derStandard.at-Interview

"Die Linken sind unfassbar langweilig"

Anna Giulia Fink, 5. Februar 2010, 10:51
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    foto: robert newald

    "In Italien ist jede Idee automatisch zum Scheitern verurteilt. Wir sind ein Volk, dessen Ideen und Hoffnungen komplett abgetötet wurden und damit auch jegliche Kreativität."

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    foto: oliviero toscani

    Im Zuge der Mailänder Modewoche 2007 präsentierte Toscani Bilder des magersüchtigen, französischen Models Isabelle Caro, um auf die Problematik des Schlankheitswahnes aufmerksam zu machen.

    Foto: Oliviero Toscani

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    foto: orazio truglio

    "Es ist ein einziges Desaster."

    Foto: Orazio Truglio

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    foto: oliviero toscani

    "Priester küsst Nonne": Das Bild wurde in Italien verboten.

    Foto: Oliviero Toscani

Der italienische Fotograf Oliviero Toscani holt anlässlich der Regionalwahlen in der Toskana zum Rundumschlag gegen die gesamte Politik aus

"Wenn eine Kampagne die Medien nicht interessiert, ist sie nutzlos." Mit diesen Worten wurde der italienische Fotograf Oliviero Toscani, der zwischen 1982 und 2000 die international umstrittenen Werbeplakate für das Modeunternehmen Benetton fotografiert hatte, gerne zitiert. Deshalb, so der heute 68-Jährige, spielten Kampagnen immer öfter mit Tabubrüchen oder Schock-Elementen: Magersüchtige Models, Religionskritik, Aids-Kranke und Todeskandidaten. Für Verwirrung gesorgt hat Toscani Anfang des Jahres, als er bei den im März anstehenden Regionalwahlen in der Toskana antreten wollte. Und zwar zuerst für die radikal-liberale Radicali Italiani (RI) und anschließend zusammen mit Premierminister Silvio Berlusconis Mitte-Rechtsbündnis Popolo della Libertà (PdL). Warum er nach einigen Zerwürfnissen für keine der beiden Parteien antritt, warum ihm "Kritiken egal" sind, warum die Toskana "wie Kuba ist", sagt er im derStandard.at-Gespräch.

***

derStandard.at: Sie wollten zu Beginn für Radikalen antreten, dann für Berlusconis PdL. Woher dieser Sinneswandel?

Oliviero Toscani: Ich habe von Anfang an gesagt, dass ich mich nicht alleine in den Wettkampf begeben will und dass es interessant wäre, unterstützt zu werden.

derStandard.at: Ihnen war egal, wer Sie dabei unterstützt?

Oliviero Toscani: Ich gehöre selbst nicht dem Mitte-Rechts-Lager an, eher dem Mitte-Links-Lager. Aber die Toskana ist wie Kuba, sie wird seit 60 Jahren von der Linken regiert. Jedes Regime, egal welcher Richtung, verdirbt nach einer gewissen Zeit. In Italien ist man sehr müde geworden, auch in der Toskana. Es bräuchte einen Wechsel, der neue Energie bringt für die, die neu dazukommen würden in eine Regierung. Ich richte nicht mehr über Links und Rechts. Man versteht die Trennlinien ohnehin nicht mehr. Ich hätte in Italien gerne eine Verwaltung, die endlich ein bisschen Energie, guten Willen und Hoffnung versprüht. Enthusiasmus ist in Italiens Politik einfach nicht mehr vorhanden.

derStandard.at: Für den Enthusiasmus würden Sie selbst mit Berlusconi zusammenarbeiten?

Oliviero Toscani: Ich hätte das für mich getan und Berlusconis PdL hätte mich unterstützt. Ich wäre soetwas wie das trojanische Pferd gewesen.

derStandard.at: Nun wollte die PdL allerdings keine Zusammenarbeit mit Ihnen, weil sie Sie nicht für einen "geeigneten Kandidaten" gehalten hat ...

