Nach umstrittenem Urteil

Heinisch-Hosek will Gewalt gegen "Schwächere" als Erschwernisgrund

04. Februar 2010 06:41

Vorhaben von Justizministerin gehen der Frauenministerin nicht weit genug - Strafrechtler Fuchs findet zusätzliche Regelungen unnötig: Richter haben derzeit genügend Instrumentarien

Wien - Der Vorschlag von Justizministerin Claudia Bandion-Ortner (ÖVP), einen religiösen Hintergrund von Verbrechen künftig als Erschwerungsgrund im Strafrecht festzuschreiben, geht Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) nicht weit genug. Sie forderte am Donnerstag am Rande einer Pressekonferenz, dass allgemein Gewalt in der Familie gegen "Schwächere" als Erschwernisgrund gelten soll. Auch über höhere Strafrahmen könne man "selbstverständlich" reden.

Die Motive für Gewalt seien ihr "prinzipiell wurscht", erklärte Heinisch-Hosek. Wichtig sei es, Gewalt in der Familie, von der zu über 90 Prozent Frauen und Kinder betroffen seien, in den Fokus der Diskussion zu stellen. Hier müsse man allgemein "prüfen", ob nicht zu mild bestraft werde. Ein Motiv herauszugreifen, wie es Bandion-Ortner mache, sei "zu wenig", meinte die Frauenministerin

Religion und Tradition nicht vermischen

Stattdessen solle Gewalt in der Familie gegen schwächere Familienmitglieder als Erschwernisgrund festgeschrieben werden, diesbezüglich wolle sie auch Gespräche mit der Justizministerin führen. Danach könne man "selbstverständlich" auch über höhere Strafrahmen sprechen, meinte Heinisch-Hosek.

Von der Vermischung von Religion und Strafrecht hält Heinisch-Hosek wie ihr Kollege SP-Justizsprecher Hannes Jarolim wenig: "Ich glaube, dass man das trennen sollte." Delikte wie Genitalverstümmelung oder Ehrenmorde hätten weniger mit Religion als vielmehr mit Tradition und Machtstrukturen zu tun.

Die Festschreibung von "religiöser Gewalt" als Erschwernisgrund im Strafrecht hält Helmut Fuchs, Vorstand des Instituts für Strafrecht und Kriminologie an der Universität Wien, für "absolut unnötig". Richter hätten bei der individuellen Strafbemessung schon jetzt ausreichend Instrumentarien zur Verfügung, um die individuelle Schuld und Verantwortlichkeit eines Täters zu bewerten. "Areligiös motivierte Gewalt ist nicht weniger verwerflich als religiös motivierte Gewalt", betonte Fuchs im Gespräch mit der APA. Eine Objektivierung wäre nicht möglich, zumal ein religiöses Motiv eventuell auch strafmildernd wirken kann.

Religiöses Motiv könne nicht objektiviert werden

"Bei der Strafbemessung kommt es auf die individuelle Schuld des Täters an. Außerdem kann das religiöse Motiv in zwei Richtungen gehen", so Fuchs. Zum einen könnte etwa besondere Grausamkeit oder Menschenverachtung zu einer höheren Strafe führen. Zum anderen könnte ein Fall von religiösem Wahn etwa als herabgesetzte Zurechnungsfähigkeit gewertet und somit milder bestraft werden.

"Eine neue Gesetzesklausel ist absolut unnötig. Richter haben genügend Möglichkeiten, religiöse Motive bei der Strafbemessung je nach Gegebenheit mildernd oder erschwerend zu beurteilen. Das soll so bleiben", forderte Fuchs. Das religiöse Motiv zu einem objektiven Gesichtspunkt zu machen, ohne dabei die individuelle Schuld zu berücksichtigen, wäre "sachwidrig". Abgesehen davon, dass er keinen Bedarf für den von Bandion-Ortner vorgeschlagenen Erschwernisgrund sieht, sei die Einbringung der Religion in das Strafrecht generell "mit Vorsicht zu genießen".

