Studien-Sozialerhebung 2009

Immer weniger Studenten aus niedrigen sozialen Schichten

04. Februar 2010 11:33

Vor allem an wissenschaftlichen Unis und FH - Anteil sinkt seit 1998 - Mittelstand als Gewinner - Anderes Bild bei Studienanfängern

Wien - An den österreichischen Hochschulen gibt es immer weniger Studenten aus niedrigen sozialen Schichten. Das zeigt der Rohbericht der "Studierenden-Sozialerhebung 2009". So sank der Anteil an Studenten aus niedrigen Schichten an Unis und Fachhochschulen (FH) zwischen 1998 und 2009 von 26 auf 19 Prozent. Gewinner sind mittlere (1998: 28 Prozent, 2009: 31 Prozent) und gehobene Schichten (1998: 28 Prozent, 2009: 33 Prozent), der Anteil von Studenten aus hohen Schichten blieb praktisch konstant.

An den wissenschaftlichen Unis entstammten 1998 noch 26 Prozent der Studenten einer niedrigen sozialen Schicht, 2009 waren er nur mehr 18 Prozent. An den Fachhochschulen sank dieser Anteil von 33 (1998) auf 23 Prozent (2009). Mit der Einführung der Studiengebühren 2001 allein kann dieses Phänomen aber offenbar nicht erklärt werden: Der Rückgang ging auch nach 2002 unverändert weiter.

Für die Erhebung wurde ein vierstufiger "Schichtindex" (niedrig, mittel, gehoben, hoch) erstellt, der sich aus Bildungsstand und beruflicher Position der Eltern zusammensetzt. Zur hohen sozialen Schicht zählen etwa Akademiker, die als Freiberufler, Unternehmer mit Angestellten sowie Beamte bzw. Angestellte mit Leitungsfunktionen arbeiten, zur niedrigen Schicht beispielsweise Pflichtschulabsolventen und Eltern mit berufsbildender mittlerer Schulbildung, die in Arbeiter- bzw. Angestelltenpositionen ohne Leitungsfunktion tätig sind.

Ein anderes Bild ergibt sich dagegen, wenn man nur die Studienanfänger betrachtet: Hier zeigt sich, dass sich seit Mitte der 90er Jahre bis 2004 die Überrepräsentation von "bildungsnahen" Schichten über alle Hochschulsektoren etwas vermindert hat. Dies sei vor allem auf die Expansion des Fachhochschulsektors zurückzuführen, "dessen soziale Zusammensetzung ausgewogener als an den Universitäten ist", so die Studienautoren. Seit 2004 ist das Chancenverhältnis hingegen wieder konstant geblieben: Kinder von Vätern mit Matura bzw. Hochschulabschluss haben demnach eine um 2,7 Mal so hohe Chance, ein Hochschulstudium aufzunehmen wie Kinder von Vätern ohne Matura.

Für diese unterschiedliche Entwicklung geben die Studienautoren mehrere mögliche Gründe an: So könnten etwa die einzelnen sozialen Gruppen unterschiedlich schnell studieren oder einen etwaigen Abbruch schneller vollziehen. Bei früheren Studien habe sich etwa gezeigt, dass Studenten aus niedrigeren Schichten ihr Studium überdurchschnittlich häufig bereits in den ersten drei Semestern wieder abbrechen. Außerdem werde der "Schichtindex" seit 1998 konstant gehalten und berücksichtige damit keine gesellschaftliche Veränderungen wie etwa die Bildungsexpansion. (APA)

 

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Posting 1 bis 25 von 83
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potz
10.02.2010 00:28

Ah klar, ein Jahrzehnt+ ÖVP Standes... pardon Uni-Bildungpolitik zeigt eben Wirkung.

Das wilde ist, dass sich die ÖVP sicher was darauf einbildet.

left
06.02.2010 16:22

Vielleicht liegt es daran, dass Kinder aus "niedrigen Schichten" keine leistungsbereiten Vorbilder haben. Auch wenn man es nicht verallgemeinern kann aber: Es hat schon oft einen Grund warum Menschen in den "niedrigen Schichten" hängen bleiben - nämlich Arbeits- und Leistungsunwilligkeit. Wenn die Eltern dies so vorleben ist es kein Wunder, dass sich auch bei den Kindern kaum Leistungsbereichtschaft (welche nun mal zu einem Studium notwendig ist) entwickeln kann.

