Rehabilitierung

97 Forscher kämpfen für Dollfuß-Opfer

05. Februar 2010 17:17

Gefordert wird die vollständige Rehabilitierung - SPÖ soll Initiative aufgreifen

Wien - Das Schreiben hat Sprengkraft: 97 Forscher - Historiker, Politologen und Sozialwissenschafter - verlangen die Rehabilitierung der Opfer des Engelbert-Dollfuß-Regimes und die Errichtung eines Denkmals in Wien.

Der offene Brief erging am Freitag an die Regierungsmitglieder, den Bundespräsidenten und alle Abgeordneten plus Parlamentspräsidium. "Es geht uns nicht darum, aus sicherer zeitlicher Distanz zur eigenen moralischen Erbauung den Stab über anderen zu brechen" , heißt es darin. Beklagt wird, dass die wissenschaftliche Erkenntnis und das "öffentliche historische Bewusstsein auseinanderklaffen" .

Wie heikel das Thema ist, wissen auch die Forscher: "Von der ÖVP wird es in Teilen großen Widerstand geben" , ist sich der Sozialwissenschafter Emmerich Tálos sicher. Schließlich würde so die "These von der geteilten Schuld der Christlich-Sozialen und der Sozialdemokraten unterlaufen" . Er hofft auf die SPÖ, denn: "Trotz der Schonungsbemühungen in Richtung Koalitionspartner gehe ich davon aus, dass sie das aufgreift." Wenn nicht? "Das hielte ich für den größten Skandal der Sozialdemokratie" , es wäre "unverzeihlich" .

Der Politologe Anton Pelinka fürchtet, dass "die Volkspartei noch eine Generation brauchen wird" . Aber, sagt er auch, er wäre "angenehm überrascht" , wenn sich auch die Volkspartei in dieser Sache bewegen würde. Sein Beweggrund für die Teilnahme an der Aktion ist klar: "Die Opfer des 1934 mit Gewalt errichteten autoritären Regimes wurden noch immer nicht rehabilitiert."

Die Forscher wollen, dass alle "Opfer des Austrofaschismus" bedacht werden, wie einer der Mitorganisatoren, Florian Wenninger vom Zeitgeschichte-Institut an der Uni Wien, erklärt. Es gehe nicht nur um dieVerurteilten der Standgerichte, sondern auch um die tausenden Menschen, die in Anhaltelager eingesperrt wurden, und die vielen, die man nach ihrer Flucht ins Ausland kurzerhand ausgebürgert hat. Eine Einschränkung gibt es: "Uns geht es nicht um die Rehabilitierung von Nationalsozialisten." Eine Einzelfallprüfung sei "sinnvoll" .

Als ersten Schritt verweisen die Autoren des offenen Briefes auf einen Antrag, der dem Justizausschuss vorliegt. Grünen-Justizsprecher Albert Steinhauser fordert darin die Rehabilitierung all jener Personen, die 1934 von den Standgerichten zum Tode verurteilt wurden. Am 17. Februar wird getagt. Der Grüne hofft, dass dann "ohne Scheuklappen an das Thema herangegangen wird" .

Die Forscher schreiben in ihrem Brief: "Die Initialzündung für eine kritische Befassung mit Geschichte bildeten in der Vergangenheit oftmals symbolische Akte. Für einen solchen Akt wäre nunmehr die Gelegenheit gekommen." (Peter Mayr, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.2.2010)

 

Standard-Podiumsdiskussion: "Wieso wird immer noch über Dollfuß gestritten?" mit dem Historiker Oliver Rathkolb und dem früheren Nationalratspräsidenten (VP) Andreas Khol u. a. Donnerstag, 11. 2., 19.00 Uhr im Wien Museum am Karlsplatz.

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Prostetnik Vogon Jeltz
12.02.2010 16:15
Verbotsgesetz ausweiten!


Nachfolgeorganisationen des Austrofaschismus auflösen!!!

Fritz Wunderlich
10.02.2010 14:46

waren alle wichtigen kirchenfunktionäre austrofaschisten oder gab es auch da schon vereinzelt andere?

Yes we try
09.02.2010 03:39
Österreich ist nicht das pharaonische Ägypten!

