Bündnispolitik

Nato sieht keine Grundlagen für russische Militärdoktrin

6. Februar 2010, 14:48
  • Artikelbild
    foto: reuters/michaela rehle

    Nato-General Rasmussen (re.) mit dem stellvertretenden russischen Premierminister Sergei Ivanov bei der Münchner Sicherheitskonferenz. Die neue russische Militärdoktrin belastet das Verhältnis Russlands zur Nato.

  • Artikelbild
    foto: epa/tobias hase

    Russlands Außenminister Lawrow (li.) mit dem Nationalen Sicherheitsberater der US-Regierung, James Jones. Lawrow warf der Nato vor Verteidigungspolitik zu Lasten seines Landes zu betreiben.

Generalsekretär Rasmussen: Nato ist kein Feind Russlands - Außenminister Lawrow: Sicherheit nicht auf Kosten anderer gewährleisten

München - Russlands neue Militärdoktrin sorgt für Misstöne im Verhältnis zur Nato. "Ich muss sagen, dass die neue Doktrin nicht die reale Welt spiegelt", sagte Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen Reuters am Samstag am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz. Die Nato sei kein Feind Russlands. Der russische Außenminister Sergej Lawrow warf dagegen dem Westen vor, eine Verteidigungspolitik zulasten seines Landes zu betreiben.

Nach seinen am Freitag von Präsident Dmitri Medwedew unterzeichneten verteidigungspolitischen Grundsätzen sieht Russland in der Nato-Osterweiterung eine der größten Bedrohungen für die eigene Sicherheit. Auch die inzwischen geänderten US-Pläne für ein Raketenabwehrsystem in Osteuropa werden in dem Dokument als Grund zur Sorge genannt. Russland behält sich zudem weiter das Recht vor, mit einem Atomschlag auf eine existenzbedrohende Gefahr zu reagieren. Während der schwierigen Modernisierung der konventionellen Streitkräfte bleibe Russland auf sein Atomwaffenarsenal als letztes Mittel angewiesen, heißt es dazu in dem Dokument.

Nato: Doktrin widerspricht Bemühungen um Annäherung

Die neue russische Doktrin stehe in klarem Widerspruch zu allen Bemühungen, die Beziehungen zwischen Russland und der Nato zu verbessern, sagte Rasmussen. Dagegen kritisierte Lawrow ebenfalls bei der Münchner Konferenz, das Prinzip der Unteilbarkeit der Sicherheit in ganz Europa sei nicht mehr gewährleistet. Kein Staat dürfe aber seine Sicherheit auf Kosten anderer gewährleisten. Dem westlichen Militärbündnis hielt der russische Minister vor, es habe mit seiner Erweiterungspolitik nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seine Grenzen nach Osten verschoben.

US-Außenministerin Hillary Clinton hatte im Vorfeld der Tagung den russischen Vorschlag eines neuen europäischen Sicherheitsvertrags zurückgewiesen und die Nato-Erweiterung um Staaten der ehemaligen Sowjetunion ausdrücklich gerechtfertigt. Jedes Land habe das Recht, Bündnisse frei zu wählen. "Wir glauben daran, dass die Erweiterung von Nato und Europäischer Union Stabilität und Fortschritt auf dem gesamten Kontinent befördert haben - auch in Russland", schrieb sie in einem Beitrag für die "Süddeutsche Zeitung" vom Freitag. "Wir sehen die beste Lösung darin, bestehende Institutionen wie die OSZE und den Nato-Russland-Rat zu stärken, statt neue Verträge zu schließen, wie Moskau es vorgeschlagen hat."

Übereinstimmend sprachen sich Clinton und Lawrow dafür aus, dass die Sicherheits-Institutionen in Europa überarbeitet werden müssten. Die USA, Europa und Russland müssten sich um neues gegenseitiges Vertrauen bemühen, sagte Lawrow. Dabei sei die Hauptfrage, ob es einen gemeinsamen europäischen Raum gebe oder Regionen, in denen verschiedene Standards gälten. (Reuters)

Kommentar posten
19 Postings
Hafner
12
Politik sorgt immer wieder für Heiterkeit ...

... "... Generalsekretär Rasmussen: Nato ist kein Feind Russlands ...".
Man muss sich nur die Landkarte anschauen, wie die USA und die NATO Russland einkreist (auch die Militärbasen in den -stan - Staaten).
Man erinnere sich an das Gorbatschow gegebene Versprechen, keine NATO-Länder an der Grenze Russlands zu installieren.
Die westliche Wertegemeinschaft sollte lieber schweigen als uns dauernd mit diesen kindischen Lügen einzulullen.
Oder eine ordentliche Diktatur errichten. Dann wissen wir wenigstens, woran wir sind (Blair hat ja gezeigt, dass der Volkes- und Parlamentswille ein Tineff ist, wenn es um wahre Machtpolitik geht und ist heute schwerreich).

kurt haenel
 
00
@ hafner

na ja, weder in Belarus noch in der Ukraine gibt's NATO Truppen.
In der Türkei gibt es schon seit einer Ewigkeit Nato-Truppen.