Die Katholische Kirche zeigte sich ebenso skeptisch. "Ich glaube das ist der Import einer Diskussion aus anderen Ländern", meinte Erich Leitenberger, Pressesprecher der Erzdiözese Wien. Wenn es um Ehrenmorde oder "dubiose Volksbräuche" geht, habe dies nichts mit Religion zu tun. "Einfach 'Religion' zu sagen, scheint mir voreilig zu sein", so Leitenberger. (APA)

Kommentar posten
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Donna Camilla
 
18.02.2010 21:24
Und wer bestimmt wer der/die Schwächere zu sein hat ?



Sherlock85
05.02.2010 13:15

Ist es bei strafbaren Delikten nicht meistens so, dass der "Schwächere" immer das Opfer ist? In diesem Fall hätte man ja immer einen Erschwerungsgrund, was automatisch höhere Strafen zur Folge hätte ... Wieso hält sich diese Frau nicht einfach raus aus Angelegenheiten, von denen sie keine Ahnung hat???

Hafner
05.02.2010 11:24
männerfeindlich

"... von der zu über 90 Prozent Frauen und Kinder ..."
Das impliziert, dass zu über 90 Prozent der Täter Männer sind.
Ehrlich gemeint müsste es lauten:
- zu x% Frauen
- zu y% Männer
- zu a% Kinder durch Frauen
- zu b% Kinder durch Männer
betroffen sind.
Bei Gewalt an Kindern sollte auch die Gewalt durch leibliche (!) Väter getrennt ausgewiesen werden.
Ich versteh natürlich, warum das nicht geschieht, es würde die leiblichen Väter massiv ent- und die Mütter massiv belasten.
Es zeigt wieder einmal, dass die SPÖ eine männerfeindliche Partei ist, die Zahlen manipuliert bzw. manipulativ darstellt.
Ich versteh Männer immer noch nicht, die eine derartige Partei wählen.

A.B. Artig
 
18.02.2010 00:51

Ich schlage Ihnen vor, sich eingehend auf der site der Kinderschutzzentren in Deutschland zu informieren.

Hafner
18.02.2010 09:31
Die Trennung ...

... in "Gewalt an Kindern" sowie Mütter und leibliche (!) Väter wird nirgends durchgeführt.

Johannes St.
 
18.02.2010 20:45
auf http://www.bmi.bund.de/cln_183/S... S2008.html ist eine Detaillierung der Opfer und Täter

leider nur aus D, aber üblicherweise ist es in Ö nicht viel anders. da sollte xyab erklärt sein.
und die Frage nach leiblichen Vätern finden Sie auf:
http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_A... s_682.html
Väter 53%, sonstige leibliche Verwandte 14%, Stiefväter 16%, sonstige Bekannte der Eltern 10%, sonstige Bekannte 6% und Unbekannte 1%

das erklärt 100% der männlichen Täter bei den Sexualdelikten, die zu 95% der Straftaten ausüben.

Hilft Ihnen das weiter?

Johannes St.
 
17.02.2010 20:15
nachdem Sie gestern um ca. 23h58 drei Postings hinterlassen haben, die jetzt nicht mehr zu sehen sind (oder der Zensur zum Opfer gefallen sind) noch ein paar Links:

aus allen Statistiken in Österreich und Deutschland kommt heraus, dass ca. 75 % aller Straftaten von Männern begangen werden. Und im Fall von häuslicher Gewalt ca. 90%. Im Fall von sexuellen Übergriffen von ca. 95%.

http://de.wikipedia.org/wiki/Kind... sshandlung inkl Link zu den Kriminalstatistiken der letzten zehn Jahre, die angeführten Zahlen sind schon etwas alt, aber die Prozentsätze haben sich nicht großartig verschoben....

http://www.familienhandbuch.de/cmain/f_A... s_682.html

http://www.gemeinsamgegengewalt.at/familie.html

Ich will mal hoffen, dass Sie nur uninformiert sind und den Behauptungen der VäterUNrechtsszene bislang leichtgläubig Glauben schenkten....

Hafner
18.02.2010 09:18
Zur dumpfen Männerfeindlichkeit der feministischen "Wissenschaft" ...

