Auch 4000 Ausbildner ändern innerhalb von Monaten oder auch Jahren nichts an Stammesloyalitäten, korrupten Regierungsbehörden und dem Geld der Taliban
Es gibt das Afghanistan, das in Politikerreden und programmatischen Papieren beschrieben wird, und dann jenes Afghanistan, das Reporter sehen und frustrierte Armeeoffiziere. Der Unterschied ist, nun ja, erwartungsgemäß beträchtlich. Anspruch und Wirklichkeit in Afghanistan klaffen nach mehr als acht Jahren Krieg und massiver internationaler Hilfe auseinander. Die Frage ist, ob sich das reale Land langsam auch in Richtung jenes Landes entwickelt, wie es sich der Westen gern vorstellt. Die Antwort: eher nicht.
Der Zustand der afghanischen Polizei und Armee ist dafür ein guter Beleg. 300.000 Mann sollen es werden, und das schon recht bald - bis Ende 2011, wenn der Westen mit dem Abzug seiner Soldaten beginnen möchte. Heute gibt es nur knapp mehr als die Hälfte dieser vorgestellten afghanischen Sicherheitskräfte. Der ganz überwiegende Teil ist schlecht ausgebildet. Ihre Loyalität zum Staat und der Zentralregierung in Kabul ist unsicher. Berichte über Drogenprobleme sind häufig. Und auch nach der jüngsten Solderhöhung auf 240 Dollar im Monat - die Taliban zahlen stets mehr.
Seit 2002 murksen die Europäer an der Polizeiausbildung herum. Das Problem aber ist: Auch 4000 Ausbildner ändern innerhalb von Monaten oder auch Jahren nichts an Stammesloyalitäten, korrupten Regierungsbehörden und dem Geld der Taliban. Die Basis für den Wandel fehlt. (Markus Bernath/DER STANDARD, Printausgabe, 6.2.2010)