Nach drei, zehn, 18 und 24 Gängen sind jetzt wieder Räder ohne Gangschaltung modern. Und dabei geht es nicht nur um Fixies
Was die Fahrradkuriere vom anderen Ende des Teichs als Mode nach Europa brachten, ist ja im Grunde ein alter Hut. Fixies wär auch mein Ururopa gefahren, wenn er Radfahren hätte können. Und wenn ich meiner Oma sage, dass ihr altes Waffenrad ein viel geileres Rad, weil ein kuhles Singlespeed, ist als ihr modernes, rotes Damenrad aus den 1980er mit Fichtel & Sachs Dreigang-Nabenschaltung, riecht sie sicher an der Milchpackung, um den Säuregehalt des Inhalts zu testen.
Es muss nämlich gar nicht unbedingt ein Fixie sein, um ein Rad der neuesten Mode zu haben. Singlespeed tut es voll und ganz. Waffenräder sind seit den 1980ern nicht mehr aus der Mode gekommen, und vor allem Jugendliche fahren die Räder ihrer Großeltern immer noch gern. Der Grund dafür ist einfach und typisch für die Eingang-Räder: Sie sind besonders robust. Bei aktuellen Singlespeeds kommt die Gewichtsersparnis hinzu. Über Ästhetik lässt sich ja bekanntlich streiten, aber auch sie wird von Fixie- und Eingang-Fans immer wieder ins Rennen geworfen. Viele Ritzel, Schaltzüge, Umwerfer und Hebel schauen nicht nur wenig edel aus, sie sind potentielle Problemstellen und bringen Extragewicht mit. Das Waffenrad war nicht sehr leicht - sogar die Hauseinfahrt war jeder Oma zu steil, um mit der Übersetzung zu fahren statt zu schieben - dafür hält es heute noch.
Die Reduktion des Faltrades
Ein Gang, Freilauf und Rücktritt fanden später mit dem Holland-Rad wieder zu uns. Robuste Räder mit Oma-Rahmen und einem Geradeauslauf, dass sich jeder Zug zsammreißen muss. Mit den Fixies erleben Freilauf und Rücktritt schon wieder eine Renaissance. Faltrad-Marktführer Dahon bringt mit dem „Mμ Uno" ein Singlespeed-Faltrad, das für den Einsatz in der Stadt konzipiert wurde. Das "Mμ Uno" hat vorne eine Felgen- hinten eine Rücktrittsbremse. Allerdings: Auf der Eurobike wurde das "Mμ Uno" in einer etwas abgewandelten Form, ohne Vorderbremse ausgestellt. Und das hat wohl den Grund, warum auch keine Gangschaltung montiert ist: Reduktion ist angesagt, man beschränkt sich auch bei Falträdern auf das Wesentliche, und so kommt das "Mμ Uno" mit rund zehn Kilogramm aus. Um die 500 Euro wird das Faltrad kosten.
Luftpolster unterm Hintern
Nettes Feature am "Mμ Uno" ist: Die Radpumpe ist die Dahon "BioLogic Postpump" und gehört zur Serienausstattung. Sie ist komplett in die Sattelstütze integriert und soll durch den Standfuß und den langen Kolben bedeutend effektiver und komfortabler zu bedienen sein als die sonst oft mitgelieferten Nervenräuber, die sich Pumpe schimpfen.
Umschaltbarer Fixie
Ein weiterer Singlespeeder, der ebenfalls ziemlich fesch daherkommt und rund zehn Kilogramm wiegt, ist von Contoura. Die "Black Betty" hat zwei Felgenbremsen, ist aber nicht nur Singlespeeder, sondern auch Fixie. Im Hinterrad ist die SRAM Torpedo-Nabe verbaut. Sie ist die erste Nabe, die beides kann - ein paar Umdrehungen mit dem Schraubenzieher reichen, und die SRAM Torpedo ist umgestellt. Um 999 Euro kommt die schwarze Bettl von Contoura in den Handel. Ob sie sich als Trainingsgerät für angehende Fixie-Fahrer durchsetzen wird, bleibt abzuwarten. Grindige Waffenräder bekommt man um einen Bruchteil des Geldes. Wenn man halt eines findet. Kaum eine Oma gibt ihres her. Ganz egal ob Singles jetzt sexy und modern sind, oder nicht. (Guido Gluschitsch)