Denkmalschutz-Skandal

Hollein-Trafikportal abgerissen

5. Februar 2010, 10:12
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    foto: apa/georg hochmuth

    Die Tabakblatt-Messingskulptur ist mit der Flex zerstört

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    Eine Mitarbeiterin des Denkmalamts hat zufällig entdeckt, dass die Anlage beim Stephansplatz demontiert wird

Geschäft beim Stephansplatz sollte demnächst unter Schutz gestellt werden - Die Austria Tabak will davon nichts gewusst haben

Wien - Hans Holleins Trafikportal beim Wiener Stephansplatz sollte eigentlich bald unter Denkmalschutz gestellt werden. Die Austria Tabak wollte dem Vorhaben anscheinend zuvorkommen und hat zu Wochenbeginn das Portal zur Sicherheit abreißen lassen. Ein Vorgehen, das sowohl Denkmalamt als auch den Architekten selbst schockiert.

Der Verlust sei tragisch, schließlich handelte es sich "um eines der schönsten Geschäftsportale", erklärte der Landeskonservator Friedrich Dahm. Es habe im Vorjahr Gespräche zwischen Denkmalamt und Austria Tabak gegeben, berichtete Dahm: "Dort wurde von uns klar signalisiert, dass von unserer eine Unterschutzstellung veranlasst wird."

Abriss zufällig entdeckt

Eine Mitarbeiterin des Denkmalamts hat dann zufällig entdeckt, dass mit der Demontage der Anlage begonnen wurde. Daraufhin habe man noch am Montag einen Mandatsbescheid erlassen, durch den der Denkmalschutz sofort in Kraft tritt und das eigentliche Ermittlungsverfahren nachgelagert ist. "Seit Montagmittag stand das Objekt also unter Denkmalschutz, doch die Abrißarbeiten gingen weiter", ärgerte sich Dahm.

Das Denkmal  habe schließlich über die Bezirksverwaltungsbehörde zweimal einen Baustopp beantragen müssen, bis die Arbeiten endlich gestoppt wurden. "Das erlebt man sehr selten", zeigte sich Dahm fassungslos.

Messing-Tabakblatt mit der Flex zerstört

Die Tabakblatt-Messingskulptur war dann mit der Flex zerstört. Man habe nun einen Wiederherstellungsauftrag gestellt, wonach die Anlage wieder komplett rekonstruiert werden müsste. "Das ist ein Skandal sondergleichen", empörte sich auch Planungsstadtrat Rudolf Schicker. "Ich verlange die sofortige Wiederherstellung der Portalfassade."

Austria Tabak überrascht

Die Austria Tabak zeigt sich von der harschen Kritik des Denkmalamtes überrascht. Es habe sich beim Beginn der Abrissarbeiten keineswegs um eine Nacht- und Nebelaktion gehandelt. Man sei gar nicht auf die Idee gekommen, dass geplant sein könnte, die Anlage unter Schutz zu stellen, zumal diese erst 1992 errichtet worden sei, unterstrich eine Sprecherin. Das Unternehmen wolle eine modernes und zeitgemäßes Geschäftslokal errichten. Dieser Wunsch sei an die Austria Tabak vom Mieter, dem Kriegsopfer- und Behindertenverband, herangetragen worden. Nicht zuletzt gehe es um eine behindertengerechte Adaptierung des 25 Quadratmeter großen Lokals, für das man 200.000 Euro Investitionsvolumen aufbringen wolle. Man plane seit Monaten die Arbeiten, ohne dass einem je ein Bescheid des Denkmalschutzamtes vorgelegen worden sei. 

Fassade aus Sicherheitsgründen ganz abgetragen

Ebenfalls nicht gelten ließ man den Vorwurf von Landeskonservator Friedrich Dahm, man habe trotz verhängten Baustopps die Demontage fortgesetzt. Die Austria Tabak habe sofort nach Vorlage des Bescheides veranlasst, die Arbeiten einzustellen. Allerdings sei zu diesem Zeitpunkt die Fassade bereits mehrheitlich entfernt gewesen. "Und um dem Sicherheitsaspekt Rechnung zu tragen, war es notwendig, die restliche Fassade auch abzutragen", so die Sprecherin und verwies auf die prominente Lage des Geschäfts.

Man sei natürlich gesprächsbereit: "Es ist aber im Interesse aller, die Baustelle so schnell wie möglich abzuschließen." Für die Austria Tabak stehe jedenfalls die Aufwertung des Geschäftslokal im Vordergrund.

