Auf Schnäppchenjagd

4. Februar 2010, 19:19
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    foto: belvedere

    Kam 1957 über Rudolf Leopold ins Belvedere: das restituierte, aber mit Ausfuhrverbot belegte Klimt-Gemälde "Mohnwiese"

Emile Zuckerkandl fordert vom Belvedere das Klimt-Gemälde "Mohnwiese" zurück, das er nach dem Krieg Rudolf Leopold verkauft hatte

Der Fall erfülle, so Anwalt Alfred Noll, die Bestimmungen des Rückgabegesetzes.

Wien / Los Angeles - Auch der Familie Zuckerkandl blieb nichts anderes übrig, als zu fliehen: 1938 wurde das von Josef Hoffmann gestaltete Sanatorium Westend in Purkersdorf samt allen Kunstgegenständen durch die Kontrollbank "arisiert" und an das NSDAP-Mitglied Hans Gnad verkauft. Emile Zuckerkandl, der 1922 in Wien geborene und in Los Angeles lebende Sohn des einstigen Sanatoriumsbesitzers Fritz Zuckerkandl, kämpft noch immer um die Rückgabe von Liegenschaften.

Nach dem Weltkrieg erhielt die Familie zumindest einige Kunstwerke zurück, darunter die Mohnwiese von Gustav Klimt aus dem Jahr 1907. Eine Genehmigung zur Ausfuhr erhielt sie vom Bundesdenkmalamt aber nicht. Denn: "Das Interesse an dem malerischen Werk Klimts ist noch immer im Steigen begriffen, und vor allem das kunstinteressierte österreichische Publikum hat ein Recht darauf, die Landschaften des heimischen Malers Gustav Klimt zu sehen."

Die Beschwerde der Zuckerkandls wurde vom Unterrichtsministerium abgeschmettert: Man wusste, dass die Österreichische Galerie ein hohes Interesse am Erwerb des Ölgemäldes hatte, und empfahl, sich mit dem Belvedere in Verbindung zu setzen. Was man - notgedrungen - auch tat: Im Juli 1949 gab die Österreichische Galerie bekannt, dass man 15.000 Schilling zu zahlen bereit wäre.

Emile Zuckerkandl antwortete, dass der Wert des Bildes, wie ihm mehrfach versichert worden war, weit höher sei: Er forderte 20.000 Schilling - "ein Preis, der nach Angaben der Spezialisten noch immer ein recht bescheidener ist". Doch das Belvedere hielt ihn für nicht diskutabel; es lehnte auch das Kompromissangebot von Zuckerkandl (17.500 Schilling) ab.

Ein paar Jahre später, 1955, bekundete der Wiener Augenarzt Rudolf Leopold Interesse. Zuckerkandl pokerte hoch - und nannte eine "extravagant" hohe Summe. Leopold ging in sich und machte Ende 1956 einen Kompromissvorschlag: "Da Ihr Bild in meine Sammlung sehr gut passen würde, bin ich jetzt bereit, Ihnen einen solchen wirklich außerordentlichen Preis zu bezahlen, nämlich 30.000 österr. Schilling." Zuckerkandl willigte im Jänner 1957 ein.

Ein Klimt gegen zwei Schiele

Leopold wollte das Gemälde aber gar nicht für seine Sammlung erwerben: Wenige Tage später bot er der Österreichischen Galerie die Mohnwiese an - im Tausch gegen zwei Werke von Egon Schiele, die ihn weit mehr interessierten, nämlich Kardinal und Nonne sowie Zwei kauernde Frauen aus der ehemaligen Sammlung Rieger.

Das Belvedere war einverstanden: Die beiden unmoralischen Bilder waren nicht ausstellungsfähig. Man dachte, ein Schnäppchen gemacht zu haben. Denn die beiden Schieles hatte man 1950 um 11.500 Schilling erworben - und erhielt dafür einen Klimt, für den Leopold 30.000 Schilling bezahlt hat. Zudem musste der Augenarzt noch eine Holländische Landschaft von Rudolf Ribarz und einen Heiligen Aegydius drauflegen. Leopold schlug ein: Bereits am 16. Februar ging der Deal über die Bühne. Heute gilt Kardinal und Nonne als ein zentrales Werk von Egon Schiele - und ist viel wertvoller als die Mohnwiese von Gustav Klimt.

