Menschenrechtler

Iranischem Steinewerfer droht Todesstrafe

08. Februar 2010 20:35

Student als "Feind Gottes" angeklagt - Vor Revolutionstag sieben Oppositionelle wegen geplanter Proteste verhaftet - Gewalt befürchtet

Teheran/London/New York/Washington/Wien - Einem jungen iranischen Studenten, der während einer Protestkundgebung gegen die Regierung Steine geworfen hat, könnte die Todesstrafe drohen. Wie aus einer am Montag veröffentlichten Aussendung der "Internationalen Kampagne für Menschenrechte im Iran" hervorgeht, ist Mohammad Amin Valian (24) wegen "Feindschaft gegen Gott" ("Moharebeh") angeklagt.

Die Menschenrechtsorganisation nannte die Anklage gegen Amin "völlig unverhältnismäßig". Seit den Protesten nach der Präsidentenwahl vom 12. Juni wurden im Iran schon mehr als 100 politische Aktivisten vor Gericht gestellt. Mehr als 80 von ihnen wurden zu Haftstrafen verurteilt, elf zum Tode. Die ersten zwei Todesurteile wurden Ende Jänner vollstreckt. Neun weitere Oppositionelle wurden zum Tode verurteilt. Ihre Exekution könnte unmittelbar bevorstehen.

In der Vorwoche wurden fünf weitere Demonstranten, darunter Valian, angeklagt. Sollten sie der "Feindschaft gegen Gott" für schuldig befunden werden, müssen sie mit der Todesstrafe rechnen.

Bei dem von der Anklagebehörde vorgelegten Belastungsmaterial handelt es sich den Angaben zufolge um Fotos, die den 24-Jährigen bei den Protesten während der Ashura-Feiern als Steinwerfer zeigen. Der Studenten-Aktivist und Anhänger von Oppositionsführer Mir-Hossein Moussavi, der an der Damaghan Wissenschaftsuniversität inskribiert ist, war in einer von den Basiji-Milizen herausgegebenen Studentenzeitung denunziert worden.

Während des Prozesses soll Valian zugegeben haben, Steine geworfen und den gegen Präsident Mahmoud Ahmadinejad gerichteten Slogan "Tod dem Diktator" gerufen zu haben. Der prominente Teheraner Menschenrechtsanwalt Abdolfattah Soltani betonte, gemäß dem islamischen Recht, der Sharia, könne der Student nicht wegen "Moharebeh" angeklagt werden. Voraussetzung dafür wäre der Nachweis bewaffneter Aktivitäten, betonte Sotani unter Hinweis auf Artikel 86 und 89 des Islamischen Strafgesetzbuches. Steinwerfen falle "absolut nicht" unter diese Bestimmungen.

USA und EU befürchten Gewalt am iranischen Revolutionstag

Die USA und die EU befürchten, dass es bei den Protesten im Iran zum Jahrestag der Islamischen Revolution zu Gewalt gegen die Opposition kommt. Besonders am Donnerstag, wenn sich die Machtübernahme von 1979 jährt, werde es wohl zu Repressionen seitens der Regierung kommen, hieß es am Montag in einer gemeinsamen Erklärung. Der Reformpolitiker Mohammad Chatami rief zur Teilnahme an den landesweit geplanten Kundgebungen gegen die Regierung auf. Auch die Oppositionspolitiker Mirhossein Mussawi und Mehdi Karubi hatten Proteste angekündigt.

In der Erklärung appellierten die USA und EU an die Regierung in Teheran, sich an die internationalen Menschenrechtsverpflichtungen zu halten und den Missbrauch des eigenen Volkes zu beenden. Die dafür Verantwortlichen sollten zur Rechenschaft gezogen werden. Wer friedlich demonstriert habe, solle freigelassen werden.

Beobachter rechnen mit verstärkten Protesten der Opposition gegen die Regierung von Präsident Mahmud Ahmadinedschad. Die oberste Führung der Islamischen Republik hat die Proteste als Widerstand gegen die gottgewollte Ordnung des Landes verurteilt und bereits zwei Menschen hinrichten lassen. Für Donnerstag hat die Regierung angekündigt, sie werde hart gegen Oppositionelle vorgehen.

Seit der umstrittenen Präsidentenwahl im Juni sind im Iran Tausende Menschen inhaftiert worden. Die meisten von ihnen sind wieder freigelassen worden, mehr als 80 müssen jedoch bis zu 15 Jahre ins Gefängnis.