In der Antike wurde die Geschichte von den Siegern nicht nur "geschrieben", sondern beliebig gefälscht. Heutzutage vermag der Versuch der ÖVP, Dollfuß als einen "Märtyrer" im Kampf gegen den Nationalsozialismus, aber nicht als einen Diktator mit Blut an den Händen, darzustellen, angesichts der Tatsache, dass weltweit Historiker AUCH die österreichische Geschichte analysieren, als geradezu trottelhaft erscheinen... Wenn man nicht die Ignoranz der Österreicher bezüglich dem "Ausland" berücksichtigt... Also: Alle Welt weiß, was für einer Dollfuß wirklich war, nur Österreich weiß es nicht! Aba eh wurscht! Gemma wallfahrten!

*QED*
10.02.2010 05:18

Gerade weil Geschichte im europäischen Kontext
studiert wird, sind einseitige Darstellungen wie sie
von einigen Politologen/Historikern mit eindeutigem
parteipolitischem Hintergrund geboten werden ent-
behrlich. Ich kann nicht den pol. Mitbewerber als
"Austrofaschisten" beschimpfen und den "Austrobolschewismus" bestreiten. Man kann
nicht Dollfuss als Mörder hinstellen und über Friedrich
Adler, den Mörder des Ministerpräsidenten Stürkh, als wichtigen Funktionär der SDAP einfach hinwegsehen.

Yes we try
13.02.2010 04:38
Werter QED!

Einen F. Adler mit Dollfuß im gleichen Atemzug zu nennen ist die Ansicht einer Person, die Geschichte eben nicht im europäischen Kontext sieht, sondern einen kleinen Attentäter mit einem Attentäter auf die Demokratie, die Republik und auf hunderte unschuldige Oppositionelle auf die gleiche Stufe des Verbrechens stellt! Dies sehen Historiker weltweit anders! Da können Sie versuchen, aufzurechnen, wie Sie wollen!

Gegenflieger
08.02.2010 16:41
Rot oder Braun

Für ein Land das nie den Kommunismus erleiden mußte , verhält man sich einerseits ziemlich Hysterisch gegenüber den Roten aber andererseits
ziemlich verlogen Relativierend gegenüber den Braunen.Was mehr die Frage aufwirft geht es euch mehr um die Menschen oder bloß um die Angst vor Verlust von Materiellen Sachen.
Tippe auf letzteres.

black jack
08.02.2010 14:44

Hängt ein Dollfußbild nicht noch im Parlament?

Den Verräter von Demokratie und Freiheit an einem solchen Ort zu dulden, ist wahrlich geschmacklos.

Nashwin_Fuller
 
10.02.2010 09:52
Das ist allemal weniger geschmacklos als die Tatsache,...

...dass man den Teil der Ringstraße vor dem Parlament nach einem Nazikollaborateur und Landesverräter benannt hat.

Wo bleibt da der Aufschrei der erzürnten Forscher? Achso, der ist ja von der "guten" Partei gewesen und hat sich halt nur ein bisserl in der Art des Sozialismus geirrt.

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08.02.2010 16:14

Ein Mann, der im Kampf für ein unabhängiges Österreich gefallen ist, muss gewürdigt werden.
Wäre Dollfuß nicht getötet worden, dann hätte sich Hitler den Einmarsch ohne Widerstand abschminken können.
Ist ja auch interessant das Dollfuß nur kurze Zeit Kanzler des Ständestaates war, aber trotzdem sein Name und nicht der von Schuschnigg damit verbunden wird.
Schuschnigg war leider eine traurige Figur: Ein Schwächling als Diktator.

Auslandsösterreicher
12.02.2010 15:50

Und die Leute, die beim Anschluss den nazideutschen Truppen zujubelten waren dann sicher die vom Austrofaschismus befreiten Sozialisten und Kommunisten.

Auslandsösterreicher
12.02.2010 15:45

Ein unabhängiges Österreich? Das es zu dem Zeitpunkt aber kein demokratisches, freies Österreich war ist Ihnen egal?

Gegenflieger
08.02.2010 16:37

Blödsinn den sie von sich geben , mit Dollfuß hätte es auch keinen nennenswerten wiederstand gegeben.
Der war mehr daran interessiert seinen Machterhalt zu sichern , wäre das bei den Deutschen der Fall gewesen hätte er ihnen Tür und Tor geöffnet.