Oliviero Toscani: Nein, ich habe keine Antwort bekommen und habe daraufhin gesagt, dass ich meine Kandidatur zurückziehe. Sie haben scheinbar große Zweifel gehabt und nach zehn Tagen ist mir klargeworden, dass ich nicht länger warten kann. Denn das hieß für mich, dass es keine Anzeichen für Visionen oder für Enthusiasmus gab. In Italien ist jede Idee automatisch zum Scheitern verurteilt. Wir sind ein Volk, dessen Ideen und Hoffnungen komplett abgetötet wurden und damit auch jegliche Kreativität.

derStandard.at: Was zum Teil daran liegt, dass Berlusconi seit 15 Jahren das Parlament und die italienische Politik mit seinen persönlichen Justizangelegenheiten lahmlegt. Vergangenen Mittwoch wurde einmal mehr eine neue Immunitätsregelung verabschiedet, die eine Aussetzung der zwei Prozesse gegen Premier Silvio Berlusconi bewirkt. Gibt es für Sie Grenzen der Zusammenarbeit?

Oliviero Toscani: Mir ist klar, dass das politische System langsam ist und dass die Politiker sich nicht für langfristige Verbesserungen für das Leben der Menschen interessieren, sondern einzig und alleine für die eigenen Interessen. Die interessieren sich für gar nichts, nicht für das Volk, und für keinerlei kreative Ideen in der politischen Welt.

derStandard.at: Wie sehen die Ideen, die Sie haben, aus?

Oliviero Toscani: Ich hätte Enthusiasmus aufgebracht und eine Lebendigkeit, die nicht typisch ist für Politiker. Nur leider ist es unnötig, überhaupt damit anzufangen, Ideen zu entwickeln, weil sie sowieso abgewürgt werden.

derStandard.at: Welche Ziele würden Sie verfolgen, wenn Sie Präsident der Toskana wären?

Oliviero Toscani: Die Toskana hat unglaubliches Potential. Sie ist wunderschön und das ist alles vom Menschen, von seiner Kreativität, durch Freigeist und die Kunst geschaffen worden. Das ist hier nicht Patagonien. Die Toskana ist die einzige Region, die weltweit als Region bekannt ist. Klar, man kennt beispielsweise auch die Champagne, aber das ist eine Landschaft und keine Region. Aber Regionen gibt es sonst keine, die einen derart guten Ruf haben. Und von dem sollten wir ausgehen: Dass wir der gesegnetste Ort überhaupt sind und dass man das nützen muss. Wir könnten also die besten kreativen Köpfe der Welt einladen, um zusammen für die Kreativität der Toskana zu arbeiten.

derStandard.at: Das ist Ihr politisches Programm?

Oliviero Toscani: Es wäre schön gewesen, das auf politischer Ebene duchzuführen, also die gesamte Toskana miteinzubeziehen.

derStandard.at: Sie sehen sich also eher als Botschafter der Toskana?

Oliviero Toscani: Nein. Als Präsident der Region hätte ich mit der damit einhergehenden Macht eine kulturelle Großaktion gestartet.

derStandard.at: Werden Sie sich politisch engagieren im Wahlkampf?

Oliviero Toscani: Nein, ganz sicher nicht. Ich hab keine Zeit mehr zu verlieren durch Politiker und das politische System. Das ist purer Zeitverlust.

derStandard.at: Das sagen Sie, weil die PdL Sie als Kandidat nicht wollte?

Oliviero Toscani: Nein, die PdL sagt gar nichts. Kaum jemand kann etwas mit neuen Ideen anfangen und da denke ich mir doch, dass das einfach unmöglich ist! Es wird also so weitergehen wie bisher. Amen. Es war zu schön, kurz die Hoffnung zu haben, dass es möglich wäre, etwas zu ändern.

derStandard.at: Die Toskana ist schon seit jeher Hochburg der Linken...

Oliviero Toscani: Es ist ein linkes System, aber sie ist nicht mehr links. Sie ist komplett zerstört.

derStandard.at: Die Linke befindet sich derzeit in einer tiefen Krise, Ex-Premier Romano Prodi (Partito Democratico, PD) attestiert der PD, der größten Oppositionspartei, Führungslosigkeit ...

