Warnhinweise

"Irgendjemandem hätte das auffallen müssen"

4. Februar 2010, 18:47
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    foto: reuters

    Gute Ratschläge von ihrem Vorgänger bekommt Gabi Burgstaller: Franz Schausberger (hier bei seiner Wahlniederlage gegen Burgstaller 2004) findet, kritische Anmerkungen im Jahresabschluss der Osterfestspiele hätte man 2007 nicht einfach "durchwinken" dürfen.

Nun kommt auch Landeshauptfrau Burgstaller unter Druck: Warnhinweise habe es schon 2007 gegeben

Burgstaller sieht die Schuld bei den Prüfern.

Salzburg - 3,1 Millionen Euro im Jahr: So hoch war laut des Jahresabschlusses 2007 bei der Osterfestspiel GmbH der Personalaufwand. Hätte sich das Kuratorium (geschäftsführende Präsidentin: SP-Landeshauptfrau Gabi Burgstaller) schon damals fragen sollen, ob dieser Betrag durch die geltenden Verträge überhaupt zustande kommen konnte?

Nein, sagt Neo-Geschäftsführer Peter Raue: In dieser Summe seien auch Gagen für freie Mitarbeiter, Solisten, Chöre, Orchester, Dirigenten, Techniker und so weiter enthalten. Und für Burgstallers Pressesprecher Wolfgang Schmidbauer ist das Kuratorium eigentlich kein Aufsichtsorgan, es wäre "Aufgabe der handelnden Personen und der externen Prüfer" gewesen, hier nachzuhaken. Entsprechend sieht Burgstaller die Schuld daran, dass jahrelang mutmaßlich ungerechtfertigt Geld in die Taschen von Ex-Geschäftsführer Michael Dewitte fließen konnte, bei den Wirtschaftsprüfern Deloitte sowie Ernst & Young.

Dort sieht man die Sache naturgemäß anders: Deloitte ließ am Donnerstag verlauten, man habe nie einen Prüfauftrag bei den Osterfestspielen gehabt, sondern immer nur Jahresabschlüsse ohne Bestätigungsvermerk (Testat) erstellt. Was wiederum Schmidbauers Zorn hervorruft: "Die liefern eine Bilanz ab, und irgendwann sagen sie, Nein, geprüft haben wir nicht. Da platzt mir der Kragen!"

Für 2007 und 2008 dagegen gab es von Ernst & Young tatsächlich einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk. Aber eben auch Angaben über hohe Personalkosten, eine ungünstige Struktur und eine unzureichende Eigenmittelquote. Bei Ernst & Young sagt man zur Klagsdrohung der Osterfestspiele (der Standard berichtete) vorerst nichts, "weil wir der Verschwiegenheit verpflichtet sind".

"Nicht einfach durchwinken"

Eine ganz andere Auffassung von der Rolle des Kuratoriums der Osterfestspiele vertritt Burgstallers Vorgänger, Ex-Landeshauptmann Franz Schausberger (VP). Er wolle seine Äußerungen nicht in die Richtung einer "bestimmten Politikerin" verstanden wissen, sagte Schausberger am Donnerstag zum Standard, aber wenn Hinweise auf überhöhte Personalausgaben im Jahresabschluss stehen, "sollte man sich schon fragen", ob das Geld zu Recht geflossen sei.

"Irgendjemandem" im Kuratorium, das neben Burgstaller als amtierender Landeschefin noch aus elf weiteren Personen besteht (darunter Sommerfestspiel-Präsidentin Helga Rabl-Stadler und SP-Bürgermeister Heinz Schaden), "irgendjemandem hätte das auffallen müssen", sagte Schausberger, der kraft seines Amtes vor Burgstaller selbst geschäftsführender Präsident der Osterfestspiel-Stiftung war. Politiker seien zwar in vielen Aufsichtsgremien vertreten, und in der Regel lasse man solche Dokumente von Mitarbeitern "anschauen", aber "durchwinken kann man einen solchen Bericht, auch wenn er ein Testat hat, nicht einfach." Zu seiner Zeit habe es noch keine Hinweise auf Unregelmäßigkeiten gegeben, sagte Schausberger.

