Staatsbürgerschaftstest

Grazer Historiker kritisieren Lernunterlagen

5. Februar 2010, 12:39

Gravierende inhaltliche Mängel geortet - Auch Grüner Neo-Österreicher Willnauer empört

Graz - Zuwanderer, die die österreichische Staatsbürgerschaft erhalten wollen, müssen neben dem Nachweis von Deutschkenntnissen eine "Staatsbürgerschaftsprüfung" absolvieren. In ihr werden Grundkenntnisse der Geschichte Österreichs abgefragt. Nikolaus Reisinger vom Institut für Geschichte der Universität Graz ortet gravierende inhaltliche Mängel in den Lernunterlagen und spricht sich generell für die Streichung des Prüfungsverfahrens aus.

"Am 28. Juni 1914 wurde der österreichische Thronfolger Franz Ferdinand in Sarajevo ermordet. Der Erste Weltkrieg brach aus, der 1918 mit der Niederlage Deutschlands und Österreich-Ungarns endete": So wird in den vom Innenministerium zur Verfügung gestellten Lernunterlagen für den im Jahr 2006 eingeführten Einbürgerungstest beispielsweise der Erste Weltkrieg behandelt. Im Anschluss ist zu lesen, dass Kaiser Karl I. "auf den Thron verzichtet" habe - wiewohl er tatsächlich nur auf die Teilnahme an den Regierungsgeschäften verzichtet hat.

"Verkürzung, begriffliche Fokussierung und die daraus folgende monokausale Erklärung des 'Ausbruchs' des Ersten Weltkrieges spiegeln in dieser Form ein Geschichtsbild wieder, das eindeutig einer überholten Geschichtsauffassung verpflichtet ist und als Erklärungsmodell in keiner Weise dem rezenten Forschungsstand entspricht. Der 'Thronverzicht' ist schlichtweg falsch", so Reisinger. Er hat gemeinsam mit Andrea Stangl, Michael Hauer, Alexander Berghold und Maria Scheer die Lernunterlagen - 14 Seiten für die Geschichte Österreichs vom Jahr 996 bis heute - analysiert und ist auf eine ganze Reihe inhaltlicher Mängel gestoßen.

Nach Ansicht der Grazer Historiker und Historikerinnen ist das bestehende Testsystem eine "Missachtung sämtlicher lernpsychologischer, pädagogischer und didaktischer Erkenntnisse. Ein historisches Verstehen kann so wohl kaum erreicht werden". Sie haben eine Alternative zum derzeitigen System, das in einem Multiple-Choice-Test endet, entworfen: In einem modular aufgebauten, halbjährigen Kurs sollen die Teilnehmer staatsbürgerliche Grundkenntnisse erwerben aber auch ihre Erfahrungen im Integrations- und Einbürgerungsprozess kritisch reflektieren können. Am Ende steht kein Test, sondern ein Abschlussgespräch.

Grüne Kritik

Auch für den Grünen Bildungssprecher Harald Walser sind die Lernunterlagen und der Test diskutabel und er hat sie zum Gegenstand einer einer parlamentarischen Anfrage gemacht. Vonseiten des Innenministeriums hieß es, dass die Unterlagen bereits bearbeitet würden und dass sie in ihrer Online-Version bereits vom Netz genommen worden seien.

Der Spitzenkandidat der steirischen Grünen für die Landtagswahl, Jörg-Martin Willnauer, hat am Freitag nach Erhalt der vorläufigen Zusicherung auf die österreichischer Staatsbürgerschaft seine Kritik am Prozedere zum Erwerb derselben präzisiert: "Die Kosten belaufen sich auf ein mehrfaches im Vergleich zu Deutschland und die Lernunterlagen für den Test sind voll mit falschen Zahlen, schiefer Terminologie und dumpfem historischen Denken."

Der in Deutschland geborene Willnauer lebt seit 1981 in Graz und hat nach seinem Einstieg in die Politik ein Ansuchen auf die österreichische Staatsbürgerschaft gestellt. Dabei fiel dem Kabarettisten rasch auf, dass die Kosten dafür in Österreich bis zu mehrere tausend Euro ausmachen. Konkret summierten sich Bundes- und Landesgebühren sowie die Kosten für den Erwerb neuer Dokumente in seinem Fall auf knapp 3.000 Euro. Im Vergleich dazu müsse man in Deutschland mit lediglich rund 250 Euro rechnen.

Neben den hohen Kosten kritisierte der Neo-Politiker, dass die österreichische Staatsbürgerschaft erst erworben werden könne, wenn wie in seinem Fall die deutsche davor abgelegt wurde. Dass selbst innerhalb der Europäischen Union Doppelstaatsbürgerschaften vonseiten Österreichs nur unter bestimmten Umständen vergeben werden, bezeichnete Willnauer als "nicht sehr europäisch". Insgesamt habe er sich des Eindrucks nicht erwehren können, "Österreich braucht dich nicht, bleibt alle draußen".

