Zivildienst: Keine Gewissensfrage?

Pro: Ein Bekenntnis auf Befehl

03. Februar 2010 19:39

Die Gewissensklausel gehört entrümpelt - noch dazu, wo mittlerweile ein ehemaliger Zivi als Minister das Heer herumkommandiert

Das braucht im dritten Jahrtausend keinem Burschen mehr aufs Gewissen zu drücken: Dass er lieber bei einer Blaulichtorganisation Kranken hilft, anstatt auf einem Truppenübungsplatz möglichst punktgenau auf Pappkameraden zu zielen. Oder dass er mehr Sinn darin sieht, in einem Seniorenheim alte Menschen zu betreuen, anstatt in Burgenlands Pampa Jagd auf das knappe Dutzend illegaler Einwanderer zu machen, das sich dort jährlich über die Grenze wagt.

Doch bis heute müssen Zivildiener in spe bei ihrer Stellung so tun, als ob sie beim bloßen Anblick eines Schießgewehrs in Konflikt mit ihren moralischen Werten kämen. Und so unterschreiben diese jungen Männer dort allesamt auf Befehl, dass sie den Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnen. Mit Verlaub, aber wozu presst man ihnen ein solches Bekenntnis ab?

Die Realität sieht doch längst anders aus: Die meisten Jungspunde haben einfach keinen Bock auf Kasernenton, Gulaschkanone, irgendwelche Manöver unter freiem Himmel. Nehmen dafür neun Monate Dienst am Staat in Zivil statt ein halbes Jahr in Uniform in Kauf.

Dass sie dafür eineinhalb Jahrzehnte lang keine Waffe anrühren, schon gar nicht zur Exekutive dürfen, gemahnt an einen Ehrenkodex aus dem Mittelalter. Die Gewissensklausel gehört entrümpelt - noch dazu, wo mittlerweile ein ehemaliger Zivi als Minister das Heer herumkommandiert. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2010)

 

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dizzkutant
07.02.2010 09:02
warum nicht gleich das öbh abschaffen...

...denn dann hätten wir diese probleme nicht. doch halt: den zivildienst (wehrersatzdienst) gibt es ja nur deshalb, weil es die allgemeine wehrpflicht gibt. und wenn die abgeschafft wird, dann wäre es kein aufreger, da wir ja in einer heilen welt leben. vielmehr würde es unser sozialsystem treffen, das ohne (männliche!) gratis-sozialdienste nicht mehr denkbar ist. frage: was also tun? antwort: verpflichteten sozialdienst für männlein und weiblein (denn nur die einberufung von burschen ist auch nicht mehr zeitgemäß) plus eine leistungsstarke berufsarmee. ja, ja, letzteres freut natürlich jene, die in der heilen welt leben, nicht...

Anyuser
 
04.02.2010 15:56
"..keinen Bock .."

GENAU, Frau Weißensteiner

Aber ob die null-Bock einstellung so förderungswürdig ist (waffenfordernde Zivis) sei dahingestellt.

MarioV
08.02.2010 14:34

Solange Frauen nicht müssen, haben Männer keinerlei moralische Verpflichtung.

Zenon
10.02.2010 06:52

Zum Zivildienst hat man aber genausowenig moralische Verpflichtung.

systemfehler1
04.02.2010 15:50
Genau.

"Entrümpeln" wir die Gewissaensklausel ebenso wie den politischen Anstand(Schüssel war Vorreiter) und unser Geschichtsbild.
Wozu den auch nachdenken über Geschichte - und warum die Dinge sind, wie sie sind.
Dollfuß, KZs, , Nazis und die paar lächerlichen Konflikte, von Pessimisten schnöd Weltkriege genannt.

Wozu darüber nachdenken.

"Des woa amoi!"

Na bumm.

Isß vorbeiKriege

Calimero22
04.02.2010 14:12

hihi, die haben bei der stellung damals schön blöd geschaut, als ich auf die frage, welche einheit ich bevorzugen würde, geantwortet habe, ich wolle zivildienst machen. gut, daß dann auch noch die unnötige kommission abgeschafft wurde.

