Lage, Wohnumfeld und Image werden immer wichtigere Standortfaktoren für konzentrierte Betriebsansiedelungen
Wirtschafts- und Gewerbeparks sind beliebte Instrumente geworden, um Wirtschaftsstandorte zu etablieren und zu stärken. Vor allem die Bundesländer im Osten treiben diese Entwicklung voran
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"Vor rund zehn Jahren", erinnert sich Gerald Antonitsch, "wurde um Gewerbeparks viel mehr Aufhebens gemacht als heute - auch in den Medien." Damals hätte es einen Boom gegeben, heute seien sie selbstverständlich, meint der Vorstand der Immorent AG. "Obwohl der Trend nach wie vor anhält, wird weniger darüber gesprochen." Immorent, eine 100-Prozent-Tochter der Erste Holding, die auf Leasing und Immobilien spezialisiert ist, entwickelt Gewerbeparks in Wien, Oberösterreich, Salzburg, Tirol und in der Steiermark.
Betriebsansiedelungsgebiete
Zum Kundenkreis zählen unter anderem Gemeinden. "Betriebsansiedelungsgebiete sind nach wie vor eine beliebte Strategie, um gute Ausgangsbedingungen für die lokale Wirtschaft und damit Arbeitsplätze zu schaffen", sagt Antonitsch. Bemerkenswert sei, "dass Gewerbeparks früher vor allem von großen Gemeinden und Städten entwickelt wurden, während heute auch kleinere Kommunen auf dieses Instrument zur regionalen Entwicklung setzen."
Dynamik durch Ostöffnung
Ein Blick auf die geografische Verteilung der Gewerbeparks in Österreich zeigt, dass die meisten einschlägigen Standorte im Osten des Landes zu finden sind. Ganz vorn dabei: Niederösterreich. Das liege zum einen an der zentralen Lage Wiens inmitten des Bundeslandes, meint Helmut Miernicki, Geschäftsführer der niederösterreichischen Wirtschaftsagentur Ecoplus, und zum anderen an der politischen Entwicklung in den letzten zwei Jahrzehnten: "Mit der Ostöffnung ist bei der Schaffung von Wirtschaftsparks eine zusätzliche Dynamik hinzugekommen", stellt er fest.
Für Immorent-Vorstand Antonitsch spiegeln die konkreten Standorte "die Verteilung der Wirtschaftskraft der unterschiedlichen Regionen wider". Acht Parks befinden sich im Eigentum der Ecoplus, an acht weiteren ist die Agentur beteiligt.
IZ NÖ Süd - Ältester und größter Gewerbepark
Darunter befindet sich auch der älteste und größte Gewerbepark hierzulande, das sogenannte Industriezentrum Niederösterreich Süd, kurz IZ NÖ Süd. Bereits 1962 gegründet, haben sich auf dem 280 Hektar großen Areal in der Nähe von Wiener Neudorf bisher 303 Betriebe angesiedelt. Rund 11.200 Menschen haben hier ihren Arbeitsplatz. Alle Wirtschaftsparks zusammengenommen sind rund 920 Hektar groß und bieten 600 Betriebe mit circa 17.500 Mitarbeitern Platz.
Bauvorhaben: Wirtschaftspark Wolfpassing
"Nur die Parks bei Wolkersdorf und Wiener Neustadt wurden noch vor 1989 gegründet", erklärt Miernicki, "alle weiteren kamen erst danach." 1991 etwa Gmünd, 1996 Heidenreichstein, 1998 Kematen. Das neueste Projekt wurde am 28. Jänner vorgestellt: Der Wirtschaftspark Wolfpassing soll ab 2012 Gewerbe- und Industriebetrieben (Schwerpunkt Holzverarbeitung) eine Unterkunft bieten. Sechs Gemeinden sind an diesem Park beteiligt.
"Im Norden ist es leichter, Grundstücke zu verkaufen"
Die Wirtschaftsservice Burgenland AG (Wibag), Eigentümerin von vier Wirtschaftsparks, ist das burgenländische Pendant zu Ecoplus. Auch sie ist Vermarktungspartnerin für die Betriebsgebiete der Gemeinden. "Im Norden ist es leichter, Grundstücke zu verkaufen", sagt Bruno Kracher, Geschäftsführer von Business Park Burgenland Nord und Leiter der Abteilung Standortmarketing und Betriebsansiedlung der Wibag. Er betont die Bedeutung der Infrastruktur: "A3, A4, A6 und S31 - die meisten Gewerbeparks liegen rund um diese Verkehrsknoten."
Wohnumfeld und Image
Zielgruppe und Beschaffenheit eines Gewerbeparks hängen von Standortfaktoren ab. Die Immorent unterscheidet zwischen harten und weichen Faktoren. Zu den Ersteren zählen etwa Absatzmarkt und Arbeitskräftepotenzial, zu Letzteren Wohnumfeld und Image. "Da die harten Faktoren kaum beeinflusst werden können", erläutert Immorent-Vorstand Antonitsch, "konzentrieren sich Gemeinden auf die weichen Standortfaktoren." Bei Firmenkunden sei zu bemerken, dass Lage und Umweltgedanke zunehmend in den Vordergrund rücken. Und: "Noch vor einigen Jahren war der Preis das ausschlaggebende Kriterium, jetzt ist es die Lage."
Strategie vor Neubau: Bestehende Parks füllen
Verdichtung vor Streuung: Nicht jede der 171 burgenländischen Gemeinden erhält ihren eigenen Wirtschaftspark. "Die Strategie lautet, bestehende Parks zu füllen, bevor man neue baut", sagt Kracher. Um auch international sichtbarer zu werden, wurde 2008 die Vienna Region Marketing GmbH gegründet, in der sich Wien, Niederösterreich und das Burgenland zur gemeinsamen Vermarktung zusammengeschlossen haben. Dazu Kracher, der auch Geschäftsführer dieser Gesellschaft ist: "National betrachtet sind wir zwar Konkurrenten, im Ausland aber werden wir nicht als einzelne Bundesländer wahrgenommen, sondern als eine zusammenhängende Region." (Markus Böhm, DER STANDARD Printausgabe 6/7.2.2010)