Plötzlicher Kindstod

Auffällige Veränderungen im Hirnstamm

5. Februar 2010, 10:41

Serotonindefizit lässt Babys in der Nacht nicht auf Sauerstoffmangel reagieren

Chicago - Der plötzliche Kindstod hängt scheinbar mit Veränderungen im Hirnstamm zusammen. Im Hirngewebe verstorbener Kinder entdeckten Forscher auffällig niedrige Konzentrationen des Botenstoffs Serotonin. Dieser Mangel trägt vermutlich dazu bei, dass Babys im Schlaf nicht auf Sauerstoffmangel reagieren.

Der plötzliche Kindstod (SIDS) ist die Haupttodesursache im ersten Lebensjahr. Mediziner vermuten als Ursache Veränderungen im Hirnstamm, der zentrale Körperprozesse wie Atmung, Puls oder Blutdruck steuert. An dieser Regulierung ist Serotonin maßgeblich beteiligt.

Tagsüber unauffällig

Neuropathologen der Harvard University verglichen Hirngewebe von Kindern, die an SIDS gestorben waren, mit dem anderer verstorbener oder erkrankter Gleichaltriger. Bei den Opfern des plötzlichen Kindstods waren die Serotoninwerte im unteren Hirnstamm um etwa ein Viertel niedriger als in der Kontrollgruppe. Die Konzentration das Enzyms TPH2, das für die Serotonin-Produktion wichtig ist, war um 22 Prozent vermindert.

Die Forscher vermuten im "Journal of the American Medical Association", dass der Mangel des Botenstoffs zwar tagsüber nicht auffällt, aber nachts fatale Folgen haben kann. "Unsere Studie deutet darauf hin, dass Schlaf den Hirndefekt demaskiert", sagt die Pathologin Hannah Kinney. "Wenn das Kind in Bauchlage schläft, erhält es vielleicht nicht genug Sauerstoff. Ein Baby mit normalem Hirnstamm würde als Reaktion den Kopf drehen oder aufwachen, aber eines mit dieser Anomalie kann auf den Stressfaktor nicht reagieren." (APA)

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Schneeglöckchen
 
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http://tinyurl.com/yjmypod

Warum werden zum Thema des plötzlichen Kindstodes psychodynamische Faktoren auf Seiten der Eltern völlig ausgeklammert?

Für mich nicht nachvollziehbar, daß man zur vollständigen Erörterung einer bisher ungelösten Frage diese potentielle Erklärung nicht einmal im Konditional mitdiskutiert.

Vor 20 Jahren bereits lieferte Arno Gruen Untersuchungsergebnisse, die recht deutlich in diese Richtung gehen.

http://tinyurl.com/yjmypod

guggi102
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Das scheint mir plausibel, wenn man bedenkt, welche Krankheit ein Serotoninmangel normalerweise auslöst.
Das ist aber ein unheimlich großes Tabu, das da angerührt wird - damit kommt man im katholischen Kulturkreis nicht weit.

Schneeglöckchen
 
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MMn ist es bei uns v.a. das Tabu, elterliche Fürsorge in Frage zu stellen.

"Alle Eltern haben ihre Kinder lieb!" ist zwar eine wunderschöne, aber dem kindlichen Leid ignorante und daher gefährliche Vorstellung, die bei uns von so vielen (vorgeschädigten) Erwachsenen zu vernehmen ist.

Selbst die Medizin ist IMMER auf Seiten schädigender Eltern und NIE auf Seiten der Kinder:
"Schreikind", "ADHS-Syndrom", "Spuckkind",
"KiSSkind", "SIDS"...sind allesamt elternschonende, opferbashende Klassifizierungen im Geiste der Schwarzen Pädagogik.

