Filesharing

Cory Doctorow: "Wer nicht kopiert, ist tot"

05. Februar 2010 12:50
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    Foto: ap

    Verfolgt das Erfolgsmodell der Online-Publikation: Science-Fiction-Autor Cory Doctorow.

Einschränkung der Internet-Freiheit ist "existenzielle Bedrohung unserer Gesellschaft" - Urheberrecht "nicht dazu geeignet, unsere Kultur zu regulieren"

Graz - Science-Fiction-Autor Cory Doctorow stellt die bisherigen Selbstverständlichkeiten des Literaturbetriebs auf den Kopf - denn er schenkt seine Bücher her. Ab dem Tag des Erscheinens bietet Doctorow jeden seiner Romane (zuletzt "Makers") zum Gratis-Download an. Dennoch hat er von seinem Erfolgs-Buch "Little Brother" in den USA 90.000 Hardcover-Exemplare und die Filmrechte (an den "Transformers"-Produzenten) verkauft, und demnächst erscheint "Little Brother" auf Deutsch bei Rowohlt. Er wolle "nicht wie üblich sichergehen, dass jeder, der mein Buch liest, mir etwas zahlt", sagte Doctorow am Donnerstagabend in Graz. "Sondern dass jeder, der mir etwas zahlen will, mein Buch lesen kann."

Copy/Paste und Kreativwirtschaft

Die Zukunft der Kultur und Kreativwirtschaft wird vom Kopieren geprägt sein - und Künstler und Produzenten sollten sich besser damit abfinden, sagte Internetaktivist Doctorow am Donnerstagabend als Hauptredner bei dem von der Creative Industries Styria veranstalteten Kongress "Designing the Creative Societies of The Future" in der Grazer Helmut List Halle. Denn der Kampf gegen unlizenzierte Online-Kopien von Film, Musik, Literatur und anderen Kulturprodukten sei nicht nur sinnlos, sondern auch ein "Schaden für unsere Gesellschaft": "Kopieren ist Leben", betont der in Kanada geborene und in London lebende Autor in Hinblick auf die Zellteilung, "und wer nicht kopiert, ist tot".

Urheberrechtsdebatten

"Wir leben im Goldenen Zeitalter des Kopierens", so Doctorow. Dies sei zwar schlecht für einige Unternehmen, aber gut für die Künstler und das Publikum. "Was eine rechtmäßige Kopie ist, hat mit Machtverhältnissen und Geld zu tun und wechselt ständig", sagt der Autor. "Als die Beatles in den 50er Jahren begannen, die Blues-Rhythmen der Afroamerikaner zu verwenden, wurde dies als Fortschritt gesehen. Als die afroamerikanischen Hip-Hop-Musiker in den 80er Jahren Beatles-Songs verwenden wollten, nannte man das Diebstahl." Dies zeige, dass das Urheberrecht "nicht dazu geeignet ist, unsere Kultur zu regulieren".

Einschränkung ist kontraproduktiv

Doctorow warnt eindringlich vor Einschränkungen, die im Namen des Urheberrechts geplant sind: Initiativen wie das umstrittene internationale Urheberrechtsabkommen ACTA, das derzeit abseits der Öffentlichkeit zwischen USA, EU und weiteren Weltregionen ausverhandelt werde, "könnte die Kultur und das Internet zerstören". Im ACTA-Abkommen wird es nach inoffiziellen Informationen u.a. um die Überwachung von Internet-Nutzern durch die Provider gehen und ebenso darum, Content-Anbietern wie YouTube die Verantwortung dafür zu geben, ob Benutzer urheberrechtlich geschützte Inhalte online stellen. Dies wäre eine "radikale Einschränkung" für das Internet, sagte Doctorow, der lange Jahre bei der Online-Bürgerrechtsbewegung "Electronic Frontier Foundation" aktiv war.

