Pass für Spende: Neues Einbürgerungsverfahren läuft

7. Februar 2010, 19:38

Politik will im Aufsichtsrat der neu zu gründenden Osterfestspiele nicht dominieren

Salzburg - Die Firma heißt Art & Culture Consulting und hat ihren Firmensitz im Karibikstaat Belize. Über sie sollen, so steht es jedenfalls in der Strafanzeige der Osterfestspiele GmbH gegen ihren entlassenen Geschäftsführer Michael Dewitte zu lesen, 300.000 Euro abgezweigt worden sein. Das Konto, auf welches der Betrag gegangen sein soll, befindet sich im türkischen Nordzypern.

Die 300.000 Euro sind Teil einer Spende des russischen Geschäftsmanns Igor Vidyaev. Dessen Kunst-, Kultur-, und Sportförderungsstiftung hat den Osterfestspielen 2,5 Millionen Euro zur Verfügung gestellt - zahlbar in mehreren Tranchen bis zum Jahr 2018. "Kaum war die erste Rate in Höhe von 800.000 Euro auf dem Konto der Osterfestspiele eingegangen", habe Dewitte veranlasst, dass für "die angebliche Vermittlung" eine Provision von 300.000 Euro gezahlt werde, heißt es in der Anzeige. Freilich ohne dass es jemals eine Vermittlung gegeben habe. Den Kontakt zu Vidyaev soll der ebenfalls entlassene technische Leiter der Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer, hergestellt haben. Der Russe war bei Kretschmer polizeilich gemeldet.

"Das ist ein Kriminalfall, den die Justiz zu klären hat", heißt es dazu aus dem Büro von Salzburgs Landeshauptfrau Gabi Burgstaller (SP). Politisch bleibt das Auftreten von Vidyaev als großzügiger Mäzen für Burgstaller aber auch ohne mögliche strafrechtliche Komponente heikel. Denn der im Lebensmittelhandel reich gewordene Russe hat gleichzeitig um die österreichische Staatsbürgerschaft angesucht. FPK-Nationalratsabgeordneter Martin Strutz vermutet, dass dem Russen dabei von Burgstaller geholfen worden sein soll.

Die Landeshauptfrau weist dies strikt von sich. Es habe nur ein Gespräch mit Vidyaev und seiner Familie gegeben. Dieser habe zwar einen Antrag gestellt, dieser sei aber von der Bundesregierung abgewiesen worden. Der Spendenvertrag sei trotzdem zustande gekommen. Inzwischen läuft ein zweites Einbürgerungsverfahren.

Dewitte selbst - für ihn gilt die Unschuldsvermutung - war am Sonntag für den Standard nicht erreichbar. Er soll sich in Belgien aufhalten. Während Boulevardmedien bereits vermuten, Dewitte habe sich mit seiner Frau Yvette "abgesetzt", dementieren laut ORF-Lokalradio die Dewittes jede Fluchtabsicht. Man befände sich auf Verwandtschaftsbesuch.

Was die Zukunft der Osterfestspiele angeht, hält sich Landeshauptfrau Burgstaller bedeckt. Für kommende Woche ist eine Sondersitzung des Kuratoriums angesetzt. In dieser dürfte auch über eine Neugründung der Gesellschaft beraten werden. Diese soll als Aufsichtsorgan einen Aufsichtsrat erhalten, in dem, wie es ein Sprecher Burgstallers formuliert, "die Politik nicht dominant" ist, sondern Kultur- und Wirtschaftsfachleute das Sagen haben.

Im Zusammenspiel mit den Sommerfestspielen will man Synergien in der Technik nutzen, gesellschaftsrechtlich und personell soll es aber zur strikten Trennung kommen. Das hätte auch bisher gegolten. (Thomas Neuhold / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 8.2.2010)

 

Kommentar posten
12 Postings
bar aufs handerl
00
10.2.2010, 18:26
kunst, kultur und sport,

da ist doch alles beisammen.

Edwin Felix
00
Korruptionskultur...wieviel darf´s denn sein...

man fasst sich an den Kopf, dass Frau Burgstaller offenbar nicht das Staatsbürgerschaftsgesetz in der aktuellen Fassung kennt. Für das Verfahren/die Vollziehung dieses ist nämlich sehr wohl die Landesregierung zuständig und kann hinsichtlich der vorzeitigen Einbürgerung gem. § 10 Abs. 6 auch Stellungnahmen abgeben.
Dieser Paragraph müßte sofort abgeschafft werden, da damit der möglichen Korruption auf Landesebene Vorschub geleistet wird, wie man bei den Handballerinnen von Prokop, Prölls kasachischem Botschafter oder Scheuchs Russland Connection unschwer erkennen kann.
Ausserdem sollten die § 10 Einbürgerungen zumindest der letzten 10 Jahre genauer untersucht werden...das einfachste wäre zunächst mal, die Meldeadressen zu überprüfen.

