Lockenkopf & Krausehaar

4. Februar 2010, 12:46
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Der Friseurmeister Karl-Ludwig Nessler erfand die Dauerwelle - Versuche der Haarformung mittels Wärmeprinzip praktizierten schon die Römerinnen

Brandblasen, verschmorte Haare, entstellte Köpfe. Die ersten Dauerwell-Versuche brachten lange Zeit nicht die gewünnschten Erfolge. Als offizieller Erfinder der Dauerwelle wird der Friseurmeister  Karl-Ludwig Nessler angeführt, der mit abenteuerlicher Apparatur und geheimen Tinkturen es nach vielen Versuchen geschafft hatte, glattem Haar eine dauerhafte Wellenstruktur zu verleihen.

Doch die ersten Manipulationen am Haar reichen bis in die Vorzeit zurück. Ausgrabungen haben bewiesen, dass schon 3100 v. u.Z. Haare auf Tonwickler gewickelt wurden. Die Römer erfanden um 600 v. u.Z. die erste Umformung nach dem Wärmeprinzip. Sie benutzten das sogenannte Calamistrum - ein Rohr, in das ein heißer Stab geschoben wurde. Die ersten Krepp- und Brenneisen folgten.

Versuche an Perücken

Im 18. Jahrhundert kannte man die Möglichkeit im sogenannten Postichhaar, also im Perückenhaar, eine relativ haltbare Dauerkrause zu erzeugen. Dafür wurden die Haare von Perücken um Kraushölzer gewickelt und in einer alkalischen Lauge aus Soda oder Borax mit Glyzerin gekocht. Dabei kochte man die Perücken etwa acht Stunden lang in alkalischen Boraxwasser. Allerdings konnte diese Methode aus naheliegenden Gründen nicht am lebenden Objekt angewandt werden.

1872 entwickelte Marcel Grateau die nach ihm benannte Marcel-Ondulation. Diese auch als Wasserwelle bekannte Form der Haarumformung war nur wenig haltbar, da nur die Wasserstoff- und Salzbrücken geöffnet werden. Bereits bei hoher Luftfeuchtigkeit oder spätestens nach der ersten Haarwäsche waren die Locken wieder verschwunden.

1906 erfand dann Karl Nessler, der sich später, als er nach Paris zog, Karl Nestlé nannte, die erste Heißwelle. Dabei wurden die mit einer alkalischen Lösung getränkten Haare spiralförmig auf Metallstäbe aufgewickelt (Spiralwicklung) und danach mit heißen Metallzangen stark erhitzt.

Verbrennungen und Verätzungen

Damit die Welle hielt, waren manchmal mehrere Versuche nötig. Als "Versuchskaninchen" diente anfangs seine Ehefrau, die durch die entstehende Hitze sogar Brandblasen davontrug. Die Methode hatte weitere Nachteile. Zum einen war sie sehr langwierig - zirka fünf stunden - und zum anderen blieben die ersten vier Zentimeter am Kopf ungewellt. Die Prozedur war mit einer großen Unfallgefahr behaftet. Neben den Verbrennungen kam es auch zu Verätzungen durch zu starke alkalische Flüssigkeiten.

Seine Erfindung wurde dann 1908 in London patentiert. Nesslers Friseurkollegen waren neidisch auf seinen Dauerwellenapparat, da sie den Verlust ihrer StammkundInnen befürchteten. Mit Recht: Die modebewussten Frauen in London rannten ihm die Salontür ein, um sich die Wellen von ihm machen zu lassen. Ausserdem musste Nessler oft zu reichen Kundinnen nach Paris reisen, die von seiner neuen Erfindung gehört hatten.

1914 mußte Nessler England verlassen und wanderte in die USA aus, wo er mit seiner Erfindung ein großes Frisör-Unternehmen betrieb mit zeitweise mehreren hundert Angestellten. Seiner Erfindung haben vor allem amerikanische Frauen ein dankbares Denkmal gesetzt.

Bis zum heutigen Tag erfuhr die Dauerwelle immer wieder weitere schonendere Entwicklungen. (red)

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    Dauerwellen-Museum in Todtnau
    Monika Schneider vom Nessler-Museum in Todtnau demonstriert an einer Puppe die Handhabung von Lockenwicklern.

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