Emile Zuckerkandl hätte das Bild dennoch gerne wieder zurück. 2003 wandte sich dessen Anwalt Alfred Noll an Ernst Bacher, den damaligen Leiter der Kommission für Provenienzforschung. Und dieser antwortete, dass der Sachverhalt seines Erachtens eine Restitution nach dem Rückgabegesetz ausschließe.

Doch im November 2009 wurde das Gesetz, wie berichtet, novelliert. Seither sind nicht nur Kunstwerke rückgabefähig, die nach den Bestimmungen des Bundesgesetzes über das Verbot der Ausfuhr von Gegenständen unentgeltlich in das Eigentum des Bundes übergegangen sind, sondern alle Gegenstände, die Gegenstand von Rückstellungsverfahren waren. Noll ist der Überzeugung, dass die Mohnwiese daher restituiert werden muss. (Thomas Trenkler / DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2010)

 

Kommentar posten
20 Postings
normal citizen
00
Wieviel hat eigentlich der Klimt gekriegt

von den Zuckerkandl, Altmann, etc. ?

teiga wutz
02
wenn überhaupt

dann zum jetzigen marktwert kaufen.

er hat ja das bild freiwillig verkauft.

Joe Jo
05
Damals legal verkauft und heute rückfordern?

Kann es ja wohl nicht sein!

t-bonesteak
04
Leopold wollte das Gemälde aber gar nicht für seine Sammlung erwerben:

ja und? das ist ja nicht mal von igendeiner relevanz

überhaupt gefällt mir das nicht mehr, was hier abgeht. hier wird sehr unfair mit der nazi- und antisemitenkarte gespielt, um irgendwelche wertvollen gemälde quasi freizupressen.

Ava Tar
06
Verstehe ich nicht

30.000 Schilling scheint anno 1957 ein guter Preis gewesen zu sein, oder ?
und freiwillig verkauft doch auch

Also so sehr ich dafür war, daß Maria Altmann ihre Großtant Adele zurückbekommt - dieses Bild scheint 1957 ganz normal verkauft worden zu sein (?)

Keine Ahnung
72
Sie werden von Österreich zur Emigration gezwungen,

um nicht von Österreichern ermordet zu werden, können aber Ihren Besitz nicht ausführen, weil dieses Österreich den Österreicher Klimt als patriotisches Erbe ansieht - das finden Sie unproblematisch??

Ava Tar
02

Sie meinen es hätte für alle Flüchtlinge eine Mitnahmeamnestie geben sollen. Nun ja, vielleicht. Große Lust nach Wien zurückzukommen werden die wenigsten geflohenen gehabt haben. Aber in gewissen Dingen sind Staaten eben kommunistisch. Wenn Erdöl auf Ihren Grund gefunden wird, gehört es dem Staat. Archäologische Schätze genauso. Und das Eisenbahnenteignungsgesetz. Auch bei Straßen, Flughäfen usw. zählt das Allgemeininteresse mehr als das Individualinteresse. In Summe hat das mehr Vorteile als Nachteile würde ich sagen.

Was ich weniger verstehe ist, woran sich die Rückgabe der Sanatoriumsgründe spießt. Gibt's dazu Infos ?

torch
 
00
28.2.2010, 19:33

Nach einem Lokalaugenschein ebendort werden Sie sich konkret zu dem Thema Ihre Meinung bilden können.

Robert Waloch
13
Ihr Nickname

reicht als Antwort auf Ihr Geschwätz...

