Nach Bebenkatastrophe

G7-Länder streichen Haitis bilaterale Schulden

07. Februar 2010 09:12

Kanadas Finanzminister fordert, Schulden sollten auch bei den multinationalen Institutionen gestrichen werden

Iqaluit - Die sieben führenden Industriestaaten (G-7) wollen einen Schuldenerlass für das vom Erdbeben verwüstete Haiti. Die Gruppe werde mit dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und anderen internationalen Institutionen zusammenarbeiten, um dies so rasch wie möglich durchzusetzen, sagte der kanadische Finanzminister Jim Flaherty am Samstag zum Abschuss eines zweitägigen Treffens seiner G-7-Kollegen im nordkanadischen Iqaluit. Die internationalen Institutionen sollten Haiti die Schulden erlassen, erklärte Flaherty.

Die G-7 erlassen zudem dem Karibikstaat alle bilateralen Schulden, teilte Flaherty weiter mit. Mit der Vereinbarung sind jene Schulden gemeint, die Haiti bei Mitgliedsstaaten der G-7-Gruppe (USA, Japan, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada) jeweils direkt aufgenommen hat, nicht die Schulden von staatenübergreifenden Organisationen wie der Weltbank und IWF.

Das vor knapp einem Monat von einem verheerenden Erdbeben heimgesuchte Land gehörte bereits zuvor zu den ärmsten der Welt. Die Auslandsschulden werden auf eine Milliarde Dollar (740 Millionen Euro) geschätzt. Nach Angaben von US-Finanzminister Timothy Geithner sei neben dem Schuldenerlass über neue Hilfen für Haiti beraten worden.

Juncker: Problem Griechenland wird von Europäern gelöst

Die Europäer haben beim G-7-Gipfel in Kanada versucht, ihren Partnern die Furcht vor neuen weltwirtschaftlichen Verwerfungen wegen der Finanzprobleme Griechenlands und anderer Euro-Länder zu nehmen. EZB-Präsident Jean Claude Trichet zeigte sich überzeugt, dass die griechische Regierung das Notwendige tun werde, um ihre Budgetprobleme in den Griff zu bekommen.

Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, versicherte, das Problem Griechenland werde von den Europäern gelöst. Ein Fall für den Internationalen Währungsfonds sei Griechenland nicht, das sei klar, sagte Schäuble. Er sprach von einer "internen" Diskussion, die im Grunde keine Sache der G-7 sei. Trichet äußerte Zuversicht, dass Griechenland bis 2012 wieder die europäische Defizitgrenze von drei Prozent unterschreiten wird. Im vergangenen Jahr belief sich das griechische Haushaltsdefizit auf 12,7 Prozent. Nach den Worten von US-Finanzminister Timothy Geithner haben die Europäer zugesichert, mit großer Behutsamkeit mit dem Problem Griechenland umzugehen.

Die zunehmenden Finanznöte von Griechenland, Portugal und Spanien hatten die Kapitalmärkte zuletzt auf Talfahrt geschickt und den Euro zeitweise unter die Marke von 1,36 Dollar gedrückt.

Trotz der jüngsten Bewegungen an den Devisenmärkten sahen die G-7 nach den Worten von Eurogruppen-Chef Juncker keinen Grund, einen neuen Ton in ihre Bewertung der Wechselkursentwicklung anzuschlagen. Geithner erneuerte das Bekenntnis der USA zu einem starken Dollar. Auch Frankreichs Wirtschaftsministerin Christine Lagarde begrüßte die jüngste Stärkung der US-Währung. Sie äußerte jedoch Zweifel, ob die G-20, die in Sachen Finanzmarktreformen nun das führende Abstimmungsforum ist, derzeit auch der richtige Ort für Wechselkurserörterungen sei. Die G-7 sei auch im neuen Format ein gutes und wichtiges Forum, um über solche Fragen zu diskutieren.

