Von Staaten und ihren Geheimdiensten ist keine Hilfe beim Schutz persönlicher Daten zu erwarten - von Helmut Spudich
Vor wenigen Wochen punktete Google damit, wegen chinesischer Cyberattacken und Zensur mit Rückzug aus China zu drohen. Jetzt scheint der Konzern seinen Kritikern recht zu geben, die in dessen Anhäufung persönlicher Daten eine Gefahr sehen: Google will mit dem US-Geheimdienst NSA gegen Attacken kooperieren.
Zwar soll sich dies nur auf Googles Infrastruktur beziehen, nicht auf die User-Daten. Aber man muss sehr naiv sein, um zu glauben, dass sich Superspione, die praktisch niemand Rechenschaft schuldig sind, an diese Leine legen lassen. Die NSA war der Haupttäter bei der Beschnüffelung von US-Bürgern unter dem Vorwand der Terrorabwehr; mit Echelon unterhält sie das größte Lauschsystem der Welt.
Nein, von Staaten und ihren Geheimdiensten ist keine Hilfe beim Schutz persönlicher Daten zu erwarten. Die EU war in den vergangenen Jahren nur allzu schnell bereit, Daten ihrer Bürger auszuliefern, ob bei Reisen in die USA oder bei Finanztransaktionen mittels Swift. Die Steuersünder-CD zeigt, dass Regierungen auch in Europa bei eigenem Verwertungsinteresse wenig Hemmungen kennen, sich gestohlener Daten zu bedienen.
Im Gründer-Hochmut hat sich Google das Motto "Nichts Böses tun" verpasst. Die NSA an Bord zu holen wäre ein Sündenfall gegenüber den Kunden, deren Mehrzahl längst außerhalb der USA ist. Deren einzig möglicher Schutz vor einem solchem Verrat wäre die Abkehr von Google. (Helmut Spudich/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2010)