Enttäuscht zeigte sich Hollein. Es sei wichtig, gewisse Ladenlokaltypen zu belassen, umso die einzelnen Epochen ablesen zu können. Das Geschäft sei mehr als zeitgemäß, erklärte Hans Hollein. Die Wiederherstellung der abgetragenen Fassade könne von seiner Seite aus jedoch sofort veranlasst werden: "Es gibt noch die Gussform des Tabakblattes."  (APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 91
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m+m
00
10.2.2010, 15:47
die bauten vom hollein haben eine kurze lebensdauer

was steht eigentlich noch von seinen bauten?

ken_park
35
spö ist lächerlich

die jugendstil kandelaber am naschmarkt verschrotten lassen, aber sich zur hüterin des tabakblattls aufschwingen..

Schnurz Homunculus
49
Ein Hollein-Abriss muss immer sehr schnell gehen, denn ...

...er hat einfach zu viele rote Freunde, die ihm liebdienen wollen. Ich erinnere nur an den Über-Nacht-Abriss der Verkehrsbüroausstattung (goldene Palmen) im Heinrichshof.

Hollein wird wahnsinnig überschätzt: Das Flugdach bei der Albertina ist doch z.B. eher würdig, auf einem der Prunkbetonbauten von Ceaucescu in Bukarest seinem Ende zuzuwarten als an einem so prominenten Platz in Wien. Wäre der sog. Stararchitekt doch bei seinen kleinen Fassaden (Retti am Kohlmarkt) geblieben und hätte er Wien doch nie mit dem Möchtegernkaufhaus (Nachfolger des Haas-Hauses) verschandelt!

MyFavoriteThings
01
16.2.2010, 12:41
Ja, die Albertina mit Flugdach und Bullaugen hat er verschandelt,

mit der Beihilfe des Denkamalamtes!

weiter4
00
11.2.2010, 19:16
Alles liegt im Auge des Betrachters. Fuer mich ist das Haas-Haus das genialste moderne Gebäute in der Innenstadt, zumal es nicht auf Kosten der Altbausubstanz ging

(das von Ihnen erwähnte Vorgänger-Haus war ein ein zugegeben besserer, aber dennoch recht fader, grauer Nachkriegsbau). Ein paar solche moderne Gebäude auf Kosten der Nachkriegesbauten wuerden Wien meines Erachtens nicht schaden, mindestens so wichtig wäre jedoch die Rekonstruktion der originalen Fassaden noch bestehender, jedoch "modernisierter" (sprich ruinierter) Altbauten, wie die beiden am Graben ans Haas-Haus angrenzenden Gebäude.

Bodypainter
02
denkmalschutz als todesurteil

tja, wie wird es wohl abgelaufen sein? "es sollte unter denkmalschutz gestellt werden" hat wohl den besitzern etwas angstgemacht. und bevor etwas unter denkmalschutz gestellt werden soll, reisst man es lieber noch schnell ab damit man sich nicht mit denkmalschutz "quälen" muss. das beispiel zeigt, wie denkmalschutz genau das gegenteil erreicht, und er zum todesurteil des objektes wird. in zukunft sollte der denkmalschutz in wien also eher geheimer arbeiten und erst dann rausrücken, wenn es spruchreif ist. das ganze ist jedenfalls ein trauriger fall, der ja ähnlich auch bei der stadt des kindes so abgelaufen ist (die ist nämlich inzwischen zu 80% weggerissen!)

LieblingWien
26
Managerdenken?!

Die mutwillige Zerstörung der Trafik kommt mir irgendwie so vor, als wenn jemand einen Picasso auf den Müll wirft, um für einen NoName Platz zu machen. Solchen Geschäftsleuten dieses japanischen Eigentümer-Konzerns ist echt nicht mehr zu helfen. Immerhin ist Hollein Pritzker-Preisträger und einer der weltweiten Hauptproponenten der Postmoderne (egal wie man zur Postmoderne steht). Das ganze Blatt - ein Kunstwerk an sich - hätte man zudem teuer verkaufen können. Und die lassen es mit der Flex vernichten. Echt genial!

m kubik
04
Ach, das Ganze ist doch...

...eine Kunstaktion:
"Die Demontage der Postmoderne", 2010
Flex auf Messing/Performance

Detail am Rande: Die Mitarbeiterin des Denkmalamtes traf sich zufällig mit Schlingensief auf einen Kaffee am Stephansplatz

Fillet of Soul
00

´flex auf messing´ ist schenial!

parapente
11
Darf ich, bitte, mit meinem Klumpert

machen was ICH will?

ubu roi
01

wenn dein klumpert als kulturelles oder architektonisches erbe gilt, dann nicht - dann "gehört" es dir nämlich nicht allein, und das ist gut so.