Oppositionelle wegen Kontakten zu "konterrevolutionären und zionistischen Netzwerken" verhaftet

Erst am Sonntag waren sieben Oppositionelle verhaftet worden, weil sie Proteste bei den Feiern zum 31. Jahrestag der Islamischen Revolution am 11. Februar vorbereitet haben sollen. Sie seien wegen Kontakten zu "konterrevolutionären und zionistischen Netzwerken" und wegen Aufruhrs verhaftet worden, berichteten örtliche Medien unter Berufung auf das Geheimdienstministerium. Demnach sollen sie Kontakte zu "Radio Farda" gehabt haben, einem von den USA finanzierten iranischen Radiosender in Prag. Einige von ihnen seien auch von einem "US-Spionage-Dienst" angeheuert worden.

Die Festgenommenen hätten eine wichtige Rolle dabei gespielt, Nachrichten aus dem Iran im Ausland zu verbreiten, teilte das Ministerium weiter mit. Sie planten demnach auch Proteste für den 11. Februar, an dem der Iran den 31. Jahrestag der Islamischen Revolution feiert. Anschließend hätten die Oppositionellen sich dann in die USA absetzen wollen.

Seit der umstrittenen Wiederwahl von Präsident Mahmoud Ahmadinejad im Juni vergangenen Jahres gehen im Iran immer wieder Regierungskritiker auf die Straße, zuletzt während des schiitischen Ashura-Festes Ende Dezember. Revolutionsführer Ayatollah Khomeini war am 1. Februar 1979 aus dem französischen Exil in den Iran zurückgekehrt und hatte kurze Zeit später die Macht übernommen. (APA/AFP/Reuters)

rundblicker
10.02.2010 10:10

Steinewerfen auf Frauen (Sexualvergehen) ist oK.
Auf Männer (Politikvergehen) nicht oK. Spricht für sich selbst.

d_parker
09.02.2010 15:28
Steinewerfen im Einklang mit dem klerikalfaschistischen Mullah-Regime im Iran sieht nämlich so aus...

http://de.wikipedia.org/wiki/Stei... _Anwendung

http://www.igfm.de/Steinigun... 477.0.html

http://www.igfm.de/Auszuege-... 894.0.html

DieBo
09.02.2010 09:42
Eine Demokratie ist da doch viel toller! Der Steinewerfer Joschka Fischer der bei einer Demo mit einem Steinwurf einen Polizei Beamten verletzte wurde dafür nicht etwa bestraft sondern Aussenminister.

Terence Lennox
10.02.2010 09:51
sie sagen es..

..die demokratie ist da eben viel besser und "toller" als der klerikalfaschismus. sie haben völlig recht..

Mormoloc
10.02.2010 09:23
Wie gut, daß das Steinewerfen in Ihrem heißgeliebten Nordkorea nicht so verbreitet zu sein scheint...

MiNeum71
 
08.02.2010 17:08
Breaking News


Abolfazl Eslami, ein iranischer Diplomat im Dienste des IRR-Außenministeriums in Tokyo, trat zurück aus Protest begründet mit "disgusted by the violence against the people". Seinen Worten nach sind viele Diplomaten gegen die Regierung Ahmadinejads, und es steht schlecht um die Eintracht und Stärke innerhalb der IRR: "The more blood the Islamic Republic spills, the closer it comes to collapse."

Siehe u.a.: http://www.iranian.com/main/2010... azl-eslami oder http://www.astreetjournalist.com/2010/02/0... om-within/

MiNeum71
 
08.02.2010 15:58


Das erinnert mich sehr an Oktober '79, als Savak-Mitarbeiter wahllos Menschen verhafteten, die mit einer Musikkassette auf den Straßen gesichtet wurden (dazu muß man wissen, daß Khomeinis Botschaften auf Kassetten verbreitet wurden).

Drei Monate später war Schah weg, der Rest ist Geschichte ...

ajande
08.02.2010 10:02
Zu den "Feierlichkeiten"

zum Jahrestag der islamischen Revolution wurden
ausländische Medien vom Regime zur Berichterstattung eingeladen, genau jene, denen vor einigen Monaten die Berichterstattung über Demonstrationen verboten wurde. Der Azadi-Platz und die Straße, die dorthin führt, soll von "begeisterten" Iranern, die von überallher zusammengesammelt werden, so gefüllt sein, dass für die Grünen Oppositionellen möglichst kein Platz mehr bleibt. Gage für die "Jubelnden": 80.000 Toman pro Person und Tag. Um die Grünen Demonstranten unhörbar zu machen, wird alle 50 m ein Lautsprecher aufgestellt, mit regimekonformem Jubel.

Terence Lennox
10.02.2010 09:53
erinnert iregendwie..

..an den 40ten jahrestag der ddr..

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