Kanadas Finanzminister fordert, Schulden sollten auch bei den multinationalen Institutionen gestrichen werden
Iqaluit - Die sieben führenden Industriestaaten (G-7) wollen einen Schuldenerlass für das
vom Erdbeben verwüstete Haiti. Die Gruppe werde mit dem Internationalen
Währungsfonds (IWF) und anderen internationalen Institutionen zusammenarbeiten,
um dies so rasch wie möglich durchzusetzen, sagte der kanadische Finanzminister
Jim Flaherty am Samstag zum Abschuss eines zweitägigen Treffens seiner
G-7-Kollegen im nordkanadischen Iqaluit. Die internationalen Institutionen
sollten Haiti die Schulden erlassen, erklärte Flaherty.
Die G-7 erlassen zudem dem Karibikstaat alle bilateralen Schulden, teilte
Flaherty weiter mit. Mit der Vereinbarung sind jene Schulden gemeint, die Haiti
bei Mitgliedsstaaten der G-7-Gruppe (USA, Japan, Deutschland, Frankreich,
Großbritannien, Italien, Kanada) jeweils direkt aufgenommen hat, nicht die
Schulden von staatenübergreifenden Organisationen wie der Weltbank und IWF.
Das vor knapp einem Monat von einem verheerenden Erdbeben heimgesuchte Land
gehörte bereits zuvor zu den ärmsten der Welt. Die Auslandsschulden werden auf
eine Milliarde Dollar (740 Millionen Euro) geschätzt. Nach Angaben von
US-Finanzminister Timothy Geithner sei neben dem Schuldenerlass über neue Hilfen
für Haiti beraten worden.
Juncker: Problem Griechenland wird von Europäern gelöst
Die Europäer haben beim G-7-Gipfel in Kanada versucht, ihren Partnern die
Furcht vor neuen weltwirtschaftlichen Verwerfungen wegen der Finanzprobleme
Griechenlands und anderer Euro-Länder zu nehmen. EZB-Präsident Jean Claude
Trichet zeigte sich überzeugt, dass die griechische Regierung das Notwendige tun
werde, um ihre Budgetprobleme in den Griff zu bekommen.
Der Chef der Euro-Gruppe, Jean-Claude Juncker, versicherte, das Problem
Griechenland werde von den Europäern gelöst. Ein Fall für den Internationalen
Währungsfonds sei Griechenland nicht, das sei klar, sagte Schäuble. Er sprach
von einer "internen" Diskussion, die im Grunde keine Sache der G-7 sei. Trichet
äußerte Zuversicht, dass Griechenland bis 2012 wieder die europäische
Defizitgrenze von drei Prozent unterschreiten wird. Im vergangenen Jahr belief
sich das griechische Haushaltsdefizit auf 12,7 Prozent. Nach den Worten von
US-Finanzminister Timothy Geithner haben die Europäer zugesichert, mit großer
Behutsamkeit mit dem Problem Griechenland umzugehen.
Die zunehmenden Finanznöte von Griechenland, Portugal und Spanien hatten die
Kapitalmärkte zuletzt auf Talfahrt geschickt und den Euro zeitweise unter die
Marke von 1,36 Dollar gedrückt.
Trotz der jüngsten Bewegungen an den Devisenmärkten sahen die G-7 nach den
Worten von Eurogruppen-Chef Juncker keinen Grund, einen neuen Ton in ihre
Bewertung der Wechselkursentwicklung anzuschlagen. Geithner erneuerte das
Bekenntnis der USA zu einem starken Dollar. Auch Frankreichs
Wirtschaftsministerin Christine Lagarde begrüßte die jüngste Stärkung der
US-Währung. Sie äußerte jedoch Zweifel, ob die G-20, die in Sachen
Finanzmarktreformen nun das führende Abstimmungsforum ist, derzeit auch der
richtige Ort für Wechselkurserörterungen sei. Die G-7 sei auch im neuen Format
ein gutes und wichtiges Forum, um über solche Fragen zu diskutieren.
Finanzkrise: Banken sollen zahlen
Vorangekommen ist man nach Angaben des deutschen Finanzministers Wolfgang
Schäuble und seiner Kollegen bei der G-7 in Hinblick auf ein abgestimmtes
Vorgehen bei der Regulierung der Finanzmärkte. Insbesondere gebe es einen
Konsens, dass die Banken für den Teil der Finanzkrise, den sie zu verantworten
hätten, zur Kasse gebeten werden sollten, sagte Kanadas Finanzminister Flaherty.
Die Instrumente dafür sind aber weiter offen. Lösungen sollen nach Schäubles
Worten beim G-20-Gipfel im Juni in Toronto gefunden werden. Den Weg dafür
bereiten soll eine internationale Finanzkonferenz in Berlin am 20. Mai, zu der
der deutsche Minister seine Kollegen aus der G-7 in Iqaluit einlud. Zur
Zielrichtung der Reformen sagte Schäuble: "Wir wollen möglichst den gesamten
Finanzsektor umfassen, um Umgehungsmöglichkeiten kleiner zu machen."
Das G-7-Treffen im eisigen Iqaluit war womöglich das letzte eigenständige
dieser Art. In Zukunft könnten die Konferenzen mit ähnlichen der G-20 verknüpft
werden. (APA)