Hillary Clinton greift ein

Mögliche Wende bei Swift-Abkommen

Thomas Mayer, 05. Februar 2010 16:30

USA bereit zu Nachbesserungen – EU-Parlament könnte Abstimmung verschieben und zustimmen, wenn Datenschutzbedenken umgesetzt werden

Im Streit um das blockierte Interimsabkommen zum Bankdatenaustausch zwischen USA und EU bei der zur Terrorbekämpfung („Swift") zeichnete sich am Freitag eine überraschende Wende ab. US-Außenministerin Hillary Clinton hat sich direkt an ihr neues europäisches Gegenüber, die Hohe Beauftragte, "EU-Außenministerin" Catherine Ashton gewandt und gebeten, gemeinsam eine Kompromisslösung zu finden.
Ihre "Botschaft" an Ashton war, dass eine Regelung zum Datenaustausch für die Verfolgung terroristischer Aktivitäten für alle wesentlich sei, bestätigt ein hochrangiger EU-Politiker dem STANDARD. Man brauche dieses Abkommen, sie Clinton, sei bereit einzugreifen, zu helfen, die transatlantischen Unstimmigkeiten zu überwinden. Formell zuständig ist US-Finanzminister Timothy Geithner bzw. Heimatschutzministerin Janet Napolitano.

Noch am Donnerstag hatte es so ausgesehen, als würde das EU-Parlament Swift nächste Woche glatt ablehnen. Der Innen- und Justizausschuss empfahl mit deutlicher Mehrheit ein Nein.
Der US-Botschafter bei der Union, William E. Kennard, hatte daraufhin angedroht, dass die USA dann Abkommen mit einzelnen EU-Mitgliedstaaten abschließen könnten und auf eine Regelung mit der EU als Ganzes verzichten. Dies wiederum würde bedeuten, dass die rechtlichen Unklarheiten und Datenschutzbestimmungen in Europa erst recht äußerst kompliziert blieben, insbesondere für den einzelnen Unionsbürger.

Arbeit an neuer Lösung

An der Spitze der Fraktionen von Sozialdemokraten und Liberalen, die bisher ein klares Nein zu Swift anzeigten, arbeitet man nun mit den Christdemokraten an folgender Lösung: EU-Ministerrat und die USA müssen fixe Zusagen geben, dass die grundrechtlichen Einwände - insbesondere beim Datenschutz - berücksichtigt und beim Abschluss des Definitiv-Abkommens im Oktober auch umgesetzt werden. Auch könnte eine Parlamentarierkommission in die USA geschickt werden. Dann ist eine Verschiebung der Entscheidung denkbar, das parlament würde dann Ende Februar oder spätestens beim nächsten Plenum im März in Straßburg abstimmen.
Damit ist ein sofortiges Scheitern des Interimsabkommens wieder in die Ferne gerückt, ebenso aber auch die sofortige Zustimmung durch das Plenum, denn zur Aushandlung der Ergänzungen und die verlangten Zusagen des EU-Rates und der Amerikaner dürften sich bis kommenden Donnerstag kaum realisieren lassen.
Hannes Swoboda, der geschäftsführende Fraktionschef der SPE, sagte dem STANDARD, man sei sich auch bewusst, dass in diesem Zusammenhang auch die Beziehungen zwischen der EU und den USA unter der neuen Führung von Präsident Barack Obama zu sehen sind. Niemand habe Interesse, dass die Partner nach einer gewissen Entspannung nun wieder weiter voreinander entfernen. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 6./7.2.2010)

 

Kommentar posten
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Nicolas Castillo
 
08.02.2010 10:06
Europa will (hoffentlich) nicht ... die USA kann nicht

den Jungs vom CIA könnte man dine Passkopie von einem Terroristen zukommen lassen und die würden den Wald vor lauter Bäumen nicht sehen ...


¤
07.02.2010 16:36
"eine Regelung zum Datenaustausch"

Welche Daten erhält die EU im Gegenzug von der USA?

Karli Valentino
09.02.2010 11:39
regelmäßige meldungen über den braunbärenbestand in den appalachen ...

... die grünen würden sich freuen.

teuerzahler
07.02.2010 08:17
abgesehen mal, wie das im konkreten fall ausgeht -

ich hoffe natürlich, dass das eu-parlament hart bleibt und seine linie hält,

wo sind die kritiker des lissabonvertrags. die uns einreden wollten, dadurch würde alles viel schlechter und undemokratischer in der eu?

das eu parlament ist deutlich aufgewertet worden und ich hoffe, es wird seiner rolle auch gerecht!

iohui
08.02.2010 04:35

was erwartest dir von einem parlament, das z.b. der vorratsdatenspeicherung zugestimmt hat?

. spectator
08.02.2010 08:19

Falsch! Die Vorratsdatenspeicherung wurde nicht im Parlament beschlossen.

iohui
08.02.2010 09:30

wo denn? im lagerhaus? :))

selbstverständlich hat uns das eu-parlament dieses unrecht eingebrockt.
leugnen ist völlig zwecklos, weil die eu-beamten alles fein säuberlich dokumentiert haben.

http://www.europarl.europa.eu/oeil/Find... /2005/0182

. spectator
08.02.2010 13:43

Nicht im Lagerhaus, sondern in der Kommission gemeinsam mit dem europäischen Rat.