Unterdessen liegen bei der Salzburger Staatsanwaltschaft Anzeigen der Festspiele gegen ihren entlassen Ex-Technikdirektor Klaus Kretschmer sowie der Osterfestspiele gegen mehrere Personen, darunter Dewitte, vor, bestätigte Mediensprecherin Barbara Feichtinger. Ermittlungsverfahren gebe es noch keines, es werde noch geprüft, welche Tatbestände und Beschuldigten dafür infrage kämen.

Zwei am Mittwoch genannte mutmaßlich Mitbeteiligte wollten am Donnerstag keinen Kommentar abgeben. Für alle Beteiligten gilt die Unschuldsvermutung. (Markus Peherstorfer/ DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2010)

 

Kommentar: Ein typisch österreichischer Skandal
Auch bei den Salzburger Festspielen hat niemand nichts Genaues wissen wollen - Von Alexandra Föderl-Schmid

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Posting 1 bis 25 von 53
1 2
#98
01
Dem Hr. Schmidbauer platzt also der Kragen ...

... wenn er einen Jahresabschluss bestellt und dann natürlich auch nur diesen geliefert bekommt. Was erwartet er sich? Nimm 3 zahl 2 wie beim Bäcker am Samstag?

Sand
00
"Irgendjemandem hätte das auffallen müssen"

Es geht ja nicht ums auffallen sondern ums verhindern! Wozu gibt es denn diese Personen, Präsidenten, Vorsitzende etc etc, wenn nicht, um zu besorgen, dass der Betrieb, die Organisation, der Verein funktioniert wie erwartet und eine Zukunft hat. Wenn nicht, wie hier, kann man sich diese Personen, Präsidenten, Vorsitzenden, bzw. die Unkosten dafür ersparen.

Bienenkönigin
00
Das ist zu viel verlangt!

Die zahlreichen Foto-Pressetermine nehmen so viel Zeit in Anspruch, wie soll Mann/Frau sich da noch um finanzielle Unklarheiten der Festspiele kümmern. Dass die eigene Kassa stimmt und das Lächeln fotogen ans Volk kommt, ist jedenfalls das Wichtigste.

rapunzels frisör
01
ich kanns ja gar nicht glauben,

daß es in österreich noch skandale gibt,
in denen der name von grasser`s karli nicht aufscheint!

cyber ferkel
01

...mit so Kleinkram, wie überhöhte Spesenabrechnungen, hat sich der KHG nicht abgegeben.

Quasis Herr Karl
03
Geduld, Geduld.

zuckermaus3
00
"Irgendjemandem"? Nebuloser geht`s nicht!

Joseph III. - Von eigenen Gnaden etc. etc.
 
01
Die "Irgend Jemande" dieser Welt ...

... die gibt es nicht mehr!

Die wurden alle wegrationalisiert. Kommt ja viel billiger...

Die "Ja und Amen" Sager übernahmen das Ruder! Die Schulterklopfer, Durchwinker und sich ins verlogene Gesicht Grinser ...

Zuviel Geld ist in dieser Welt! - Doch wo sind die Werte, die man damit kaufen könnte? - Daran krankt alles ...

mag2412
01
schlechte erfahrung

niemand, aber auch gar niemand in aufsichtsräten, vorständen, oder sonstigen gremien, wird jemals von einer geschäftsführung eine detailierte abrechnung über die ausgaben vorgelegt. die kriegen ein paar bilanzdaten, und winken den ganzen scheis ab, weil sie aus bilanzdaten ja sowieso nicht schlau werden können. das kann auch nicht eine burstaller oder sonst wer.

meiner erfahrung nach sind es diejenigen die im operartiven bereicht tätig sind, bei vereinen sind es die geschäftsführer, die ihren aufsichtsräten rechenschaft schuldig wären. tun sie aber nicht und zwar immer mit dem background: die verstehen das ja nicht, und da würden die (aufsichtsräte) ja alles zerpflücken, warum so viele briefmarken, warum den kopierer ...

Michel Berger
00
Belämmert?


Ein Drittel des Gesamtbudgets - und Sie faseln von warum soviele Briefmarken und ein neuer Kopierer.

Daß die Verantwortlichen von Allem nichts gewußt haben erinnert an die Nazizeit - dort hat angeblich auch niemand etwas gewußt oder geahnt.

Die gesamte Seitenblickegesellschaft, angefangen von Burgstaller abwärts gefällt sich bei Kulturveranstaltungen und Gratissekt auf Kosten der Steuerzahler.
Dafür wird halt Kulturbeflissenheit gemimt.

also
01
es gilt die Unschuldsvermutung...