"Frauen werden deutlich seltener kriminell als Männer, doch bei der innerfamiliären Gewalt gegen Kinder ist es umgekehrt."
Selten, aber doch wagt es ein Kriminologe, öffentlich eine Aussage zu treffen:
http://www.berlinonline.de/berliner-... index.html

Johannes St.
 
18.02.2010 21:12
um 17h41 habe ich erneut ein Posting erhalten, dass ich hier nicht sehen kann

und bei dem muss ich Ihnen Recht geben, dass ich es keineswegs für bedenklich oder unwahr halte. Nur etwas kritisch (und dürfte wirklich kein Grund sein es nicht zu veröffentlichen - auch wenn man sich dabei über die Kontrolle beschwert - wir leben in einer Demokratie und da sollten verschiedene Ansichten grundsätzlich gefördert werden - außer es ist zweifelsfrei unwahr) und bei dem Bericht in dem Link muss ich natürlich dem Autor in Teilbereichen recht geben.

bei den anderen 3 Postings von gestern habe ich aber schon den Eindruck, dass sie in Teilbereichen eine Tatsachenverdrehung darstellen.

Johannes St.
 
18.02.2010 20:47
komisch, dass jede Kriminalstatistik ein anderes Ergebnis hat als es die Meinung dieses Journalisten

und der VäterUNrechtsszene ist.

Hafner
18.02.2010 09:08
Ich lese Ihre Links,

lesen Sie daher bitte mein Anliegen:
Wikipedia (Ihr Link) ist ein gutes Beispiel dafür:
"Unter dem Begriff Kindesmisshandlung werden physische als auch psychische Gewaltakte, sexueller Missbrauch sowie Vernachlässigung zusammengefasst"
wobei ich diese Zusammenfassung als bewußte Manipulation der Statistik betrachte.
Es geht mir darum, dass "Gewalt an Kindern" getrennt ausgewiesen wird und da wieder in Mütter und leibliche (!) Väter.
Meiner Meinung nach wird das bewußt unterlassen (sonst würde es irgendwo eine öffentliche Statistik geben).
Dasselbe betrifft Kindstötungen (natürlich lebende).
Meiner Meinung nach geht es hier darum, Gewalttaten durch Frauen zu verschleiern.
Grundsätzlich bin ich natürlich Ihrer Meinung.

Johannes St.
 
18.02.2010 20:57
zumindest gibt es in der deutschen Kriminalstatistik sehr wohl eine Aufteilung in sexuellen Missbrauch (ca. 80% der Fälle) und andere Delikte

und dafür gibt es auch eine ziemliche Detaillierung der Täter - zumindest der ca. 95% Männer als Täter.

http://www.bmi.bund.de/cae/servl... KS2008.pdf
auf Seite 25 werden die Opfer/Altersgruppe ausgewiesen. Zum Glück nur ca. 137 unter 21 Jahre. in Ö (üblicherweise ein Zehntel von D) würde das ca. 14 Opfer bedeuten - was will man da in eine Statistik fassen?

In Summe wird hier sehr umfassend berichtet und ausgewertet. Ich kann hier keine massive Verschleierung erkennen.

Leider gibt es derartiges nicht für Österreich.

Johannes St.
 
16.02.2010 21:17
na vielleicht helfen Ihnen diese Links etwas weiter. Sind allesamt von öffentlichen Stellen und basieren auf ECHTEN Straftaten und nicht auf dubiose Studien ohne Anführung der Fragen und genauer Beschreibung des Kreises der Befragten

http://www.bdkj-re.de/missbrauc... brauch.php

http://www.bmfsfj.de/Publikati... enner.html

Tatsache ist leider, dass bei häuslicher Gewalt die Männer 90 % der Täter stellen.

in Österreich gibt es leider keine derart detaillierte Kriminalstatistik, aber die Zahlen werden wohl ähnlich sein:

http://www.bmi.bund.de/cln_183/S... S2008.html

derpradler
05.02.2010 10:09
Wie dumm

darf in Österreich eigentlich eine Ministerin sein, bis es der Bevölkerung zu viel wird?!

Dazu folgendes:
05.02.2010 21:29

Ich glaub die testen das gerade aus!

