Wahlausgang

Knapper Sieg für Janukowitsch

Verena Diethelm, 08. Februar 2010 18:41
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Mit ziemlich knappem Vorsprung hat Wiktor Janukowitsch, Wahlfälscher des Jahres 2004, die Präsidentenwahl in der Ukraine gewonnen. Auf ihn wartet nun die Aufgabe, die Wirtschaftskrise zu überwinden und das gespaltene Land zu einen

Sieger sehen für gewöhnlich anders aus. Als Hanna German, die Wahlkampfleiterin von Wiktor Janukowitsch, am Wahlabend die ersten Hochrechnungen präsentierte, gab es zwar höflichen Beifall, aber keine Begeisterungsstürme. Auch beim kurzen Auftritt des neuen ukrainischen Präsidenten in seiner Wahlkampfzentrale im Kellergeschoß des Hotel Intercontinental knallten keine Sektkorken. Janukowitsch bedankte sich einer kurzen Rede bei den Wählern und versprach, ein Präsident der gesamten Ukraine und nicht nur eines Teils zu sein.

Politologen bezweifeln jedoch, dass es Janukowitsch gelingen wird, den Ost-West-Konflikt in der Ukraine zu überwinden und das Land zu vereinen, da der erhoffte eindeutige Sieg ausgeblieben ist. Janukowitsch erreichte bei einem Auszählungsgrad von rund 99 Prozent einen Stimmenanteil von 48,7 Prozent. Seine Rivalin Julia Timoschenko kam auf 45,7 Prozent. Im Gegensatz zu inoffiziellen Wahlprognosen, die Janukowitsch mit 15 Prozent in Führung sahen, ist der Unterschied zwischen den Kandidaten auf nur 2,79 Prozent geschrumpft.

"Janukowitsch hat bis jetzt noch nicht gewonnen, Timoschenko bis jetzt nicht verloren" , sagte Wolodimir Fesenko, Direktor des Kiewer Politikzentrums Penta, bei einer Pressekonferenz in Kiew. Die amtierende Premierministerin Timoschenko anerkannte das Wahlergebnis zunächst nicht. "Solange nicht alle Stimmzettel ausgezählt sind, ist es unmöglich, von irgendeinem Ergebnis zu sprechen" , sagte die 49-Jährige mit dem markanten Haarkranz. Janukowitsch, Chef der oppositionellen Partei der Regionen, hatte die Regierungschefin noch am Wahlabend zum Rücktritt aufgefordert. Die Partei der Regionen hat aber derzeit im Parlament nicht die erforderliche Mehrheit, um Timoschenko gegen ihren Willen abzulösen. Laut Fesenko sei es nach diesem knappen und für Timoschenko überraschend guten Wahlergebnis schwieriger, sie als Premierministerin abzusetzen.

Zwar haben sich bereits Vertreter von Timoschenkos BjuT für die Oppositionsrolle ausgesprochen, Timoschenko gab sich am Wahlabend aber weiter kämpferisch. Eine für Montagnachmittag angesetzte Pressekonferenz sagte die Premierministerin kurzfristig ab. Für Timoschenko wird es schwierig, dem Gegner Wahlfälschungen vorzuwerfen und die Wahl daher nicht anzuerkennen. Die OSZE-Wahlbeobachter erklärten, der Urnengang sei "transparent" und "ehrlich" verlaufen.

Auf den neuen Präsidenten wartet keine leichte Aufgabe. Zur schwierigen wirtschaftlichen Lage kommt die politische Zerrissenheit. "Die eine Hälfte des Landes steht in Opposition zum Präsidenten" , sagt der ukrainische Politologe Michail Progrebinski. Die Teilung des Landes in einen prorussischen Osten und einen nach Europa strebenden, nationalistischen Westen sei die eigentliche "Tragödie des Landes" , vergleichbar mit der Teilung der Tschechoslowakei.

Wie tief der Graben zwischen der ukrainisch und der russisch sprechenden Bevölkerung ist, zeigt sich auch bei der gemeinsamen Pressekonferenz von russischen und ukrainischen Politologen. Als der bekannte russische Politologe und TV-Moderator Maxim Schewtschenko meint, es sei unverständlich, dass Kinder in Sewastopol in der Schule Ukrainisch sprechen sollen, kommt es zu heftigen Wortgefechten mit ukrainischen Journalisten.

