Ein typisch österreichischer Skandal

04. Februar 2010 19:03

Auch bei den Salzburger Festspielen hat niemand nichts Genaues wissen wollen

Wie sehr die Salzburger Festspiele vom Mammon regiert werden, ist allsommerlich beim Jedermann zu sehen. Vor dem Salzburger Dom geht es um eines: um den Schatz, um das Geld.

Vor allem darum scheint es auch den Hauptbeschuldigten Michael Dewitte und Klaus Kretschmer gegangen zu sein, für die die Unschuldsvermutung gilt. Aber publik wurde nicht nur ein Schaden von zwei Millionen Euro, sondern ein System, das an Bankskandale erinnert: selbst zugeteilte Honorare, Überweisungen an eine Bank in Nordzypern, eine karibische Postkastenfirma, exorbitante Spesenrechnungen, abgezweigte Sponsorengelder. Die Osterfestspiele entpuppen sich als "finanzieller Selbstbedienungsladen", wie Landeshauptfrau Gabi Burgstaller überrascht feststellte.

Ihr Erstaunen erstaunt allerdings auch: Denn Burgstaller ist die geschäftsführende Präsidentin der Osterfestspiele. Aber die SPÖ-Politikerin will nichts gewusst haben, weil sie sich auf das Okay einer Rechnungsprüferin und zweier Wirtschaftsprüfungskanzleien verlassen hat. Eine dubiose Rolle spielt auch ein Salzburger Anwalt, der an der Osterfestspiel-Gesellschaft mit zwei Prozent beteiligt ist und alles unterschrieben haben soll, sowie die in der Schweiz und in Monaco angesiedelte Karajan-Stiftung.

Jeder zeigt in diesem Spiel auf jeden: Es muss jetzt schleunigst geklärt werden, wer wann was gewusst hat und warum diese Missstände jahrelang niemandem aufgefallen sind. Offenbar hat bisher niemand genau hingeschaut - oder hinschauen wollen: Jedem müsste aufgefallen sein, dass die Frau von Osterfestspiel-Chef Dewitte auf der Gehaltsliste stand und es nicht mit rechten Dingen zugehen kann, wenn eine Taxirechnung von der Innenstadt zum Salzburger Flughafen 585 Euro ausmacht. Auch wenn juristisch die Sommer- und Osterfestspiele getrennt sind, so haben die nun publik gewordenen Machenschaften der Manager enge Verflechtungen aufgezeigt: Eine Rechnungsprüferin betreut beide, der Technische Direktor der Sommerfestspiele, Kretschmer, arbeitete auch für die Osterfestspiele.

Der Öffentlichkeit präsentiert sich in der Mozartstadt ein Filz, wie er für Österreich typisch ist: Man kennt sich und schiebt sich gegenseitig etwas zu; Politiker und Wirtschaftsprüfer kommen ihrer Kontrollpflicht nicht oder nur ungenügend nach. Es ist bezeichnend, dass in einem Land, in dem an Denkmälern nicht gekratzt wird, erst zwanzig Jahre nach dem Tod von Herbert von Karajan einmal nachgeschaut wird, ob bei den von ihm1966 gegründeten Osterfestspielen alles mit rechten Dingen zugeht.

Es handelt sich nicht um eine Salzburger Lokalposse. Wenn etwa die Welt vom "Salzburger Sumpf" und das Handelsblatt "von einem Korruptionsskandal" schreibt, "den es so in Europas Kulturszene wohl noch nicht gegeben hat", und auf den zweiten Skandal nach der Hypo Alpe Adria binnen kurzer Zeit verweist, dann geht es nicht nur um den Ruf Salzburgs. Schließlich sind die Salzburger Festspiele ein Aushängeschild österreichischer Hochkultur - weltweit.

Der Imageschaden ist schon jetzt enorm, nur vollständige Aufklärung und Konsequenzen können dem entgegenwirken. Es steht das Vertrauen von Sponsoren und Spendern, aber auch das Geld des Steuerzahlers auf dem Spiel. Die gleichen Maßstäbe wie für eine Bank müssen auch für eine Kulturinstitution gelten - für jedermann. Auch in Salzburg. (Alexandra Föderl-Schmid/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2010)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3
Toni Meister
07.02.2010 21:19
Aufdeckungs-Journalismus

Diesen Skandal hat Der Standard nicht aufgedeckt. Er wird aber die schlummernden Skandale anderer Festspiele aufdecken. Oder was.Lol. Der Standard hat keinen Aufdeckungs-Journalisten wie z.B. die Süddeutsche Zeitung ( Hans Leyendecker ). Die Frage ist nur: mit Absicht oder aus Kostengründen ?.

