Nun kommt auch Landeshauptfrau Burgstaller unter Druck: Warnhinweise habe es schon 2007 gegeben
Burgstaller sieht die Schuld bei den Prüfern.
Salzburg - 3,1 Millionen Euro im Jahr: So hoch war laut des Jahresabschlusses 2007 bei der Osterfestspiel GmbH der Personalaufwand. Hätte sich das Kuratorium (geschäftsführende Präsidentin: SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller) schon damals fragen sollen, ob dieser Betrag durch die geltenden Verträge überhaupt zustande kommen konnte?
Nein, sagt Neo-Geschäftsführer Peter Raue: In dieser Summe seien auch Gagen für freie Mitarbeiter, Solisten, Chöre, Orchester, Dirigenten, Techniker und so weiter enthalten. Und für Burgstallers Pressesprecher Wolfgang Schmidbauer ist das Kuratorium eigentlich kein Aufsichtsorgan, es wäre "Aufgabe der handelnden Personen und der externen Prüfer" gewesen, hier nachzuhaken. Entsprechend sieht Burgstaller die Schuld daran, dass jahrelang mutmaßlich ungerechtfertigt Geld in die Taschen von Ex-Geschäftsführer Michael Dewitte fließen konnte, bei den Wirtschaftsprüfern Deloitte sowie Ernst & Young.
Dort sieht man die Sache naturgemäß anders: Deloitte ließ am Donnerstag verlauten, man habe nie einen Prüfauftrag bei den Osterfestspielen gehabt, sondern immer nur Jahresabschlüsse ohne Bestätigungsvermerk (Testat) erstellt. Was wiederum Schmidbauers Zorn hervorruft: "Die liefern eine Bilanz ab, und irgendwann sagen sie, Nein, geprüft haben wir nicht. Da platzt mir der Kragen!"
Für 2007 und 2008 dagegen gab es von Ernst & Young tatsächlich einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Aber eben auch Angaben über hohe Personalkosten, eine ungünstige Struktur und eine unzureichende Eigenmittelquote. Bei Ernst & Young sagt man zur Klagsdrohung der Osterfestspiele (der Standard berichtete) vorerst nichts, "weil wir der Verschwiegenheit verpflichtet sind".
"Nicht einfach durchwinken"
Eine ganz andere Auffassung von der Rolle des Kuratoriums der Osterfestspiele vertritt Burgstallers Vorgänger, Ex-Landeshauptmann Franz Schausberger (VP). Er wolle seine Äußerungen nicht in die Richtung einer "bestimmten Politikerin" verstanden wissen, sagte Schausberger am Donnerstag zum Standard, aber wenn Hinweise auf überhöhte Personalausgaben im Jahresabschluss stehen, "sollte man sich schon fragen", ob das Geld zu Recht geflossen sei.
"Irgendjemandem" im Kuratorium, das neben Burgstaller als amtierender Landeschefin noch aus elf weiteren Personen besteht (darunter Sommerfestspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler und SP-Bürgermeister Heinz Schaden), "irgendjemandem hätte das auffallen müssen", sagte Schausberger, der kraft seines Amtes vor Burgstaller selbst geschäftsführender Präsident der Osterfestspiel-Stiftung war. Politiker seien zwar in vielen Aufsichtsgremien vertreten, und in der Regel lasse man solche Dokumente von Mitarbeitern "anschauen", aber "durchwinken kann man einen solchen Bericht, auch wenn er ein Testat hat, nicht einfach." Zu seiner Zeit habe es noch keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben, sagte Schausberger.
Unterdessen liegen bei der Salzburger Staatsanwaltschaft Anzeigen der Festspiele gegen ihren entlassen Ex-Technikdirektor Klaus Kretschmer sowie der Osterfestspiele gegen mehrere Personen, darunter Dewitte, vor, bestätigte Mediensprecherin Barbara Feichtinger. Ermittlungsverfahren gebe es noch keines, es werde noch geprüft, welche Tatbestände und Beschuldigten dafür infrage kämen.
Zwei am Mittwoch genannte mutmaßlich Mitbeteiligte wollten am Donnerstag keinen Kommentar abgeben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. (Markus Peherstorfer/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2010)