Laut Schewtschenko ist die Wahl von Janukowitsch eine Chance zur Überwindung des Grabens zwischen West und Ost. Im Gegensatz zu Timoschenko habe Janukowitsch seine Wahlkampagne auf Ukrainisch und Russisch geführt. Die Gefahr, dass die Ukraine unter Präsident Janukowitsch zu sehr Richtung Russland driftet, sieht Progrebinski nicht. Dazu benötige die Ukraine derzeit einfach zu viel Geld vom Westen. (Verena Diethelm aus Kiew, DER STANDARD, Printausgabe 9.2.2010)

Kommentar posten
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LudwigP
 
09.02.2010 11:10
Einfach ein blödes Ergebnis

Es ist leider so, dass im Osten durchaus unbemerkbar die Ergebnisse gefälscht werden konnten - man hat in den Wahlkomissionen keine Vertreter von Timoschenko zugelassen, warum wohl?
Aber es ist doch klar, warum die westlichen Beobachter von einer demokratischen Wahl sprechen - sie sind froh, dass russisches Gas und Öl ohne Probleme ab sofort über Ukraine zu uns laufen, alles andere (ob Janukowitsch die Wahl gefälscht hat) ist zweitrangig! Man hat dadurch die Ukraine an Russland ausgeliefert, man hat die ukrainische Bevölkerung im Westen des Landes, die das Bandera-Vermächtnis im Herzen tragen, verraten!

Standard Leser4
 
09.02.2010 11:30

Leider muss ich Sie enttaeuschen, ein Blick auf Belarus zeigt, dass auch in Zukunft die Oel und Gaslieferungen ueber die Ukraine ein heisses Thema sein werden. Nun muss Janu zeigen wie er sich in Moskau durchsetzt, bezahlt doch die Ukraine, lt Agentur Meldung den hoechsten Gaspreis Europas.
Interessant waehre eine Statistik in welchen Oblasten die meisten ungueltigen Stimmen sind.

UhrenUnterOffizier
09.02.2010 10:58
Ost-Ukraine, West-Ukraine, Süd-Ukraine, NATO-Ukraine...

Vor der sog. orangen Revolution 2004 war von einer solchen Teilung niemals die Rede. Das einzige was diese orange Bande geschafft hat ist die Ukraine tief zu Spalten.
Im verarmten Westen ist es natürlich leichter die Leute mit populistischern Versprechen zu ködern und ihnen was vorzulügen.
Es wird der westlichen Eliten zwar nicht passen aber Janukowitsch wird den Ukrainern diese Flausen schon aus dem Kopf treiben. Und zwar nicht mir Gewalt sondern mit einem Ausgleich zwischen west und ost.
Die Leute werden den Uterschied bemerken wenn das Gas in ihre Wohnungen statt in die Pipelines und Speicher irgendwelcher dubioser Geschäftsmänner geleitet wird.

Andrei Tchoubrikov
09.02.2010 19:30
West = Ost ?

Ich bitte auch die Masstaebe zu beachten. Der "Westen", bestehend aus Galizien, Wolhynien, Transkarpatien und Bukowina, macht gerade mal 6-8 Mio. aus (davon derzeit ca. 2 Mio. im Ausland auf Arbeitssuche/Gastarbeiter).

Alleine das Donezk Gebiet macht 4.5 Mio aus, der "Sued-Osten" (Neurussland) so um die 25 Mio. Die Staedte Donezk, Odessa, Charkow und Dnepropetrowsk waren schon zu SU-Zeiten wichtig Grosstaedte mit landesweiter Bedeutung (Wirtschaft, Politik, Bildung, etc.). Von der heutigen Wirtschafts- und Steuerleistung in UA rede ich gar nicht.

Und diese Leute sollen sich einer 15%-Minderheit ausliefern, und nach deren Pfeife tanzen ? EU, NATO, Russland-Krieg ? Das ist, als ob Vorlaberg in ganz Oesterreich den O-Ton angaeben wuerde !

Standard Leser4
 
09.02.2010 21:59
Wir beachten die Masstaebe, daher glauben wir Ihnen nicht!