Die Fragen beim Staatsbürgerschaftstest hält der 52-Jährige für "bemerkenswert": "Es wurde gefragt, seit wann die steirische Landeshymne Landeshymne ist. Welcher Steirer weiß das?" Außerdem entdeckte er in den Lernunterlagen historisch umstrittene Formulierungen und falsche Zahlen zum Beispiel bei der Auflistung der Religionszugehörigkeit.

Insgesamt stellte der Kabarettist und Politiker dem Test ob der "schiefen Terminologie", wegen "schlechten Deutschs" und wegen des "schlechten Stils" kein gutes Zeugnis aus. Der Text sei zudem nicht gegendert. (APA)

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morgensterns engel
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man frage bitte...

... die österreichischen staatsbürger, welche seit mehreren generationen ansässig sind, nach diesen daten und sehe was dabei rauskommt. 90% werden keine ahnung von jahreszahlen (siehe Cameron in England) haben, 95% von inhaltlichen Zusammenhängen (K&K - Haus Habsburg - erste/zweite Republik - "großdeutsche Lösung" - etcetc.)... nein wirklich, man völlführe den nächsten Vollzensus mit Meldepflicht und Test und lache sich den Ast über unsere ach so gebildeten "echten" Österreicher ab.

Henry Flower
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Hm.

Schön, dass er sich zumindest zur "inneren Erneuerung der Kirche", wie ein Geschichtslehrer meiner Frau die Gegenreformation bezeichnet hat, offenbar nicht äussern musste.

Henry Flower
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Ich frage mich zudem, warum das Kriterion "außerordentliche Leistungen im Interesse der Republik Österreich bereits erbracht wurden und noch zu erwarten sind"

offenbar viel leichter bei ein bissl Singen oder Sporteln gesehen werden, als bei einem Fremden, der sich über Jahrzehnte eingelebt hat, langjährig sich konstruktiv in zivilgesellschaftlichen Diskussionen einbringt und sich auch noch eine Spitzenkandidatur für den Landtag antut - was für einen Eingebürgerten noch weniger Honiglecken als für eine hier Geborenen bedeuten wird. Die xenophobe Anpöbelungsmaschinerie läuft schon gegen Willnauer an. Man sollte froh sein, dass jemand sich dem ewiggestrigen Dreck entgegenstellt, aber nein, man verrechnet ihm hohe Gebühren für den Spass auch noch!

Übrigens - er singt sogar auch!

Henry Flower
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ich habe mich gefragt, woraus die 3000 eur sich zusammenstellen könnte, und bis zur website der steir. landesregierung.

http://www.verwaltung.steiermark.at/cms/beitr... 455/89739/

die gebühren fürs ansuchen sind eher hoch, mit rund 1000 eur. (interessanterweise mit rabatt für wiedereinbürgerungen, milde für den reuigen rückkehrer ;-)

dann kommen aber einkommensbezogene landesverwaltungsabgaben von bis zu 1357 eur dazu. das finde ich grotesk.

die viel günstigere deutsche regelung sendet ein sehr klares signal, dass jene, die die voraussetzungen erfüllen, willkommen sind, und stellt so die integration und die bereitschaft zum engagement als staatsbürger definitiv auf eine höhere stufe als die geldleistung. ich finde das gut so.


King Of Wörschtlständ
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13.3.2010, 02:31
Das unserige System ist schlauer!

Und logischer.
Wozu gibt es einen Staat?
Damit viele Staatsbürger zusammen Steuern zahlen können. Man kann sich damit eine größere Regierung leisten als in einem Dorf.
Wenn der Staat einen willkommen heisst und sonst nichts, trägt er nichts zum Haushalt des Staates bei.
Wenn der Staat einen Willkommen heisst, aber ihn gleichzeitig ordentlich zum Zahlen verpflichtet, dann tut der Staat gleich zwei Sachen: freundlich und offen sein, aber auch smart wirtschaftlich denken.
Daher lebe ich in Österreich lieber als in Deutschland. Wir sind die geriebeneren!

Nachtsonne
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Dazu kommen noch die Urkunden die beschaffen und gegebenfalls übersetzt werden müssen.


Die Antragstellung ist noch billig, die große Gebühren sind bei Verleihung fällig.

Vierter Mann
03

Eine Darstellung des 1. Weltkriegs in zwei Sätzen ist zwangsläufig ziemlich verkürzt. Man kann den Aufwand für die Einbürgerungswilligen natürlich beliebig steigern, und aus dem 14-Seiten-Skriptum eine Enzyklopädie machen.
Ein "modular aufgebauter, halbjähriger Kurs" würde die Einbürgerungswilligen zusätzlich eine vierstellige Summe und viel Zeit kosten.

