"Dammbruch"

Vorratsdaten: Justiz will Zugriff bei Copyright-Delikten

5. Februar 2010, 08:41
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    foto: archiv

Zugriff auf Vorratsdaten schon ab einem Jahr Strafdrohung

Eigentlich sollte die umstrittene Vorratsdatenspeicherung der "Verfolgung von schweren Straftaten" dienen - Justiz- und Innenministerium wollen den Zugriff allerdings schon bei Delikten mit einer Strafdrohung ab einem Jahr Haft ermöglichen. Außerdem wollen sie Internet-Daten zumindest drei Monate lang auch zur Klärung von Copyrightverletzungen verwenden dürfen. Christof Tschohl vom Boltzmann Institut für Menschenrechte, einer der Autoren des aktuellen Gesetzesentwurfes, warnt nun vor einem "Dammbruch" beim Datenschutz und plädiert für die teilweise Zurücknahme des Entwurfs.

Speicherung

Mit der Vorratsdatenspeicherung sollen sämtliche Verbindungsdaten von Internet-, Telefon- und Email-Anwendern künftig ein halbes Jahr lang gespeichert werden - und zwar bei allen Teilnehmern, ohne Vorliegen eines konkreten Tatverdachts. Damit können die Behörden künftig feststellen, wer, wann, wie lange, von wo aus, mit wem kommuniziert hat und welche Internet-Seiten er besucht hat. Verwendet werden sollen die Daten laut einer 2006 erlassenen EU-Richtlinie zur "Verfolgung von schweren Straftaten".

Justiz- und Innenministerium wollen nun aber schon beim Verdacht einer "mit mehr als einjähriger Freiheitsstrafe bedrohten Straftat" auf die Daten zugreifen dürfen. Darunter fällt nicht nur Schwerkriminalität, sondern etwa auch Delikte wie schwere Sachbeschädigung (z.B. Schadenssumme über 3.000 Euro). Darüber hinaus geht aus den Stellungnahmen der Ressorts zur Novelle des Telekommunikationsgesetzes hervor, dass man die gespeicherten Internet-Daten zumindest drei Monate lang auch zur Klärung von Copyright-Delikten verwenden möchte.

Schadenersatz

Dem Co-Autor des Gesetzes, Christof Tschohl vom Boltzmann Institut für Menschenrechte, gehen diese Wünsche zu weit. Beim Copyright gehe es den geschädigten Konzernen in der Praxis nicht um Strafverfahren, sondern um zivilrechtlichen Schadenersatz, warnt Tschohl. Werde dazu auf die zur Bekämpfung der Schwerkriminalität gesammelten "Vorratsdaten" zurückgegriffen, dann drohe als nächstes der Zugriff zur Verfolgung von Ehrenbeleidigung im Internet: "Wenn man das aufmacht, dann haben wir einen Dammbruch."

Tschohl fordert angesichts der Begehrlichkeiten die Rücknahme der Novelle und eine Neufassung. Gespeichert werden sollen demnach nicht mehr alle Verbindungsdaten für Handy, Telefon, E-Mail und Internet, sondern nur noch jene Daten, die von den Telekom-Firmen tatsächlich für Verrechnungszwecke benötigt werden. In Zeiten der Flat-Rate-Tarife bei Internet und Handy wären das deutlich weniger, betont Tschohl: E-Mail-Verbindungen würden damit damit wegfallen, die Adressen der besuchten Internet-Seiten in den meisten Fällen ebenfalls.

Verhältnismäßigkeit

Außerdem plädiert Tschohl dafür, dass die Verwendung der Vorratsdaten bei jedem Delikt auf ihre "Verhältnismäßigkeit" geprüft werden sollte, statt starr auf eine Mindest-Strafdrohung abzustellen. So könnte man z.B. Kinderporno-Konsumenten im Internet verfolgen, auch wenn die Strafdrohung (wie vom Innenministerium moniert) weniger als ein Jahr Haft beträgt. In anderen Fällen - wenn etwa lediglich ein Inkassobüro über den Umweg einer Privatanklage die Identität eines Internet-Benutzers klären möchte - könnte man die Verwendung der Daten verweigern.

Update, 15:00

Das Ludwig Boltzmann Institut für Menschenrechte (BIM) hat am Freitag betont, dass die von ihm angeregten Änderungen bei der Vorratsdatenspeicherung nicht auf die Rücknahme des gesamten Entwurfes hinauslaufen würden. Angesichts neuester Entwicklungen sollte jedoch die "flächendeckende Speicherpflicht" für Vorratsdaten überdacht werden, bekräftigte Christof Tschohl vom BIM gegenüber der APA. Die anderen Eckpfeiler des Entwurfes - etwa die Bestimmung, dass über die explizit im Gesetz erwähnten Punkte hinaus keine Verkehrsdaten gespeichert werden dürfen - sollten demnach erhalten bleiben.