metalwoman
18.03.2010 13:57

Es gibt da schon ein paar Ausreißer in bildungsfernen Schichten, die sich über all das hinwegsetzen. Das sind meistens die, die glücklicherweise mit viel Intelligenz gesegnet sind, sodass sie in höhere Schulen gehen "dürfen". Einige von denen verzichten darauf, nach der Matura in einen Beruf einzusteigen, sondern schaffen es sogar bis auf die Uni.
Zum Glück gibt es für solche Leute Unterstützung (z.B. Studienbeihilfe). Österreich braucht diese verrückten Aufsteigertypen, sonst würde die Akademikerelite ja völlig degenerieren. :-)

(meine Schwester und ich sind zwei solche Ausreißer)

Gegen Spieler
26.02.2010 18:08

so ein dummes geschwätz hab ich lang nicht mehr lesen müssen...

potz
10.02.2010 00:29

ein posting so d*mm wie die ÖVP Bildungspolitik. Schauen Sie sich mal Statistiken in anderen Ländern an, dann werden Sie merken, dass top-Leute aus allen Schichten kommen, wenn man ihnen die Ausbildung ermöglicht.

left
11.02.2010 20:39

Hätten Sie mein Posting vollständig gelesen, hätten Sie bemerkt, dass ich eine Verallgemeinerung meiner Aussage ausgeschlossen habe. Natürlich gibt es auch Menschen aus den sogenannten "niedrigeren Schichten" die erfolgreich sind. Aber es ist eine Tatsache, dass bei vielen das Elternhaus dies dennoch verhindert. Und nur zur Ihrer Information: Ich bin kein ÖVP-Wähler.

eze eze
 
09.02.2010 20:33

Präpotentes Posting. Ohne die Arbeits- und Leistungswilligkeit dieser ArbeitnehmerInnen, die oft für einen Schandlohn hackln, sähe dein Alltag mit Sicherheit um etliches weniger bequem aus!

Round'n'round it goes
09.02.2010 13:09

Ich komme selbst aus einer "niedrigen Schicht" und kann sagen: Es ist sicher nicht Arbeitsunwilligkeit, sondern das genaue Gegenteil! Lernen ist nichts wert, Bildung ist nichts wert. Wer länger als verpflichtend in die Schule geht, ist nur zu faul zum Arbeiten. Nur körperliche Arbeit zählt, etwas zu schaffen, etwas, das man herzeigen kann. Geistige Tätigkeit wird mit Untätigkeit gleichgesetzt und hat einfach keine Stellenwert. Genau so sehen es meine Großeltern. Zum Glück waren meine Eltern da anderer Meinung...

eze eze
 
07.02.2010 11:21

Vielleicht liegt es daran, dass Prekariat und Studium für viele, nennen wir es mal "teilzeit"berufstätige Studierende nicht länger vereinbar waren, vor allem angesichts ständig steigender Lebenshaltungskosten? Immerhin fielen in den relevanten Zeitraum die Studiengebühren für nahezu alle (so lang wurden die ja noch nicht wieder defacto-abgeschafft), und Stipendium bekamen die meisten auch nicht. Bei StudienanfängerInnen hingegen - auf die den Posting ja voll zutreffen müsste - siehts ja erfreulicherweise offenbar anders aus.

hed
05.02.2010 12:53
in österreich wird nur gejammert

anderswo, z.b. in polen, wird studiert, dass die schwarte kracht. zwar gibt es dort für "normalstudien" keine gebühren, dafür wird aber für fremdsprachige studien länge mal breite abgelegt.

um überhaupt ein studium beginnen zu dürfen, gilt es eine brutale aufnahmeprüfung zu absolvieren.

viele junge polen machen einen vollzeitjob, studieren und machen dazu noch babysitting und dergleichen.

und es studieren rund 50% von jedem jahrgang.

da gibt es einen spürbaren willen zu leistung und ausbildung. beginnen tut das schon mal damit, dass viele polen ihre kinder in internationale kindergärten und schulen schicken. die sind sehr teuer, aber da zahlt oft die ganze familie mit.

eze eze
 
07.02.2010 11:25

Haben die dort keine Anwesenheitspflicht an der Uni? Oder soviele Nachtarbeitsvollzeitjobs und Leute, die danach noch munter in der Uni sitzen können? Es klingt alles ein bisschen nach EWMS.

eze eze
 
07.02.2010 11:41

Bevor jetzt Einwände kommen: ich weiß, dass man nicht in Vorlesungen anwesend sein muss. In Proseminaren, Übungen, Seminaren, ... aber halt schon. Und die sind zeitlich meist wild quer über die Woche verteilt und die Einflussmöglichkeiten darauf, welche man besuchen darf oder kann, tendieren irgendwohin gegen 0, vor allem, wenn man zügig studieren möchte.