Oliviero Toscani: Weil sie keine Ideen haben! Sie sitzen auf ihrer Macht fest und spielen die Beamten und Manager der Politik. Sie haben keine Ideen, wissen nicht, was sie machen sollen, kritisieren sich nur ständig gegenseitig. Es ist ein einziges Desaster. Und es ist letztendlich auch ein administratives Regime, ein System ohne jegliche Idee oder Kreativität.

derStandard.at: Rechts wie links?

Oliviero Toscani: Ja und die Linke sollte das weniger aufweisen. Die Linken sagen, dass sie so intelligent sind, demonstrieren das aber nicht besonders. Sie sind unfassbar langweilig. Zur Rechten: Wer die Medien in der Hand hat, dem gehört die Macht. Dieses Kommunikationsmittel legt die politische Linie fest. Auch ich arbeite in der Kommunikationsbranche und bringe eine Alternative auf zu dem dummen, primitiven italienischen Fernsehen.

derStandard.at: Gerade darum drängt sich die Frage auf, wieso Sie mit der PdL zusammengearbeitet hätten.

Oliviero Toscani: Das ist keine Zusammenarbeit! Ich bin von den Radikalen und die PdL hätte mich unterstützt. Ich hätte gerne meine Politik gemacht, und sie hätten weiter ihre gemacht. Es ging darum, gemeinsam das Linksbündnis zu schlagen. Wenn ich nach Wien fahre, ist es doch egal, wer mich hinbringt, Hauptsache, ich komme in Wien an.

derStandard.at: Es gibt Leute, die meinen, dass es nicht egal ist, wie man seine Ziele erreicht.

Oliviero Toscani: Das ist Ei des Kolumbus, das trojanische Pferd. Verstehen Sie, das ist eine Idee! Es gibt Mittel, die man benützen kann. Ich wollte in Wien ankommen.

derStandard.at: Den Weg dorthin könnte man dennoch kritisieren ...

Oliviero Toscani: Man kann alles kritisieren! Ich sehe das machiavellisch: Der Zweck heiligt die Mittel. Verstehen Sie das oder nicht?

derStandard.at: Man könnte es auch so interpretieren, dass Sie Aufmerksamkeit erregen wollten und es Ihnen - wie bei Ihren Fotos - darum ging, zu schockieren, um ...

Oliviero Toscani: Nein, warum? Was hat das damit zu tun? Wer sagt denn, dass ich nur schockieren will? Fotografie ist Teil der Kunst, die Kunst an sich schockiert, aber mein Ziel ist ja nicht zu schockieren. Entschuldigen Sie, aber das ist eine Beleidigung.

derStandard.at: Was ich versucht habe, zu sagen, war, dass Ihnen durchaus immer wieder vorgeworfen wird, dass Sie sich in Wirklichkeit nur selbst in Szene setzen wollen.

Oliviero Toscani: Ich mache meine Arbeit. Dann gibt's eben die Deppen, die sich belästigt fühlen, damit sollen sie selbst klar kommen. So geht es ja nicht allen.

derStandard.at: Ja, zurück zu Ihrer Person: Die Kritik lautet ...

Oliviero Toscani: Sollen die doch sagen, was die wollen! Hören Sie: Ich bin nicht auf der Suche nach Konsens. Konsens führt zu Mittelmäßigkeit, Kritiken sind mir vollkommen egal. Auf welche Kritiker soll ich denn hören? Bei den Politikern reicht eine Kritik und die Idee ist abgetötet. Auf Kritiker höre ich nicht mehr, die sollen sich doch zum Teufel scheren.

derStandard.at: Kehren Sie der Politik jetzt endgültig den Rücken zu?

Oliviero Toscani: Die Politik ist mittlerweile komplett primitiv. Meine politische Karriere ist mir egal. Ich hab einen Beruf und dem geh ich nach. Wer in Italien nicht fähig ist zu einem Beruf, der wird Politiker.

derStandard.at: Ihnen geht es laut Ihnen nicht um Macht, nicht ums Schockieren. Worum ging es Ihnen dann, als Sie sich zur Wahl stellen wollten?