Speicherung

Laut Tschohl könnten nur jene Daten gespeichert werden, die von den Telekom-Firmen für Verrechnungszwecke benötigt werden, und die von der EU-Richtlinie vorgeschriebenen Verbindungsdaten nur bei Vorliegen eines konkreten Verdachts. Tschohl verwies jedoch darauf, dass damit ein EU-Vertragsverletzungsverfahren drohen könnte. Angesichts neuester Entwicklungen in Europa - etwa der Forderung der neuen Justiz-Kommissarin Viviane Reding, die Vorratsdatenspeicherung zu überdenken, und dem Höchstgerichtsverfahren in Deutschland - könnten diese Änderungen sowohl politisch als auch rechtlich (in einem allfälligen Verfahren vor dem EuGH) argumentiert werden. Dies sei aber letztlich eine politische Entscheidung, so Tschohl. (APA)

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maruh
02
die wollen also zugriff?


ok.

ich hab da eine idee.
wir helfen dem ministerium einfach. die haben e schon so viel zu tun.

also, jeder sendet nun die links der besuchten seiten an:
Sekretariat:

Elisabeth Simmel
Telefon: +43-(0)1-53 126-2352, Fax: 2191
ministerbuero@bmi.gv.at

ach ja, vergesst nicht auf sms und tel. diese daten mit wem, wann, wo, wie,... wollen sie ja auch haben.


viel spass

iohui
00

wir sollten die ministerien der anderen eu-staaten und der usa sowie sämtliche geheimdienste nicht benachteiligen.
die brauchen unsere hilfe mindestens genau so dringend.

starship
 
02
jede wohnung mit videokameras überwachen...?

wenn man bedenkt, daß heute ein erheblicher teil der kommunikation über digitale kanäle (web, email, handy, messenger, etc) läuft, bedeutet die vorratsdatenspeicherung nichts anderes als einen fast fast vollständigen VERZICHT auf privatsphäre. im vergleich dazu wäre beispielsweise die aufhebung des (postalischen) briefgeheimnises eine verhältnismäßig geringe einschränkung.

wenn der staat mit der strategie der vorratsdatenspeicherung konsequent bleiben will, sollte er auch gleich die flächendeckende aufstellung von videokameras in allen wohnungen und büros anregen (-> "wer nichts zu verheimlichen hat, hat ja auch nichts zu befürchten").

es steht zu erwarten, dass wir bald in einem "totalen überwachungs- und spitzelstaat" leben werden.

Tomee
00
wenn in einem

land alle briefe geöffnet, kopiert und gespeichert werden, bevor sie weitergeleitet wurden und falls drinnen was gestanden ist was entweder absender oder empfänger kompromitieren könnte, dies als mittel einen gegenüber benutzt wurde, dann reden wir von der "ddr". wenn es um e-post geht, dann halt eu....

Rob86
04

Es gibt in Österreich durchaus Parteien, die diese Oligarchien ernsthaft bekämpfen wollen,allerdings werden sie kaum gewählt,da man uns weismachen will, dass unsere größten Probleme Ausländer und Terrorismus sind.
Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster:

Mir ist es wichtiger, dass Privatsphäre in Österreich geschützt wird, auch wenn es selbstverständlich Menschen gibt, die im Schutz dieser Rechte kriminelle Aktivitäten planen und ausführen.

Mir ist es wichtiger, dass die Energien auf Korruptionsbekämpfung geleitet werden,anstatt "kriminelle Ausländerbanden aus dem Osten" zu verfolgen.

NONE
15

Es muss Schluss damit sein das die Industrie die Gesetze bestimmt.

friedrich wilhelm voigt
00

haha. das fängt gerade erst an! wir können uns alle schon mal warm anziehen.

Taran Seven
00
Die hängen dann transparente Proxys rein und loggen alle Urls und Passworte mit (ausser ssl-seiten)... dann will die Rechte-Industrie diese Logs nach illegalen Seiten Scannen

und dann zigtausende Abmahnungen versenden für den Aufruf von Seiten wie Piratebay, mininova torrenspy usw... abgesehen von den Popups zur XXX Seiten die bei solchen Seiten auch noch aufgehen...
Denn nur mit IP-Adressen können zwar einzelne Serververbindungen erkannt aber es ist nicht ersichtlich welche Datei geladen wurde.
Und um SSL-Seiten zu scannen müsste illegalerweise ein "zwischenzertifikat" generiert werden um die Daten und urls in der Mitte auszuspähen... das sieht aufmerksamer user natürlich wenn er sich das Zertifikat anschaut...

In diesem Fall wären wohl auch alle Bankdaten und Passwörter gleich mitgeloggt...
A1 hat im Handynetz schon lange loggende transparente Proxys am laufen (Angeblich um nur Jpg´s runterzurechnen.)

M L3
02
Copyright UND Vorratsdatenspeicherung abschaffen

Beides führt nur zu Justizmißbrauch und ungerechtfertigter Kriminalisierung.

C. J.
03

Wann kommt die Gesetzesnovelle, dass die Post nur mehr Briefe mit Absender (mit Bürgerkarte bestätigt) verschicken darf und selbigen plus Empfänger speichern muss?

postname2009
 
01

ich empfehle:

https://www.ipredator.se/ oder auch http://perfect-privacy.com/

mein provider bekommt von mir keine relevanten daten mehr zum speichern.