"Dies können Künstler nicht wollen, weder als Künstler noch als Bürger." Darüber hinaus sieht Doctorow auch durch jene geplanten und tatsächlichen Einschränkungen der Online-Freiheiten, die im Namen der Terrorbekämpfung vollzogen werden, eine Gefahr für die Gesellschaft: "Natürlich funktionieren diese Maßnahmen, die wir für unsere Sicherheit tätigen", so Doctorow "Andererseits haben sie schreckliche Konsequenzen" und seien eine "existenzielle Bedrohung unserer Gesellschaft".

Ob sich letztlich die Freiheit oder die Zensoren im Internet durchsetzen werden, darauf hat Doctorow "keine einfache Antwort", wie bekundet. "Es könnte alles gut ausgehen, daran muss man glauben. Aber wenn wir nicht handeln, wird das nicht passieren."(APA)

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Posting 1 bis 25 von 39
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soki3456
07.02.2010 17:43
der Vergleich mit der Zellteilung gefällt mir

denn ausgerechnet die Apologeten des Bezahlen-Müssens argumentieren immer mit der Natürlichkeit dieser Zahlhandlung (seit Adam Smith ist der Tausch ja etwas "natürliches"). Schön wenn wieder einmal öffentlich diese Dummheit in Frage gestellt wird.

Meine Hoffnung ist eben, dass sich im Copy und Paste eine neue Gesellschaft ankündigt, die die Autoren sehr wohl ehrt und achtet, aber diese Würdigung nicht mehr in Geldeinheiten ausdrücken muss, da die sozialen Bedingungen Geld als Lebensnotwendigkeit nicht mehr erfordern.
Dass die Eliten der alten Gesellschaft an deren formalen Prinzipien festhalten und diese mit Herrschaftsinstrumenten einklagen, war auch schon beim Übergang vom Feudalismus zum Kapitalismus so.

= 8-b......
07.02.2010 14:24
auuuuweh.

Bin ja fast geneigt, dem Herrn in manchen Punkten Recht zu geben.

Allerdings untergräbt er seine Seriosität durch nichtssagenden Populismus und radebrecht teilweise schreienden Unsinn vor sich hin...

Schad um das Thema, nicht schad um ihn. Ist schlichtweg ein Wichtigtuer.

(Ich gehe nicht von "Übersetzungesfehlern" der Redaktion aus)

dryeti
07.02.2010 18:46
könntest genauer spezifizieren was dich stört?

Meiner Meinung nach hat der Mann einfach nur Recht.

= 8-b......
07.02.2010 20:40
gern

Beatles/50er - bullshit!!
Beatles stahlen d Blues d Afrikanern - bullshit. Haben 15jahre zuvor bereits andere gemacht, auf denen d Beatles aufbauten.

Fakt: von Musik hat d Mann keinen blassen Schimmer.

Zudem vermischt er Urheberrecht mit Mechanischem Recht - entweder weil er auch davon keine Ahnung hat o darauf baut, dass seine Zielgruppe keine Ahnung hat. Beides diskreditiert ihn als seriösen Gesprächspartner. Auch: Es gibt e Unterschied zwischen Inspiration u Sampeln.

"Es könnte alles gut ausgehen, daran muss man glauben" bleibt meinereins unkommentiert.

Hätte er über Themen, von denen er keine Ahnung hat, nicht geschwafelt u sich dafür auf d Wesentliche konzentriert, wär evtl was sinnvolles rausgekommen.

So: warme Luft.

yomellamo
07.02.2010 12:24
leute die viel kopieren,

sind genau jene die auch viel kaufen.


ich zb. hab schon seit jahren kein einziges musikstück mehr vom internet gezogen, .. und ich kauf auch keine CD (bis auf jene von ein paar künstlern von denen ich einfach alle CDs haben will... und die hab ich aber alle schon vorher kopiert).


dasselbe gilt für filme. Wenn ein download am fernseher angeschaut den Kino-besuch ersetzen kann, dann hätte man sich die DVD eh nie gekauft (und wenn, dann hätte man es schwer bereut).
Einen guten film seh ich mir zumindest lieber im kino an.