Zuerst zu den Fakten: Fuer Janukowitsch stimmten:
11 416 960 Fuer Tymoschenko stimmten:
10 822 469 Die Mehrheit hat Janukowitsch in 10 Oblasten darunter die Staedte Donezk und Odesa.
Im Donezker Gebiet stimmten 2.500 000 von den angeblich 4.500 000 Wahlberechtigen fuer Janukowitsch.
Die Mehrheit hat Tymoschenko in 16 Oblasten darunter in der Hauptstadt KIEV und Oblast. sowie
in LWIW/Lemberg und Iwano Frankiwsk.
Jetzt erklaeren Sie Bitte den Lesern wie Sie bei diesen Zahlen auf 15% kommen? Und erklaeren Sie uns gleich auch wieso in den letzten 3 Jahren die Bevoelkerung von Donezk um 10% abgenommen hat.
Sind diese Leute alle auf Arbeitssuche in Moskau? Was wollen Sie mit diesen Luegen bezwecken, Sie Schaden nur Ihrer Bewegung.

dyakuyu tobi, bozhe, shcho ya ne moskal
09.02.2010 21:47

der politische westen der ukraine besteht schon lange nicht mehr nur aus den "üblichen verdächtigen". er umfasst auch die gesamte zentralukraine und auch regionen östlich des dnipro. schauen sie sich doch einfach die verteilung der wahlergebnisse an. offensichtlich waren sie seit dem zerfall der sowjetunion nicht mehr in der ukraine.

dyakuyu tobi, bozhe, shcho ya ne moskal
09.02.2010 12:10
kann schon sein, dass hier nicht davon die rede war

im land war es aber sehr wohl zu spüren. das war schon bei der wahl kutschma gegen krawtschuk so.

Karl Radek
09.02.2010 10:25
Sexappeal

Julia Timoschenko hat eindeutig mehr Sexappeal als Janukowitsch, meine Stimme hätte sie gekriegt ;-)

seapoint
09.02.2010 09:43

Man spürt die tiefe Trauer in den westlichen Medien. Blickt man 5 Jahre zurück kann man die Entäuschung des Westens verstehen.
Sie wird der demokratischen Willensäußerung der Ukrainer aber nicht gerecht.

Hugh Jass
09.02.2010 09:32

mehr gibts dazu wohl nicht zu sagen ;-)

http://www.flickr.com/photos/hw... 431216238/

Sieh an
09.02.2010 08:08
Die Wahlbeteiligung wäre interessant...

Timoschenko hat sich selbst ein Bein gestellt, in den 5 Jahren hat weder sie noch ihr ehemaliger Weggefährte Juschtschenko die Möglichkeit der "orangenen Revolution" genutzt.

Beide haben bewiesen, dass sie persönliche Befindlichkeiten über die Interessen des Landes gestellt haben. Das ist ein Problem, was in den sog. westlichen Demokratien weit verbreitet ist. Insofern, haben beide schon gelernt. Timoschenko und Juschtschenko wurden zurecht abgewählt. Janukowitsch hat davon profitiert, aber nicht, weil er der bessere war, sondern weil er das kleinere Übel ist.
Seine Politik wird sich Russland öffnen, aber dies wird die Ukraine stabilisieren und davon wird der Westen mehr profitieren als eine "pro-westliche" Regierung.

Die Ente Lippens
09.02.2010 09:18
Timoschenko und Juschenko haben aber der Ukraine die Angst genommen und die Meinungsfreiheit wiedergegeben. Nach den Breschnjew Jahren unter Kutschma ist ein etwas demokratischeres Land geworden.

nAK
09.02.2010 03:38
Unterschiedliche Wortwahl und Sichten

Hier handelt es sich um "einen knappen Sieg", laut Qualitätsjournalismus, nachdem die gewünschte Pro-westliche (heisst: Pro-NATO) Kandidatin nicht gewonnen hat.

Interessanterweise findet man diese Wortwahl nicht, bei Costa Rica, wo die Gewinnerin 47,6% der Stimmen auf sich vereinte, also mehr als die Hälfte der Stimmen gegen sich hatte.

Warum die unterschiedliche Wahrnehmung?

Vielleicht weil in Costa Rica die gewünschte Kandidatin gewonnen hat und in der Ukraine die gewünschte verloren hat?

Mit "knapp" und "gespaltenes Land" wird dem Wahlgewinner versucht die Legitimität abzusprechen.

Deshalb tut man es nicht in Costa Rica, aber dafür umso vehementer in der Ukraine.

Nicolas Castillo
 
09.02.2010 12:13
vielleicht, ...

weil Chinchilla in Costa Rica 25% Vorsprung auf die Gegenkandidaten hatte? Das kann man ja wohl kaum als knapp bezeichnen, oder? Rechnen Sie doch mal nach, auch Sie werden merken, das 5 nicht gleich 25 ist.

nAK
09.02.2010 19:17

Mehr als 50% haben NICHT für, sondern GEGEN die Kandidatin gestimmt.

Nicolas Castillo
 
09.02.2010 23:02
es liegt mir fern ...

das Wahlsystem von Costa Rica zu kritisieren, die Entscheidung liegt bei den ticos selbst.

