Lesen in Ahmadi-Nejads Kaffeesud

3. Februar 2010, 18:22

Der Iran hätte durch eine Zustimmung zum Atomdeal fast nur zu gewinnen

Die iranische Position zum Atomdeal - der nichts mit dem prinzipiellen Streit um Irans Urananreicherung zu tun hat - wird, seit der Vorschlag auf dem Tisch liegt (also seit Oktober), vorwiegend von medialen Äußerungen iranischer Politiker abgelesen. Das war, als gestern weltweit vom "Einlenken" Teherans die Rede war, erst einmal nicht anders. Von der Atomenergiebehörde (IAEO) kam folgerichtig keine Reaktion, die USA drückten ihre Vorfreude auf einen Beleg des Sinneswandels aus.

Immerhin war es jedoch diesmal Präsident Mahmud Ahmadi-Nejad selbst, der die "Position" verkündete, und nicht in einer dahingeworfenen Antwort auf eine Journalistenfrage in einer Pressekonferenz, sondern in einer wohl präparierten Fernsehrede. Die Details des neuen iranischen Angebots, wenn es denn eines ist, muss man sich aus seinen Aussagen allerdings zusammensuchen, die iranische Vorstellung, wie der Deal praktisch ausgeführt werden soll, bleibt vage.

Zur Erinnerung, in einer vereinfachten Version: Der IAEO-Vorschlag sieht vor, etwa 75 Prozent des existierenden niedrig angereicherten Urans (LEU) aus dem Iran auszuführen, in Russland und Frankreich weiter anreichern und zu Reaktorbrennstoff (für einen kleinen Forschungsreaktor inTeheran) weiterverarbeiten und diesen Brennstoff wieder in den Iran zurückbringen zu lassen. Der Iran sagte prinzipiell Ja, wollte aber zuerst sein Uran nur in Tranchen und später, in einer Verhärtung nach inneriranischer Kritik am "Ausverkauf iranischer Interessen" , nur bei einem gleichzeitigen "Tausch" auf iranischem Boden hergeben.

Was kann man also aus der Rede ablesen? Einiges spricht dafür, dass Ahmadi-Nejad, der eigentlich immer pro Deal war, nun zum Tranchen-Plan zurückgekehrt ist. Er sprach davon, dass es "vier, fünf Monate" dauern werde, bis der Iran nach der Ablieferung seines LEU den Brennstoff zurückbekäme. Und das würde sich mit der gesamten Quantität auf einmal eher nicht ausgehen.

Ahmadi-Nejads Aussage dürfte auch heißen, dass sich die iranische Führung mit Frankreich als jenem Land abgefunden hat, in dem die Weiterverarbeitung des in Russland auf 20 Prozent angereicherten Urans zu Brennstoff stattfindet. Aus technischen Gründen gibt es dafür fast keine anderen Länder, die infrage kommen - aber Paris war Teheran ein Dorn im Auge, hatte es zuletzt doch rigidere Positionen im Atomstreit bezogen als selbst Washington.

Die - von linken und rechten inneriranischen Kritikern angeführte - Möglichkeit, dass der Iran unter Umständen sein Uran hergeben und nichts zurückbekommen könnte, sprach Ahmadi-Nejad in seiner Rede selbst an. Er macht die Sache quasi zum Testfall für die Vertragstreue der internationalen Gemeinschaft. Das ist ein Hinweis darauf, dass er es ernst meint - aber auch, dass er von der Tranchen-Lösung spricht. Denn das ganze iranische Uran könnte er wohl nicht so nonchalant aufs Spiel setzen.

Wie gesagt, nichts ist fix - klarer sind da schon die Beweggründe: Der Druck der existierenden und vielleicht noch kommenden Sanktionen wächst. Und die Welt schaut gebannt darauf, was das iranische Regime seinen Oppositionellen antut. Teheran kann eine Ablenkung gut gebrauchen, verbunden mit einem enormen politischen Gewinn: ein nuklearer Deal, der de facto das Uran-Anreicherungsverbot des Uno-Sicherheitsrats untergräbt. (Gudrun Harrer/DER STANDARD, Printausgabe, 4.2.2010)

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13 Postings
tablespace65
01
Wer's glaubt, wird selig...

Ist es inzwischen nicht fast schon ein wenig lächerlich, sich über den x-ten "Einlenkversuch" der Iraner zu freuen und ihn als die mögliche große Wende zum Positiven "uminterpretieren" zu wollen?

Erwin Wolfram
00

spieltheorie

sie werden erschossen, oder sie erschiessen sich selbst. was werden sie waehlen. in jedem fall werden wir ihnen die rechnung zustellen. so verhaelt sich der westen zum iran. ich finde das nicht richtig, aber sie sind ja so stolz auf kapitale fehler in der aussenpolitik, wenn nur ihre aktien steigen.

d_parker
13
Mahmud Knuddelbär setzt überhaupt nichts nonchalant aufs Spiel. Ist der Ruf erst mal ruiniert, spielt sich das "Ja. - Nein. - Ja, vielleicht,wenn..."-Spielchen mit dem Westen doch gleich noch mal so gut.