Zaubersalz
05
1957

wurde man gezwungen aus Österreich zu fliehen? Ist sogar mit Ermordung bedroht worden?! Erklären Sie mir bitte den Sachverhalte wie SIE ihn nach Durchlesen dieses Artikels verstanden haben?! Was war am Verkauf dieses Bildes 1957 problematisch?

nodiesop
03
das hat mit dem Verkauf offenbar nichts zu tun... es wirkt eher so, als ob hier jemand doppelt Gewinn machen möchte...

siehe...

Ein paar Jahre später, 1955, bekundete der Wiener Augenarzt Rudolf Leopold Interesse. Zuckerkandl pokerte hoch - und nannte eine "extravagant" hohe Summe. Leopold ging in sich und machte Ende 1956 einen Kompromissvorschlag: "Da Ihr Bild in meine Sammlung sehr gut passen würde, bin ich jetzt bereit, Ihnen einen solchen wirklich außerordentlichen Preis zu bezahlen, nämlich 30.000 österr. Schilling." Zuckerkandl willigte im Jänner 1957 ein.

---

verdoppelung des Geld-Wertes ca. alle 10 Jahre ergibt, daß 30.000 Schilling heute einem Wert von ca. 1 Mio Schilling (ca. 70.000 Euro)

Simskoarl
 
05

Dass Kunstgüter nur mit Sonderbewilligung ausgeführt werden dürfen, ist in den meisten Ländern Usus.
Man kann jetzt nur mehr darüber streiten, ob der 1957 gezahlte Kaufpreis dem damaligen Marktwert entsprochen hat. Aber das Bild gänzlich ohne Abschlagszahlung zu restituieren, kann auch nicht sein. Damit würden nur die Erben Zuckerkandl in ungebührlicher Weise von der Wertsteigerung von Werken von Klimt profitieren.

Max Edwin
04
inkonsequent

natürlich sind die umstände, unter denen 1938+ viele kunstschätze verkauft werden mußten, tragisch.
konsequenter weise hätte zuckerkandl aber 1957 nicht verkaufen dürfen, sondern beharrlich die restitution einfordern müssen.
verkaufen und danach zurückfordern ist ganz einfach inkonsequent, 1957 war ja von zwangsverkauf keine rede mehr.

war ja das gleiche mit anderen restitutionsfragen. die sudetendeutschen zb haben auch eine bettel-abfindung für ihre güter von tschechien bekommen und diejenigen, die das angenommen haben, haben halt auch ihr recht auf restitution verspielt.

noch viel tragischer ist, daß enteignungen, zwangsverkäufe und kriegsgewinnlertum auch heute noch gang und gebe sind.

Ergates faber
00
Ich biete 5000 € für die beiden Schieles und den

Klimt :o)

Dr. Robert Holzbauer
18
Hockendes Frauenpaar

Die "kauernden Frauen" sind heute als "Hockendes Frauenpaar" mit der Inv. Nr. 464 im Eigentum der Leopold Museum Privatstiftung. Das Bild hat NIE zur Sammlung Heinrich Rieger gehört, sondern wurde von Arthur Stemmer aus dem Nachlass von Egon Schiele gekauft. Die ÖG hat das Gemälde nach dem Krieg von Stemmer in London gekauft.

Robert Holzbauer, Provenienzforscher der Leopold Museum-Privatstiftung

gegen die sattheit
60
und was tut das zur sache?

herr holzbauer hat bislang auf voller linie versagt als provenienzforscher.
hauptsache ein kleines detail kann er beitragen.

t-bonesteak
00
da komme ich nicht mehr mit

Ronja Räubertochter
14
Schon vergessen???

Im Standard vom 6. Oktober 2009 war zu lesen:

Dass es zu einer großen Menge neuer Ansprüche oder gar zu Aufsehen erregenden Rückgaben durch das neue Gesetz kommen wird, glaube(...) Noll allerdings nicht...

gegen die sattheit
10
richtig

und zwar völlig.

der einzig anwalt, der sich ständig in den medialen vordergrund drängt. peinlich und widerlich.

worry1
514
hier geht´s wohl mehr ums Abzocken

mit hilfe der Holoceule.

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