Dagmar Rehak
 
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10.2.2010, 00:48
Da bist du grob im Irrtum.

guggi102
01

Dem kann ich mich nur anschließen. Zusätzlich löst schon alleine die Aufforderung, Risikofaktoren zu vermeiden, bei vielen Eltern enormen Widerstand aus. Rauchen aufhören, Kind auf den Rücken legen, Stillen, das Kind neben sich schlafen lassen - wird oft als totale Zumutung betrachtet.

Schneeglöckchen
 
00
10.2.2010, 18:11

Sehe ich genauso - die am dringendsten ihr Verhalten ändern müssten sind meistens die, die am wenigsten dazu bereit sind!

pdf
00
25.2.2010, 16:24

Ich habe einige SIDS-Familien betreut.

Alle Familien waren Nichtraucher, soziale gute Verhältnisse, alles Wunschkinder, teilweise Bauchschläferkinder, gestillte Kinder.

Jeder Fall tragisch für sich. Es gab bei keinem Fall einen ersichtlichen Grund. Gottseidank haben alle Familien weitere Kinder bekommen, denen es allen gut geht.

Man kann SIDS nicht verhindern, nur versuchen, die bekannten Risikofaktoren zu minimieren. Aber auch dann gibt es keine Garantie, dass es nicht passiert.

Dagmar Rehak
 
00
25.2.2010, 16:42

Mit der Vermeidung der Risikofaktoren Bauchlage und Wärme erhöht man sogar das Risiko. Kinder, die sonst immer ratgeberkonform schlafen und dann einmal auf dem Bauch kippen und es schön warm haben, haben ein mehrfaches Risiko, an SIDS zu sterben als ein Kind, das immer auf dem Bauch und kuschelig warm schlaft.
Man staut auf diese Weise einen Tiefschlafnachholbedarf auf, der kumuliert gefährlich ist. Richtiger ist es, das Kind immer gut und tief schlafen zu lassen, so dass gar nicht erst ein so großer Tiefschlafnachholbedarf entsteht, und es nicht die ersten Monate seines Lebens am Tiefschlaf zu hindern.
So wie ein Baby in den ersten drei Schwangerschaftsdritteln braucht ein Kind im Vierten Schwangerschaftsdrittel immerwährende Nahrung und Schlaf.

Dagmar Rehak
 
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10.2.2010, 00:49

Natürlich gibt's da Widerstand, weil das Kind auf dem Rücken nicht schlafen kann. Nur auf dem Bauch kann es in entwicklungsbedingt notwendigen Tiefschlaf fallen.

guggi102
01
10.2.2010, 06:46

Das Kind kann schon schlafen auf dem Rücken, nur wirds halt alle 2-3 Stunden wach zum Trinken, so wie es von Natur aus vorgesehen ist.
In der Bauchlage versinkt es dagegen in einem unphysiologischen 8-Stunden-Koma, das dann "Durchschlafen" genannt wird. Das Hauptziel aller ehrgeizigen Jungmütter.

die windfrau
 
00
13.3.2010, 12:56

also alle meine kinder sind trotz bauchschlafens nie ein schlafkoma gefallen... die sind genau so bei hungerphasen oder anderen irritationen aufgewacht.
alle die tausenden anderen babies dieser zeit übrigens auch:
damals als ich meine kinder bekam, war die ärztlich-mediale SIDs-prophylaxe, die kinder auf dem BAUCH schlafen zu lassen, unbedingt... weil (damalige begründung) "die todesrate an SIDs in Rückenlage signifikant höher sei als in bauchlage".

