Der iPad wird ein Erfolg - auch ohne Flash und trotz fehlendem Multitasking ...
Woran man erkennen kann, dass Apples iPad mit großer Wahrscheinlichkeit ein Erfolg wird? An den vielen Dingen, die ihm von featureverliebten Tech-Bloggern als Schwächen vorgehalten werden.
Denn die meisten dieser scheinbaren Mängel sind Apples große Stärke: komplexe, komplizierte und viele Menschen überfordernde Technik radikal zu vereinfachen. Zum Beispiel das vielfach bemängelte fehlende Multitasking: Zum einen gibt es sehr wohl Programme die im Hintergrund laufen (z. B. Musik spielen, während man im Web surft).
Zum anderen empfinden es viele als enorme Erleichterung, bei einem digitalen Gadget mit unbegrenzten Möglichkeiten immer nur eine Sache auf einmal zu machen und sich darauf konzentrieren zu können (darum sind auch Spielekonsolen erfolgreich, die nur eine Sache machen, und darum glaube ich auch, dass bis auf weiteres Amazons Kindle Erfolg haben wird, weil man darauf gut Bücher lesen kann).
Apples Marktmacht
Oder die fehlende Unterstützung für Adobe Flash, das von vielen Webseiten für Multimedia-Inhalte verwendet wird: Tatsächlich eine Schwäche, aber die Darstellungen gehen auseinander, wer daran Schuld trägt. Dies hat jedoch Millionen Menschen nicht davon abgehalten, auf ihrem iPhone zu surfen. Apples Marktmacht führt dazu, dass zunehmend andere Techniken eingesetzt werden - HTML5 ist künftig eine Alternative, und Adobe selbst bietet seinen Flash-Entwicklern bald die Möglichkeit, Webseiten für iPhone (und damit auch iPad) in anderen Formaten zu speichern. Youtube, die meistgenutzte Flash-Anwendung im Web, bietet schon seit dem iPhone-Start eine viel genutzte Alternative.
Die Liste lässt sich fortsetzen: keine Kamera (vor allem für Skype interessant), nur zehn Stunden Laufzeit (auch nach Abzug des Herstellerbonus ein Tagesbedarf), zu wenig Anschlüsse usw.
Vieles spricht dafür, dass Apple hier ein sehr guter Wurf gelungen ist
All das geht daran vorbei, dass der Erfolg davon abhängt, ob das iPad die wesentlichen Dinge - persönlicher Online- und Medienkonsum, Mail, soziale Netze - dem vom Schreibtisch losgelösten Benutzer viel angenehmer macht als Handy, Notebook oder Desktop. Vieles spricht dafür, dass Apple hier ein sehr guter Wurf gelungen ist. Abgesehen von der Kamera ist alles andere Sache laufender Software-Upgrades. Beim iPhone hat Apple diese Evolution gut demonstriert und auch Erstkäufer gut weiterbedient.
Und durch eine riesige Auswahl an Apps (Zusatzsoftware) entstehen endlose Möglichkeiten der ganz individuellen Verwandlung des Gadgets. Jobs und Apple haben die Lektion der 80er gelernt, als der Mac von Microsoft und dem PC aufgrund des größeren Softwareangebots abgehängt wurden. Beim iPod Touch und iPhone ist es hingegen Apple gelungen, zum Zentrum eines digitalen Ökosystems zu werden, von dem eine ganze Branche gut leben kann.
Nicht nur Microsoft ist bisher gescheitert
Die Suche nach einem dritten Schirm, zwischen Handheld bzw. Handy und Notebook, läuft seit langem, nicht nur Microsoft ist daran bisher gescheitert. Sieht so aus, als ob der neue Kontinent entdeckt wurde und besiedelt werden kann. (helmut.spudich@derStandard.at, DER STANDARD Printausgabe, 4. 2. 2010, Der Text erschien im Rahmen der wöchtenlichen Kolumne PERSONAL TOOLS)