Hauptgrund fürs downloaden ist, dass es einfach die viel praktischere lösung ist.

Wer kauft, wird dafür bestraft!

Allmächtiger Satan
07.02.2010 10:40

Doctorow hat vollkommen recht. Die Industrie verkennt die Realität des c&p und rennt wie ein kofloses Huhn hysterisch im Kreis, weil sie nicht weiss, was sie tun soll - dieses Label/Stduio/Verlagswesen ist tot und weiss es noch nicht.

Ich als Konsument habe auch schon für Filme und Bücher bezahlt, die von den Künstlern online gestellt wurden, weil ich lieber 10 Euro direkt dem Künstler anstatt 25 Euro an den ganzen Verwaltungstrog für eine veraltete DVD oder ein Buch zahle von denen der Autor dann 50 Cent sieht.

Allmächtiger Satan
07.02.2010 15:45

Veraltete CD/DVD: Datenträger zu kaufen ist von gestern. Warum in den Laden fahren, stundenlang eine DVD suchen, sie am Ende bestellen müssen, weil nicht lagernd, an der Kassa Schlange und danach im Stau stehen, um ZUHAUSE einen Film anzusehen, den ich ohne aufzustehen mit 3 Mausklicks in 5min in HD auf meiner Festplatte haben kann? Wer hört heute noch CDs, wenn die noch wer kauft, dann sind die sofort auf mp3 konvertiert und laufen auf PC und mp3-Player.

Künstler: Zig Independentfilme sind bei ihren Herstellern direkt zu beziehen, detto Musik und Bücher, die letzte Band war Nine Inch Nails, Doppel-CD hat 5 Euro gekostet - auf der Homepage von NiN.

Die Industrie sieht das Internet nicht bzw. verweigert ihre Unnötigkeit zu akzeptieren.

das poppende lottchen
07.02.2010 16:40
da hast du recht.

es ist hoch an der zeit, dass man via internet rasch zugang zu filmen, musik, büchern usw. findet.
solange das nicht so ist, darf man sich über filesharing nicht wundern.
allerdings: ich glaube, es liegt teilweise an der rechtslage, dass das nicht ganz so einfach ist - etwa daran, dass z. b. für einen film jemand die rechte für ein bestimmtes gebiet gekauft hat und entsprechend verwerten darf. das erklärt das chaos bei dvds und den jeweiligen länder-codes. diese rechtslage gehört endlich geklärt.

Sergio Martino
07.02.2010 15:11
Du bist einer dieser lustigen Poster, die man bei diesem Thema laufend findet.

Klar behauptest du, irgendwelchen Künstlern "direkt" 10 Euro gezahlt zu haben. Aber natürlich! Verrat uns noch den Namen, und woher du diese Künstler kennst, und ob sie von den 10 Euro, die du und andere spenden, leben können...
Außerdem: Für welche DVD werden 25 Euro verlangt? Und was ist überhaupt eine "veraltete DVD"? Und: Welches Buch kostet 25 Euro, aber der Autor sieht nur 50 Cent? Das gibt es gar nicht, denn die üblichen Autorensätze liegen ungefähr bei 10%...

Allmächtiger Satan
07.02.2010 16:12

Die 50cent sind es locker, weil in den "üblichen" Verträgen gerne zuerst alle "Vorkosten" abgezogen werden, bevor der Autor Geld sieht - und dann werden aus den 10%igen Eur2,50 schnell durchschnittlich <50cent, wenn er überhaupt je Geld sieht.


das poppende lottchen
06.02.2010 01:06
ein verstärkender effekt für bereits bekannte autoren ist nachvollziehbar.

da dient der free download als gute pr.
zumal wenn sie, wie doctorow, ihre werke an verlage verkaufen und dadurch geld verdienen. oder filmrechte verkaufen, und dadurch sehr viel geld kriegen.
aber unbekannten autoren am anfang ihrer karriere bringt das genau gar nichts. oder kennt jemand beispiele für künstler, die mit werken, die unter einer der creative commons licenses veröffentlich wurden, bekannt oder gar berühmt wurden bzw. von ihrer arbeit leben können?
jaron lanier, der in dieser hinsicht sehr optimistisch war, hat seine ansicht nicht zufällig völlig revidiert und spricht sich heute für ein mikrozahlungssystem aus, das den erwerb von büchern, musik usw. leicht und erschwinglich macht und den künstlern ein einkommen garantiert.

