Projekt "Mri Historija"

"Es nicht zu verschweigen ist das Wichtigste"

Colette M. Schmidt , 3. Februar 2010, 22:15

15 Roma aus dem Burgenland erzählen 80 Jahre Leben

Oberwart (Erba) - "Wenn es noch ein Jahr gedauert hätte, wäre von uns keiner mehr auf der Welt", sagt der 1931 geborene Adolf P. Er war als Bub eingeschlafen, während seine Mutter Kränze für Allerheiligen im Dorf verkaufte. Da haben Soldaten ihn und andere Kinder geholt: "Sie haben uns auf ein Auto geschmissen, geschlagen wurden wir auch. Dann haben sie uns nach Lackenbach (Arbeitslager; Anm.) gebracht". Andere kamen nach Auschwitz-Birkenau, Ravensbrück oder Bergen-Belsen. Die Geschichten der zwei Frauen und 13 Männer, die im Projekt Mri Historija erzählen, sind erschütternd. Auch jene der "Nachgeborenen", die lange unter Diskriminierungen leiden mussten.

Der heute 66-jährige Josef H. schrieb sogar Bruno Kreisky, um einen Gewerbeschein zu erhalten, den ihm die Behörde verweigern wollte. Er betont: "Es nicht zu verschweigen ist das Wichtigste." Der Verein Roma Service führte die Interviews mit den zwischen 1923 und 1955 geborenen Roma. Nun erschien die vom ORF produzierte DVD, die Schulen für den Unterricht ab der achten Schulstufe bestellen können.

Initiator des Projekts war Emmerich Gärtner-Horvath vom Roma Service, dem das Schicksal seiner drei ermordeten älteren Geschwister keine Ruhe ließ. Von den Interviewten habe er "deutlichere Antworten bekommen" als von den Eltern: "Sie wollten uns ohne Hass aufwachsen lassen." (Colette M. Schmidt, DER STANDARD Printausgabe 4.2.2010)

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