Laut aktueller Studie von PriceWaterhouse Coopers (PwC) sieht der Großteil der Firmenchefs weltweit das Ende einer wirtschaftlichen Talsohle erreicht - Es werden für 2010 wieder Neueinstellungen geplant
In den Köpfen der Chief Executive Officers (CEOs) scheint, möchte man den Ergebnissen der aktuellen Ausgabe des 13th Annual Global CEO Survey von PriceWaterhouse Coopers (PwC) glauben, wieder Licht am Ende des Tunnels sichtbar zu werden. Weltweit gewinnen die Top-Führungskräfte wieder an Zuversicht, die wiederum direkt in geplante Neurekrutierungen resultieren, so die Autoren. Für die aktuelle Studie wurden im Jahr 2009 weltweit 1198 CEOs aus über 50 Ländern befragt.
Immerhin 40 Prozent der Befragten gaben an, im Jahr 2010 ihren Mitarbeiterstand zu erhöhen. In der Region Asia Pacific und in Kanada planen rund die Hälfte der CEOs, für das Jahr 2010 neue Arbeitsplätze zu schaffen, über 60 Prozent seien es in Brasilien. Aber auch in Europa gibt man sich tendenziell optimistischer als im Vorjahr: In Großbritannien gab fast ein Fünftel der Befragten an, ihre Mitarbeiterzahl um acht Prozent erhöhen zu wollen.
Optimismus schwankt
Der Blick auf die kommenden Monate ist als optimistisch zu bezeichnen: 81 Prozent der CEOs weltweit sind es. 18 Prozent nicht. Im Vorjahr sollen immerhin noch 64 Prozent zuversichtlich und 35 Prozent pessimistisch gewesen sein. Allerdings schwanke der "Zuversichtslevel" sozusagen mit dem Einzugsgebiet: In Nordamerika und Westeuropa geben sich 80 Prozent der CEOs in Hinblick auf ein in den folgenden Monaten mögliches Wachstum zuversichtlich. In Lateinamerika und China sind es schon 91 Prozent, in Indien sogar 97 Prozent. Auf eine erweiterte Wachstumsperspektive in den nächsten drei Jahren blicken mit 90 Prozent fast alle Befragten mit Zuversicht. Natürlich sei die Zuversicht durch eine nur langsam voranschreitende wirtschaftliche Erholung und die Auswirkung massiver Kosteneinsparungen und anderer Maßnahmen, die gesetzt werden mussten, getrübt, sagt Friedrich Rödler, Senior Partner PwC Österreich. Die Angst vor der Kernschmelze der globalen Wirtschaft sei aber zurückgegangen, so Rödler weiter.
Einen wirtschaftlichen Aufschwung erwarten die Befragten allerdings nicht vor der zweiten Jahreshälfte (60 Prozent). 21 Prozent erwarten eine Entspannung bereits im ersten Halbjahr, China sei - laut Studie - am raschesten zum Wachstum zurückgekehrt. Dort bekundeten 67 Prozent der befragten CEOs einen Aufschwung bereits im Jahr 2009. In Österreich, sagt Rödler, habe die Krise später begonnen als in anderen Ländern, weshalb aber auch die Erholung ein wenig länger auf sich warten lassen werde.
Humanressourcen im Fokus
Auffallend ist auch der Fokus, den viele CEOs auf ihre Personalagenden legen wollen. 79 Prozent der Befragten gaben an, unterschiedliche Positionen und Rollen in ihrem Unternehmen neu oder anders definieren zu wollen. Viele sehen Nachholbedarf im Bereich des Talent-Management, heißt es. Drei große Bereiche fallen laut Studie ins Zentrum der Aufmerksamkeiten:
- Die Überarbeitung bestehender Gehaltsmodelle. Ein Faktum, das sich quer durch alle Branchen ziehe und nicht allein auf den Finanzsektor betreffe.
- Effizientes Talent-Management. Die Krise habe auch gezeigt, dass Unternehmen mit einer oft notwendigen Abbau von Mitarbeitern zwar kurzfristig gespart haben, für die Suche und Einschulung neuer Mitarbeiter aber wieder enorme Summen in die Hand nehmen müssen.
- Mangelnde Schlüsselqualifikationen. 41 Prozent der Befragten legen einen Fokus auf Training und Mitarbeiterentwicklung. Viele orten eine mangelnde Grundausbildung u. a. in Sachen Change-Management oder in der Bearbeitung von Kundenanforderungen. (Heidi Aichinger, DER STANDARD, Printausgabe, 6./7.2.2010)