Provenienzforschung

Sinnlose Aktivitäten

04. Februar 2010 19:33

Auf Kuschelkurs mit Rudolf Leopold

Man scheint alle Zeit der Welt zu haben: Eineinhalb Jahre haben zwei Provenienzforscher im Auftrag der Kulturministerin gebraucht, um elf Dossiers zu 23 Kunstwerken aus der Sammlung Leopold zu erstellen.

Sicher, sie haben ganze Arbeit geleistet - aber auch sinnlose. Es nahm z. B. niemand an, dass die "Stilisierten Blumen" von Schiele Raubkunst sein könnten. Denn die Provenienz ist eindeutig: Rudolf Leopold kaufte das Gemälde 1970 beim Sohn von Max Morgenstern, der seine Sammlung 1938 nach London hatte verbringen können. Dennoch wird die Geschichte auf 17 Seiten ausgewalzt. Man erfährt sogar, dass der Erbe auf einer Weihnachtspostkarte bedauert, keine "Schillers" (sondern nur Schieles) zu besitzen.

Wenn die Forscher im gleichen Tempo und mit der gleichen Verliebtheit in völlig belanglosen Details weiterforschen, dann braucht es, Daumen mal Pi, bis zum Jahr 2187, ehe die Provenienzen der Sammlung - rund 4700 Werke entstanden vor 1945 - systematisch aufgearbeitet sind. Fast drängt sich der Verdacht auf: Das soll wohl so sein.

Dass der Wille, dieses leidige Kapitel aufzuarbeiten, gering ist, zeigt sich auch daran, dass die Kulturministerin ein neues, zehnköpfiges (!) Gremium mit der Prüfung der Fälle beauftragte. Für alle anderen Restitutionsfälle genügt seit Jahren ein siebenköpfiger Rückgabebeirat. Er ist bestens eingearbeitet. Und er wäre auch in der Lage, bezüglich Leopold glasklare Empfehlungen auszusprechen. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2010)

 

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Posting 1 bis 25 von 36
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molekühl
05.02.2010 14:25

Was heisst "sinnlose Details"? Immerhin wurde doch erst kürzlich ein Klimt(?) u.a. deshalb restituiert, weil sich jemand erinnert hat, dass er genau dieses Bild als Volksschulkind vor -zig Jahren bei ein bis zwei Besuchen in einem bestimmten Haus gesehen hat.
Die "klaren" Fälle sind eh schon alle erledigt. Jetzt gehts halt um die Werke, wo es kaum echte Unterlagen gibt, da muss jeder Sch..s eingesammelt werden.

Max Edwin
05.02.2010 08:10
leopold ist ja ned doof

und schlägt halt mit den gleichen waffen retour. natürlich ist es sinn der sache alles möglichst in die länge zu ziehen (wie es damals schon kreisky wollte).
ich würde es an seiner stelle auch so machen und die heissen kartoffeln erst gar nicht anfassen.
sollen sich die ehemaligen eigentümer darüber freuen, daß ihre bilder wenigstens öffentlich zugänglich sind. als meine oma 1945 aus tschechien rausgeflogen ist, mußten sie auch alles dort lassen. die bilder ihrer familie hängen jetzt auch weiß gott wo.
so what - weg ist weg.

Kontrahent1
05.02.2010 12:26
So geht es wohl ganz vielen.

Und hätte der Ludwig nicht das Geld gehabt, sehr viele von den heute umstrittenen Werken wären im Altpapier gelandet. Wer wollte denn in den 50er Jahren einen Schiele haben ? Besonders die späten Zeichnungen galten als frauenverachtende Pornos, welche für ein paar Schillinge zu haben waren.

G e o r g
05.02.2010 12:11

Jaja, die armen deutschen "Opfer", die man gleich mal auf eine Stufe mit Juden stellen kann. Gehts noch?
Und das beste Argument ist offenbar: Ist schon lange her, eine Klärung wurde seit damals hinausgezögert, also ist Raubkunst schon OK. Wo bleibt die Vernunft?

W.Hammerl
05.02.2010 17:56

Warum sollte man sie nicht auf eine Stufe stellen? Wenn ein jüdischer Industrielle das Land verlassen, aber seine Gemälde zurücklassen musste, ist es auch nicht schlimmer, als wenn eine deutschsprachige Brünner Bürgerfamilie den Todesmarsch nach Österreich ohne ihr Hab und Gut antreten musste.

Zaubersalz
05.02.2010 14:19
Sorry!

Opfer ist Opfer!
Wieso ist in Ihren Augen ein jüdisches Opfer ein "besseres" oder "ärmeres" Opfer als die arme deutsch-tschechische Oma?! Alle Deutsche sind Verbrecher? Alleine weil's die Geschichtschreibung und die Sippenhaftung so fordert?!

Fritz Wunderlich
06.02.2010 14:07

ach ja, die gaskammern in tschechien, oder was will so ein relativierer uns sagen?