Oliviero Toscani: Das ist mein Beitrag als Bürger für dieses Land, das derzeit schlicht nicht funktioniert, das eingeschlafen, traurig und wenig kreativ ist und mit dem ich mich nicht mehr identifizieren kann. Deswegen wollte ich meine Zeit, mein Engagement, meine Fähigkeit dafür einsetzen, um zu schauen, ob sich etwas verändern lässt.

derStandard.at: Mit was für einer Art von politischem Programm?

Oliviero Toscani: Dinge anbieten, die Politiker in der Regel nicht anbieten.

derStandard.at: Wie etwa?

Oliviero Toscani: Wie ich bereits gesagt habe, müsste man das kulturelle Projekt überdenken.

derStandard.at: Was bedeutet das?

Oliviero Toscani: Eine Reihe von Mitstreitern, international wie national, dazu zu animieren, die kulturelle Energie zu überdenken, an dessen Ende eine Reihe Ideen herausgeschaut hätte und mögliche Projekte, die der Region geholfen hätten.

derStandard.at: Ein politisches Programm haben Sie nicht, es geht Ihnen also um Kultur?

Oliviero Toscani: Es braucht immer die Kultur, um etwas zu starten, ohne sie verändert man nichts. Und von diesem Ausgangspunkt geht der Rest aus. Ich habe einen Beruf, der mir viel Genugtuung verschafft. Politisch gesehen ist der Zeitpunkt dramatisch. Ich bin viel im Ausland und jedes Mal, wenn in nach Italien komme, denke ich mir, dass man etwas machen muss. Es tut mir leid, dass wir in diesem Interview über ein Projekt geredet haben, das gestorben ist. (fin, derStandard.at, 4.2.2010)

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Michaelis Sander
 
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Alles klar, Herr Kommissar:

ja ja, klar, als trojanisches Pferd der Forza Italia für mehr Kultur, für Kreativität & das in der Toscana. Das ist ja wirklich kreativer als ich gedacht hätte. Was Berlusconi, also sein gewünschter Arbeitgeber, von Kultur hält drückt doch schon ganz gut der entsprechende Minister Bondi aus, andererseits die knallfrischen Hintern der Canale 5 Schulmädchen usw. Weiß er nicht, daß, wer mit der Mafia ein Abkommen schließt, später nicht die Regeln ändert, bzw. auf eigenes Risiko. Nicht eben daß der Toskana wie dem ganzen Land ein mehr an Kultur schaden könnte, nicht, daß so ein eitler Schreihals als Kulturminister nicht vielleicht gut sein könnte. Aber wie blöd muß man sein von ForzaItalia Kultur zu erwarten. Das ist eine autistische Sekte.

-Nathan-
 
01
hätte nicht gedacht, dass er ähnlich tickt wie ich...

ein heimatloser mitte-rechts "Liberaler", ich beim LIF, er bei den radicali aber auf evtl Unterstützung konservativer Kreise nicht abgeneigt...bravo ! Auch mir liegt meine Toscana am Herzen, das alte "rote" System dort muss gestürzt werden- die Frage ist nur wie und mit wem für was...

Unzeit.gemäß
01
Der Interviewte beschreibt nicht das Problem, er verkörpert es.

Das Interview macht deutlich, warum man, wenn es um Politik geht, nicht unbedingt einen Photographen befragen sollte. Die Linke ist zu "langweilig" und er wünscht sich mehr "Enthusiasmus" ... was uns der Dichter damit sagen will, weiß er vermutlich selber nicht.

Das Problem ist nicht, dass die Linke (wen immer er damit genau mit) langweilig ist, sondern dass für IHN die SACHTHEMEN langeweilig sind. Kein Wort über irgendein Gesetz irgendein Streithema. Diese zur Schau gestragene Oberflächlichkeit und Irrationalität ist doch, diese immer gut ankommenden Anti-Politiker-Sprüche bei gleichzeitigem völligen Desinteresse an der Materie ist doch gerade das, was man derzeit die 'Italienische Krankheit' nennen könnte.