Heitere Hyperinflation, gepflegter Staatsbankrott
 
04.02.2010 13:09
Brauchen wir überhaupt noch eine allgemeine Wehrpflicht?

Krieg in Europa ist heute nicht zu erwarten und auch in absehbarer Zukunft kein Thema. Die stehenden Großheere werden daher obsolet, sieht man einmal von der Katastrophenhilfe ab.
Für die heutigen und zukünftigen Sicherheitsbedrohungen braucht es vor allem Spezialisten. Ein Berufsheer für Österreich mit einem hochspezialisierten Kern, der alle Stücke spielt, ergänzt um eine echte Freiwilligen-Miliz, wäre eine Lösung.

okami
16.02.2010 15:47
Krieg in Europa ist heute nicht zu erwarten und auch in absehbarer Zukunft kein Thema.

Ihr Wort in Gottes Ohr!
Wie man so sagt in einem katholischen Land.

Ich sehe es leider nicht ganz so optimistisch.

pinky21
04.02.2010 13:01

nur weil ein inkompetener politiker minister für landesverteidigung wird, heißt das noch lange nichts.....

bei uns wird ein bauer auch finanzminister. heißt dass jetzt alle bauern dürfen damit automatisch steuerberater werden?

systemfehler1
04.02.2010 15:51
Darabos ist das Beste, dass dem Heer passieren konnte.

Sagen hinter der Hand zumindest fast alle Offiziere - ausser die dem schwarzen Offiziersclub angehörenden.

Boobbi Starrr
04.02.2010 17:00
* herzhaft lach *

schon lange nicht mehr so ein schwachsinniges und lustiges postig gelesen...danke !

Jambala Magdalena
04.02.2010 12:05

Es geht ja nicht nur darum, den Umgang mit Waffen zu lernen. Es geht auch darum, im Falle von Naturkatastrophen oder bei Unfällen mit Atomkraftwerken usw. Hilfe zu leisten, bzw. zu wissen, was zu tun ist. So gesehen, könnt ich mir vorstellen, dass alle Bürger( also auch Frauen) für ein paar Monate oder Wochen einrücken und geschult werden.

Mucosaprolaps
04.02.2010 13:05

Du meinst verpflichtende Zivilschutzübungen wie damals in den 1950ern? "Duck and Cover" ... LOL

inscheniör
04.02.2010 12:54

Also in meinen 6 Monaten wurde das (richtige) Verhalten bei Katastrophen (egal ob Hochwasser oder Super-GAU) nicht ein einziges mal auch nur erwähnt! Dafür wurde uns erklärt, wo man am Besten hinschießt, wenn man einen umbringen will ("obwohl man das im Krieg ja eigentlich gar nicht darf...")

okami
04.02.2010 11:26
Bitte schön nicht ganz so simpel!

Hinterfragen ist schon in Ordnung, aber bitte etwas gesamthafter:
- es gibt eine Wehrpflicht für Männer
- um die nicht abzuleisten gibt es den Zivildienst
- die Gewissensbegründung mag konstruiert sein, aber sie stellt etwas anderes dar, als 'ich habe keine Lust' was der WehrPFLICHT widerspräche
- dass man dan nicht zur bewaffneten Polizei geht halte ich für selbstverständlich.
- die freie Wahl ist nicht eingeschränkt, denn die hat bei der Wahl für Wehr- oder Zivildienst
- die Frage der persönlichen Selbstverteidigung ist ja nicht Teil der Gewissensfrage, also sollte der private Waffenbesitz davon nicht berührt werden, was aber niemanden kümmert (weil privater Waffenbesitz ohnehin an der Grenze der political correctness ist)