Marlon62
05.02.2010 14:35
Hmmm,

gemessen an den beiden Mitzis (Masken-Waffen-Mitzi, Schotter-Mitzi) dürfte es nach oben keine Grenze geben.

frune
05.02.2010 09:23
Frau Heinische Hosek!

Sie sollten besser nachdenken, bevor Sie solche emotional geschwängerten Forderungen nach höheren Strafrahmen, erschwerenden Umständen, wenn es gegen "Schwächere" geht usw. von sich geben!

Das Strafrecht bietet vielfältigste Möglichkeiten um das Strafmass angemessen anzusetzen. Dass der Fall mit dem religiösen Fanatiker ein übler Fehltritt war, bestreitet niemand, aber deshalb gleich "religiöse Gewalt" als allg. Erschwernisgrund festlegen zu wollen, ist billiger Populismus nach FPÖ-Format. Law and Order Politik hat noch nie die Kriminalität gesenkt, sondern stillt nur das Rachebedürfnis der Masse.

Bsp.: Ich erkläre einem Messbesucher, dass sein Gott eine "schw*le S**" sei, der haut mir eine rein und kriegt dafür 10 Jahre, weil rel. Motiv?

Lapislazuli
07.02.2010 17:54
Artikel lesen !

Das mit der "religösen" Gewalt ist ganz allein auf dem (schwarzen) Mist der Justizministerin gewachsen, H-H lehnt das mit gutem Grund ab. Dass ihr eigener Vorschlag genauso entbehrlich ist (Gewalt gegen Stärkere führt den Täter eher ins Krankenhaus als zu einem Gerichtsverfahren ...), weil Erschwerungsgründe im Strafgesetzbuch sowieso nicht abschließend aufgezählt sind, ist eine andere Sache.

schafmeister
05.02.2010 07:11

Ohne Korrektur durch Strafrechtslehrer Fuchs müßte man über das, was Politiker an Sprechblasen von sich geben, verzweifeln.

normal citizen
05.02.2010 07:00
Sehr guter Vorschlag

emil grom
05.02.2010 05:50
zu über 90% Frauen und Kinder betroffen?

ich gehe davon aus, dass die frau minister nicht wissentlich die unwahrheit sagt. das dürfte wie in anderen zusammenhängen auch ihr gefühlter wissensstand sein!

kurz zu den emp. fakten: gewalt in der familie ist tendenziell eher weiblich; gewalt an kindern, an älteren familienmitgliedern und der eigene mann kommt auch dran. gewalt zwischen mann:frau 50:50.
untersuchungen legen nahe, dass bei gewalt zw. mann, frau beide häufig ihren eskalierenden anteil haben.
deswegen sind alle einseitigen zuweisungen als therapieansatz schon falsch, weil man ja immer frau als opferin draussenlässt, obwohl sie genauso die gewaltschraube höherdreht. im übrigen schlagen die damen auch männer etc.
aber heiho will die männer einseifen, dass ist ihr ziel.

A.B. Artig
 
18.02.2010 18:22

Sie verbreoten nachweislichw LÜGEN

Statistiken der deutschen kinderschutzzentren und des ministeriums für Gesundheit sowie Inneres haben deutliche Zahlen, und zwar bis zu 90% der Gewalt.

Nachdem beide nicht unbedingt in linkslinker Frauenhand sind, sollten Sie sich mit unliebdamen Fakten besser anfreunden, als sich hier öffentlich zum Narren zu machen.

Johannes St.
 
16.02.2010 21:19
Ihr Wissen stammt wohl vom Genderwahnsinnvaterverbot

und maximal von dubiosen Studien ohne detailliertes Anführen wer da überhaupt befragt wurde.

Mit den richtigen Fragen an ausgewählte Personen schaffe ich jedes gewünschte Ergebnis zu bringen.

Gusti Rentner
 
06.02.2010 15:02
Ist -leider- durchaus so.


Die Schwächsten sind immer noch die Kinder, solang im unmündigen Alter.

A.B. Artig
 
19.02.2010 22:12

Ah ja, das ist so? Wo sind denn ernst zu nehmende Quellen dafür? Polizei und Kinderschutzzentren haben eine leicht anders lautende Statistik.

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