in der Sauna nackt gehen darf (oder mir eine Freiheit, S S -Uniform zu tragen, nur am Filmset für einen historischen Film gewährt wird).
Ansonsten: Verbieten wir die Burkha überall außer in der eigenen Wohnung und in speziellen, bewilligungspflichtigen Burkha-Clubs; Nach Ihrer untigen "Logik" ist das dann ja kein Verbot und kein gesellschaftlicher Zwang, denn irgendwo, an ausgewählten Orten, kann sie weiter getragen werden. Im Postamt und der Bank halt nicht.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
09.02.2010 19:18
Wenn Sie in jedem Baggersee Österreichs ...

... in ihrem Sonntagsgewand schwimmen gehen dürfen, sind das keine "ausgewählten Orte". Daß Sie ständig Argumente, die sie falsch verstanden haben, wiederholt anführen und mir in den Mund legen, macht diese weder richtig, noch habe ich sie deswegen so geäußert. Das macht nur eine zivilisierte Diskussion mit Ihnen fast unmöglich.

Nackt kann man denke ich argumentieren, ihre SS- Uniform auch. Da gibt es einfach rationale Gründe dafür, warum das verboten ist. Eine Frau, die die Burka trägt, muß sicher Unmengen an Komplikationen auf sich nehmen. Aber deswegen muß man es ihr nicht verbieten.

Ich mag die Burka nicht, genauso wie ich Kopftücher nicht mag oder Kreuze. Aber ein Verbot schadet unserer Gesellschaft mehr, als es ihr hilft.

Madame Haram
10.02.2010 00:29
"Nackt kann man denke ich argumentieren, ihre SS- Uniform auch. Da gibt es einfach rationale Gründe dafür, warum das verboten ist."

Sehen Sie, da kommen wir der Sache doch schon näher. Es geht Ihnen gar nicht darum, dass wirklich JEDER ALLES machen darf bzw. um absolute Freiheit.

Sondern Sie persönlich sind halt einfach der Meinung, dass Burka und Niqab im Vergleich mit SS-Uniformen oder sogar Nacktheit harmlos sind. Und diese persönliche Meinung dürfen Sie selbstverständlich haben. Nur müssen Sie damit leben, dass Sie mit dieser Meinung - zumindest in Europa, wie`s ausschaut - in der Minderheit sind.

Und da Sie und Ihre MitstreiterInnen leider nicht dazu in der Lage sind, auch nur ein einziges Argument für die Harmlosigkeit der Burka und der dahinter stehenden Ideologie zu bringen, wird das wohl auch so bleiben.

Tompkins, Mr. Tompkins
 
10.02.2010 12:56
Solange jemand nur eine Burka trägt oder ...

... seine Frau dazu zwingt, und diese sich zwingen läßt, kann man da denke ich wenig gegen tun. Mir gefällt das nicht, genauso wenig wie das Ihnen gefällt. Das Gedankengut einer Strache-FPÖ paßt mir auch nicht. Und ich halte beides zum Teil für gefährlich. Das ist aber kein Grund für ein Verbot. Weil eine Demokratie sowas einfach aushalten muß, wenn Menschen andere Meinungen haben. Das heißt nicht, daß ich das verharmlose. Ich finde das furchtbar. Es ist einfach traurig, daß es immer noch Frauen gibt, auch in Österreich, die sich für so etwas hergeben. Aber solange diese Leute nicht auf der Straße andere Menschen anpöbeln, kann man da wenig machen. Ab dem Zeitpunkt ist es dann aber ohnehin strafbar, da braucht es dann kein extra Gesetz.

Madame Haram
12.02.2010 02:18
"...kann man da denke ich wenig gegen tun."

Stimmt ja nicht. Noch gar nicht den Artikel über den Mann gelesen, dem die Franzosen die Staatsbürgerschaft verweigert haben, weil seine Frau Burka trägt/tragen muss?

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