Dagmar Rehak
 
00
10.2.2010, 10:02

Und wenn du dir einmal ein Baby anschaust, wirst du feststellen, dass es für die Rückenlage gar nicht gebaut ist. Arme und Beine knüllen sich im Vierten Schwangerschaftsdrittel nach vorn und kippen auf dem Rücken durch die Schwerkraft nach hinten, so dass Hals und Bauch freiliegen. Bei einem Wesen, dass nichts mehr braucht als Geborgenheit, soll das physiologisch richtig sein?
Es gibt sogar ein lustiges Kinderärztespiel: Die schauen, ob das Kind den Moro-Reflex gut ausgebildet hat. Das hat nix mit den leckeren Orangen zu tun, sondern da wird das Kind schlicht und einfach auf den Rücken gelegt. Meinst du im Ernst, dass etwas, wodurch ein Kind sofort reflexartig erschrickt und zum Schreien anfangt, und das so unbedingt, dass das sogar ins Testrepertoire der Kinderärzte aufgenommen wurde, eine geeignete Schlafposition ist?
So staut man nur den Tiefschlafnachholbedarf auf, bis er platzt. Und DANN stirbt das Kind.
Das beste Mittel, um SIDS zu verhindern, ist, dem Kind rechtzeitig ausreichend Tiefschlaf zu ermöglichen. Wer sein Kind ständig auf den Rücken legt, damit es schlechter schlaft, provoziert geradezu einen SIDS-Fall, wenn sich das Baby dann endlich zufällig eine gute Schlafsituation holt.

Und wenn wir schon beim Jungmütter-Ehrgeiz sind: Willst du echt ein Kind, das durch Tiefschlafvorenthaltung mangelhaft ausgebildete Gehirnzellen hat?

Dagmar Rehak
 
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10.2.2010, 09:47
Geh, so a Schmoarrn!

Du redest dir da einen unruhigen Schlaf schön und einen guten Schlaf schlecht. Guter Schlaf und auch guter Tiefschlaf ist für ein Baby aber lebenswichtig. Diesen über längere Zeit zu verhindern erhöht das SIDS-Risiko. Irgendwann ist die Situation da, wo es endlich gut schlafen kann, und dann versinkt es im Totaltiefschlaf.
Es ist gut, wenn ein Baby gut und tief schlafen kann, und dann soll es auch.
Und wenn du mir schon mit der Natur kommst: Es wäre in der "Natur" undenkbar, dass ein Baby ohne Körperkontakt zu seiner Mama schlaft. Und es muss auch nicht groß aufwachen zum Trinken, kann außerdem durchaus fünf Stunden am Stück schlafen. Nur tagsüber braucht es alle ein bis eineinhalb Stunden Milch.
Und auf dem Rücken wacht es nicht nach 2-3 Stunden auf, sondern schreckt schon nach einer viertel Stunde wieder auf und kriegt dann einen morztrum Schreck, weil es auf dem Rücken liegt. Auf dem Rücken kann es außerdem gar nicht einschlafen, außer es ist schon extrem übermüdet (erhöht SIDS-Risiko) oder wird schlafend, nachdem es zum Einschlafen herumgetragen wurde, auf den Rücken gelegt. Und dann treibt es seine Mama zum Wahnsinn, weil es da immer wieder aufwacht. Die glaubt, sie bringt es um, wenn sie es auf den Bauch legt, und legt dann aber endlich rmit schlechtem Gewissen richtig hin und hofft, dass es das überlebt.
Und deine Jungmütter können sich ihre Ehrgeiz sonstwohin stecken. Schlafzeiten kann man einem Säugling nun wirklich nicht antrainieren. Der schlaft, wann er will.

Dagmar Rehak
 
01

SIDS hat schon vor einiger Zeit aufgehört, Projektionsfläche für Schuldzuweisungen ideologischer Art zu sein, weil sich bis jetzt alles als falsch herausgestellt hat.

Schneeglöckchen
 
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Dem Humanisten und Geschwister Scholl Preisträger Arno Gruen ideologische Verbrämung, Projizierung und um Schuldzuweisung Bemütheit zu unterstellen, ist imo genauso jenseitig, wie psychodynamische Faktoren bei Eltern kategorisch auszuschließen - auch die im Artikel erwähnten, verminderten Serotoninwerte müßten uns mMn hinsichtlich Gruens Untersuchungsergebnisse hellhörig werden lassen.

gärtner
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klingt vllt doof aber warum hängt man nicht einfach jedem baby einen pulsoximeter um?
dann kriegt man sofort mit wenn das kind zu atmen aufhört und kann gleich einschreiten.

problem gelöst.

nobelpreis?