Ardschuna
05.02.2010 20:04
Ist es nicht an der Zeit die Systemfehler

zu finden und zu korrigieren? Es gibt sicher tausende Menschen mit ähnlicher Einstellung zum Abzocken. Im Großen und im Kleinen wird es diese immer geben. Die Frage ist: Wie kann jemand so tun, als ob er Verantwortung übernehmen würde. Das haben diese ja nicht getan. Oder doch, übernehmen kann man ja viel, aber gerecht werden ist etwas anderes. Diese Leute sind ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden. Fehlts an Liebe? An Bewußtsein? An Intelligenz?

ö4
05.02.2010 23:44

Poster "Peter Cash" verrät es Ihnen woran es fehlt.

Peter Cash
05.02.2010 19:50
Typisch Österreich - ja , aber was ?

Quergedacht !
Ein riesen (Medien) Skandal !! ??
Zwei Geschäftsführer der Salz. Osterfestspiele haben in 10(? oder mehr) 2 Mill (oder weniger ) "unterschlagen" für Provisionen uns Co.
Im Vergleich zu Banker Boni, die mit Steuerzahler bezahlt werden - nichts. Aber "Verbrechen" soll man nicht Gegenrechnen.
Nur - wie viel Umsatz hatten die Festspiele in den letzten 10 Jahren gemacht, wie viel Umwegrentabilität der Stadt und Ö gebracht?
Man soll - wenn es welche waren - Veruntreuungen nicht schönreden - ABER am lautesten schreien immer die, deren einzige Leistung es ist, Umverteilung zu ge- und Steuergeld zu verbrauchen.
Der Nichtstuer macht nie Fehler, kommt nie in Verdacht und ist nie in "Skandale" verwickelt - BRAV!

bananistani
08.02.2010 20:10

Merken Sie es? Sie sind schon sehr weit gekommen.

ö4
05.02.2010 23:43

Vielen Dank für das Geständnis!

Reinhold Loecker
05.02.2010 19:26
Bernhard schau oba!

Wenn das der Thomas Bernhard noch erlebt hätte! Das hätte eine schöne Erzählung, oder noch besser, ein Theaterstück werden können, das man am Domplatz statt dem "Jedermann" aufführen könnte.

ö4
05.02.2010 23:46

Ich glaube bei dem was sich derzeit in Österreich abspielt, würde selbst Thomas Bernhard vor Scham verstummen.
Bitte übernehmen Sie die Stellung.

Banzaknacka
05.02.2010 18:08
Bulgarien aufgepasst...

...hier gibt es was zu lernen!

landderdenker
05.02.2010 18:03
Reines Ablenkungsmanöver

von der riesen Bankensauerei - nach dem Motto - man beißt nicht die Hand die einen füttert.
In Eisenstadt hat ein Greißler dem Kunden nur 20 statt 40 Cent herausgegeben das ist eine Sauerei und in Kundl soll der Fleischer 500 g zu viel verrechnet haben - es gilt die Unschuldsvermutung - das sind die Skandale RZB, HYPO, ERSTE Group, BUWOG ist für eine Zeitung und deren Personal zu heiss weil in einer Dimension die den Staat in seiner Existenz gefährdet - Das Konzept heißt LÜGE das Medium gehört der RZB was solls ( oder hier ERSTE )

Übrigens: Die Standard Zensur ist ärgerlich!
 
05.02.2010 18:01
"Die gleichen Maßstäbe wie für eine Bank müssen auch für eine Kulturinstitution gelten!"

Genau das haben sich die Herrschaften auch gedacht.

locken
05.02.2010 17:22
Wann werden die ersten eingesperrt (Aufsichtsräte)?

votec
05.02.2010 18:32
in österreich wird niemand eingesperrt, schon gar nicht jemand, der jemanden kennt, der wiederum jemanden sehr gut kennt.

Geh!danke
05.02.2010 16:26
Bitte nicht von Deutschen abschreiben!

die haben nämlich genauso Dreck am Stecken, sie hauen dafür umso fester auf die Ösis hin.
Beisp: Skandale um die neue "Kulurhauptstadt"im Ruhrgebiet..
Langsam komme ich zur Überzeugung, dass der Gradmesser d. Provinzialität eines Journalisten die Häufigkeit d. Floskel "typisch österr." in seinem Wortschatz ist.

