Wirtschaftsprüfer wehren sich

4. Februar 2010, 13:50

Ernst & Young: Schon 2007 gewarnt - Geschäftsführung entgegnet - Deloitte: Kein Prüfungsauftrag - Sonderprüfung durch Landesrechnungshof

Salzburg - In der Affäre um die Salzburger Osterfestspiele wehren sich die involvierten Wirtschaftsprüfer-Firmen gegen eventuelle Schuldzuweisungen: Wie über die Tageszeitung "Österreich" in deren Donnerstagausgabe mitgeteilt, warnte "Ernst & Young" bereits im Juni 2007 in einem Bericht vor Unregelmäßigkeiten und schlug eine rasche Neuorganisation vor (was allerdings vom Geschäftsführer der Osterfestspiel GmbH in einer umgehenden Reaktion als "verantwortungslose und missverständliche Darstellung" bezeichnet wurde).   Und "Deloitte" teilte am Donnerstag per Aussendung mit, nie einen Auftrag erhalten zu haben, eine freiwillige oder gesetzliche Prüfung der Osterfestspiel GmbH durchzuführen - und dies auch nie getan zu haben.

"Ernst & Young" wird in "Österreich" zitiert: "Wir weisen darauf hin, dass zum 30. Juni 2007 die geforderte Eigenmittelquote nach Paragraf 23 URG und die Schuldentilgungsdauer nach Paragraf 24 URG nicht gegeben sind und somit die Voraussetzungen für die Vermutung eines Reorganisationsbedarfes gemäß Paragraf 22 Abs 1 Z1 URG vorliegen". Die Prüfer hätten schon damals die politischen Verantwortlichen über die Missstände in Kenntnis gesetzt: "Wir haben die gesetzlichen Vertreter mit Schreiben vom 19. September 2007 über das Vorliegen der Voraussetzungen (...) eines Reorganisationsbedarfs informiert." 

 Als "verantwortungslose und missverständliche Darstellung" bezeichnete Rechtsanwalt Peter Raue, Geschäftsführer der Osterfestspiel Ges.m.b.H., am Donnerstagnachmittag diese Aussage:  "Die Darstellung ist fehlerhaft, für die Behauptung, die Festspiel-Affäre sei seit 2007 bekannt, fehlt jede Grundlage", so Raue in einer Aussendung. "Es gab in keinem der beiden Berichte von Ernst & Young einen Hinweis auf Unregelmäßigkeiten, vielmehr enden beide Berichte mit einem uneingeschränkten Testat. Auch der Hinweis auf das Unternehmensreorganisationsgesetz schränkt den Bestätigungsvermerk nicht ein, ist vielmehr ein Routinehinweis, wie er in diesen Berichten üblich ist."  Der Prüfbericht von Ernst & Young fasse seine Untersuchung im Bestätigungsvermerk wie folgt zusammen: "Wir sind der Auffassung, dass unsere Prüfung eine hinreichend sichere Grundlage für unser Prüfungsurteil darstellt. Unsere Prüfung hat zu keinen Einwendungen geführt." Die Darstellung, Ernst & Young habe auf Unregelmäßigkeiten hingewiesen, "ist damit falsch", betonte der Osterfestspiel-Geschäftsführer.

"Deloitte" teilte in ihrer Aussendung mit, dass die Buchhaltung durch die Osterfestspiele GmbH Salzburg selbst hausintern geführt wurde. Deloitte Salzburg sei von 2002 bis 2007 damit beauftragt gewesen, "auf Basis der Unterlagen der Gesellschaft, für deren Vollständigkeit und Richtigkeit ausschließlich die Geschäftsführung verantwortlich zeichnet, den Jahresabschluss im Auftrag der Geschäftsführung zu erstellen und darüber einen Bericht zu verfassen". Laut festgehaltenem Auftragsumfang beinhaltete der "Jahresabschluss samt Erläuterungen" keine Prüfungstätigkeit, welche mit einem förmlichen Bestätigungsvermerk enden würde: "Ein solcher Bestätigungsvermerk war nie beauftragt, ist daher von Deloitte nie erteilt worden". Eine Prüfungstätigkeit sei auch nie in Rechnung gestellt worden.

Auffällig seien laut "Österreich" auch die Kosten, die bei der Prüfung ans Licht kamen: Demnach kassierten die 22 Beschäftigten der Osterfestspiele im Schnitt 142.000 Euro pro Jahr. In dem Bericht wird auch festgehalten, dass der Bilanzverlust von 938.918 Euro vom Verein der Förderer der Osterfestspiele abgedeckt wird. Raue entgegnet dem: "Der Prüfbericht stellt nicht fest, die 22 Beschäftigten der Osterfestspiele hätten im Schnitt 142.000 Euro verdient. Zum einen gibt es keine 22 Fest-Beschäftigte, zum anderen verdient kein einziger der Beschäftigten diese Summe." Die höchst bewilligte Summe lag beim damaligen Geschäftsführer mit 117.000 Euro im Jahr, so Raue: "Richtig ist, dass die Osterfestspiele für Personal insgesamt rund 3,1 Millionen aufwenden, die Zahl ist aber nur verständlich wenn man weiß: Diese Summe wird aufgebracht für die festen und freien Mitarbeiter, für Solisten, Chöre, Orchester, Dirigenten, sämtliche Techniker, Maskenbildner, Schneider usw..."

Der Salzburger Landtag nahm jedenfalls am Mittwochabend einen Dringlichen Antrag der Grünen betreffend eine Sonderprüfung der Salzburger Osterfestspiele durch den Landesrechnungshof einstimmig an. (APA/red)

 

krokokater
 
00
Wirtschaftsprüfer haben immer recht -

war bei Enron einen Tag vor deren Konkurs gut zu beobachten.

systemfehler1
00
Aha, kapiert!

Festspiele sind gleichbedeutend mit Selbstbedienungsläden!


...hier. In Ö.



Und: keiner war´s.

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