Dagmar Rehak
 
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Das Problem ist nur, das Kind hört zu atmen auf, weil es tot ist, und hört nicht zu atmen auf und stirbt dann. Ersticken/Sauerstoffmangel ist nämlich NICHT die Todesursache. Das war eines der Dinge, die man als erstes herausgefunden hat. Die Kinder sterben sauerstoffgesättigt.

Kathi1609
 
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das wird in der praxis wohl

eine ziemlich große menge an falsch-positiven ergebnissen erbringen, oder? so wahnsinnig verlässlich ist das pulsoxy nun wirklich nicht, schon gar nicht bei einem schlafenden, oft zappelnden baby ...
und in relation zum problem ist es auch ein bissi übertrieben, oder?

also wohl noch kein nobelpreis.

Aracni Santini
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eine andere Frage, sind die Kinder alleine, wenn soetwas passiert

oder schläft das Kind quasi neben einem ein? Denn mein Kleiner, der hat so geweint, wenn er aufwachte, der ist vollkommen hysterisch geworden ausgezuckt, hat zum Schwitzen angefangen (patschnass am ganzen Körper) ist bleich geworden vor lauter Aufregung... Manche machen ja die Türe zu... Also ich hätte mich nicht getraut ihn noch weiter Schreien zu lassen... Kann man vor lauter Aufregung sterben? Vielleicht gibt es ja verschiedene Ursachen?

Cranio-schamanischer Bachblütenakupunkteur C30
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Das klingt eigentlich nach pavor nocturnis (Nachtschreck) - ist zwar erschreckend, aber folgenlos.

A Voice
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Ein Bericht erzählt von einer Mutter

die mitansehen musste, wie das Kind einfach "ging" unvorstelllbar schrecklich für mich.

Ich glaube kaum, dass SIDS DIE Ursache hat - ist ja schliesslich nur die Bezeichnung dafür, dass man keinen Grund gefunden hat.

Dagmar Rehak
 
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Wenn es wirklich nur das wäre, dass man keine Ursache findet, kann es aber nicht die häufigste Todesursache einer Altersgruppe sein, sondern da dürften es nicht mehr als ein paar Prozent sein. Bei Erwachsenen gibt es das ja auch nicht in dem Ausmaß, dass sie sterben und man weiß nicht warum.
Ich denke, da ist einfach die Ausbildung mangelhaft, sonst hätte man offiziellerseits die echte Ursache ja schon längst gefunden.

A Voice
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Wieso nicht?

Kinder sind keine erwachsenen. Menschenkinder werden noch sehr "unreif" geboren. Dass nicht jeder SIDS ein echter SIDS ist, kann ich mir schon vorstellen. Aber gross wird der Anteil nicht sein, dazu ist das Thema zu sehr für die Forschung interessant.

Dagmar Rehak
 
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Richtig, Kinder sind keine Erwachsenen. Deshalb gibt es auch eine eigene Kindermedizin.
Trotzdem ist es schon sehr eigenartig, dass es eine Todesursache ohne erkennbare Ursache gibt, die in dieser Altersgruppe die häufigste ist.
Vielleicht liegt es ja am "unreif". Aber dann sollte die Medizin so weit sein, hier Zusammenhänge zu finden. Was geboten wird, sind immer nur Vermutungen mit Sauerstoffmangel, obwohl der schon vor Jahrzehnten als Ursache ausgeschlossen wurde.

A Voice
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Als Ursache, ja

aber nichtsdestotrotz deuten viele der Umstände, unter denen SIDS häufiger auftritt auf Atemg'schichten hin. Das ist ein ziemliches Dilemma. Raucher, Bauchlage, ...

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