Strom
05.02.2010 15:43

Ich kenne Polen nicht, aber vermutlich haben sie anständigere Politiker, welche die Bevölkerung weniger demotivieren und verhöhnen. Vielleicht lohnt sich dort Leistung auch mehr. Hierzulande wird man für Leistung eher bestraft, zumindest meiner Erfahrung nach.
Ich kenne und sehe hier niemanden mehr, der auf die Politik nicht total angefressen ist. Was bieten sie denn, außer Skandalen?

KTHXBYE
06.02.2010 00:53
"aber vermutlich haben sie anständigere Politiker"

Das glauben Sie jetzt selber nicht. Kleiner Tip: nur weil es PC ist, AT als das Letzte zu sehen, ist es anderswo nicht besser.

dieDenker.org/oberdenker
05.02.2010 13:08
Polen und Österreich schwer vergleichbar

Also ich denke mir, dass Polen und Österreich schwer verglichen werden können.

Vielleicht ist die soziale Ungleichheit in Polen deutlich höher und nicht hochgebildeten und Arbeitern geht es schlechter.

Dann könnte es auch so sein, dass die Polen weniger aus einer sehr positiven Einstellung zu Bildung generell als aus Angst vor fehlender Bildung (aus "negativer Motivation") studieren...

Aber es kann durchaus auch sein (kam mir auch oft so vor), dass ÖsterreicherInnen (vielleicht durch die sehr ländliche Struktur) bildungsfeindlicher bzw. generell innovationskritischer als andere Staatsbürger sind.

hed
05.02.2010 13:23
ja. in polen wird bildung als chance gesehen

seine lebensumstände zu verbessern. und diese motivation scheint in österreich in den bildungsferneren schichten nicht so stark gegeben zu sein.

die leistungsbereitschaft der jungen polen ist offensichtlich um einiges höher als bei uns. anstatt ständig das fehlen von leistungen oder das vorhandensein von hürden zu beklagen, definieren die ihr ziel, stellen die sich auf die gegebene situation ein und gehen ihren weg.

dieDenker.org/oberdenker
05.02.2010 12:31
Ergebnis könnte auch positiv sein

"Diese Anteilsverschiebung muss jedoch nicht zwingend bedeuten, dass weniger StudentInnen aus unteren Schichten studieren ... sie könnte auch daher rühren, dass die unteren Schichten (wie für diese Studie definiert) generell anteilsmäßig abgenommen haben, was wiederum erfreulich wäre."

http://www.diedenker.org/inhalte/v... .php?t=609

Aber selbst wenn dem so wäre, so ist meines Erachtens doch eine stärkere (Breiten-)Bildungsfeindlichkeit bzw. weniger (Breiten-)Bildungsfreundlichkeit in Österreich zu verspüren.

potz
10.02.2010 00:32

wir zeitungsleser sollten zusammenlegen, und allen redakteuren einen statistik kurs spendieren. einfach aus selbst-schutz. das ist ja schmerzhaft.

pinky21
05.02.2010 12:21

österreich sucht händeringend facharbeiter in handwerksberufen! und der standard schreibt wieder einmal, dass wir angeblich zu wenige studenten hätten! taxifahrer mit psycho-doktortitel haben wir schon ausreichend.

Round'n'round it goes
09.02.2010 13:12

Und wieder haben wir ein gutes Beispiel für Bildungsfeindlichkeit!

sepp-uku
09.02.2010 13:15

meinst du mich? mag. pinky?

KTHXBYE
05.02.2010 11:33

Es mag auch daran liegen, daß die "niedrigen sozialen Schichten" früher zumindest Deutsch konnten.

mika33
05.02.2010 11:29
Jeder der will, kann auch studieren, so what?

Guybrush Threepwood
05.02.2010 11:53

Und die, die es sich nicht leisten können, wollen Ihrer Meinung nach alle nicht?

mika33
05.02.2010 13:15
Niemand geht nicht studieren, weil er es sich nicht leisten kann, sondern

weil er in diesem Lebensabschnitt nicht mit so wenig Geld auskommen müssen will.
Man kann nicht studieren und gleichzeitig erwarten, ohne einen Job nebenbei eine Menge Geld für Urlaub, Auto, große Wohnung usw. ausgeben zu können.

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