Die Osterfestspiele werden auch in Hinkunft strukturell an die Sommerfestspiele gebunden bleiben
Betrachtet man die Struktur des Salzburger Osterfestspiele und deren Beziehung zu den Sommerfestspielen, sieht man, dass beide, Struktur und Beziehung, auf Dirigent Herbert von Karajan zurückgehen. 1967 hat er das Osterfestival erfunden, um sich mit den Berliner Philharmonikern intensiv der Oper widmen zu können. Und als Herr der Sommerfestspiele sorgte er für Synergien und Kooperationen zwischen den beiden Festivals.
Zwar wurden die Osterfestspiele nach Karajans Tod, 1989, eigenständiger. Allein, auch Karajans österliche Nachfolger als künstlerische Verantwortliche, also die Dirigenten Sir Georg Solti, Claudio Abbado und nun seit Jahren Sir Simon Rattle, kooperierten mit den Sommerfestspielen, die mitunter Produktionen übernahmen (2012 wird es etwa die österliche Carmen im Sommer zu sehen geben). Und: Da die Osterfestspiele nicht über eine Infrastruktur wie die Sommerfestspiele verfügen, gaben und geben sie bei diesen viele Tätigkeiten - etwa die Bühnentechnik - in Auftrag, die die Sommerfestspiele mit ihrem Personal abwickeln. In diesem Bereich ist es offenbar zu jenen Ungereimtheiten gekommen, die zum Jobverlust des Geschäftsführers der Osterfestspiele, Michael Dewitte (er kam 1997 mit Abbado), und des technischen Direktors der Sommerfestspiele, Klaus Kretschmer, geführt haben.
Pikant sind die Vorwürfe gegen Dewitte auch im Lichte der jüngeren Geschichte der Osterfestspiele, an deren GmbH der Salzburger Anwalt Christoph Aigner zwei Prozent hält (98 Prozent liegen ja bei der "Stiftung Herbert von Karajan Osterfestspiele Salzburg", deren geschäftsführende Präsidentin Landeshauptfrau Gabi Burgstaller ist). Dewitte nämlich hatte in den letzten Jahren kaum eine Gelegenheit versäumt, darauf hinzuweisen, dass die Finanzstruktur des Festivals auf Dauer nicht tragbar sei und ein Verbleib der Berliner Philharmoniker nicht sicher. Schließlich: Bei einem Budget von zuletzt etwa sechs Millionen Euro kämen nur zirka sieben Prozent von der öffentlichen Hand. Neun Prozent bringe der österliche Förderverein, dessen Mitgliedern Sitzplätze und Vorkaufsrechte für Zyklen garantiert werden.
Die Reise nach Japan
Des weiteren beklagte Dewitte, dass die Berliner Philharmoniker quasi Geld nach Salzburg transferieren, um hier spielen zu können, und dass sich Sir Simon Rattle mehrere Wochen im Jahr frei nehmen müsse, um etwa in Japan ein Gastspiel der Osterfestspiele zu dirigieren, damit für Salzburg Geld beschafft wird. Tatsächlich kam es ja zuletzt auch zu der ernst gemeinten Drohung der Berliner, nach Baden-Baden abzuwandern, um dort unter besseren Bedingungen ein Osterfestival aufzubauen.
Und es wirkte: Ab 2013 sollen die Salzburger Osterfestspiele organisatorisch und künstlerisch neu formiert werden, und es gibt dann eine Ausfallhaftung (eine Million Euro durch Stadt und Fremdenverkehrsförderungsfonds). Zusätzlich kommt ein namhafter Betrag von Eliette von Karajan. Für die Osterfestspiele wünscht sich die Salzburger Politik indes auch eine andere Preisgestaltung (Karten kosten bis zu 450 Euro), womöglich eine Reduktion von bis zu 30 Prozent. Zudem sollen Generalproben gratis sein und spezielle Angebote für die Jugend ausgearbeitet werden.
Die Ironie: Sollte Dewitte österliches Geld abgezweigt haben, hat er damit jenen Budgetdruck mitverursacht, der den Berlinern das von Baden-Baden unterbreitete Angebot lukrativ erscheinen ließ - und schließlich die Salzburger Politik dazu bewog, das Renommierorchester zu halten. So gesehen, hätte Dewitte indirekt dafür gesorgt, dass die Berliner in Salzburg bleiben. Dafür aber wird ihm wohl niemand danken. Als sein Nachfolger ist Ex-EMI-Classics-Chef Peter Alward im Gespräch. (Ljubisa Tosic / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 4.2.2010)