Kiki Novak
00
Fotograf Bobby

Hamit_Hatemi
05

mah...

Des Standards Fragen könnten manchesmal ein bisserl weniger politisch gefärbt sein.

SCHRECKLICH !!

global_citizen
11
In Ösistanien auch nicht besser

die gerontokratische Hydra hat mehrere Köpfe
besonders herausragend die Landesfürsten Pröll, Niessl, Dörfler. Die Verflechtung mit den Medien
ist in Italien eindeutiger und dadurch berechenbarer.
Die Probleme werden offener angesprochen und
die Justiz ist nicht ganz so zahnlos, aber unter
dem Strich bleibt für junge Menschen mit Begabung
und Leidenschaft nur die Flucht: München, Zürich,
Hamburg, London, New York, ... Lieber unter
der Brücke schlafen, als den megalomanisch-narzistischen Drecksäcken in den Ar* zu kriechen.

Miss Wonderstanding
06
Diese schlauen Analysen macht mein Trafikant schon seit Jahren.

sixela
01
Sein Problem ist

Er hat genauso wenig eine Idee wie die von ihm so heftig kritisierten Politiker...

Linksverbot
 
01
...nicht nur langweilig...

..sondern auch unheimlich naiv

derfalke
72
Toscani hat recht. Die Dekadenz der Linken stinkt zum Himmel.

In Österreich ist es die ewige große Koalition, die das Land lähmt.

-Nathan-
 
00
stimmt die Groko lähmt das Land.

es ist mehr als unnatürlich, dass die 2 größten Parteien (sozialdemok. + konservativ) in Ösistan viel zu oft GEMEINSAM an der Macht sind.

Zorgor d.S.
03
Trollfood!

na zum glück gibts ja noch die rechten krücken.

gut gehumpelt ist besser als schlecht gelaufen, was?

Ewig ist gar nix in österreich.
nie gewesen.

Abgesehen natürlich von den Ewiggestrigen aus der österreichischen Toscana, und denen würd ich sagen verdanken wir zum grossteil tatsächlich das Chaos unserer Innenpolitik.

Der Unterschied zu mir ist nur, das sie das Gutheissen.

Aber wie heisst es so schön? Es gibt nichts Gutes, Ausser man träumt es.

in diesem Sinne: träumen sie weiter!

Klaus Ganglbauer
01
Empirizisitsch, ökonomistisch, intuitionsistisch, spontaneistisch und naiv-humanistisch lässt sich zweifelsfrei viel erreichen und realisieren. Wir können damit einen Kuchen (für das hungrige Volk) backen, die (Schmutz-)Wäsche

(der korrupten Bürokratie) waschen oder eine Serie von normierten Platten-Bauten errichten. Die komplexeste Dynamik der offenen Mannigfaltigkeit (nicht-)aller gesellschaftlichen Antagonismen, welche die globale Ökonomie real determinieren, werden wir damit jedoch mit Sicherheit weder dialektisch analysieren, noch politisch begreifen, noch programmatorisch erschließen, noch real-politisch verändern können. Genau das ist das Problem der Linken. Sie versuchen an alles nur mehr mit dem "Besen" eines empirizistisch depotenzierten Haus-Verstandes heranzugehen. Die proletarischen "Intellektuellen" laufen nicht mehr dem revolutionären Großbürgertum (Marx, Engels oder Lenin) hinterher, sondern einem geistig entmutigten "Kleinst-Bauerntum".

LinksSchreiber
01
Korrektur: "geistig entmutigtes Kleinsbauerntum" ist eine Metapher, es

soll in keiner Weise ein Berufs-Stand diskriminiert werden.

Auch die Linken vermögen in der Regel nicht mehr effektiv über ihre "kleine Scholle", über "den Rand des eigenen Tellers", über die Begrenztheit ihrer "familiaren Privatheit" hinauszudenken. Nichts boomt in Links-Alternativen-Kreisen mehr als die Familie und das selektive Anhäufen einer Meta-Privatheit, die "clubartig" strukturiert ist.

