Die Gewissensklausel gehört entrümpelt - noch dazu, wo mittlerweile ein ehemaliger Zivi als Minister das Heer herumkommandiert
Das braucht im dritten Jahrtausend keinem Burschen mehr aufs Gewissen zu drücken: Dass er lieber bei einer Blaulichtorganisation Kranken hilft, anstatt auf einem Truppenübungsplatz möglichst punktgenau auf Pappkameraden zu zielen. Oder dass er mehr Sinn darin sieht, in einem Seniorenheim alte Menschen zu betreuen, anstatt in Burgenlands Pampa Jagd auf das knappe Dutzend illegaler Einwanderer zu machen, das sich dort jährlich über die Grenze wagt.
Doch bis heute müssen Zivildiener in spe bei ihrer Stellung so tun, als ob sie beim bloßen Anblick eines Schießgewehrs in Konflikt mit ihren moralischen Werten kämen. Und so unterschreiben diese jungen Männer dort allesamt auf Befehl, dass sie den Wehrdienst aus Gewissensgründen ablehnen. Mit Verlaub, aber wozu presst man ihnen ein solches Bekenntnis ab?
Die Realität sieht doch längst anders aus: Die meisten Jungspunde haben einfach keinen Bock auf Kasernenton, Gulaschkanone, irgendwelche Manöver unter freiem Himmel. Nehmen dafür neun Monate Dienst am Staat in Zivil statt ein halbes Jahr in Uniform in Kauf.
Dass sie dafür eineinhalb Jahrzehnte lang keine Waffe anrühren, schon gar nicht zur Exekutive dürfen, gemahnt an einen Ehrenkodex aus dem Mittelalter. Die Gewissensklausel gehört entrümpelt - noch dazu, wo mittlerweile ein ehemaliger Zivi als Minister das Heer herumkommandiert. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2010)