Toni De La Merde
00

*g* donn speichert se holt dein vpn-provider ;)

ich poste im jahre 2010
 
01

was die speichern, ist auf den anbieter websites eh nachzulesen, auch unter welchen vorraussetzungen sie die daten (an z.B. straf verfolgungsbehörden) weitergeben.

"For Swedish authorities to force Ipredator to hand over “traffic data” including your Ipredator IP at a specific point in time, they will have to prove a case with the minimum sentence of two years imprisonment.

Regarding inquires from other parties than Swedish authorities Ipredator will never hand over any kind of information."

auch wenn man sich da natürlich auch nie 100% sicher sein kann, macht das einen unterschied,
und nein, ich hab nix zu verbergen, aber trotzdem geht niemanden was an, wo ich mir was im netz anschau.

saoTan
05
Salamitaktik

...damit wurden ja bereits gute Erfahrungen gemacht, hierzulande. Gut für einige, dass die Masse nicht lernfähig zu sein scheint.

Wieviel Demokratie ist es bitte?
00
Was tun mit dem bürgerfeindlichen Spitzelstaat?

Bissl z'sammräumen:

http://www.freiheit-und-einheit.de/cln_156/F... nkt27.html

friedrich wilhelm voigt
03

das war doch klar. wenn die regierung sagt "natürlich nur für schwere straftaten" muß doch bitte jeder verstanden haben, daß das eine dreiste lüge ist. die haben das selbstverständlich schon damals nicht so geplant, daß das so bleibt.

anscheinend ist es so, daß die regierung IMMER lügt, egal was sie tut. wenn sie A sagt, kann man sich sicher sein, daß B gemeint ist.

Bête Noire
03

Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard
Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard
Flensburg und das BKA, Haben unsere Daten da
Flensburg und das BKA, Haben unsere Daten da

Nummern, Zahlen, Handel, Leute
Nummern, Zahlen, Handel, Leute

Computer Welt
Computer Welt
Denn Zeit ist Geld
Denn Zeit ist Geld

Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard
Interpol und Deutsche Bank, FBI und Scotland Yard
Finanzamt und das BKA, Haben unsere Daten da
Finanzamt und das BKA, Haben unsere Daten da

Automat und Telespiel
Leiten heute die Zukunft ein
Computer fuer den Kleinbetrieb
Computer fuer das eigene Heim

Reisen, Zeit, Medizin, Unterhaltung
Reisen, Zeit, Medizin, Unterhaltung

Computer Welt
Computer Welt
Denn Zeit ist Geld

Saladin Chamcha
022
Weils so treffend ist, nochmal zur erinnerung:

http://www.youtube.com/watch?v=SGD2q2vewzQ

Freiheitsliebender
04
Jep, geniales Video.

Kenn ich schon sehr lange.

Leute verbreitet das weiter, zeigt es Freunden, postet es im Internet.

Echt tolles Video.

Wennso Weitergeht...
00
Lobbying

Was soll ich sagen.

Taran Seven
00
Lobbying ... die gesetzlich gedeckte Form der Politikerbestechung...

Geht halt nur von Konzernen zu Politikern...
Bei allen anderen ist es verbotene Bestechung...

Der Leser für die Zeitung
193

und?

lobbying ist ja nicht per se schlecht.

also anstatt sich über die bösen, bösen lobbyisten zu beschweren lieber selber anständiges lobbying aufbauen um die eigenen interessen durchzusetzen.

und nein, dafür braucht man nicht einen mit geldbündeln dick gefüllten aktenkoffer, sondern vor allem know how und die bereitschaft arbeit in ein projekt zu investieren.

FlXII
 
70
Wieso Sie hier soviel rot bekommen?

Dass Lobbying vom einem Großteil der Leute falsch verstanden wird, ist nun wirklich nicht Ihre Schuld.

Sie haben ganz und gar Recht mit Ihrem Post.

bob langer
015
bla bla

wer soll lobbying machen für eine schweigende mehrheit die keine finanziellen mittel hat?

wer hat mind. genausoviel geld für lobbing wie die conentindustrie?
sie? ich?
die internetuser die sich nichts zu schulden kommen lassen , aber nicht unter generalverdacht kommen wollen ? (siehe swift)

tatsache ist, dass scheiberlweise die rechte der menschen für wirtschaftliche zwecke abgebaut werden. mal mehr oder mal weniger offen,,, aber im endeffekt ists so. aber wir haben lobbyisten...unsere "volksvertreter" die unsere interessen vertreten sollen. auch korrupt. die zahlen wir schon zur genüge für lobbying für unsere interessen.

wehret den anfängen...
keine daten für wirtschaftsinteressen. nur bei begründetem -Straftatbestand. net nur so

Erimias Doolittle
034
der damm ist längst gebrochen ...

... wer glaubt denn wirklich noch, dass es bei diesen massnahmen um pädophile und terroristen geht ?

durchsetzung von copy-rights, informations-beschränkung, nachrichten-kontrolle.

der berlusconi zeigt schon wie's geht. und da regt man sich über die chinesen auf ...

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