miles6
04.02.2010 14:25
OK! Drehen wir es einmal um

Das System "untergräbt" die mil. Landesverteidigung im schweizer Stil seit den 50-ern. Kreiskys Dogma, wonach die UNO-City AUT besser vor der UdSSR schützen kann, als eine Centurion-FAN in den Wienerwaldeingängen hat sich rückblickend betrachtet als richtig erwiesen. Wäre es anders gekommen, säßen wir nicht hier!! Die WehrPFLICHT dient nurmehr der Nebenwirkung für den Wehrersatzdienst! Der GWD wird weder adäquat ausgebildet, noch in einer Reservistenorganisation weiterverwendet. Er dient einzig und alleine der Werbemöglichkeit für KIOP/KPE und angehenden Kader! Warum bestraft man also all jene, welche diese Möglichkeiten ablehnen und daher - logisch - den Ersatzdienst wählen!? Das öBH ist ein Instrument des Außenministeriums geworden!!!

Zenon
10.02.2010 07:01

Sie haben Recht, bloß kann man da nichts machen. Ohne Wehrpflicht kein Zivildienst.

float
04.02.2010 11:16
Die Realität sieht doch längst anders aus:

"Die meisten Jungspunde haben einfach keinen Bock auf Kasernenton, Gulaschkanone, irgendwelche Manöver unter freiem Himmel. Nehmen dafür neun Monate Dienst am Staat in Zivil statt ein halbes Jahr in Uniform in Kauf." Das schliesst aber nicht aus, dass auch viele von ihnen die Gewissensfrage ehrlich beantworten. Woher haben Sie Ihre Zahlen, die Sie zu solchen Aussagen bringen? Als ehemaliger Zivildiener verwehre ich mich dagegen, dass Zivis hier Pauschal als Drueckeberger abgestempelt werden.

weg
04.02.2010 14:45
Drueckeberger

In dem Artikel steht weiter "Nehmen dafür neun Monate Dienst am Staat in Zivil statt ein halbes Jahr in Uniform in Kauf." Ich hatte beim Lesen eher das Gefuehl, dass die Grundwehrdiener die Drueckeberger sind.

Kinder Sitz
04.02.2010 08:59
Realität

"Die Realität sieht doch längst anders aus: Die meisten Jungspunde haben einfach keinen Bock auf Kasernenton,"
Da hat sich aber nicht viel geändert im Vergleich zu früher. Die Weigerung, der Wehrpflicht nachzukommen und stattdessen einen Ersatzdienst zu leisten, war - und das weiss ich aus unzähligen Bekenntnissen, wie man die Kommission ausgetrickst hat - immer schon mehr aus gewissen Gründen denn aus Gewissengründen motiviert.
"Entrümpelung" wie hier gefordert und komplett freie Wahl des Dienstes käme einer Abschaffung der WehrPFLICHT gleich. Das mag durchaus sinnvoll sein. Die Begründung aber, dass mittlerweile eh schon keiner mehr Lust auf Heer hat, kann so nicht dafür stehenbleiben.

Shanajio
04.02.2010 08:58
Scheinheiliges Kommentar

Entweder wollen wir die Wehrpflicht oder nicht. Darüber sollte man sich einigen. Gebraucht wird sie wahrscheinlich aus strategischer Sicht auch nicht.

Aber sagen, wir haben zwar eine WehrPFLICHT, aber die Leute können es sich aussuchen ob sie hingegen ist einfach nur scheinheilig.

Aber was will man in unserem scheinheiligen Österreich schon anderes erwarten.

benutzernamenvergesser
04.02.2010 12:26
Entweder wollen wir die Wehrpflicht oder nicht

oder nicht!

Shanajio
05.02.2010 10:37

Passt. Berufsheer einführen, etc, etc.

benutzernamenvergesser
05.02.2010 10:49
Passt...

...bin dafür.

Wann geht's los?

maboco
04.02.2010 08:13

Na wenn eh die meisten nicht aus Gewissensgründen den Wehrdienst ablehnen, dann schaffen wir doch sofort den Ersatzdienst ab.

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