"That is why Iran can consider this a significant victory: The Vienna agreement has it conceding little in exchange for significant international concessions. Why, then, would it reject such an advantageous deal?

Iran is not interested in solving the nuclear impasse - it is merely seeking to gain its scientists time while shifting the West's red lines."

http://www.haaretz.com/hasen/spa... 26308.html

Schnapphahn
12
Wer weis schon,

was im Kopf des sogenannten "iranischen Präsidenten" so vorgeht.
Mit Vernunft hat das schon lange nichts mehr zu tun.
Ich denke, der ist zu allem fähig (Wie zum Beispiel der Mord an oppositionellen Landsleuten zeigt) um an der Macht zu bleiben. Der Westen liefert dazu nur das passende Feindbild.
Ich will nur hoffen, das es das iranische Volk bald schafft dieses Terrorregime loszuwerden. Der Westen wäre gut beraten, wenn er sich dabei heraushalten würde.

byron sully
00
seltsame interpretation,

für mich ist es doch eindeutig, daß ahmadinejad durch die inneniranische opposition immer stärker unter druck gerät und ihm die felle davonschwimmen. deswegen will er sich als präsident mit der ausgestreckten hand beweisen.

DieBo
153
Ist es eigentlich noch nicht klar geworden? Der Westen WILL Krieg. Alles was hier erzählt wird ist hoffnungsloser sinnloser Stuss.

Ava Tar
21
Er wird auf jeden Fall vorbereitet

Die Waffenindustrie ist eine der letzten volkswirtschaftlichen Stützen der USA, und irgendwie müssen deren Produkte ja auch verbraucht werden - anderenfalls lahmt die Nachbestellung

Eisenhower hat davor gewarnt, Kennedy hat davor gewarnt. Ab Lyndon B. Johnson und Nixon waren die Verhältnisse nicht mehr rückgängig zu machen.

Während der Fahrt aussteigen verboten.

Saddams Onkel
 
22
Ja, ja, der Westen will Krieg, natürlich, und was wollen eigentlich Sie?????

Ich glaube Sie wollen, dass Typen wie Ahmadinejad an der Macht bleiben. Sie wollen, dass die Mullahs im Iran weiter regieren, auch noch in Generationen. Sie wünschen sich sicher auch den Saddam Hussein zurück, nicht?

Früher sagte man zu sowas: "Wenn es euch dort so gut gefällt, geht doch nach drüben!"

Und ich sage Ihnen: Schreiben Sie doch Ihrem Freund Ahmadinejad lieber die Postings!!!

Hier dessen Website:

http://www.president.ir/en/

Er freut sich sicher!!!

d_parker
22
Sie sehen den Wald vor lauter Atompilzen nicht mehr... SIE sind es der/die hier permanent "Krieg, Krieg, Krieg" kreischt.

Wenn es nicht zur militärischen Option kommt (was ich hoffe), dann muss ja Ihr Weltbild in tausend kleine Splitter zerspringen...

trestigres
 
24
Der "Westen" will Krieg....weil im "Westen" das gleiche gefordert wird wie im Iran selbst?

Denn: wenn wir Freiheit fordern, fordern wir die Muslime zum Selbsthass auf. Und: »Selbsthass erzwingen, das ist faschistisch.« Das heißt: wir müssen die Freiheit aufgeben. Wer sie trotzdem fordert: ist Faschist.

So einfach lautet Ihre Formel und diese ist, oh wie erstaunlich, die gleiche des Wächterrats. Deshalb verurteilen die Richter der Wächter die eigenen Leute zum Tode: Weil sie Freiheit=Faschismus fordern...

und die Apologeten der Wächter brüllen: "Der Westen will Krieg..."

Pinga
32

Ähm, ja sicher... *kopfschüttel*

Clemo
24
Ich nicht

Also ich zähle mich zum Westen, und ich will keinen Krieg.
Ich will den Frieden, wo er schon besteht, erhalten, ihn dorthin, wo er nicht ist, bringen und für die Zukunft die Wahrscheinlichkeit für neue Konflikte gering halten. Gerade wegen letzterem ist der Iran nicht gerade unwesentlich.
Ich glaube, dass viele im Westen betreffend Frieden so denken. Im Nahen Osten leider nicht so viele, aber durchaus einige.

Noitulover
34
Nur zu Schade, dass ihre Meinung und die vieler anderer im Westen niemanden und vor allem nicht die Westlichen Politiker, interessiert.

Oder hatten sie etwa bei Irak oder Afghanistan mitreden können und Frieden bewahren?

Also wenn ich mich selber zum Westen zählen würde und auf ihren Platz wäre, würde ich mir längst vera*scht vorkommen. Schon allein wenn Politiker von Freiheit, Frieden und Demokratie in Zusammenhang mit geführten Kriegen sprechen, wenn doch so viele angeblich keinen Krieg wollen.

Was den Glauben an Frieden bei Bürgern in Westen und Osten angeht, so habe ich persönlich das Gefühl ist der Osten, zumindest der Iran dem Westen weit voraus. Die gehen dort auf die Straßen und demonstrieren gegen ihre konfrontationslustige Regierung, obwohl es gefährlicher sein soll, als hier.

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