Istanbul: Projekt "Museum der Unschuld" geplatzt

4. Februar 2010, 12:54

Nobelpreisträger Orhan Pamuk in Konflikt mit Kulturhauptstadt-Organisatoren

Istanbul - Eines der wichtigsten Projekte der Europäischen Kulturhauptstadt Istanbul ist geplatzt. Literatur-Nobelpreisträger Orhan Pamuk zog seinen Beitrag eines "Museums der Unschuld" aus dem offiziellen Kulturjahr-Programm zurück, wie der Leiter des Istanbuler Organisationskomitees, Sekib Avdagic, der Zeitung "Yeni Safak" vom Donnerstag bestätigte. Er selbst habe vergeblich versucht, Pamuk umzustimmen.

Pamuks "Museum der Unschuld", das den Namen des jüngsten Romans des Schriftstellers trägt, soll im Sommer im Istanbuler Stadtteil Cukurcuma eröffnet werden. Im Istanbuler Programm für das Jahr als Europäische Kulturhauptstadt war es eines der Höhepunkte. Laut Avdagic betreibt Pamuk das Projekt in Eigenregie weiter, zahlt aber den Zuschuss von umgerechnet rund 360.000 Euro zurück, mit dem die Kulturjahres-Veranstalter das Museum unterstützt hatten.

Nach Presseberichten zog Pamuk das Projekt wegen der Meldungen über finanzielle Unregelmäßigkeiten bei der Organisation des Istanbuler Kulturjahres aus dem offiziellen Festivalprogramm zurück. Dagegen sagte Avdagic, der Nobelpreisträger sei wegen seiner Zusammenarbeit mit dem Organisationskomitee in der Öffentlichkeit unter Druck geraten und habe deshalb auf die Mitarbeit verzichtet. Das sei eine "Schande", sagte er. Rund 70 Prozent der Kosten für das Museums-Projekt würden ohnehin von der eigens dafür gegründeten Stiftung getragen.

Das erste Istanbuler Organisationskomitee war im vergangenen Frühjahr wegen Korruptionsvorwürfen zurückgetreten. Avdagics Agentur, die anschließend übernahm, hat Vorwürfe über mangelnde Transparenz bei der Vergabe von Projektgeldern und bei der Verwendung des Budgets zurückgewiesen. (APA)

 

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