...das ist mittlerweile der meistgeschriebene Satz in Österreichs Zeitungen :-(

Hirschbold aus dem Jenseits
 
00
in wahrhaft österreichischen Zeitungen

muß das "meistgeschriebenste" heißen...

grumppffgrummel....

?und
00
unmutsverschuldung des bürger vielleicht ursache?

Markus1975
00
der Schaden hat ja schon bei der Bewerbung um Olympia nix gemerkt

also wie hätte er es denn, bei so vielen wichtigen und schlecht bezahlten Jobs, hier merken sollen. Die paar Mio sind halt Peanuts für die Herrschaften. Nur, dass es sich hier nicht um Schilling handelt, sondern schon um Euro, haben die wohl auch nicht gemerkt ...

GRohnePunkte
00
Schaden

Nomen est Omen!

?und
00
werden den schaden hat braucht sich wegen ein paar millionen nicht wundern

Stef H
03
An der Basis sparen und an der Spitze drauf legen!

Grundlegend kann man schon im Voraus sagen das Aufsichtratsmitglieder sehr wohl Einsicht in Personalkosten haben, dazu braucht man keine Prüfer wie Deloite oder Ernst&Young. Ausserdem sollte man bei der Aufarbeitung an der Spitze des Unternhmens beginnen - von ganz oben herab. Und den Verein "Freunde der Salzburger Festspiele" gleich mitnehmen.

Aber am wohl am verheerendsten ist, dass vor einigen Jahren die Verträge der hart (und ich meine wirklich hart) arbeitenden Basis - Bühnentechniker, Saisonpersonal - gehörig gekürzt wurden -> Neue Verträge in die man geradezu gedrängt wurde. Na und wo kam das eingesparte Geld hin?

Dreistein
 
00
Versuch einer Anpatzerei

Haben diese Spielchen nicht bereits 2002 angefangen, als also noch der Schausberger Landeshauptmann war? Warum ist ihm das nicht aufgefallen. Neben Burgstaller sitzen auch noch andere Persönlichkeiten im Präsidium, denen auch nichts aufgefallen ist.

Wozu gibt es denn einen externen Prüfer, wenn man sich auf diesen nicht verlassen kann? Die Schuld bei der Landeshauptfrau zu suchen ist also bloß politisch motiviert.

wansuk
04
chayenne

wenn ein kleiner technikdirektor einen porsche und noch a paar andere autos faehrt und in einer teuren villa wohnt dann faellt schon auf dass der sehr gut verdienen muss. da brauch ich kein wirtschaftspruefer sein. offensichtlich ist so ein besitz normal in den kreisen

F G
00

Kretschmer liegt im Tiefschlaf,
Burgstaller erwacht aus dem Tiefschlaf.

ERP
 
00
Nein, nicht irgendjemand,

sondern "Jedermann" hätte das auffallen müssen !

Entropix
00
nein, nicht "irgendjemand"

in einem ordentlich geführten Unternehmen ist ganz eindeutig klar, wer wofür verantwortlich ist.

etwas verwirrt
15
Grundübel

ist doch die langjährige Praxis, dass Aufsichtsräte politisch bzw. aus dem "Netzwerk" besetzt werden und leider keinerlei fachliche Qualifikation besitzen, menschliche meist auch nicht...
Nachher war man dann an Entscheidungen nicht beteiligt, ahnungslos usw. - wieso waren sie dann im Aufsichtsrat und haben Geld dafür genommen?

vom anderen Sternli
00
Vielleicht sollten sie den Artikel lesen!

Es gab keinen Aufsichtsrat, sondern nur ein Kuratorium. Das sind schon zwei Paar Stiefel. Aber auch Aufsichtsräte müssen sich auf die Berichte der Wirtschaftsprüfer verlassen können. Aufsichtsräte sind eben nicht der Vorstand und nur vermutlich höchstens viermal im Jahr mit dem Thema beschäftigt. Bei Kuratiorien ist das vermutlich noch seltener der Fall. Deshalb ist auch eine Strukturänderung nötig.

buff flyer
00
nur wenn sich ein kuratorium auf die prüfer verlassen will

wäre es nicht ganz unschlau, einen prüfungsauftrag zu vergeben.

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