Aber ich kann mir schon vorstellen, dass Ihnen stramme 95-er % Zustimmungen, wie Fidel sie einfährt, eher gefallen.

dyakuyu tobi, bozhe, shcho ya ne moskal
09.02.2010 11:49
schreiben sie lieber über etwas von dem sie etwas wissen

ich werde jetzt nicht auf ihren costa rica vergleich eingehen, weil ich über dieses land so gut wie nichts weiss. aber was das wahlergebnis in der ukraine betrifft, so ist es knapp. weil ein unterschied von 3% knapp ist. und das land ist gespalten, weil wenn man sich das ergebnis in den einzelnen regionen anschaut, es nirgends ein knappes ergebnis gibt. in fast allen regionen ist der unterschied zwischen den kandidaten mehr als 40%. in den westlichsten und den östlichsten regionen sogar 80% oder mehr.

mike sierra
09.02.2010 11:00
knapp

ist 48,5 :45,9 (wäre auch bei 51,3 : 48,7 knapp).
In Costa Rica ist 47,6 ein deutlicher Vorsprung zum 2. mit 23,1 im 1. Wahlgang.
Janukowytsch erhielt im 1. Wahlgang nur 35,3 %

Die Ente Lippens
09.02.2010 09:20
Das Schimpfen auf Nato-Staaten ist pervers. Jeder der kann moechte in den Niederlanden, Daenemark, Norwegen, Deutschland usw leben und arbeiten, die funktionierende Infrastruktur und Demokratie wird bewundert und gleichzeitig wird aggressiv auf diese

Laender (aus Neid?) geschimpft. Interessant fuer Psychologen.

olive.info
09.02.2010 09:34
... in den Niederlanden, Daenemark, Norwegen, Deutschland usw ... und arbeiten

... ein eigenartiger Nebel, der da Ihre Wahrnehmung trügt; ein Wahn von überfallenden Einwanderern?

Wer will schon "... und arbeiten"? In dem Fall wären europas Nachbarstaaten doch schon menschenleer - nur: den Schwellenländern könnte "die Gemeinschaft" noch ein erhebliches Potentian an (Verteidigungs-)Waffen andrehen um die Demokratie zu "stabilisieren" und den Truppen der Befriedung die Wege zu ebnen!

amergut
09.02.2010 08:08
knapper Sieg?

"... zwischen den Kandidaten auf nur 2,79 Prozent geschrumpft." und bei uns werden ...

Sieger mit solchen "Ergebnissen" hoch gefeiert - von wegen "geschrumpft" - wir messen unsere Kandidaten an den Maßstäben "wer hat weniger verloren" um überhaupt -im Einklang "Journaillien/Politik"- einen Sieger festzustellen!

globetrottel
09.02.2010 07:05

Unterschiedliche Wahrnehmung ? Auch hier hat der Sieger weniger als 50% der Stimmen. Und im Vergleich zu den Erwartungen ist der Ausgang tatsächlich ziemlich knapp.
Ausserdem ist die Aussage, "pro-westlich" sei in erster Linie "pro NATO" , etwas kühn. Ob Sie es glauben oder nicht - Westeuropa hat doch tatsächlich ein paar andere Kleinigkeiten zu bieten als nur NATO.
Bleiben wir doch bei den schlichten Tatsachen : Von zwei korrupten Kandidaten hat knapp jener gewonnen, der eine für Westeuropa weniger vorteilhafte Politik machen wird. Das als nicht 100%-ig erfreulich zu bewerten, wird in einem westeuropäischen Medium wohl erlaubt sein.
Ob seine Politik für die Ukraine besser oder schlechter sein wird, ist eine andere Frage.

Gawain
 
09.02.2010 00:11
48,5 % für Janukowitsch, 51,5 % für Juschtschenko oder gegen beide...

Bei 69 % Wahlbeteiligung. Und das nennt sich dann "Demokratie"...

wildwolve
09.02.2010 07:05

Also soll Juschtschenko eine Koalition mit gegen beide eingehen? oder was wollen Sie uns mitteilen?

nAK
08.02.2010 23:54
"Knapper Sieg" weil die Kandidatin von Nato/G.Soros nicht gewonnen hat.

Sonst würde es nichts von knapp heissen.

Mit "knapp" wird suggeriert, dass es ja eigentlich gar kein Sieg war, zumindest nicht so ein richtiger. Eigentlich kann man den Wahlsieger ja nicht so richtig anerkennen.

Demokratiefeindlichkeit der Medien vom Feinsten. Journalisten haben einen sehr ausgeprägten Erwerbstrieb.

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