Finanzkrise: Banken sollen zahlen

Vorangekommen ist man nach Angaben des deutschen Finanzministers Wolfgang Schäuble und seiner Kollegen bei der G-7 in Hinblick auf ein abgestimmtes Vorgehen bei der Regulierung der Finanzmärkte. Insbesondere gebe es einen Konsens, dass die Banken für den Teil der Finanzkrise, den sie zu verantworten hätten, zur Kasse gebeten werden sollten, sagte Kanadas Finanzminister Flaherty. Die Instrumente dafür sind aber weiter offen. Lösungen sollen nach Schäubles Worten beim G-20-Gipfel im Juni in Toronto gefunden werden. Den Weg dafür bereiten soll eine internationale Finanzkonferenz in Berlin am 20. Mai, zu der der deutsche Minister seine Kollegen aus der G-7 in Iqaluit einlud. Zur Zielrichtung der Reformen sagte Schäuble: "Wir wollen möglichst den gesamten Finanzsektor umfassen, um Umgehungsmöglichkeiten kleiner zu machen."

Das G-7-Treffen im eisigen Iqaluit war womöglich das letzte eigenständige dieser Art. In Zukunft könnten die Konferenzen mit ähnlichen der G-20 verknüpft werden. (APA)

Kommentar posten
12 Postings
trockenes brot
07.02.2010 11:02

bitte liebe volksbank ich werde arbeitslos kannst du mir meinen hauskredit streichen ?

oh yeah, just eat 'em!
07.02.2010 13:44

Ja, haha. Mit dem kleinen Unterschied, dass bei deinem Kredit ein Ende in Sicht ist, weil du auch die eigentlich aufgenommene Summe abzahlst. Staaten zahlen sehr oft nur Zinsen, daher laufen die Kredite ewig. Haiti hat die Kreditsummen wahrscheinlich schon fünf Mal abbezahlt und doch keinen Cent weniger Schulden.

trockenes brot
07.02.2010 19:51

nee is ein fremdwährungskredit

Jack99 (J. O.)
07.02.2010 14:01
ja, und den Unterschied nennt man dann Zinsen

celestine
07.02.2010 11:02

anscheinend müssen erst hunderte tausende menschen sterben, um geholfen zu werden - davor denkt keiner darüber nach, wie man den armen helfen kann.

Der Waehlerwille
 
07.02.2010 22:54
nicht?

was glaums was die letzten jahrzehnte alles an geld in dieses land floss?

crowfoot
07.02.2010 10:35
mensch wer hätte das gedacht

ein akt der selbstlosen liebe von seiten der g7, denkt irgendjemand noch darüber nach wie entwicklungsländer in die schuldenfalle reingerutscht sind, wer für deren abhängigkeit vom wohlwollen der industrienationen verantwortlich ist, dass es strukturanspassungsprogramme gibt, die nicht freien markt und fairen handel sondern kapitalistischen protektionismus begünstigen????

korruptes österreich
07.02.2010 11:27

da mögen sich schon recht haben..

jedoch ist es ein richtiger schritt in die richtige richtung...

Bertel Mann
 
07.02.2010 10:17
Und von welchen Summen wird hier geredet?

Wieder mal Journalismus vom Miesesten.

P.S.: Was sind und wie groß sind die "multilateralen" Schulden? Die bei IWF und Weltbank?

friedrich wilhelm voigt
07.02.2010 09:35

wow. schulden streichen, die sowieso uneinbringlich sind.

da werden wieder alle vor ehrfurcht staunen, wie über multimilliardäre, wenn sie 1 mrd. spenden, obwohl sie danach immer noch reicher sind als 99.999% der menschheit...

phaidros
07.02.2010 16:44

meine guete, manche hier sind wirklich durch nichts zufriedenzustellen und muessen sich mit gewalt das feindbild "reiche" aufrechterhalten. eine milliarde erlassen ist fuer ein so kleines land eine spuerbare hilfe - was ist jetzt bitte daran auszusetzen?

benjohnson1988
07.02.2010 20:13

Der Komplettheit halber sei aber doch darauf hingewiesen, dass wir Österreicher noch immer Ausländer und Arbeitslose als wichtigste Feindbilder verinnerlicht haben. Die Reichen haben sich zuletzt halt doch recht botschert angestellt.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.