London: Auktionserfolg auch für restituiertes Klimt-Gemälde
YSL, Burberry, Louis Vuitton, Chanel, eine vergängliche Welt der Luxusmarken, die sich an der Bond Street entlangfädelt. Schnell könnte man hier ein Vermögen verschleudern. Auf historischem Niveau gelingt dies bei Haus Nummer 34-35, dem Londoner Sitz von Sotheby's. 39 Köder im Wert von 69 bis 102 Millionen Pfund hatte das Expertenteam der Sparte Impressionist & Modern Art ausgelegt.
Darunter zwei absolute Meisterwerke: Alberto Giacomettis lebensgroße Bronze L'Homme qui marche aus der Sammlung der Dresdner Bank sowie Gustav Klimts Kirche in Cassone, das jetzt über ein privates Restitutionsabkommen auf den Markt kam. Ihre Gemeinsamkeit: Innerhalb weniger Minuten waren deren Schätzwerte (zwölf bis 18 Millionen Pfund) am Abend des 3. Februar Geschichte.
Keine acht Minuten dauerte das Gemetzel um Giacomettis gegossene Ikone: 65 Millionen Pfund (74,18 Millionen Euro), diesen höchsten höchsten Zuschlag in der Geschichte des Kunstmarktes quittierte das Saalpublikum mit Applaus. Selbst die unter Sotheby's-Mitarbeitern üblichen Wetten waren weit unter dieser Summe gelegen.
Für Klimts Gardasee-Motiv hatte man schon wegen zahlreicher internationaler Anfragen auf 22 Millionen Euro getippt. Höchstens. Gerüchteweise habe das 110 mal 110 cm große Werk Tagesausflüge auf andere Kontinente absolviert, um von potenziellen Käufern exklusiv begutachtet zu werden.
Bis wenige Stunden vor der Auktion scharten sich internationale Fernsehteams vor dem 1913 gemalten Gardasee-Motiv. Nach Außen hin blieb Georges Jorisch davon unbeeindruckt. Montagnachmittag stand der aus Kanada angereiste Enkel Amalie Redlichs erstmals seit mehr als siebzig Jahren seinem Erbe gegenüber. "Bei uns hing sie höher", seine ersten Worte. Für den 81-Jährigen war es die erste Teilnahme an einer Auktion überhaupt, ebenso für den bisherigen Eigentümer, der die Versteigerung mit stoischer Miene verfolgte.
Vier Minuten lang dirigierte Auktionator Henry Wyndam ein Quartett von Telefonbietern. Bei netto 24 Millionen Pfund (brutto 26,92 Millionen Pfund / 30,72 Millionen Euro) besiegelte er dann den Verkauf.
Erleichterung bei dem Enkel
Der neue Besitzer begehrt, anonym zu bleiben. Wie der Erlös zwischen dem ehemaligen Besitzer und Georges Jorisch geteilt wird, bleibt vertraulich. In einem offiziellen Kommentar verlieh der Enkel Amalie Redlichs seiner Erleichterung Ausdruck, ein so viele Jahrzehnte offenes Kapitel seiner Familiengeschichte nun endlich schließen zu können. Nicht nur, aber auch zugunsten seiner vier Kinder und neun Enkel.
(Olga Kronsteiner aus London/DER STANDARD, Printausgabe, 5.2.2010)