Und wenn Sie Ihren eigenen Link lesen können, werden's das auch dort finden.

Das Parlament hat nur die Gesetzesinitiative durchgewunken, konnte damals aber nicht gegen einen Ratsbeschluss stimmen.
Die Gieb.elmafia ist halt nicht überall soo stark:))

iohui
08.02.2010 14:30

kannst nicht englisch oder erzählst absichtlich die unwahrheit?
http://www.europarl.europa.eu/oeil/Fich... anguage=en

deutsch ist offenbar auch nicht so deins sonst wäre dir der unterschied zwischen zugestimmt und beschlossen nicht gar so fremd.

teuerzahler
08.02.2010 07:48
so wie unser nationales auch!

ich erwarte mir vor allem diskussion über themen, die bisher im kreis der kommission hinter verschlossenen türen abgenickt wurden. und zuhause hamm die feigen pfeifen dann auf brüssel geschimpft.

diese verlogenheit wird wenigstens aufgeweicht und transparent. und so mancher blödsinn wenigstens abgemildert.

iohui
08.02.2010 10:08

nein, der nationalrat noch nicht.
bislang liegen etwa 185 stellungnahmen zu dem entwurf vor, von einer debatte im parlament, oder gar abstimmung, ist nichts zu sehen.

die verlogenheit bezüglich eu IST transparent.
es wird eh schon immer der längen und der breiten über alles diskutiert, aber diese *§?$< stimmen trotzdem allem zu weil es ihnen scheinbar wurscht ist solang sie ihr fettes gehalt und üppige spesen gezahlt kriegen. bei etlichen ist auch offensichtlich dass sie die tragweite der themen gar nicht begreifen.
siehe auch den link, den ich oben angemerkt habe.
der skandal ist, dass sich diese wirbellosen politiker nicht einmal für unfug und unrecht genieren.

Hans Fuchs1
07.02.2010 05:25
guter bulle, böser bulle

…und dennoch:nein!

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
07.02.2010 04:33
Diese mögliche wende

könnte leicht ein alles wie gehabt werden.
Die EU darf vor den gar zu dreist begehrlichen amis nicht einknicken. CHANGE - Wir Europäer haben zum Glück auch (immerhin noch ein paar eigene) demokratische Wertvorstellungen.

friedrich wilhelm voigt
07.02.2010 10:30

die demokratischen wertvorstellungen unserer regierungen beschränken sich leider darauf, daß wir hin und wieder irgendwo ein kreuzerl machen dürfen und ihnen damit erlauben, zu tun, was immer sie mit uns machen wollen.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
07.02.2010 23:35
Eh, nur

in der schweiz ist es anders...
...in einer diskussionssendung mit hrn. eichel hab ich die schweizerischen bankenfreunde (sind anscheinend alle schweizer) äusserst aggressiv erleben müssen.... die schweizer sind quasi kriegsbereit. Jetzt kann ich erahnen woher die löcher im schw. käse kommen könnten... ;)

ritter sperber1
07.02.2010 10:12

ich seh keinen sinn in der behinderung der datenübertragung an die amis. im notfall kaufen sie halt eine dvd ....

iohui
08.02.2010 04:38
kaufen?


wozu?

sie stehlen einfach was sie haben wollen.
haben sie ja bisher auch so gemacht.
straffrei.

wirdeinlichtleinseinamendedestunnels
07.02.2010 23:28

- was bei den riesen-datenmengen eher nur eine theoretische möglichkeit wäre.

TanteMitzi
07.02.2010 03:00
ORF

Zuletzt hatten EU-Parlamentarier von enormen Druck von allen Seiten berichtet, das Abkommen doch abzunicken. Sollte das Abkommen nicht zustande kommen, hat etwa der US-Botschafter in der EU, William Kennard, mit bilateralen Verträgen zwischen den USA und den einzelnen EU-Ländern gedroht.

Patches O'Houlihan
06.02.2010 23:54
EInfach NEIN sagen

Wie wäre es wenn man einmal nein zu den Amerikaner sagt. Oder kommt dann die gesamte EU auf die Liste der Schurkenstaaten? Man sollte sich von der amerikanischen Regierung nicht alles gefallen lassen und immer das tun was sie will.

her wig
06.02.2010 23:11
Es ist nicht im öffentlichen Interesse

dass das EU-Parlament dagegen stimmt.

Cogito Ergo Dumm
07.02.2010 07:45
Doch!

Gerade im öffentlichen Interesse!

her wig
07.02.2010 08:12

Das politische "öffentliche Interesse" bestimmt aber der mit genug Geld bzw. Einfluss, wie wir wissen.

Cogito Ergo Dumm
07.02.2010 08:43
Das ist ein sehr zynischer Standpunkt

Immer wieder wird bewiesen, dass es nicht stimmt. Hainburg war entgegen aller Lobbysten doch nicht durchsetzbar. Zwentendorf detto.

Um nur zwei Beispiele zu bringen.

Außer Sie verwechseln "öffentliches Interesse" mit politischem Interesse.

Jerry Garcia
 
07.02.2010 18:28
Das waren andere Zeiten!

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