WLG
06.02.2010 16:12

gerade unbekannte Künstler profitieren durch das Internet und Gratisdownloads, um anfänglich bekannt zu werden!

= 8-b......
07.02.2010 12:09
leider halbfalsch.

Unbekannte Künstler mit genug Eigen- oder Fremdkapital: durchaus.

Unbekannte Künstler ohne Kohle für flächendeckende Promo im Netz: never.

das poppende lottchen
06.02.2010 20:38
okay, dann nenne mir bitte

jeweils zwei autoren, filmemacher, bands, komponisten, texter, fotografen, drehbuchautoren, die, wie du sagst, vom Internet profitierten und dadurch bekannt wurden!

bixente uhudla
 
07.02.2010 02:06

bands gibts da schon einige..ganz spontan fallen mir zb die arctic monkeys ein (http://de.wikipedia.org/wiki/Arct... eys)..gäbe im musik bereich mehr beispiele,ist aber schon spät,bin zu faul zum nachdenken...;-)

das poppende lottchen
07.02.2010 16:41
arctic monkeys, das ist richtig.

aber halt nur ein beispiel, das genauso gut als ausnahme klassifiziert werden könnte!

WLG
06.02.2010 21:46

myspace

das poppende lottchen
06.02.2010 22:24
nein, ich möchte konkrete namen wissen.

also jeweils zwei autoren, filmemacher, bands, komponisten, texter, fotografen, drehbuchautoren.
denn entweder stimmt deine behauptung - dann kannst du sie auch belegen - oder sie stimmt nicht.

Jo H
07.02.2010 08:24

was ist mit linux?

das internet ist noch jung. frag in 20 jahren nochmal.

yomellamo
06.02.2010 14:56

.. wer ladet schon von autoren/künstlern runter die niemand kennt? Das findet sich dann im internet ja gar nicht einmal. ....

susi strolcher
07.02.2010 12:33
wer kauft schon

von autoren/künstlern die niemand kennt? Das findet sich dann im buchladen ja gar nicht einmal...ihr verdrängt einfach alle wie es vorher war. auch vor der digitalisierung konnten die wenigsten künstlerInnen davon leben.

das poppende lottchen
06.02.2010 20:51
genau, und deshalb brauchen künstler institutionen, durch die sie bekannt werden.

also verlage, filmverleiher, plattenfirmen usw., und eben nicht die gratis-kultur, von der sie genau null profitieren.
danke für deine korrekte argumentation.

yomellamo
06.02.2010 21:17

die künstler brauchen evtl. eine plattform, aber sicher nicht die abzocker-vereine von denen die künstler dann einfach nur ausgeblutet werden...

= 8-b......
07.02.2010 12:13
abzockervereine

wie myspace, youtube und die Telekom-Branche, die sich grad deppert verdienen?

Deren Geschäfstmodell ist auf den Knochen der Urheber gebaut. DAS ist die neue MI, da sind die alten Plattenfirmen a Sch*s dagegen.

Die geben den Musikern nämlich NICHTS, was per definitionem weniger als wenig ist.

das poppende lottchen
06.02.2010 22:29
hm, welche "abzocker-vereine" meinst du konkret?

nenn doch ein paar belegte beispiele, wo "künstler dann einfach nur ausgeblutet" wurden.
solche behauptungen werden von pro-gratis-verfechtern oft angeführt, etwa wenn gegen die böse "musikindustrie" gewettert - aber man hört nie etwas konkretes und belegtes.
schaffst du das?

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