Voronwe
02
Meine Güte...

Erinnert mich an die Aussage einer Geschichtslehrerin, Kaiserin Elisabeth (aka Sissi) sei vom Pferd gefallen und dabei gestorben...

Die Unterlagen sollen wohl sicherstellen, das Zuwanderer nicht "besser" die österr. Geschichte beherrschen als die "Österreicher" selbst... ;)

RebelAngel
 
00

mir wollte meine Biologielehrerin nicht glauben, daß es einen Vogel gibt, der Kiwi heißt :-D

Dante Alighieri
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So lernen die neuen Österreicher schon sehr früh eine wichtige österreichische Tugend: jene der Geschichtsklitterung.

siebenschläfer
01
Integrationsförderung in Österreich

Diese Prüfung kostet natürlich Geld, auch für den Staat durch den bürokrat. Aufwand. Wozu? Damit Leute haufenweise (!) Dinge lernen müssen, die falsch sind: www.oedaf.at
Und das nennt sich dann Integrationsförderung! Halt die österreichische Auslegung davon.

mitrovic dejan
70
Geld Geschäfte mit dem Staatsbürgerschaft

Nur 3 000 euro kosten.Der ist echt billig davon gekommen.Meine ex aus Serbien habe 5 870 bezahlen müssen.Nur für austragung aus Serbische Staatsbürgerschaft haben die dort 1700 euro verlangt in Serbien.Sie zahlt noch immer Kredit dafür 3 jahre schon.Es würde zeit kommen dass niemand will haben Staatsbürgerschaft von Österreich .Dann würde auch verschencken von dem nicht helfen neuer Mitbürger zu bekommen.

Il n'a pas voté.
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Also ich bin mir sicher, dass hinter "mitrovic dejan"
ein rechtsgesinnter Kampfposter steckt.
Worüber ich überrascht bin ist, wie geschickt er vorgeht.

Moskito, ergo summ
01
Missachtung sämtlicher lernpsychologischer, pädagogischer und didaktischer Erkenntnisse



Nicht wirklich verwunderlich...



Rastl
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Endlich ein Profi

Früher Kabarettist und heute Politiker. Ich lach mich tot.
Bin neugierig wie ein Profi mit den ganzen Laien umgeht

Gladius1
22
des Eindrucks nicht erwehren können, "Österreich braucht dich nicht, bleibt alle draußen".

Er hats ja eh erkannt warum ist er nicht draußen geblieben??

FerdlGriesgram
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"die lernen das auswendig und zwei Tage später haben sie es wieder vergessen."

schließen sie häufiger von sich auf andere?

Gerhard Eigner
48
Der Text sei zudem nicht gegendert.

jössas !
da wurde also in Sarajewo der/die ThronfolgerIn ermordet (vielleicht darf man/frau/es "ermordet" auch nicht sagen, weil man/frau da jemand beleidigt) und der zweite WeltkriegIn verursacht.

und was die historischen details betrifft: dem achmed aus syrien oder der Conchita aus Mexiko wird das alles ziemlich blunzn sein, die lernen das auswendig und zwei Tage später haben sie es wieder vergessen.

Henry Flower
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Lass mich ein bissl ins Blaue hinen vermuten:

Sie halten bestimmte Vorstellungen bestimmter Zugereisten für frauenfeindlich. Tippe ich richtig?

Daher eine Bitte an Sie: erklären Sie uns, inwiefern es solchen Vorstellungen seitens StaatsbürgerInschaftswerberInnen korrigierend entgegenwirkt, ihnen Unterlagen vorzulegen, in denen kein positiver Versuch sichtbar wird, Würde und Rechte der Frauen als gleichwertig mit jenen der Männer darzustellen?

RebelAngel
 
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*schnarch*

was hat Sprachverunstaltung mit Frauenrechten zu tun...?

und von der "Würde" eines gedschänderten Lachnummerntextes sprechen wir da noch gar nicht...

Gerhard Eigner
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es gibt viele obergescheite

aber keinem scheint aufzufallen, daß sarajewo nicht wirklich den ZWEITEN WK ausgelöst hat.

Leopardette
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13.2.2010, 01:05
sarajewo war willkommener anlass...

die ursachen waren vielschichtig.

Lapislazuli
01
Tatsächlich wurde auch die "Thronfolgerin"

konkret die Gattin des Thronfolgers, ermordet. Aber was weiss das schon ein zufällig hier geborener Österreicher, und was kümmerts ihn. Integration bedeutet offenbar im Klartext: Hirn abgeben, weil sowas zu haben ist hierzulande unüblich.

PegasusNbW
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also sophie chotek war genau so thronfolgerin wie margit fischer bundespräsidentin ist.

Lapislazuli
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Der Sinn von

Anfürungszeichen ist für manchen schwer zu verstehen.

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