Aber sonst ?

Girgl Galgenstein
00
Die NATO kreist Russland ein?

die NATO plant sicherlich nicht Russland zu überfallen. Das Problem Russlands ist, dass seine ehemaligen Vasallenvölker möglichst wenig mit diesem Land zu tun haben möchten (warum wohl?) und sich daher ganz gerne an die NATO anlehnen.

Hafner
00

Russland grenzt an:
- Norwegen NATO
- Finnland
- Estland NATO
- Lettland NATO
- Weißrussland
- Litauen NATO
- Polen NATO
- Ukraine versuchte, verfehlte Einflußnahme
- Georgien STÜTZPUNKT, versuchte, verfehlte Einflußnahme
- Aserbaidschan
- Kasachstan
- Mongolei
- China
- Nordkorea

Rundherum:
- Kirgisistan
- Afghanisten (um die Ölleitungen ohne Rußland bauen zu können)
- Pakistan
Doch - ja, ganz schön eingekreist, wenn man dann noch den Atlantik mitnimmer (z.B. Japan) kommt schon ein Einkreisungsgefühl aus.
Mit erschrecken habe ich beim Nachschauen die Militärbasen in Deutschland gesehen (Wikipedia). Noch ganz schön besetzt unser Nachbar.
Wie ist das mit freedom und demokratie?

Markus Wagner
00

Eingekreist? Also wenn man sich Russland so geographisch anschaut, würde das nicht mal als Zweifrontenkrieg durchgehen.

Abgesehen davon, dass es letztlich völlig wurscht ist. Jeder Staat hat das Recht sich der NATO anzuschließen, denn die osteuropäischen Staaten sind unabhängig und brauchen nicht vorher Russland fragen.

nAK
01
Demnächst wird die NATO Raketen auf dem Roten Platz installieren

aber Bedenken der Russen sind ja so was von widersinnig...

Als die Russen vor der Haustür der USA Waffen stationieren wollten ist die Welt gerade noch vom Weltkrieg vorbeigeschrammt, weil die damalige SU sie abzog.

Das Folterregime USA überzieht die Welt mit ihren Militärstützpunkten, warum wohl?

Girgl Galgenstein
00
Ja, warum wohl?

damit Menschen, die den Unterschied zwischen Freiheit und Knechtschaft immer noch nicht begriffen haben, jede Möglichkeit der Verteidigung der Freiheit als Unterwerfung diskreditieren können.

nAK
00
Damit die USA

und ihre Verbündeten weltweit Folterlager und konzentrationslager gegen Oppositionelle errichten können.

Dante Alighieri
21

Die Russen müssen endlich einmal kapieren dass die Ukraine, Rumänien, Polen, Georgien, Moldau, usw. nicht mehr ihre Satellitenstaaten sind. Wenn die mit der NATO enger kooperieren wollen ist das ihr gutes Recht und keine Bedrohung Russlands. Wenn man sich anschaut wie Russland ständig militärisch gegen Georgien oder Moldau stichelt dann versteht man warum diese Länder immer enger mit der NATO kooperieren wollen.

Schluß mit der Bagage!
11
Das ist der Gipfel der Verlogenheit,

die Nato weiß genau, dass sie Dreck am Stecken hat!

egal9
412
Recht hat er.

Wenn ich die Verschiebung der NATO-Grenzen Richtung Osten auch für keine defensive Maßnahme halte, sondern eine offensive. Die geplanten Raketen in Rumänien sprechen eine sehr deutliche Sprache.

Pump Kin
00

defensiv-offensiv ? pffft.
Russland muss akzeptieren,dass seine Nachbarländer machen können was sie wollen.

Bertel Mann
10
Akzeptieren die Russen ja - und die NATO muss akzeptieren, dass die Russen machen können was sie wollen

Z.B. sich eine neue Militärdoktrin geben.

P.S.: Die, nebenbei bemerkt, wesentlich zurückhaltender als die US-Amerikanische ist. Das fällt denjenigen, die sich so gerne im A... der USA aufhalten, halt nicht so auf.

zimbo
 
11
Deshalb werden auch die Raketen in Kaliningrad kommen müssen.

Die Nato verstehts nicht anders.Dafür müssen die Völker darben.

Sieh an
10
...richtig, wenn die Russen einen Raketenabwehrschirm direkt auf Kuba und in Venezuela stationieren würden, um sich vor den "Drogenterroristen" aus Mexiko zu schützen, dann hätten die USA schon längst die A-Bombe gezündet...

...bislang provoziert nur die USA und die in ihrem Schlepptau hinterhertrabende NATO...

egal9
01
Mein ursprüngliches Posting bezog sich auf Lawrow

Aber der Artikel hat sich etwas geändert...

GENDERLOS
01

"allen Bemühungen, die Beziehungen zwischen Russland und der Nato zu verbessern"

Welche sollten das sein???

egal9
00
Mein ursprüngliches Posting bezog sich auf Lawrow

Ava Tar
02

Aber geh, die Russen haben doch auch unser Öl.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.