Jane Lane
 
01
Mit Ihrem KLUMPERT, ja.

parapente
00
Und wie lange soll ich warten,


bis vom Bundesdenkmalamt ein Entscheid kommt (den ich ja wiederum beeinspruchen kann) ??
10 Jahre, 20 Jahre ??
Bis zum rechtskräftigen Bescheid kann ich mit meinem Eigentum machen wie es mir gefällt.

Mirabeau
47
Na wenn der Hollein noch die Gussformen hat,

dann kann er sie ja dem Architekturzentrum vermachen.
Und wenn in 50 Jahren tatsächlich noch irgend ein Hahn nach Hollein kräht, was mich im Übrigen sehr wundern würde, kann man die Formen immer noch hervorzaubern und den Kitsch nachgießen.

Nicht jeder aufgeblasene Architekt ist ein Künstler. Manche haben bloß ausgezeichnete Kontakte zur Politik.

Fred der Prophet
25

Lächerlich!
Das Otto Wagner Spital wird an die Gesiba verhökert und wegen der popligen Trafik macht sich der Herr Schicker ins Hemd und redet von "architetonischem Kannibalismus". Aber Denkmalzerstörung ist halt ein Beamtenprivileg.

Fred der Prophet
25

Wahrscheinlich ist da jetzt, anders als beim Soraviawing, niemand geschmiert worden, drum die Aufregung.

tommy vie
35
Denkmalschutz?

war doch eh der pure Kitsch. Was kommt als nächstes, Denkmalschutz für die Punschhütten.

cockpuncher
01

oder fürs orf zentrum?

Scholem Alejchem
 
142
Ich finde, man sollte im ersten Bezirk

alle Häuser welche älter als 50 Jahre sind, inkl. Kirchen, einfach wegreissen und die in der Donaustadt geplanten Hochhäuser hinbauen. Da würde aus Wien endlich eine moderne City werden und nicht so ein denkmalgeschützes Stenzl-Dorf.

Brücke
01

wenns städte , nicht älter als Bj. 1945 sehen wollen ,fahrns nach deutschland .

Ich bin froh mit der stadt wien einen ort mit weit zurückreichender architektur und reichhaltiger kultur zu haben .

über einzelne objekte und die mentalität des denkmalschutzes läßt sich natürlich gut streiten .

citykid
111

volle zustimmung. das barockklump kannn imho auch stark reduziert werden. nur weil einmal ein paar habsburger meinten ein antikes minimundus bauen zu müssen (=die ringstrasse) muss ma diesem einfallslosen stil net nachtrauern.

das haas haus gefällt mir nicht, das tabakblatt find ich allerdings ganz nett

weiter4
01
11.2.2010, 19:25
welch Glueck, dass Ihr Wunsch fruehestens beim Weltuntergang Realität werden wird.

Ich empfehle Ihnen wärmstens Städte wie Krefeld, Gelsenkirchen, Hannover, Koeln, Rotterdam, Frankfurt, vielleicht auch Brasilia. Wird Ihnen besser gefallen als Wien. Ihre Meinung zeugt von architektonischem Unwissen und tiefster 60er-Jahre-Verschandelungsmentalität, als man an der Wiedner Hauptstrasse das Matzleinsdorfer Ortszentrum samt Kirche wgsprengte, um den Autos platz zu machen. Das Ergebnis ist heute zu bewundern.

Klinge Ling
06

die frage ist auch, wo der denkmal und ensembleschutz war, als mitten in der schuttzone im 1. bezirk das Gisela-Versicherungshaus abgerissen wurde?

http://derstandard.at/3000443/A... kaGroup=30

weilsnichtegalist
11
postings - ein pool der unwahrheiten

rastl und klinge ling - wieder nur halbwahrheiten. die liegenschaft, auf der das haus aus den 50'ern stand, das ohne des zutuns der genannten planer abgebrochen wurde war nie eine option der opec. die form und das aussehen des neuen gebäudes der opec wurde durch fachleute aus dem bereich der denkmalpflege vorgegeben - und nicht vom genannten planer, herrn hayde - der übrigens kein mirglied der ma 19 ist und bei eigenen projekten seine funktion im beirat ruhen lässt.
das grundstück, auf dem heute das haus der opec steht gehörte übrigens nie dem ögb - das märchen von den mauschelnden genossen - wie rastl das vermutet ist schlecht erfunden.
zuerst denken oder recherchieren, dann schreiben - wie wär's?

Rastl
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Roter ÖGB im roten Wien

Muss ich mehr sagen? Ein Gebäude, dass man kaum umbauen und schon gar nicht abreissen kann, ist für Investoren uninteressant.
Ein leeres Grundstück in bester Innenstadtlage aber ist pures Gold wert. Und als der ÖGB das meiste Familiensilber verscherbeln mußte, hat man sich unter (Partei)Freunden halt wiedermal unter die Arme gegriffen.

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