Nach Lenin geht der Bauern-Stand entweder mit der besitzenden Klasse der Bourgeoisie oder mit der geistigen Avantgarde des besitzlosen Proletariats.

Das geistlose Proletariat läuft, wie das reaktionäre Kleinbürgertum, dem Wenigen an Privatbesitz nach, das es - zur Zeit noch - hat. Frei von jeder Idee ist es in jeder Dimension korrumpierbar.

systemfehler1
00
Himmel!

Was für Linke?

estragon001
31
Gähn...

Ist DER erst langweilig !

Der onaniert öffentlich und meint DAS wäre interessant.

Und ganz nebenbei, ein guter Fotograf ist auch etwas anderes.

Klaus Ganglbauer
15
Die elfte Feuerbachthese von Marx ist leider total missverstanden worden.

Diese besagt, dass die Philosophen die Welt nur interpretiert hätten, dass es aber darum gehen müsse, sie zu verändern. Das ist tendenziell richtig, wenn von Hegels Wissenschaft der Logik ausgegangen wird. Die These wird aber ins Gegenteil verkehrt, wenn an ihren Inhalt aus der positivistischen Perspektive des 20. Jahrhunderts herangegangen wird. Die philosophische Wahrheit hinter der marxistischen Wahrheit ist nämlich, dass die Welt real-politisch nur verändert werden kann, wenn zuerst ihre allgemein anerkannte Interpretation verändert wird. Diese materialistische Dialektik ist den Standard-Linken freilich zu komplex und zu anstrengend. Leichter fällt die Denunziation der dialektischen Logik überhaupt. Also sind sie verdummt.

cenare in animo habeo
00

Und jetzt das ganze als Kurzfassung.

LinksSchreiber
51
Kurz: es ist nicht böse, etwas anderes als die von der ArbeiterInnen-Einheitspartei vorgeschriebene Kurz-Zusammenfassung des Denkens von Marx und Lenin zu lesen. Es nicht politisch inkorrekt, den Schriften von Hegel und Kant nach zu denken. Reden Sie

mit dem Standard-Linken. Soviel an vulgär-materialistischem Unfug, wie ein derartiges "Ding" des Undenkens in einigen Minuten hervorzubringen vermag, haben Sie als selbst-denkendes Subjekt in ihrem ganzen Leben noch nie gehört. De vulgo: nur Marx sei gut, alles andere böse, Marx wäre ideologisch missverstanden, weil er ja nur eine objektive Analyse der kapitalistischen Ökonomie geleistet hätte. Dieser Standpunkt wird bis zum Erbrechen wiederholt.

Im Frankfurter Dialekt formuliert:
Nach Auschwitz wäre es nicht mehr "politisch korrekt", dialektisch-logisch zu denken.

Diesen Satz habe ich tatsächlich einen post-strukturalistischen Uni-Professor für Theologie sagen hören.

Die Intellektuellen sind so dumm, dass wir darüber besser schweigen.

LinksSchreiber
10
Mehr rote Strichelchen bitte!

robinsons freitag
21
Danke! Endlich ein interessanter Beitrag.

starship
 
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herr toscani ist lauthals langweilig in seiner politischen kreativität...

Austria’s Next Topmodel
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Na ja, nicht immer langweilig, sondern manchmal auch dumm-dreiste Irre wie Hubsi Kramar.

onduras
02

der hubsi ist ein brandgefährlicher fanatiker, sein letzer club2- auftritt hat mich ziemlich schockiert, wenn solche menschen losgelassen werden, kann es für andersdenkende böse enden

alter ohm
04

Toscani:
.."Ich bin nicht auf der Suche nach Konsens. Konsens führt zu Mittelmäßigkeit, Kritiken sind mir vollkommen egal"..
.."Ich sehe das machiavellisch: Der Zweck heiligt die Mittel. Verstehen Sie das oder nicht?"

hört sich für mich so an, als würd ein gediegener diktator im herrn toscani stecken.

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