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08.02.2010 14:06

Bei der Gelegenheit könnte das Stalin-Denkmal in Meidling mit einer Zusatztafel versehen werden, die auf die Verbrechen dieses Mannes hinweist.
Was ja bislang von der SPÖ abgelehnt wird.

donquichotesenior
08.02.2010 16:48
Wollen oder können Sie es nicht verstehen !!!

Dollfuß war ein Diktator. Er hat das Parlament ausgeschaltet. Von mir aus hängen sie in ihrer Unterkunft mehrer Dollfuß Bilder an die Wand. Im Parlament hat ein Abbild dieser Person jedenfalls nichts verloren.

boltsnap
09.02.2010 21:47

... und KZs für politische Gegner errichtet ...

*QED*
08.02.2010 14:30

Man könnte auch darauf hinweisen, dass Otto Bauer
ein Bewunderer Stalins war.

Fritz Wunderlich
09.02.2010 11:11

und innitzer von hitler?

Johann Treitinger
08.02.2010 14:16

Muss man in alter Abwehr-Aufrechnerei-Manier, wenn man von Dollfuß redet, gleich auch mit Stalin aufmarschieren?

Stalin war ja bekanntlich österreichischer Bundeskanzler. ;-)

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08.02.2010 16:09

- Weil es ein Denkmal für Stalin in Wien gibt.
- Weil Otto Bauer Stalin-Anhänger war.
- Weil Stalin-Bilder regelmässig auf Demos auftauchen(Einmal sogar auf der SJ - Homepage)
- Weil (zu)viele in Ö der Meinung sind "Bei Taten der Linken muss man die Vergangenheit ruhen lassen."

Aber wo liegt das Problem mit einer Zusatztafel?

Fritz Wunderlich
09.02.2010 11:12

war dollfuß vom papst gesegnet worden? muss man den papst zur erinnerungstafel an die ständediktatur dazuhängen samt innitzer et alii?

Johann Treitinger
08.02.2010 18:45

Na, den historischen Beweis liefern Sie mir bitte - für Ihre absurde Behauptung, der Sozialdemokrat Bauer sei Stalinist gewesen.

Schreck
08.02.2010 10:20

Dollfuß hat den Nazis Tür und Tor geöffnet, weil er die Demokratie eigenständig abgeschafft und durch einen Klerikalfaschismus ersetzte (viele Privilegien der katholischen Kirchen rühren aus dieser Diktatur)
Damit schwächte er auch den politischen Widerstand gegen die Nazis, indem er deren absolute Hauptfeinde (den Kommunismus, den Sozialismus und die Sozialdemokratie) verboten hatte. 1936 kam es dann zu bekannten Abkommen zwischen Schuschnigg und Hitler.
Es zeigt sich, dass die Konservativen, die Bürgerlichen, die bigotten SpießbürgerInnen im Zweifelsfall zu den Nazis helfen, die ihre Privilegien nicht anfassen, als zu der arbeitenden Mehrheit.
Der Anschluß wäre nur durch den linken Widerstand verhinderbar gewesen.

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08.02.2010 12:29

Brav den Text der Parteiakademie auswendig gelernt.
Römisch Eins.
Extra Plus für die Ausblendung entscheidender Umstände:
Wie z.B. das Dollfuß der einzige war, der den Nazis gefährlich werden konnte und deshalb beseitigt wurde.
Oder das sich Sozialdemokraten dem Juli-Putsch der Nazis angeschlossen haben.

Johann Treitinger
08.02.2010 13:55
Die Totengräber der Demokratie

sind die, die sie beseitigt haben. Für die Nazis war danach nicht mehr viel an demokratischem und rechtsstaatlichen Bollwerk aus dem Weg zu räumen.

Der Gegenpol zum NS-Faschismus ist eben nicht ein anderer Faschismus, der die Verteidiger der Demokratie in Lager sperrt, sondern die Demokratie. Genau die aber hat das schwarze Lager vernichtet. Bis heute hat das die ÖVP nicht kapiert.

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08.02.2010 16:10

Aber "wer" war damals Demokrat?
Die Sozis nicht, die Kommunisten nicht, die Nazis nicht und auch die Christlichsozialen nicht mehr.

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