Bolschewik
05.02.2010 16:09

daran ist nur der schüssel schuld!

Seria
05.02.2010 15:56
Die gleichen Maßstäbe wie für eine Bank müssen auch für eine Kulturinstitution gelten

wieder mal ein ausgezeichneter Artikel, aber in obigem Punkt gebe ich Ihnen nicht Recht: Eine Bank verwaltet primär Geld ihrer Kunden. Die Festspiele sind Spiele und nicht weiter. Es ist zu prüfen ob Steuergelder, besonders aber auch Bundesmittel zur Subvention dafür überhaupt zu rechtdertigen sind.
Solche SPIELE sollen auf wirtschaftlicher Basis stehen. In London, wo man die weltbesten Shows sehen kann, wird auch nicht Steuergeld verbraten. Wenn Zuschüsse in Szbg nötig sind soll das Land sie alleine aufbringen

landderdenker
05.02.2010 15:51
Wieso springen die Banker nicht von Brücken

Es gilt natürlich die Unschultsvermutung unschludsvemumjundhjfjj naja wie auch immer scheiß drauf in hefn keans de gangsta olle-
Was spricht dagenen so rein auf Verdacht hin - es gilt natürlich die UNSCHUKLTSVERMUTUNG - ich kriegs nicht hin das Wort .-
was spricht dagegen in jeder Landeshauptstadt so 5-10 Bankvorstände von einer Brücke springen zu lassen -
unten wartet jeweils ein Politiker der muss ihn auffangen o.k. das ist Blödsinn.
Wieso plagen aber die Banker keine Gewissensbisse - exakt weil dieses Konzept - das der Moral - frei nach Hitler - als veraltet, ja lachhaft verworfen wurde. Bankvorstände schlafen nicht schlechter wenn sie zehntausenden das Dach über dem Kopf weg pfänden, Betrieben willkürlich die Kredite fällig stellen.

Strom
05.02.2010 23:30

Ganz Ihrer Meinung. Überall Menschenfresser durch Ignoranz. Die interessiert nicht ob sie Kinder um ihre Zukunft bringen, Leute um ihre Arbeit oder Pensionisten um Ihre Pension.
Es bringt sie auch keiner zur Besinnung.
Man hat doch mit genug Geld überall Freunde und
keine elektronischen Fußfesseln, nein.

VerGELDsgott Schüssel, meinte ein Poster.

rapunzels frisör
05.02.2010 15:03

na, endlich ein skandal, in den der grasser karli nicht involviert scheint!

obwohl,..........

Geh!danke
05.02.2010 16:19
Morgen wird P.Pilz mit unheilschwangerem Tremolo in der Stimme verkünden,

dass Gabi Burgstaller von KHG beraten wurde...
Wie immer gilt die Schuldvermutung!

Karl Heiden
07.02.2010 18:14

KHG wurde in Salzburg-City des öfteren gesichtet ...

Strom
05.02.2010 23:31

Und der Club 2 könnte wieder eine Diskussion bringen. Aber ohne Peter Pilz.

bcd
05.02.2010 13:50
Silentium!

Heinz Anderle
 
07.02.2010 19:04
Trari trara die Hochkultur!

http://www.ccekg.at/hochkultur.htm

(1977)

Dr. Heinz Anderle, Freigeist

Strom
05.02.2010 13:43
Mich wundert hier gar nichts

Die Salzburger Korruptionsfestspiele sind hinlänglich als maßlos geförderte Elitekultur für reiche Eliten bekannt.
Haben nicht Rabl-Stadler und Morak so sehr auf eine Abschwächung der Korruptionsgesetze zur Anfütterung gepocht? (Weil unsere Reichsten doch nur Kulturveranstaltungen besuchen, wenn sie Einladungen geschenkt bekommen)
Das ist doch alles "Sponsering". Die SPÖ hat auch fleißig mitgestimmt.

Wie die Grünen oft genug kritisierten, werden große Elite-Events maßlos subventioniert, die restlichen Kunstschaffenden, moderne, kritische Künstler und soziale Kulturinitiativen dafür immer mehr ausgehungert. Österreich Künstler leben mit Einkommen um 700 Euro monatlich. Zu denen kommen die Rechnungsprüfer vom Finanzamt aber verlässlicher.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 96
1 2 3

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.