Max Edwin
07.02.2010 15:36
es geht nicht ums relativieren

die am lautesten schreien, werden zwar besser gehört, was am unrecht an den anderen opfern aber nichts ändert.
vor, während und nach dem 2. weltkrieg und auch heut zu tage wurde und wird aus ethnischen gründen enteignet, vertrieben und getötet.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
05.02.2010 09:19
das sagte nicht Kreisky,

sondern Helmer (Innenminister so ca. 1955 bis 1963)

Geh!danke
05.02.2010 12:03
Es gibt auch Leute, die meinen, Uni-Stpendien seien unter Kreisky eingeführt worden

Nein, sondern bereits 1962 unterm schwarzen U-Minister Dr. Drimmel.
Große Leute ziehen eben Gschichtln an...

Dr. Lari and Mr. Fari
 
05.02.2010 14:05
Der Drimmel war doch ein SCHWARZER!

Also: das kann nicht sein, daß der Stipendien eingeführt hat.

Weil wie schon Korff dachte (oder wars Palmström?) nicht sein kann was nicht sein darf.

Zumindest bei der überwiegenden Majorität der hiesigen posterer...


:-))

The Tiger-Wuzz
05.02.2010 10:42

IM von Ende 45 bis 1959

Max Edwin
05.02.2010 09:44
danke für den hinweis

dachte bis jetzt, daß es kreisky war, der sagte: "ich bin dafür die sache in die länge zu ziehen".

max ritz
05.02.2010 17:27
'lernen's Geschichte'

war von Kreisky

Max Edwin
05.02.2010 21:30
und "pflanzen´s wen anderen" auch

W.Hammerl
05.02.2010 17:57

Es war tatsächlich Helmer.

gegen die sattheit
04.02.2010 23:59
aufregung

wieso regt sich trenkler so sehr auf?
es ist durchaus angebracht, die angaben, die Loepold selber gemacht hat zum erwerb, zu überprüfen. da dürfen auch unbedenkliche bilder rauskommen bei einer überprüfung.
wieso regt er sich nicht so sehr zB Aussagen von Leopold auf, zB in Hinblick auf "Bildnis Wally" oder "Häuser am Meer". Da spekuliert Leopold immer noch mit Vergleich oder Abschlagszahlung.
Und die Cuzpe schlechthin: Wenn er geraubte Zeichnungen privat verkauft, behauptet er das zu tun um Geld für "Häuser am Meer zu kriegen" (siehe Rieger-Fall)
Wieso regt sich Trenkler genau DARÜBER nicht auf?????

Fritz Wunderlich
06.02.2010 14:11

seltsam, hier regt sich der hungrige poster ähnlich wie trenkler auf:
http://derstandard.at/plink/125... id15128995

HansPeter10
05.02.2010 10:50

Weil er keine Ahnung hat.

Ava Tar
04.02.2010 23:58
Historisch durchaus interessant

1938 eine gesamte Sammlung nach London gerettet, ging das noch vom unbesetzen Österreich aus?

Gibt's einen Link zu der Arbeit ? Als Steuerzahler zahl ich ja dran mit, also würd ich sie auch gern lesen.

Hurrrrzn!
05.02.2010 08:04
1938

WANN sind die Nazis zu ihren Ursprüngen (als Ö) zurückgekehrt)?

Eben!

Kontrahent1
05.02.2010 12:29
Aber Ausfuhrverbote

für besondere Werke gabs schon vor den Nazis. Dann war die Sammlung damals wohl nur 'Schrott' ?

Hurrrrzn!
05.02.2010 15:41
Ausfuhrverbot bei Flucht!?!

Wo hätten die Verfolgten ansuchen sollen?
Ist ein Putschregime legitim?
Muss ein Verfolgter ein Verbrecherregime um Erlaubnis fragen?

Kontrahent1
06.02.2010 11:37
1 9 3 8 !!!

In diesem Jahr konnte die Keramikkünstlerin Lucie Rie noch ihre komplette von E. Plischke gestaltete Wohnungseinrichtung nach London mitnehmen. Von wo sie 1995 vom Hofmobiliendepot zurückgekauft wurde. Wenn Sie wissen wollen, was 'Flucht' ist, hätte Ihnen meine Mutter einiges erzählen können.- Da war kein Platz für den wertvollen Hausrat, da gings ums nackte Leben und ein Federbett für die Kleinkinder.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
05.02.2010 09:24
wenn die ideologisch in Hinblick auf die NSDAP-Ideologie bemerkenswertenund gewichtigen

österr. Deutschnationalen und Antisemiten (NICHT unbedingt deckungsgleich!!! Antisemiten gabs nämlich in SÄMTLICHEN politischen Lagern!) politisch auch so eine Durchschlagskraft gehabt hätten wie in D, wäre der NS definitiv von Ö ausgegangen. Das aber funktionierte offensichtlich nicht. Da benötigte es schon den deutschen militärisch-politischen Komplex dazu und einen bis in höchste Kreise verwurzelten aggressiven Antisemitismus (Wilhelm II.: "Wenn man beizeiten ein paar hundert von diesen Israeliten unter Giftgas gehalten hätte, wäre es erst gar nicht zum Kriegsausbruch gekommen").

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