Schlichtheit erhält bei Maria Fuchs im Mari' etwas Erhabenes
Maria Fuchs tut sich schon etwas an, damit die Pizza, die im Holzofen ihrer Mari' in der Wiener Leopoldstadt gebacken wird, bei aller Schlichtheit etwas Erhabenes - um nicht zu sagen: heiligenscheinmäßig Berückendes - an sich hat. Mehl und Paradeissauce werden aus Neapel importiert, der Pizzaiolo sowieso, Mozzarella und andere Schlüsselzutaten kommen aus den hiefür vorgesehenen Regionen angekarrt: alles so authentisch, dass einem schwindlig werden könnte vor Ehrfurcht.
Mix & fix your own, Sonderwünsche oder gar Extrawürste darf man sich als Mari'-Gast gleich abschminken. Selbst Pizza mit Sardellen und Kapern, in Neapel ein Standard, wird in der Mari' als unauthentisch abgelehnt - wer das will, darf es gern anderswo versuchen. Dafür gibt es, fraglos fantastisch, Pizza bianca mit Salsiccia und Friarielli, einer ausschließlich in Kampanien beheimateten Brokkoli-Art, die nur für die Mari' nach Wien geliefert wird.
Dass hingegen das beliebte - und für viele Pizza-Freunde unabdingbare - olio piccante dem Bannstrahl der Pizza-Füchsin zum Opfer fällt und justament mit Tabasco ins ungenießbar Essigsaure verwürzt wird, tut ein bissl weh. Man kann es vielleicht damit erklären, dass bekanntlich selbst der Papst für manche ein ökumenisches Weichei ist. (corti/Der STandard, Printausgabe 06.02.2010)