Nachtsonne
00

Auch allgemeine Einbürgerungsregel befinden sich § 10 Staatsbürgerschaftsgesetz, damit alle Einbürgerungen sind "§ 10 Einbürgerungen".

Für die § 10 Abs 6 Einbürgerungen ist keine Meldeadresse notwendig. Ohne Inlandswohnsitz ist aber nicht Salzburg, sondern Wien zuständig.

Edwin Felix
00
11.2.2010, 20:35
Da mögen Sie recht haben...

...aber es geht auch nicht um das Einbürgerungserfordernis, sondern wie "verbunden" man sich Österrreich fühlt; denn der Leitspruch unserer reichen Neobürger ist ja der, dass sie ihren Lebensabend in Ö verbringen wollen :-)

Edwin Felix
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im übrigen...

...wieso versteckt der Standard einen handfesten innenpolitischen Skandal unter der Kulturrubrik??

"Knapp daneben ist auch daneben"

Dr. Lari and Mr. Fari
 
21
Weil der Standard inzwischen ein VOLLKOMMEN

verlogenes und korrerumpiertes Blatt ist.

emga86
01

am ende wird wieder nix rauskommen, und alle leben so weiter wie bisher!

Wenn eine Frau Landeshauptfrau und andere Regierungsmitglieder (die im Aufsichtsrat sitzen) das alles nicht mitbekommen haben, stell ich mir die Frage was haben sie dort gemacht?

Hoffentlich wird bei den Sommerfestspielen genau g'schaut, wer sagt das dort nicht auch ewiger sumpf herrscht . . .

politiker die "Schieber" der reichen?!

disketteauswerfen
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und wissen sie was am ende rauskommt!

am ende ist nicht die FPK (die im dreck versinkt) sondern die gabi burgstallers angepatzt. die "systemparteien" stehen dann wieder am pranger und jeder politische skandal wird ausschliesslich mit SP und VP in verbindung gebracht und die leute wählen deshalb die blauen, denn die räumen da jetzt endlich auf, glauben die leute. und am ende glauben sie sogar, dass die spö die hypo in kärnten ruiniert hat. bravo österreich! bravo medien in österreich!


Dr. Lari and Mr. Fari
 
10
Es geht offensichtlich darum

daß sich wieder einmal herausstellt, DASS KEINE PARTEI UM EINE MÜDEN SCHAAS BESSER IST ALS DIE EFFEN!!
Und sowas muß die braafe Frau Föderl-Schmidtz natürlich irgendwo schamhaft verstecken.

?und
02
und einer der diese stiftungen zum "wohle aller" ins leben gerufen hat

der unschulds-ferdl (lacina) - was ich damit sagen will,
es gilt die unschuldsvermutung - er konnte nicht wissen, was daraus für wildwuchs entstehen würde. er konnte die rechtlichen auswüchse kraft seines lauteren geistes nicht ermessen - freispruch euer gnaden. - das sogenannte dörfler-syndrom.

stimme zu
17
Burgstaller Vidajev Kretschmer Dewitte

Also, der DeWitte stellt der Burgstaller den Vidajev vor, der zufällig beim Kretschmer seine Postadresse hatte.
Weiters zufällig spendet er 2,5 Mio Euro, und stellt rein zufällig einen Staatsbürgerschaftsantrag.

Zufällig sieht DeWitte die Überweisung und überweist sich selbst zufällig 300.000 Euro auf ein Konto in Nord=Türkisch=nichtEU Zypern.

Zufällig hat Kretschmer in dem Zeitraum seine höchsten Rechnungen gestellt.

Zufällig wurde im Jahr 2006 der Buchhalterin eine Gehaltserhöhung gewährt (für 20 Wochenstunden von 20.000 euro pro Jahr auf 70.000)

Zufällig hat das Burgstaller nicht gemerkt.

Zufälle gibts!

dietmak
00
salzburger osterhase bringt allen was.

wer ist denn nun eigentlich die präsidentin der salzburger festspiele,eine quotenfrau? ich meine eine, die durchaus ein resches goscherl hat,nun soll sie auch die volgen verantworten u.nicht abschieben.

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